Mittwoch, 26. November 2008

Zillmers lustige Versteinerungskunde

Auch heute will ich mal wieder ein wenig über die Stellungnahme von Hans-Joachim Zillmer zu meiner kleinen Rezension seiner "Irrtümer der Erdgeschichte" eingehen. Diesmal über Zillmers lustige Versteinerungskunde. In Kurzfassung: Zillmer behauptet steif und fest, die Geologen würden die Regionalmetamorphose für die Entstehung von Versteinerungen verantwortlich machen. Das ich mir eine derartige Steilvorlage natürlich nicht entgehen lassen konnte, scheint ihn jedoch zu erstaunen:

Fangen wir mit der letzten Aussage an. Endgültig stellt sich Ries bestenfalls als Komiker dar. Wie jeder in „Irrtümer der Erdgeschichte“ nachlesen kann, habe ich die Erklärung für einen Versteinerungsprozess den Publikationen bzw. Hinweistafeln im „Dinosaur National Monument“ entnommen (übersetzt auf Seite 57) und sogar die Original-Erklärungsbilder fotografiert und abgebildet. Diese Erklärung, wie Knochen versteinern sollen, stammt nicht von mir, sondern von den Wissenschaftlern, Geologen und Paläotogen des „Dinosaur National Monument“ (von jedem Besucher leicht nachzuprüfen) und diese Meinung wird allgemein in Amerika wissenschaftlich geteilt – mangels alternativer, logischer Szenarien, denn in der Nähe der Eroberfläche versteinert kaum biologisches Gewebe so wie sich das Ries vorstellt - auch wenn das so in manchen Büchern dargestellt wird.

Eigentlich möchte ich Herrn Zillmer jetzt meine Tastatur in Rechnung stellen (OK, seine Texte online zu lesen und Kaffee zu konsumieren verträgt sich nicht. Hätte ich eigentlich wissen müssen). Er will uns und allen seinen Lesern also allen ernstes einige Hinweistafeln als "Stand des Wissens" verkaufen, die er bei einem Aufschluss gefunden hat? Abgesehen davon, das auf derartigen Schilden oftmals der seltsamste Blödsinn stehen kann, macht man sich mit einem solchen "Argument" einfach nur noch lächerlich. Ich bezweifele auch sehr stark, dass diese Sichtweise, die Zillmer hier anführt, in Amerika von Geologen in irgendeiner Weise geteilt wird. Vielleicht hätte er doch mal einen Blick in die hierzulande leicht zugängliche Literatur werfen sollen. Selbst Wikipedia hätte ihm da schon geholfen.

Wenn sich Ries über seine „Kollegen“ lustig macht und diese "offizielle" Erklärung als Splapstick bezeichnet zeigt das nur, wie Ries mit Pauschalurteilen und ohne zu überlegen irgendwelche Aussagen kritiklos übernimmt. Na ja, es wäre ansonsten ja auch Nachdenken erfordert

Ob Herrn Zillmer wohl die wirkliche Bedeutung des Satzes, den er hier schrieb, jemals aufgegangen ist?
Und nein, ich mache mich nicht über meine "Kollegen" lustig, sondern über ihn. Ich finde es immer wieder erheiternd, wie Leute wie er in ihre selbstgezimmerten Fallen tappen.

Die Experten des Dinosaur Monument verwenden ausdrücklich das Szenario einer Absenkung großer Gesteinskomplexe. Dass die Knochen für einen Versteinerungsprozess ca. 8 Kilometer in die Erdrinde abgesenkt oder überschüttet werden müssen ist deshalb nicht meine Darstellungsart, sondern die offizielle Sichtweise.

