Mittwoch, 5. November 2008

Die Paluxy River man Tracks

Da haben meine besonderenFreunde von der Paläo-SETI Fraktion von den amerikanischen Kreationisten gelernt. Allerdings mit einer reichlichen Zeitverzögerung. Und während die Kreationistengemeinde diese schon seit längerer Zeit nicht mehr auf die Tagesordnung setzt, versteifen sich die Pseudowissenschaftler immer verkrampfter darauf. Bermerkenswerter Weise werden sie in diesem Tun von manchen Kreationisten wieder deutlich kritisiert. Ud mich verwundert, dass dieses nicht zu irgendeiner bemerkbaren Reaktion führt. Ein gutes Beispiel für die Sichtweise heutiger Kreationisten auf diese vorgeblichen Menschenspuren bieten Siegfried Scherer und Richard Wiskin von Wort und Wissen.

Mich verwundert es immer wieder, dass diese Spuren immer noch als "Beleg" angeführt werden.

Es hat sich nämlich sehr zum Schrecken der amerikanischen Kreationisten herausgestellt, das es sich auch bei den menschenähnlichen Spuren um die Fußabdrücke von Dinosauriern handelt. Zuvor allerdings waren die sogenannten „Man Tracks“ ein gefundenes Fressen für die wachsende Gemeinde der amerikanischen Kreationisten, die endlich einen Fund hatten, der die Evolution widerlegen und die biblische Schöpfung sowie die Fossilbildung durch Noahs Flut belegen konnte (Burdick, 1950, Whitcomb & Morris 1961).

Dabei soll jetzt keine Rolle spielen, dass manche der frühen kreationistischen Schriften sich auf tatsächlich gefälschte Menschenspuren bezogen (Morris 1980).


In den 1970´er Jahren wurden die Menschenspuren des Paluxy River regelmäßig in kreationistischen Schriften behandelt. Besonders hervorzuheben sind hier die Arbeiten aus der Bible-Science-Association (BSA) und dem Institute of Creational Research (ICR). Der Höhepunk war zweifellos das Buch von Morris 1980, der am ICR tätig war. Dieser Morris war im Übrigen der Sohn des Direktor des ICR, Henry Morris, dem Co-Autoren von Whitcomb & Morris 1961.

Die Schulwissenschaft ignorierte diese Schriften und die vermeintlichen Menschenspuren lange Zeit. Wenn sich dennoch mal ein seriöser Wissenschaftler des Problems annahm, dann wurden die Spuren generell als gefälscht, Erosionsspuren oder Fußabdrücke zweibeiniger Dinosaurier angesehen (Langston 1979). Diese Darstellung trifft allerdings nicht voll die Tatsachen. Denn es finden sich neben Fälschungen und deutlichen Erosionsmarken eben auch menschenähnliche Fährten, die deutlich von zweibeinigen Wesen stammen müssen.


Inzwischen wurden einige der dort arbeitenden Kreationisten immer wagemutiger. Ein Baptistenprediger namens Carl Baugh, der angeblich mehrere akademische Titel in Naturwissenschaften und Theologie erlangt haben will, allerdings aber nach Kuban (1989) keinen besitzt, trat in die Bildfläche. Baugh will sogar erkennen können, ob die betreffende Spur von einem Mann oder einer Frau stammt (Baugh 1982).


Als die angeblichen Menschenspuren dann von Paläontologen untersucht wurden, konnten auch hier Dinosaurier als Verursacher dingfest gemacht werden. Allerdings zeigte sich auch, das man über die Fortbewegung von Dinosauriern noch lange nicht alles weiß. Denn die länglichen Spuren machten deutlich, das Saurier nicht nur, wie bislang angenommen, auf den Zehen gingen, sondern einige Spezies zumindest teilweise den gesamten Fuß, also inklusive der Sohle bis zur Ferse, aufsetzten, manche Dinosaurier wechselten sogar ihre Gehweise innerhalb einer Spur (Kuban 1986a).

