Mittwoch, 5. November 2008

Der London Hammer

Zillmer (1998) gibt eine genauere Beschreibung des Hammers und seines Fundes. So soll der Stiel Außen versteinertes Holz und innen Holzkohle sein, der Hammerkopf besteht aus 96,6 % Eisen mit 2,6 % Chlor und 0,74 % Schwefel. Die Analysen sollen im Batelle Memorial Laboratory unternommen worden sein. Angeblich soll es laut dem Autor keine Stähle ohne Kohlenstoff geben (die es aber trotzdem gibt). Ich möchte hier aber noch einen Punkt anmerken: Die Analysemethode. Zerstörungsfreie Analysemethoden haben oft einige Nachteile. Dies gilt besonders für die so genannten leichten Elemente unterhalb der Ordnungszahl 10, also auch Kohlenstoff mit der Ordnungszahl 6. Diese Elemente beziehungsweise ihre charakteristischen Röntgenstrahlen haben das Problem, dass sie niedrige Energien und lange Wellenlängen aufweisen (die so genannten K-Linien, die meist verwendet werden). Das zwingt sowohl die wellenlängendispersieve (WDX) als auch die energiedispersive (EDX) Röntgenanalytik zu einigen Kunststückchen. Für die WDX werden hier besondere Anforderungen an die Analysatorkristalle gestellt, die nicht von jeder Analyseeinrichtung erfüllt werden. Und für die EDX gilt, dass Kohlenstoff zwar gut detektierbare Röntgenstrahlen aussendet, aber die weitaus meisten EDX Anlagen ihren Detektor hinter einem Fenster aus Beryllium verbergen. Und dieser hat die unangenehme Eigenschaft, genau diese Energien zu absorbieren. Möglich also, dass die Analytik des betreffenden Instituts diese Anforderungen nicht erfüllte, und daher den Kohlenstoff in ihrer Analyse nicht weiter aufführte.

Gefunden wurde er im Jahr 1934 in der Nähe der Kleinstadt London im Bundesstaat Texas, damals komplett im Sandstein eingeschlossen. Allerdings haben selbst kreationistische Autoren zugegeben, das der Stein mit dem Hammerkopf nicht direkt am anstehenden Fels befestigt gewesen ist (Mackay 1985).
Auch die abgerundete Form des Sandsteines um den Hammer deutet darauf hin, das er nicht erst gewaltsam vom Muttergestein gelöst wurde. Damit ist natürlich eine Gleichaltrigkeit von Umgebungsgestein und Hammer nicht mehr automatisch gegeben. Bei der Datierung des Fundes gibt es unter den Kreationisten bislang erhebliche Meinungsverschiedenheiten. So stellt Carl Baugh, der derzeitige Besitzer, ihn in das Ordovizium (Baugh 1986). Bei anderen Autoren schwanken die Datierungen etwas. So sieht Mackay (1983) ihn in Kalkstein von 300 Millionen Jahren, Mackay (1984) dann im Ordovizium, vor 400 Millionen Jahren, was allerdings, am Rande bemerkt, unteres Devon wäre.

Zillmer (1998) datiert ihn auf 140 Millionen Jahre und damit in die unterste Kreide.

Allerdings gehört nach Zillmer (1998) die Fundgegend ebenso wie die Gesteine des Paluxy River zum Llanos uplift, was sicher für ein kreidezeitliches Alter sprechen würde. In der Gegend um London / Texas stehen die Hensel Sandsteine der Travis Formation an, die mit 110 – 115 Millionen Jahren in das Aptium der Unterkreide gehören. Die Gesteine liegen unter denen der Glen Rose Formation. Auch wenn Zillmer (1998) behauptet, das der Hammer nach den vorliegenden Analysen nicht mit heute bekannter Technik und unter den heutigen atmosphärischen Bedingungen hergestellt worden sein kann, stellt Cole (1985) fest, das der Hammer vergleichbaren Hämmern gleicht, wie sie im 19. Jahrhundert bei amerikanischen Bergleuten in Gebrauch waren. Und das würde auch den Fund durchaus erklären können. Wenn damals ein Bergarbeiter seinen Hammer verloren hätte, könnten lösliche Minerale umgebendes Lockergestein um das Werkzeug gehärtet haben. Es bildet sich eine sogenannte Konkretion. Schon die Form des Hammers selber deutet auf ein, verglichen mit den aufgestellten Behauptungen, junges Alter hin. Warum sollte jemand, der vor mehr als 100 Millionen Jahren eine angeblich so überlegene Metallurgie besaß, einen Hammer herstellen, der ausgerechnet denen aus dem 19. Jahrhundert in Amerika gebräuchlichen ähnlich sieht?

Baugh, C. E. (1986): Creation Evidences in Color. Creation Evidences Museum. Glen Rose, TX.

Cole, J. R. (1985): If I Had a Hammer. Creation/Evolution. 5(1):47-56.

Mackay, J. (Hrsg) (1983): "Fossil Hammer". Creation Ex Nihilo April 1983. Vol. 1, No. 4.

Mackay, J. (Hrsg) (1984): "Ordovician Hammer Report". Creation Ex Nihilo Feb. 1984. Vol. 2, No. 3.

Mackay, John (Hrsg)(1985): "Pre-Flood Hammer Update". Creation Ex Nihilo Nov. 1985. Vol. 8, No. 1.

Zillmer, H.-J. (1998): Darwin´s Irrtum – vorsintflutliche Funde beweisen: Dinosaurier und Menschen lebten gemeinsam. Langen Müller, München.
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