Das mag für die Lokalität eventuell sogar stimmen. Daraus aber verallgemeinerndes herzuleiten, ist schlicht falsch. 8 Kilometer sind nicht unbedingt eine unmögliche Versenkungstiefe. Auch heute finden sich Sedimentbecken mit ähnlichen Tiefen. So hat das Wiener Becken bis zu 6 Kilometer mächtige Sedimente, das pannonische Becken sogar 8 Kilometer mächtige Sedimente, der Oberrheingraben beherbergt 10 Kilometer dicke Sedimente und auch das Norddeutsche Becken liegt in dem Bereich.
Vermutlich spielt Zillmer auf diese Grafik an, die extrem vereinfacht den Weg von sedimenten in einem Sedimentbecken darstellen soll.

Denn nur dort unten kann man sich die nötigen geochemischen Voraussetzungen (Druck und Hitze) vorstellen (Umwandlung der Knochen durch Metamorphose).
Autsch, schon wieder eine Tastatur. Ich darf sie ihnen doch in Rechnung stellen, oder? Nein, Hitze und Druck sind keine Voraussetzungen für die Entstehung von Fossilien. Und die Metamorphose ist daran auch nicht beteiligt. Die Metamorphose betrifft die Umwandlung von Mineralen under Druck und Temperatur. Einfach mal einen Blick in den Wikipedia-Link zur Metamorphose werfen. Wobei ich bei Wikipedia immer vorsichtig sein würde. Nicht immer ist da alles richtig. Auch bei den seiten zur Fossilisation findet sich ein Verweis auf Metamorphose, wobei aber mehr eine Pseudomorphose gemeint sein dürfte.

Versteinerungen von biologischem Gewebe an der Erdoberfläche. Er glaubt, einem „Fachmann“ wird man es auch ohne Beweis glauben.
Nun, nicht das ich derartiges je behauptet hätte. Denn um ein Fossil zu werden, muss das Gewebe dem Luftsauerstoff entzogen werden. Das aber ist garnicht so kompliziert, wie Zillmer es hier hin stellen will. Denn schon Moorleichen halten ja mehrere tausend Jahre gut durch, ohne zu verwesen.

Versteinerungen von biologischem Material an der Erdoberfläche sind nur möglich, falls Luftabschluss vorliegt, denn ansonsten verrottet biologisches Gewebe, auch in zig Metern Tiefe in Millionen von Jahren.
Genau. Unter Abschluss von Sauerstoff. Und das kann auch unter den Bedingungen nah an der Oberfläche vorkommen. In Mooren beispielsweise, oder wenn das Gewebe unter bindigem Material verschüttet wird, in sauerstoffarmen / freiem Grundwasser oder dergleichen gerät. Schlamm, Salz oder gar Bitumen sind auch sehr gut. Gerade Schlamm eignet sich sehr gut, weil es an der Oberfläche sehr häufig vorkommt.

Hinweis: Die Widersprüche, die sich in der Argumentation von Ries offensichtlich auftun, resultieren daraus, das seine Homepage-Seite über „Irrtümer der Erdgeschichte“ das Resultat mehrere Chatts im Internet ist, die er zuvor veröffentlich hatte.
Herr Zillmer scheint den Unterschied zwischen einem Chat und dem Usenet nicht zu kennen. Eine weitere Bildungslücke tut sich auf.

Das Schönste, nachdem er alle Frage seiner Gesprächspartner in Bezug auf in „Irrtümer der Erdgeschichte“ unisono abgebügelt hatte, stand dort: Jetzt muss ich doch erst mal das Buch lesen und dann werde ich mir den Zillmer mal vorknöpfen. Einige Diskussionspunkte, die er überprüfen wollte, wurden bei der hier vorliegenden Fassung aber weggelassen.
Ja und? Ich diskutierte damals ja auch nicht mit Herrn Zillmer, sondern mit anderen Leuten, die aber aus seinem Werk ihre Argumente zogen. Der geballte Blödsinn, der mir damals begegnete hatte mich schlicht auf den Urheber neugierig gemacht. Und Herr Zillmer war so freundlich, mich nicht zu enttäuschen.
Dass ich nicht allem und jedem Schwachsinn, den er in seinem Buch verzapft hat, nachgegangen bin, sollte ihn eigentlich nur freuen.






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