Freitag, 5. Dezember 2008

Zillmer und die Eiszeit

Kommen wir zu einem weiteren Kapitel der Ratlosigkeit eines Möchtegern-Geologen, diesmal über die Eiszeit und die damit zusammenhängenden Phänomene. Wie viele seiner Glaubensgenossen lehnt er jeglichen Gedanken an eine Eiszeit mit großen Inlandseisschilden ab. Was uns erstmal zum Thema Löß bringt. Ignorieren wir seine kleinen Spitzfindigkeiten (mehr hat er ja eh nicht drauf ):
Auf S. 191 seines Buches rzählt uns Zillmer:

Der ungeschichtete Löss besteht im Gegensatz zum geschichteten aus kantigen und nicht durch Wind und Wasser gerundeten Körnern. Ausserdem gibt es Lössvorkommen in allen Höhenlagen bis weit über 2000 Metern auf der ganzen Welt. Von der Atlantikküste bis zum Gelben Meer zieht sich ein gewaltiger Lössgürtel hin. Die Entstehung der Lössgürtel ist wissenschaftlich ein ungelöstes Rätsel
Und ich erwiederte darauf:
Ganz so rätselhaft ist die Entstehung des Lösses allerdings den Wissenschaftlern nicht mehr, hatte doch schon von Richthofen (1877) für den Löss in China eine äolische, also vom Wind verursachte, Entstehung nachgewiesen. Und auch was die kantigen, schlecht gerundeten Körner angeht, so sind sie nicht geeignet, um als Beleg gegen die konventionelle Theorie zu dienen. Denn Löss besteht aus einer Korngrösse, bei der eine Rundung durch Windtransport nicht zu erwarten ist. Sie beträgt im Maximum rund 0,006 - 0,06 mm. Hauptbestandteil des Löss ist Quarzstaub, daneben kommen auch Kalk, Feldspäte und Tonminerale vor. Oft ermöglichen Schwerminerale im Löss eine Zuordnung zu einem bestimmten Liefergebiet (Steinmüller 1962, Janus 1988).
Seine Stellungnahme dazu war schlicht:
Es gibt den geschichteten und ungeschichteten Löß etc. Äolosch aussehende Körner können auch durch die Luft transportiert werden und kurzfristig durch Fluten angeschwemmt werden ohne ihre Charakteristika (schlecht gerundet, siehe oben) zu verlieren. Dieses Problem wurde in „Darwins Irrtum“ ausführlich diskutiert.
Nun, "Darwins Irrtum" ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung. Und das sich äolische Sedimente durch die Luft transportieren lassen, ist trivial. Das Wort äolisch sagt es bereits. Und ich hege starke Zweifel, dass Herr Zillmer jemals Quarzkörner eingehender betrachtet hat, geschweige denn äolische Körner von nicht-äolischen unterscheiden kann.

In der Sahara kann Löß fliegen, kein Problem, aber während trocken-kalter Hochglazial-Zeit wie Ries schreibt?
Ja, im Hochglazial hätte der Löß mit dem Fliegen keine Probleme gehabt. Warum auch? Die Schmelzwässer der Gletscher haben ja auch eine Menge feinen Schutt vor die Gletscher transportiert. Zumindest im Sommer, wenn die Temperaturen hoch genug waren, um fließendes Wasser zuzulassen. Im Winter, wenn alles gefroren ist und daher der Schmelzwassernachschub geringer wird, sind große Flächen der Sander trocken gefallen. Der von den Eisflächen her wehende Wind kann dann feine Mineralkörner aus den sanderflächen ausblasen und in entfernte Gebiete transportieren.