Hinzu kommt, das sohlengängerische Dinosaurierspuren ohne die charakteristischen Saurierzehen menschlichen Spuren durchaus entfernt ähnlich sehen. Daher dürften auch die frühen Sichtungen sogenannter „Riesenspuren“ stammen. Vor allem, wenn man bedenkt, das solche Spuren in der Gegend um Paluxy wohl häufig zu finden sind.

Einige weitere Hinweise darauf das Dinosaurier die Urheber der Spuren waren, fanden sich in der sogenannten Taylor Site, wo die Spuren nicht nur durch ihre Topographie begrenzt waren, sondern noch deutlicher durch Verfärbungen, die von blaugrau bis rostrot reichten. Diese Verfärbungen enthüllten nach Kuban (1986b) und Hastings (1987) auch bei den menschenähnlichen Spuren deutliche Saurierzehen eines dreizehigen Dinosauriers. Die Sedimentverfärbungen werden auf sekundäre Sedimentfüllungen der Spuren kurz nach ihrer Bildung zurückgeführt. Je mehr diese sekundären Verfüllungen jetzt aus der Spur herauswittern, desto mehr verwandelt sich die einstmals entfernt menschenähnliche Spur wieder in die ursprüngliche Saurierspur zurück. Inzwischen wurden auch außerhalb des Gebietes um Paluxy Spuren von Sauriern als Sohlengänger gefunden, ebenso wie Spuren mit vergleichbaren charakteristischen Sedimentverfüllungen.

Schon bald nach diesen Veröffentlichungen begannen immer mehr Kreationisten von den Behauptungen Carl Baughs abstand zu nehmen. Im Laufe der Zeit wurden die angeblichen Menschenspuren von vielen Vertretern kreationistischer Sicht nicht mehr als Beleg für ihre Thesen verwendet (Burrows. 1986, Morris 1986a, b, Scherer & Wiskin 1986). Heute wird nur noch von einigen unentwegten die Behauptung aufrechterhalten, das es sich unter den Spuren im Paluxy Gebiet menschliche Fußabdrücke befinden, zu ihnen gehört neben Carl Baugh (Holden 1996) auch der Solinger Bauingenieur Zillmer (1998).

Baugh, C. E. (1982): Enemies Survived Together for A While (Video Tape). Creation Evidences Museum, Glen Rose, TX.

Burdick, C. C.,( 1950): When Giants Roamed the Earth. Signs of the Times, July 25, p. 6,

Hastings, Ronnie J, (1987): New Observations on Paluxy Tracks Confirm Their Dinosaurian Origin. Journal of Geological Education, Vol. 35, No. 1, pp. 4-15.

Holden, C. (1996): Anti-Evolution TV Show Prompts Furor. Science 271, p. 1357.

Kuban, G. J.: (1986a): Elongate Dinosaur Tracks. In Gillette, David D. and Martin G. Lockley, (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces, 1989, Cambridge University Press, pp. 57-72

Kuban, G. J. (1986b): Color Distinctions and Other Curious Features of Dinosaur Tracks Near Glen Rose, Texas. In: Gillette, David D. and Martin G. Lockley, eds., Dinosaur Tracks and Traces, 1989, Cambridge Univ. Press, p. 427-440

Kuban, G. J. (1989): A Matter of Degree: An Examination of Carl Baugh's Credentials. NCSE Reports, Vol. 9, No. 6, p. 15- 20.

Langston, W., Jr. (1974): Nonmammalian Comanchean Tetrapods. Geoscience and Man, Vol. 8, pp. 77-102.

Morris, J. D. (1980): Tracking Those Incredible Dinosaurs. San Diego, CA, Creation-Life Publishers, 240 pp.

Whitcomb, J. C., and Henry M. Morris (1961): The Genesis Flood. Baker Book House, Grand Rapids, MI, pp. 173-175.

Zillmer, H.-J. (1998): Darwin´s Irrtum – vorsintflutliche Funde beweisen: Dinosaurier und Menschen lebten gemeinsam. Langen Müller, München
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