Donnerstag, 27. November 2008

Zillmer und die Plattentektonik, part 1

kommen wir erneut zu meinem Freund und seiner Stellungnahme auf meine kleine Polemik, diesmal das weite Feld vom Zillmer und seinem merkwürdigen Verständnis von der Plattentektonik. Ich hatte ihm vorgeworfen, dass er die Transformstörungen an den Mittelozeanischen Rücken als Neuentdeckung beschreibt, die nicht zu der Theorie der Plattentektonik passen würden. Dazu merkt Zillmer an:
(wer hat das denn behauptet?)

Nun kennt er denn seine eigenen Werke etwa nicht? In seinem Buch "Irrtümer der Erdgeschichte" schreibt er doch auf Seite 81 (Hervorhebung durch mich) :

Bisher ging man davon aus, dass die ozeanischen Schwellen kontinuierlich verlaufende Risse in den Ozeanböden darstellen. Aber auch dass ist eine falsche Vorstellung. Die mittelozeanischen Rücken sind in unregelmässigen Abständen von zahlreichen Störungen durchsetzt, sodass einzelne Abschnitte mit sehr unterschiedlichen Längen entstanden sind. Diese durch Zerstückelung entstandenen Bereiche sind of hunderte von Kilometern gegeneinander versetzt (Rona, 1988, S.141). Diese Bruchzonen werden auch als "Transformstörungen" ("Relay-Zonen") bezeichnet.


Bei einem Erscheinungsdatum von 2001 für sein Werk würde also jeder Leser annehmen, dass bis zum Ende des 20. Jahrhunderts dieser Sachverhalt Neu sei, oder? Wenn Herr Zillmer das nicht so meint, warum schreibt er das dann nicht so, wie er es in der Stellungnahme formuliert hat?

Wie Ries selbst schreibt, habe ich die Quellen angegeben. Mit „bisher“ ist natürlich die über Jahrzehnte fortlaufende Diskussion über die ursprüngliche Theorie der Plattentektonik im Sinne meiner fortlaufenden Ausführungen in „Irrtümer der Erdgeschichte“ gemeint, die bis zu der von mir angegebenen und auch Ries aufgeführten Veröffentlichung von Rona im Jahre 1988 oder auch ansatzweise von Dewey für unmöglich gehalten wurde.

Nicht, dass diese Darstellung die Sache unbedingt besser macht. Sicher haben Rona (1988) unfd Dewey (1987) die Transformstörungen in einem populären Artikel beschrieben. Aber das war bei weitem nicht der Start der Diskussion, und man hat derartige Störungen auch vor den genannten Veröffentlichungen nicht für Unmöglich gehalten. Zillmer will uns hier eine Diskussion vorgaukeln, eine Sensation, die es nicht gegeben hat, jedenfalls nicht für die Plattentektonik. Und nicht in den 1980´ern. Denn der Artikel von Dewey stammt ursprünglich von 1972, er wurde nur erst 1987 ins deutsche übertragen. Aber auch das ist nicht der Beginn einer Diskussion, wie Zillmer sie uns glaubhaft machen will. Die Beschreibung dieser so genannten Transformstörungen erfolgte bereits 1965 durch Wilson. Und dieser Artikel von Wilson (1965) markiert mit das Geburtsdatum der Theorie der Plattentektonik. Das bedeutet hier vor allem: Zillmer will eine Diskussion um die Plattentektonik vorgaukeln, die so nie geführt wurde. Nicht zu dem Zeitpunkt, nicht über die Theorie. Im Gegenteil, die Entdeckung dieser Klasse von Störungen war einer der Feldbefunde, welche die Entwicklung der von Zillmer kritisierten Theorie erst beflügelt hat. Damit stellen sie auch kein Problem für die Theorie dar. Und Zillmer hat erneut (mit seiner Stellungnahme) deutlich gemacht, dass er die kritisierten Theorien nicht einmal im Ansatz begriffen hat.

Wenn Ries das Problem der Tansformstörungen verharmlost und im Idealfall als Kleinkreise um den (welchen?, nur einen?) Rotationspol (oder falls überhaupt, vielleicht eher eine Rotationsache?) darstellt und so den Eindruck eines selbstverständlichen Szenarios darstellt, handelt Ries falsch und fahrlässig.
Wie dargelegt, stellen die Transformstörungen keinerlei Problem für die Theorie dar, an deren Entwicklung ihre Entdeckung ja beteiligt war. Warum Zillmer das nun als "rhetorisches Mäzchen" und Verharmlosung ansieht, ist mir schleierhaft. Was die Rotationsachse angeht ( der Rotationspol ist die Projektion selbiger durch Kugelprojektion, nur mal so am Rande), so verweise ich auf:
http://www.geo.tu-freiberg.de/tektono/downloadfiles/euler1.pdf

Dewey, J.F. (1987): Plattentektonik. In: Ozeane und Kontinente. Spektrum d. Wissenschaft, Reihe Verständliche Forschung, Heidelberg, p. 26. (Originalartikel aus Scientific American, 5/1972)

WIilson, J.T.(1965): A new class of faults and their bearing on continental drift. Nature, 207, 343-347.

Zillmer, H.-J.(2001): Irrtümer der Erdgeschichte, München, 335 S.
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