Auf S. 192 beschreibt Zillmer seine Idee, wie der Löß denn nun in die Welt gekommen ist.
Der Löss ist also nach dieser Auffassung kein phlegmatisch gebildetes Verwitterungsprodukt lokal benachbarter Kalk- und Quarzgebirge, sondern ein Fremdling aus weiter Ferne - in Tröpfchen zerrissenes Magma, das zur Vulkanasche wurde und sich mit den vom Atlantikboden hochgerissenen, kalkreichen marinen Sedimenten hoch oben in der Stratosphäre, von Tornados und Sturmhosen durchwirbelt, vermischt. Dies wäre das erdgeschichtliche Rezept für die Lössherstellung. Er verdankt seinen Kalkgehalt den marinen Sedimenten und seinen Quarzreichtum dem kieselsauren Oberflächenmagma. Es ist verwittertes Magma, mit Seeschlick vermischt. Die Verwitterung ist dabei bis in mikroskopische Bereiche vorgedrungen, sodass nur die chemische Konstitution, nicht aber die Struktur die vulkanische Herkunft erkennen lässt.
Ich halte davon ja nicht viel. Man braucht sich ja den Löß nur mal genauer anschauen. daher war meine Antwort auch wie folgt:
Da ist nur das klitzekleine Problem, das Löss zum Hauptteil aus Quarz, Feldspat und Karbonaten besteht. Das Material der Ozeankruste und des darunterliegenden Mantels aber erheblich ärmer an Siliziumdioxid ist. Daher kommt freier Quarz dort gemeinhin nicht vor. Und was die marinen Kalke angeht, so ist der Löss frei von irgendwelchen Anzeichen mariner Lebewesen wie Schnecken oder anderer kalkschaliger Meereslebewesen. Hingegen kommen Landschnecken durchaus und, wenn auch selten, Landsäuger im Löss vor. Wenn man dann noch die Schwermineralien im Löss bedenkt, die eben von anderen Herkunftsgebieten sprechen. Wie man unschwer erkennen kann, steht Zillmers Lösshypothese vor einigen grossen Problemen.

Zillmers Antwort darauf:
Glaubt Ries, dass bei der oben beschriebenen Verwirbelung des Lößes bzw. der Sedimente vermischt mit dem Magma noch Schnecken befinden? Dagegen spricht die Hitze des Magmas bei einem Impakt, die im Kernbereich über 100 000 Grad beträgt. Die Schnecken und andere Tiere verglühen und falls welche übrig bleiben, werden sie bei dem oben skizzierten Verwirbelungs-Szenario durch das höhere Gewicht eher wieder zu Boden fallen!
as würde sicher die fehlenden Meereslebewesen erklären, aber nur, wenn der Löß nach dem Impakt nicht von Tsunamis (und die will Zillmer doch allenthalben beweisen) abgelagert wurde. Und dann wäre immer noch das Problem der Zusammensetzung. Abgesehen davon würden die enormen Temperaturen und die extremen Drücke eines Impaktes auch die beteiligten Minerale nicht unbeeinflußt lassen. Leider (für Zillmer) sind aber im Löß die Hochtemperatur- und Hochdruckmodifikationen des Quarz im Löß schlicht nicht vorhanden. Und wie gesagt: Da die Ausgangsmaterialien (Ozeankruste, Erdmantel und Asteroid/Komet weitgehend quarzfrei sind, wie komt dann der Quarz in den Löß? Ach, ich vergaß: Fakten sind nur was für kleine Geister wie mich. Ein echtes Genie lässt sich davon nicht beirren....

Besonders lustig sind immer Zillmers Windungen, wenn es um die Findlinge geht. Er kann (oder will) einfach nicht begreifen, dass man heurte nicht von einem Transport durch Eisberge ausgeht. Auf S. 220 seinens Buches werden wir aufgeklärt:

Sie sollen mit den sich vorwärts bewegenden Eisbergen transportiert worden sein. Charles Lyell lehrte, dass das Land versunken war und darüber schwimmende Eisberge ihre Steinlasten fallen ließen. Danach tauchte das Land mit den darauf liegenden Steinen wieder auf.
Nun, was sollte ich dazu sagen? Auch wenn Lyell tatsächlich dieser Theorie anhing, wie übrigens viele seiner Zeitgenossen, so wurde diese sogenannte Drifthypothese aber schon im 19. Jahrhundert (Anmerkung 3)von der Theorie der Vergletscherung abgelöst. Man wird das Gefühl irgendwie nicht los, das Zillmer hier schlicht versucht, seine Leser für dumm zu verkaufen.

