Dienstag, 21. Oktober 2008

AIDS Im Labor erzeut?

Diese und ähnliche Verschwörungstheorien geistern ja immer wieder durch die Netzgemeinde. Zum Beispiel bei Freenet, wo Lars Fischinger immer wieder die abstrusesten Thesen vertritt. Wie eben die oben genannte, nach der AIDS wohl künstlich erzeugt worden sein soll. Nein, natürlich vertritt er diese These nicht, aber er stellt nur Fragen und ist halt gegenüber der Schulmeinung kritisch. Eine beliebte Taktik der Pseudowissenschaftler, die man immer wieder antrifft. Nur eben nicht konkret werden, damit man einen nicht irgendwo festnageln kann und es immer einen letzten Ausweg gibt, wenn die These dann doch zusammenbricht. So vermeidet man die Nieten, kann aber dem gegenüber jeden noch so an den haaren herbeigezogenen Treffer registrieren.
Gehen wir das doch einmal systematisch durch:

Eine These, die vor allen in den USA seit Jahren für Wirbel sorgt. Denn tatsächlich gibt es einige sonderbare Punkte, die die Vertreter dieser Hypothese immer wieder ins Feld führten.

Ja, sonderbare Thesen kommen immer mit sonderbaren Punkten, die sich aber meist bei näherem Hinsehen wie Nebel verflüchtigen.

Und jene Menschen, die glauben, dass AIDS tatsächlich ein künstlich hergestelltes Virus ist, haben in ihren Reihen eine ganze Menge prominenter Anhänger. In Deutschland ist es vor allem der Sänger Christian Anders, aber auch US-Berühmtheiten wie der Schauspieler Bill Cosby teilen diese Ansicht.

Nun, das klingt ja nach erlesenen "Experten". Besonders Herr Anders, auch unter dem Pseudonym "Lanu" bekannt, vertritt ja so manche krude Idee. Hoffentlich verwechselt Herr Fischinger das jetzt nicht mit Argumenten .
OK, jetzt kommen die Fakten....

Die ersten offiziellen Fälle von AIDS-Erkrankungen wurden im Jahre 1979 in Manhattan bei Homosexuellen diagnostiziert, weshalb AIDS schnell den Ruf einer "Homo-Krankheit" bekam.

Was ist davon zu halten? Naja, nicht allzu viel. Aber damit soll deutlich gemacht werden, dass AIDS zu allererst in den Staaten auftrat. Das allerdings ist ein hübscher Mythos, aber auch nicht mehr. Fischinger gibt dazu auch keine Quelle an, und er hat sich auch keine wirkliche Mühe gemacht, dem Sachverhalt mal nachzugehen. Denn hätte er er das getan, wäre im einiges aufgefallen. So trat AIDS nicht im New York des Jahres 1979 in das Licht der Welt, sondern schon erheblich früher. Dass es dabei nicht so viel Aufmerksamkeit erlangte wie die genannten Fälle in den USA liegt unter anderem daran, dass sie selten waren, vereinzelt vorkamen und oft auch in abgelegenen Gegenden der Welt. Das fängt mit einem Seemann aus Manchester (1) an, der 1959 an AIDS-ähnlichen (2) Symptomen starb. Die Art seiner Symptome legt zumindest den Verdacht nahe, hier einen der ersten AIDS Toten zu haben. Und auch in Blutplasmaproben aus dem Kongo von 1959 (3) konnten HIV Antikörper nachgewiesen werden. Gleiches gilt für Lymphgewebe von 1960 aus derselben Region. Die gefundenen Virensequenzen unterschieden sich bereits deutlich, so dass das Virus demnach schon längere Zeit mit dem Menschen Kontakt gehabt haben muss. Vergleiche der Virussequenzen mit denen seiner angenommenen Vorfahren SIV zeigen, dass der mögliche Sprung vom Affen auf den Menschen bereits um 1908 stattgefunden haben könnte (4).

Die Vertreter der These von der künstlichen Herkunft des Virus verweisen auf den Umstand, dass das erstmalige Auftauchen des Virus genau mit dem Zeitpunkt zusammenfällt, als die USA Impfungen gegen Hepatitis B (ebenfalls eine durch sexuellen Kontakt übertragbare Krankheit) bei Homosexuellen und bisexuellen Menschen durchführte.

Nun, das scheint also so nicht ganz haltbar zu sein. Eigentlich fällt damit das ganze Gebäude in sich zusammen.

Üblicherweise nimmt man an, dass AIDS seinen Ursprung in Afrika hat und durch den Verzehr von Affenfleisch von den Tieren auf Menschen übertragen wurde.

Das dürfte wohl auch die wahrscheinlichere Entstehungsvariante sein. Weit wahrscheinlicher jedenfalls als die krude Story, die uns hier von Herrn Fischinger aufgetischt wird.
Das HIV ähnelt seinem Verwandten, dem SIV s stark, dass es wohl von diesem auch abstammt. Mit großer Wahrscheinlichkeit von dem SIV der Pan troglodytes troglodytes befällt (3, 5, 6).
dass die Geschichte weit komplizierter ist, als man gemeinhin annahm, zegen die neueren Untersuchungen zum HIV-Stammbaum (4), nach denen SIV auch bei den Meerkatzen, Makaken und Mangaben eventuell noch ein junges Phänomen ist und dort erst seit ca. 125 Jahren vertreten ist.

Der plötzliche Ausbruch der Krankheit bei Homosexuellen in den USA und bei der afrikanischen Bevölkerung gleichzeitig jedoch bleibt rätselhaft.


Was ein unbedarfter Pseudowisssenschaftler halt so als gleichzeitig benennt.

(1) Williams, G. et al. (1960), The Lancet 276, 7157, 951-955
(2) Williams, G. et al. (1983), The Lancet 322, 8359, p.1136
(3) Balter, M. (1998): 279, 5352, p.801
(4) Pennisi, E. (2008): ScienceNOW Daily News 25 June 2008
(5) Gao, F. (1999): Nature, 397, 6718, 436-441.
(6) Zhu, T. (1998): Nature 391, 594-597
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