Mittwoch, 12. November 2008

Zillmer: Großsäuger und Saurier

In meiner kleinen Polemik gegen Zillmers Irrtümer der Erdgeschichte hatte ich mich ja ausführlich über den Unterschied zwischen Großsäugern und Ordnungen der Säugetiere ausgelassen und die Unfähigkeit von Herrn Zillmer, diesen Unterschied zu erkennen. Das konnte Zillmer natürlich nicht so stehen lassen. Geht es hier doch immerhin um nichts weniger als um ein Kernstück seiner Zeitkürzungstheorie.

Wer hier verwirrt ist, sollte der Leser selbst beurteilen. Um die Jahreswende 1998/1999 fand im Internet bei „Nature“ eine heftige Diskussion unter Experten statt. Denn klar ist, dass während der Dinosaurier-Ära nur rattengroße, primitive Säugetiere gelebt haben sollen. Erst mit dem Ableben der Saurier vor 65 Millionen Jahren entwickelten sich die Säugetiere zu komplexeren und größeren Formen. Wenn man diese Entwicklung der Säugetiere 35 Millionen in die Erdvergangenheit zurückverlegt, beginnt die Entwicklung auch 35 Millionen Jahre früher. Ries schreibt selbst, dass sich die 5 Hauptlinien der Saeugetiere bereits nach Kumar/Hedges in der Kreide entwickelt haben sollen. Das setzt erst einmal eine lang andauernde Entwicklung nach der Evolutionstheorie voraus. Das ist eine Wissenschaftsrevolution der Theorien!!!! Umdenken wäre angebracht. Aber das hat Ries nicht nötig, sondern spricht von schrägen Darstellungen in „Irrtümer der Erdgeschichte“. Das Fabulieren über irgendwelche Größenverhältnisse von Säugetieren oder Haarspaltereien über die „Großsäuger oder größere Säugetiere“ dient Ries nur der insgesamt angewendeten Vernebelungs- und Rhetorik-Taktik: Nur nicht mit dem eigentlichen Problem beschäftigen. Jeder kann den Artikel bei Nature, bei Bild der Wissenschaft o.ä. nachlesen. Auf jeden Fall ist eine Vorverlegung der Entwicklung größerer und komplizierterer Säugetiere in die Kreide eine Sensation und würde gravierende Änderungen der herrschenden Ansichten erzwingen.
Ich will überhaupt nicht bestreiten, dass damals eine Diskussion stattgefunden hat. Aber ich bestreite schlicht, dass man Zillmers Aussage "Gemeinsam mit den Dinosauriern lebten nicht nur Menschen, sondern auch grosse Säugetiere, wie die Untersuchung fossiler Erbsubstanz bestätigen. (Nature 392/1998) - Im Widerspruch zu den Dogmen der Evolutionstheorie." in irgendeiner Weise aus dem Artikel von Kumar/Hedges ziehen kann. Ebenso bestreite ich, dass es Dogmen in der Evolutionstheorie gibt, die vorschreiben, wann sich welche Tiergruppe entwickelt haben muss. Eine neue oder verbesserte Methode kann in der Wissenschaft immer neue Erkenntnisse bringen, die alte Ansichten über den Haufen wirft. Abgesehen davon hat das angebliche Dogma, dass zu Zeiten der Dinosaurier nur rattengroße Säugetiere lebten, nichts mit der Evolution der Hauptlinien der Säugetiere zu tun. Denn über die Größe der damals lebenden Säuger ist hier überhaupt keine Aussage getroffen worden. Und innerhalb einer Ordnung können ziemlich unterschiedliche Größenklassen vertreten sein, sogar bei relativ nahe verwandten Arten. Ich will hier nur auf die Wale verweisen, wo alleine die Zugehörigkeit zur Ordnung nichts über die Größe aussagt (die reicht vom Kalifornischen Schweinswal mit nur 1,5 m und 50 kg bis hin zum Blauwal mit über 150 t).
Zillmer zeigt aber auf beispielhafte Weise, wie Pseudowissenschaftler sich die Fakten soi lange zurechtbiegen, bis sie zu ihren kruden Thesen passen. Ich empfehle wirklich jedem, sich den Originalartikel aus Nature (Kumar, s., Hedges, S.B.(1998): A molecular timescale for vertebrate evolution, Nature 392 , 917-920.) zu Gemüte zu führen. Also nichts mit "Wissenschaftsrevolution der Theorien", den die Theorie ist nicht davon betroffen. Nur der Zeitablauf wurde neu umgestellt, weil neue Erkenntnisse hinzu kamen. Genau so funktioniert aber Wissenschaft. Das ist quasi das Alltagsgeschäft.

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