Und was war Zillmers Antwort darauf?

Eine Behauptung ohne Logische Erklärung. Ich habe mehrfach festgestellt, dass riesige Findlinge mit 750 qbm mit über 1500 Tonnen in der Ebene nicht von Eisbergen oder deren Gletscherflüssen transportiert werden können. Der Pro-Beweis steht aus!
Ja und? Warum sollte auch jemand einen Beweis für eine längst widerlegte Theorie suchen? Auch wenn Zillmer hier deutlich lieber einen Strohmann abfackelt, anstatt sich mit der aktuellen Theorie auseinanderzusetzen. Die Findlinge sind nicht von Eisbergen transportiert worden. Sondern von Gletschern. Und die oben genannten Findlingsgrößen wären sicher sogar von Eisbergen zu bewältigen. Gletscher schaffen aber noch weit größere (und empfindlichere) Findlinge und Großgeschiebe. Er hat meinen Satz allem Anschein nach nicht einmal ansatzweise gelesen.

Was spricht für Gletschertransport, und gegen Tsunamis?
Ein weiterer Hinweis auf eine Vergletscherung zumindest Norddeutschlands sind die Gletscherschrammen, zum Beispiel die von Rüdersdorf. Sie dienten schon TORELL als Beweis für eine Vergletscherung und trugen viel dazu bei, daß sich die Gletschertheorie gegen die Drifttheorie von LYELL durchsetzte. Hier finden sich nicht nur Schrammen, sondern auch Gletschertöpfe. Nachdem die ursprünglich von TORELL gedeuteten dem Abbau zum Opfer fielen, konnten in jüngerer Zeit entdeckte gerettet werden (GOHLKE 1995). Derartige Schrammen finden sich auch mitunter an Geschieben, so z.B. dem Damestein in Dänemark.

Gletscherschrammen kommen im norddeutschen Vereisungsgebiet öfter vor, als man vielleicht glauben mag. So wurden sie auch auf dem Kohlenkalk bei Ratingen nordöstlich von Düsseldorf nachgewiesen. SKUPIN (1993) gibt in Nordrhein-Westfalen noch andere Stellen mit Gletscherschrammen an. So finden sie sich in der Kiesgrube Kater, Detmold-Hiddensen, in der Saarner Mark zwischen Wedau und Großenbaum und am Blauen See bei Ratingen.

Könnten solche Schrammen vielleicht noch bei einer Rollsteinflut durchgehen, hätten andere Funde es schon schwerer. JUBITZ (1996) zeigt einige schöne Beispiele, wie ein Gletscher tektonische Erscheinungen hervorrufen kann. Überhaupt kann man die schönsten tektonischen Erscheinungsformen häufig in den quartären Gletscherablagerungen beobachten. Ein weiteres schönes Beispiel stellt der "Muskauer Faltenbogen dar (KUPETZ 1996, 1997). In dieser riesigen Stauchendmoräne finden wir Schuppentektonik, Diapire und Faltenbildung in einer Dimension von 100 bis 300 Metern. Überhaupt würden Stauchendmoränen wohl eine Herausforderung für die "Rollsteinflut" darstellen. Rezente Bildung von Stauchendmoränen beobachteten STACKEBRANDT et al (1997).
Scherflächen und Klüfte, die durch die Eisbewegung im Untergrund erzeugt werden, kommen auch im Lockergestein der Vereisungsgebiete häufig vor. SKUPIN (1993) gibt wieder für Nordrhein-Westfalen Aufschlüsse mit Scherungen und Klüften an, unter anderem in Coesfeld-Flamschen, Ummeln, Ebbesloh, Langenberg und Delbrück-Riege.
Jeder Verfechter einer Mega-Tsunami-Theorie oder Rollsteinflut sollte also sich gute Argumente für die beobachteten (glazial)tektonischen Funde überlegen. Ohne einen schlüssigen Mechanismus hat seine Hypothese keine echte Chance.

