Freitag, 5. Dezember 2008

Zillmers Plattentektonik, Teil 3

Wende ich mich doch noch einmal meinem alten Freund und Widersacher, Herrn Zillmer zu. Über seine Vorstellungen bezüglich der Theorie der Plattentektonik hatte ich hier ja schon einige Anmerkungen vom Stapel gelassen.
Das ich die Anwesenheit "zirkulierendem Magmas" im Inneren der Erde bestritten habe, scheint meinen Freund ein wenig aus der Fassung gebracht zu haben.

Was meint Herr Ries denn jetzt überhaupt? Gibt es jetzt auf einmal keinen Kreislauf (Konvektionsströme als Walzen) mehr? Oder gefällt ihm das Wort „Magma“ nicht und ich hätte es durch Gesteinsschmelze ersetzten sollen? (http://www.geocities.com/CollegePark/Bookstore/7913/node6.html#119): „In der Asthenosphäre finden die meisten tektonischen Vorgänge der Erdkruste ihre Erklärung. Soweit man heute vermutet, ist sie in ständiger Bewegung. Warmeströme - sogenannten Konvektionsströme - treiben Gesteinsschmelze nach oben und kühlen dort ab. Die nun kühlere und darum spezifisch dichtere Schmelze sinkt dann wieder in tiefere Schichten zurück. In diesem Kreislauf wird die Lithosphäre mitgezogen, so dass sich die Erdkruste in ständiger langsamer Bewegung befindet.“
Abgesehen davon, dass der link tot ist. Nein, der Erdmantel ist nicht geschmolzen. Auch nicht in der Asthenosphäre. Dort mag vielleicht ein wenig Schmelze zu finden sein (in den Zwickeln zwischen den einzelnen Mineralen). Der Erdmantel ist aber, was seine Materialeigenschaften angeht, fest. Genauso fest, wie ein Gletscher. Haut man auf einen Eisbrocken ein, so zerspringt er. Er sit offensichtlich fest und stabil. Und doch fließt ein Gletscher.... Udn genau so ist es mit dem Erdmantel. Fest und doch fließfähig, zumindest über sehr lange Zeiträume verhält er sich wie eine Flüssigkeit.
Aber wie komme ich nun auf den Bolzen, dass der Erdmantel fest und nicht geschmolzen ist, wo doch jeder sehen kann, dass aus den Tiefen der Erde in den Vulkanen eindeutig Schmelze kommt.

Nun, fangen wir mit dem festen Erdmantel an: Das kann man an dem Verhalten der Erdbebenwellen sehen. Dazu muss man wissen, dass es zwei mögliche seismischen Wellenformen gibt;

1. Longitudinalwellen, P- oder Primärwellen, wie beispielsweise Schall, die sich auch in Flüssigkeiten ausbreiten können.

2. Transversalwellen, die als sogenannte S- oder Sekundärwellen auftreten. Sie können sich in Flüssigkeiten und Gasen nicht ausbreiten.

Da sich im Erdmantel, auch in der Asthenophäre S-Wellen ausbreiten können, wie uns die Seismik zeigt, kann er also nicht aus geschmolzenem Magma bestehen, sondern muss für Wellen fest sein. Im Gegenssatz zum flüssigen äußeren Erdkern, den man an seinem Schatten in den S-Wellen erkannt hat.

In den Tiefen der Astehenosphäre ist die Temperatur so weit gestiegen, dass das Gestein "weich" (= asthenos) wird. Unter dem Einfluss von großen Kräften kann sich das Gestein verformen und "fließen".

Es verhält sich in langen Zeiträumen wie eine Flüssigkeit. Siehe das Beispiel mit dem Gletscher. Und der ist ja auch nicht geschmolzen, oder?

Die Asthenosphäre soll 3000 bis 5000 Grad (die Angaben variieren von Quelle zu Quelle), im Gegensatz zur Lithosphäre mit 1300 Grad, heiß sein. Bei diesen Temperatur ist Gestein nicht mehr fest.
Aber eben auch nicht flüssig. Die seismischen Daten lassen da keinen anderen Schluss zu.

Wörtlich steht in Irrtümer der Erdgeschichte: Die Kontinentaldrift-Theorie besagt, dass die Kontinente über einen elastisch-plastischen Untergrund schwimmen (driften). Diese Vorstellung wurde auf Grund Echolotvermessungen der Ozeane und Tiefbohrungen zur Theorie der Plattentektonik weiterentwickelt. Die Kontinente treiben demnach nicht losgelöst von den Ozeanen umher, wie Wegener vermutete, sondern bilden zusammen mit Teilen der Meereskruste sechs große und zahlreiche sich gegeneinander verschiebende kleinere Platten (Abb. 15).
Und? Eine extrem (bis zur Unkenntlichkeit) vereinfachte und veraltete (!) Darstellung. Das geht eindeutig besser, siehe hier, und das ist schon stark vereinfacht.

Es ist schon eine absolute Frechheit, was Ries schreibt, denn die Aussage stimmt. Das Auseinanderbrechen von Pangaea soll nach derzeitigen Vorstellungen vor ca. 180 Millionen Jahren begonnen haben, siehe auch Foto 18. Was ist daran falsch? Ich rate dem Leser die Seite 104 nachzulesen. Es handelt es sich um eine eindeutige Beschreibung des aktuellen Wissensstandes.
Nun, was Zillmer hier als Frechheit betitelt, ist schlicht meine Feststellung, dass die Plattentektonik nicht mit dem Auseinanderbrechen von Pangäa begann. Ich hatte seine Vorstellung von mehreren hintereinander ablaufenden Kontinantalverschiebungen kritisiert. Denn nach der Theorie der Plattentektonik ist diese Sichtweise falsch. Und ich dachte eigentlich, er wolle die aktuelle Theorie kritisieren? Warum also fackelt er hier wieder nur das bekannte Strohmännchen ab, das mit der aktuellen Theorie nichts gemeinsam hat?

Ich hatte nicht Plattentektonik geschrieben, sondern bewusst verallgemeinernd Kontinentalverschiebung, wie auch immer die ausgesehen haben soll. Wieder eine der vielen vorsätzlichen Falschdarstellungen.
Er hatte also bewusst eine falsche Darstellung gewählt. Danke, mehr wollten wir eigentlich garnicht wissen. das hat mit Verallgemeinern nämlich nichts zu tun. Der Begriff "Kontinentalverschiebung" ist für die Theorie Wegeners reserviert, und die ist zwar mit Teilen in die neue aktuelle Theorie der Plattentektonik eingegangen, aber eben nur mit Teilen. Seine Begriffswahl ist also schlicht falsch.

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