Donnerstag, 23. Oktober 2008

Der "Böse" Wolf

(Foto: Gunnar Ries, Wikimedia Commons, creative Commons share alike attributions 3.0 )

Irgendwie kann ich meine Mitmenschen manchmal nicht so recht verstehen. Da kämpfen wir buchstäblich um jeden Löwen und um jeden Elefanten in Afrika. Und wir belehren die dortigen Menschen gerne, dass sie sich mit den großen Wildtieren doch bitte schön arangieren sollten. Dass sie nicht einfach den Elefanten töten, der ihre Felder zerstört oder den Leoparden, der ihre Herden dezimiert. Und wir fühlen uns dann großartig. Wir haben dann die Moral ja auf unserer Seite, gebildet und aufgeklärt wie wie sind. Wir ghaben die ungebildeten Völker dieser Erde mal wieder davon abgehalten, ein Stück Natur zu zerstören. Ja, natürlich hätten wir ja auch gerne eine intakte Wildbahn, aber leider, ja wirklich leider haben unsere Vorfahren alle großen und gefährlichen Tiere ausgerottet. Das tut uns dann immer so furchtbar leid, und daraus ziehen wir unseren Auftrag, für ein gesundes Miteinander all der großen und potentiell gefährlichen Tiere in fernen Ländern und den dortigen Menschen zu kämpfen.
Da aber die Natur gerne ein klein wenig ironisch ist, lässt sie in jüngster Zeit ein potentiell gefährliches Wesen wieder bei uns einwandern. Ja also ehrlich, das sehen wir natürlich dann nicht ganz so gerne, nicht wahr? Was soll das überhaupt heissen? Dann könnten wir ja nicht mehr sorglos im Wal und auf der Heide herumspazieren? Spass beiseite. Rund 40 Wölfe haben sich in Deutschland wieder angesiedelt. Aber für viele Menschen ist das kein Grund zur Freude, sondern ein Grund zur Furcht. Bei Schägfern kann ich es ja noch verstehen. Aber auch da kann man simple Maßnahmen ergreifen. Wer auch immer dem Schäfer erzählt hat, ein 90 cm hoher zaun und ein 1,4 m hohes Flatterband könnte einen Wolf aufhalten, der war anscheinend nicht ganz bei trost. Und der Scghäfer hatte wohl auch seinen Verstand in die vorgezogene Mittagspause geschickt. Hat er sich schon einmal angschautz, welche Hindernisse sein Hund überwinden kann? Und welche Annahme hat ihn getrieben zu glauben, ein Wolf sei nicht zu ähnlichen oder sogar noch größeren Leistungen fähig? Aber immerhin hat er jetzt Herdenschutzhunde. Wozu haben unsere Vorfahren die wohl gezüchtet? Wer in einem Wolfsrevier seine Schafe so sträflich gesichert nachts alleine lässt, hat anscheinend einen Fehler gemacht. Billig ist es, dafür dem Wolf die Schuld zu geben. Was mich aber ankotzt sind Jäger, die allem Anschein nach Schussgeil auf den Wolf sind. "Man kann ohne Messer nicht mehr in den Wald gehen." Erstens wird ein gesunder Wolf keinen Menschen angreifen. Man wird von ihm bestenfalls die Rute sehen, wenn er sich von einem entfernt. Hier wird in unverantwortlicher Manier Angst geschürt. Natürlich nicht ohne Hintergedanken (Vergleichbares gibt es beim Luchs): Wo der Wolf auftaucht, muss sich der Jäger den Wildbestand mit ihm teilen. Und der Mensch teilt halt nicht gerne. Zumindst nicht selber. Von anderen (siehe Afrika) verlangt er es mit großer Selbstverständlichkeit. Und Wild, das mit Wölfen konfrontiert wurde, wird sich scheuer verhalten und ist schwerer zu jagen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie weit wir uns hier in Deutschland von der Natur entfernt haben. Anstatt Wölfe als Bereicherung zu betrachten und unser eigenes Verhalten entsprechend einzurichten, wird lieber wieder geschossen. Tiere haben entweder friedlich kuschelig oder essbar zu sein. Dazwischen lassen wir ihnen keinen Platz. Traurig. Wir sollten nicht vergessen, dass der Wolf nicht nur der Stammvater unserer Hunde (von uns oft allzu leichtfertig als "bester Freund" betitelt) , sondern ein hochsoziales Wesen, das uns in sehr vielen Dingen recht ähnlich ist.
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,585259,00.html
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