Ein weiteres Problem (für die "Rollsteinflut") stellt der sogenannte Ausschmelztill dar. Dieser wird nach PIOTROWSKY (1992) durch langsames Freisetzen der im Gletschereis transportierten Fracht gebildet. Daher kann er einen deutlich geschichteten Aufbau zeigen. Vor allem können nahezu ungestörte Klasten aus Lockergestein vorkommen, die einen Transport an der Gletscherbasis kaum überstanden hätten (und damit wohl auch keine Flutwelle!). Derartige Ablagerungen sind in Norddeutschland weit verbreitet (EHLERS 1994). SCHALLREUTER (1998b) zeigt, wie groß derartige "glaziale Schollen" sein können. Sie haben zwar meist nur einen kurzen Transportweg hinter sich, bestehen aber auch aus relativ weichen Sedimentgesteinen. So stellt die Kreide-Tertiär-Scholle von Steinitten in Ostpreußen mit 4 km Länge und 2 km Breite und 7-20 m Mächtigkeit wohl die größte ihrer Art dar. Aber ein bekanntes Beispiel sind auch die Lias Vorkommen bei Grimmen und Dobberthin in Mecklenburg-Vorpommern, die Eozänschollen von Katharinenhof/Fehmarn und Heiligenhafen und die Kreidescholle von Katharinenhof bei Stettin. Und nicht alle diese Schollen sind Lokalgeschiebe. So stellt die Rote Gesteinsscholle von Schobüll bei Husum wohl Old Red aus dem Baltikum dar, mit einem Transportweg von rund 1000 Kilometern.

Und auch Eisberge sind hier wohl kaum ein Ausweg. Die Kreidescholle von Katharinenhof/Stettin ist mit ihren 2 km Länge und 500 m Breite rund 25 m Mächtig. Das macht ein Volumen von gut 25 50 - 80 Mio. m3 und ein Gewicht von ca. 50 Mio. t. Um diese Scholle zu tragen müsste ein Eisberg ein Volumen von mindestens 200 Mio. m3 besitzen. Zwar hat der größte beobachtete Eisberg ein Volumen von 5000 km3 (Eisberg B9, 154 km lang, 36 km breit, 250 m mächtig, Oktober 1987), aber er dürfte einen kataklysmischen Transport in einem Tsunami kaum heil überstehen. Und die lokalen Schollen können so auch kaum erklärt werden.

Und wie sollen Flutwellen Geschiebe einregeln? Sicher, vom Wasser transportierte Gerölle sind auch eingeregelt, aber meist mit der Querachse in Transportrichtung, Eiszeitgeschiebe sind aber meist mit ihrer Längsachse in Transportrichtung eingeregelt. Nur ein kleineres Nebenmaximum zeigt die Querachsen. Und die Transportrichtung ist vielfach durch Gletscherschrammen festgelegt. Auch dieses ist leicht durch Eistransport zu erklären.

Warum? Man findet Findlinge in Kalifornen und in den Tropen in großer Zahl. Gebiete, die auch anch ansicht der Geophysik in den letzten 250 Millionen Jahren und länger nicht vergletschert waren.
Ja, auch in den Tropen kann man gerundete große Steine beobachten. Aber es sind keine Findlinge. Die Gesteine stehen dort an, sie sind nicht transportiert worden, sondern Überreste der Verwitterung. Im Ünrigen (in einem vorhergehenden Blog sagte ich es bereits) ist auch die häufig gerundete Form unserer Findlinge hier nicht auf die Gletscher zurückzuführen, sondern der Tatsache geschuldet, dass sie in früheren Erdzeitaltern der Verwitterung unterlagen.
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