Donnerstag, 30. Oktober 2008

Wer nicht schreiben kann, kann auch nicht denken

Ist das wirklich so? Dass in der Wissenschaft das Fachchinesisch nur gepflegt wird, um eine mangelnde Substanz zu verschleiern? Ich sehe das durchaus anders. Es mag ja angehen, dass hier und da Worthülsen verwendet werden, deren genaue Bedeutung dem Autor nicht geläufig ist, und die dort nur als Nebelkerzen dienen, damit das Pamphlet halbwegst wissenschaftlich aussieht. Eine Vorgehensweise, die mir besonders aus dem Bereich der Pseudowissensachaft bekannt vorkommt. In den allermeisten Fällen dürfte aber das Fachvokabular eine Verständigung unter den Fachleuten erleichtern. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob sie Wissenschaftler, Sportler oder Seeleute sind. Die Dinge haben einen Namen bekommen, damit man Kollegen leichter versteh, worüber sie gerade sprechen/schreiben oder was sie von einem wollen. Was unter Fachkollegen ohne Probleme und Mussverständnisse funktiuoniert, kann natürlich in der Kommunikation mit Laien der jeweiligen Richtung zu Problemen führen. Dann kann es schon darauf ankommen, auch komplizierte Sachverhalte (für sie eben sonst wenige Fachworte reichen) so rüberzubringen, dass der Empfänger sie auch versteht. Ich erinnere mich an ein Erlkebnis als Mitsegler auf einem Großsegler, wo mir ein Matrose auch die endlos komplizierte Takelage erklärte und die vielen Namen für das stehende und vor allem ads laufende Gut. Irgendwann habe ich ihm dann gesagt; Mein Boot, das ich normalerweise fahre, hat einen Mast, zwei Segel, zwei Fallen und zwei Schoten. Sag also einfach,; "zieh daran oder fier dies, dann geht das schneller". Wie man aus dieser kleinen fachfremden Episode schnell erkennen kann, ist der Inhalt wichtiger als die sprachliche Verpackung. Ich neige ja auch gerne zu einer "innovativen" Rechtschreibung., und die Nebensätze mögen ja auch nicht immer passend gesetzt sein. Ich hoffe aber dennoch, die Inhalte rüberzubringen. Wer aufgrund (mehr oder weniger) vereinzelter Schreibfehler die Lektüre aufgibt, ist wohl auch nicht wirklich an dem Thema interessiert, oder ihm fehlen (bei konträrer Meinung) schlicht die passenden Argumente, so dass er sich auf eine andere Diskussionsbasis zurückzieht. Wobei ich nichts gegen Hinweise auf explizte Fehler habe, vor allem wenn sie den Lesegenuss stark stören oder gar fachlich in die Irre führen.
http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/10/wer-nicht-schreiben-kann-kann-auch-nicht-denken.php
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