Dienstag, 11. November 2008

Organspendepflicht für ALG II Empfänger?

Diese Nachricht hat dann doch einigermaßen schockierende Wirkung. Und sie lässt vermuten, dass der Bayreuther Volkswirtschaftler Prof. Peter Oberender ein klein wenig zu viel Soylent Green gesehen hat. In einem Interview blafaselte er über die Möglichkeit, einen legalen Markt für Spenderorgane (auch aus der dritten Welt) zu schaffen. Menschen in existentiellen Notlagen solle so die Möglichleit gegeben werden, über eine Versteigerung ihrer Organe die zum überleben notwendigen Mittel zu beschaffen.
"Es ist doch folgende Situation: Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren. So muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit haben, durch den Verkauf von Organen und zwar geregelten Verkauf … ähnlich der Börse, dass man sagt, wer ist zugelassen zu dem Handeln. Es muss auch geprüft werden, wer darf das Organ entnehmen. Und dann wird praktisch das Organ versteigert."
Habe ich das richtig verstanden? Über den Verkauf seiner eigenen Organe den Lebensunterhalt zu bestreiten, hält dieser Typ für einen gangbaren Weg? Quasi ausschlachten und versteigern, Vorzugsweise aus der dritten in die erste Welt, aber das Ganze ginge sicher auch mit Leistungsempfängern hierzulande, wie bei telepolis angemerkt wird. Denn von ALG II Empfängern wird verlangt, alles legale zu unternehmen, um die Hilfsbedürftigkeit zu verringern. Das dürfte dann eine Niere sicher mal drin sein, oder? Ach, und braucht eigentlich jeder Mensch unbedingt zwei Augen? Zum Glück haben unsere Altvorderen den seltsamen Phantasien ihrer Nachfahren einen hübschen Riegel vorgeschoben; Das Grundgesetz. Das regelt bereits im ersten Artikel
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Und der zweite Artikel (Abs. 2) präzisiert noch:

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Körperliche Unversehrtheit schliesst eine zwangsweise Spende von Organen wohl aus. Zumindest im Geltungsbereich des Grundgesetzes, aber wie sieht es eben mit ärmeren Ländern der so genannten Dritten Welt aus?

Vor allem Länder wie Indien - in denen heute ein großer Graumarkt für Organspenden existiert - würden von so einem Geschäftmodell profitieren, sagt Peter Oberender. Sie würden höhere Preise erzielen, wenn sie ihre Organe wie bei Warentermingeschäften oder Wertpapierbörsen anbieten könnten.

Wollen wir wirklich von dort Organe importieren, als einzige Möglichkeit der Leute in den betreffenden Ländern, an der Weltwirtschaft teilzunehmen? Wollen wir wirklich eine Börse für Organe einrichten? Möglicherweise mit all den an den Börsen heutzutage üblichen Spekulationsgeschäften? Wie schön sich da Geld verdienen lässt, haben die Aussschläge an den Rohstoffmärkten in diesem Jahr sehr hübsch gezeigt. Und Nieren, Lebern, Augen etc. sind schliesslich (wenn wir schon einmal emotionslos sein wollen). Organe als Spekulationsobjektem deren Preis von Investoren hochgetrieben wird??

Interessant ist bei der Geschichte, dass Herr Oberender auch gerne für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft auftritt und dort als Gesundheitsexperte fungiert. Allem Anschein nach füllt ihn sein Job an der Universität Bayreuth nicht richtig aus.

Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!




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