Freitag, 7. November 2008

Klerksdorp Sphären


In den Weiten des Internets werden ja viele Thesen verbreitet. Manche davon berühren geologische Fragen und kommen damit naturgemäß auf mein Territorium. Zumal, wenn sie entweder die geologische Zeitrechnung in Frage stellen oder die Evolution widerlegen wollen. Meist wollen sie beides zugleich. Ein Beispiel dieser Klasse sind die sogenannten Klerksdorp Sphären. Oben ist als Beispiel dieser Objekte eine dreifach sowie eine einfach gerillte Kugel abgebildet. Verschiedene Seiten über Paläo-SETI, Kreationismus und dergleichen bemühen diese Funde, um die Evolutionstheorie zu widerlegen. Beispiele finden sich hier, hier und hier. Bleiben wir erst einmal bei der hinduistischen Sicht der deutschen Seite von Gaurahari.

"über die letzten Jahrzehnte haben südafrikanische Minenarbeiter Hunderte von misteriösen metallischen Kugeln ausgegraben, deren Herkunft völlig unbekannt ist. Einige davon, die zudem über den "Äquator" drei eingravierte und parallel verlaufende Linien besitzt, befindet sich im Museum von Klerksdorp, Südafrika. Ihr Durchmesser beträgt ca. 2,5 cm."

Bis auf den Ort und die Größe sind ja nicht viele brauchbare Angaben zu finden. Und natürlich die drei ominösen Linien. Aber es geht ja noch weiter:

"Der Kurator, Roelf Marx sagt: "Diese Kugeln sind ein grosses Mysterium. Sie sehen menschengemacht aus, obschon zu dieser Zeit noch gar kein intelligentes Leben auf der Erde war... Sowas hab ich noch nie gesehen."

Der Kurator sagt das? Und sie sehen aus als ob. Das würde ich nun aber nicht gerade eine brauchbare Aussage nennen. Schon gar nicht, wenn ich auf ihr ein Weltbild errichten will oder eine Theorie widerlegen möchte.

"Desweiteren erklärt er 1984 in einem Brief an Cremo, dass es über diese Funde noch keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen gibt. Sie wurden in Pyrophyllit, in einer präkambrischen mineralischen Ablagerung (ca. 2.8 Milliarden Jahre alt), in der Nähe der Kleinstadt Ottosdal gefunden. Sie sind so hart, dass sie nicht mal mit Stahl zerkratzt werden können."

Das ist ja schon etwas mehr. Fangen wir doch mal mit dem Pyrophyllit an. Pyrophyllit ist ein Schichtsilikat von geringer Härte (Mohs Härteskala bei 1 - 2, die Angaben schwanken ein wenig). Die Formel lautet: Al2[(OH)2/Si4O19]. Es entsteht unter den Bedingungen der Metamorphose oder Metasomatose aus Alumosilikaten.
Was die Härte der Kugeln angeht, die so hart sind, dass nicht mal Stahl sie ritzen kann, klärt uns schon ein einfacher Blick auf die Mohs´sche Härteskala auf. Minerale der Härte 5 sind mit dem Messer (Stahl) noch ritzbar, die der Härte 6 nur noch mit einer Stahlfeile. Darüber ist dann Feierabend. Bedeutet im Klartext, dass bereits Feldspat vom Messer unbeeindruckt ist und Quarz keine Stahlfeile mehr fürchtet. Schon in älteren Berichten (Nel, LT., H. Jacobs, J.T. Allen and G.R. Bozzoli 1937. Wonderstone. Geological Survey of South Africa Bulletin no. 8.) über die Fundstelle wurden Pyritknollen beschrieben. Pyrit hat eine Härte von 6 bis 6,5, also durchaus hart genug, um sich von (handelsüblichem) Stahl nicht ritzen zu lassen. Pyrit kann auch kugelförmig auftreten. Neuere Untersuchungen der Kugeln (Heinrich, P.V. 2007. South African concretions of controversy: South African Lapidary Journal. vol. 39, no. 1, pp. 7-11.) mit petrographischen Methoden und Röntgendiffraktometer haben ergeben,
dass sie aus Hämatit (Fe2O3) oder Wollastonit (CaSiO3) bestehen. Wollastonit hat eine Härte von 4,5 bis 5, müsste das Messer also noch fürchten. Hämatit hat 6 bis 6, und sollte, ebenso wie der Pyrit, da unbeeindruckt bleiben. Auch Hämatit bleibt gerne kugelig. Einige der von Heinrich (2007) untersuchten Kugeln zeigte ebenfalls die charakteristischen parallelen Linien. Abgesehen davon, dass verschiedene Protagonisten behaupten, dass die Kugeln stets einzel auftreten, fanden sich auch Gruppen ineinander verwachsener Knollen, wie sie für viele der kugeligen Mineralaggregate typisch sind. Im frischen Pyrophyllit kommen sie als Pyrit, in den verwitterten Zonen als Hämatit vor. Und die parallelen Linien weisen auf das feinlaminierte Substrat hin, in dem die Kugeln als Konkretionen gewachsen sind. Vergleichbares zeigen auch die bekannten Mocqui Murmeln. Die Konkretionen haben sich aus Lösungen gebildet, die in dem umgebenden Gestein zirkulierten. Die feineren Schichten mit vergleichsweise undurchlässigem Material verhinderten das Eindringen der Lösungen und simit dort das Wachstum der Konkretionen.
Wie das sonst bei vielen der angeblich rätselhaften Funde so üblich ist, strotzen auch hier die Berichte von Unwahrheiten, Flaschdarstellungen und teilweise dreisten Lügen. Mal wird dem armen Kurator unterstellt, er hätte behauptet, die Kugeln würden sich auf unerklärliche Weise in dem Museum drehen. Auf Anfrage hat dieser aber erklärt, dass sie sich aufgrund der Erschütterungen durch die vielen Sprengungen der Minen bewegten.
Vielleicht sollte man noch die Urquelle der Geschichte kurz beleuchten: Jimison, S. 1982. Scientists baffled by space spheres: Weekly World News (July 27, 1982). Wer sich auf dieses Produkt (ich möchte es wirklich nicht Zeitschrift nennen) beruft, verdient eigentlich eine Bauchlandung. Weekly World News wollte ja auch schon Hillary Clinton ein Alien Baby unterschieben.
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