Freitag, 28. November 2008

Digitale Fotografie

Eine gute Kamera sein eigen zu nennen, ist heutzutage eigentlich kein großes Kunststück mehr, seit auch die Preise für digitale Spiegelreflexkameras oder auch hochwertige Bridge Kameras sinken. Nun ist es aber eine Sache, eine fast perfekte Technik zu besitzen und eine ganz andere, sie auch zu beherrschen. Und eine gute Kamera garantiert noch lange keine guten Bilder. Oft ist man dann enttäuscht, wenn man die eigenen Ergebnisse mit anderen vergleicht. So mächtige Werkzeuge die modernen Maschinen auch sind, die Bearbeitung der Bilder am heimischen PC gehört dazu und oft entfalten die Werke auch erst hierdurch ihre volle Wirkung. Das hört sich natürlich mal wieder leichter an als es ist, und als kleine Hilfe geben die Macher der Fotoagentur zoonar in ihrem Blog einen kleinen Kurs in Sachen digitalen Bildbearbeitung. Denn viel zu oft mussten an sich gute Bilder wegen kleinerer und vor allem vermeidbarer Fehler abgelehnt werden (und ja, ich fasse mir gerade an die eigene Nase...).
http://www.zoonar.de/blog/2008/11/12/die-haufigsten-fehler-in-der-digitalen-fotografie-%E2%80%93-und-wie-man-sie-beheben-kann-1/

NIST Bericht zum WTC7 Kollaps

WTC7 kurz vor dem Kollaps. Wikimedia commons

WTC7 von der Aussichtsplattform des World Trade Centers gesehen. Wikimedia; User Fanghong

Um die Anschläge vom 11. September 2001 ranken sich ja immer noch (trotz diverser Versuche, mit fakten da Abhilfe zu schaffen) viele Verschwörungstheorien. Eines der Filetstücke der Liebhaber dieser Schwurbeleien ist der Zusammenbruch des Bürogebäudes, das als WTC7 bekannt war. Angeblich kann der Kollaps des Gebäudes nur duch eine gezielte Sprengung hervorgerufen worden sein und damit belegen, dass die Aliens, Bielefeld, der CIA, Mossad, KGB, AOK, die Illuminaten, Termiten oder der Waldwatz die Anschläge ausgeheckt haben. Faktenresistent wie sie nun einmal sind, wird auch der neue abschliessende Bericht des National Institute of Standards and Technology (NIST) wohl kaum geeignet sein, um die Verschwörungstherorien zum verstummen zu bringen. Obwohl hier auf 130 Seiten dargelegt wird, wie Feuer eine Gebäudestruktur schwächen kann, bis die Schwerkraft schliesslich obsiegt. Und welche Konsequenzen man daraus für die Standsicherheit bei neuen gebäuden hinsichtlich der Brandsicherheit zu ziehen hat.
National Institute of Standards and Technology (2008, November 28). Final World Trade Center 7 Investigation Report On September 11, 2001 Collapse Released. ScienceDaily. Retrieved November 28, 2008

Wasserstofferzeugung aus Sonne und Wasser

(Plataforma Solar de Almeria, Spain, Wikimedia; User Mboch)

Wasserstoff gilt gerne als einer der Energieträger der Zukunft, wenn andere auf fossilen Rohstoffen basierenden Energieträger verbraucht oder schlicht zu teuer geworden sind. Bisher aber war eines der größeren handycaps des Wasserstoffs immer seine Herstellung. Mist wurde der wasserstoff aus Erdgas gewonnen, und dabei viel ebenfalls Kohlendioxid an. Gleiches gilt, wenn für seine Herstellung aus Wasser fossile Energieträger verbraucht wurden. Einen anderen Weg hat jetzt das DLR beschritten und Wasserstoff aus Wasser mit Hilfe von Sonnenenergie hergestellt. Sonnenenergie ist eine der am meisten verfügbaren Energieressourcen auf unserem Planeten und hat zudem den Vorteil, keine Treibhausgase zu emittieren. Die auf der spanischen Plataforma Solar de Almería beheimatete 100 Kilowatt Pilotanlage im Rahmen der HYDROSOL EU-Projekte wurde erst im diesem Frühjahr eingeweiht.
http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-3432/7418_read-14380/

Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde - Serie B

Für alle Freunde der Paläontologie und besonders des Jura. Die Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde - Serie B- gibt es jetzt auch als pdf zum herunterladen.
http://www.naturkundemuseum-bw.de/stuttgart/schriften/stuttgarterbeitraege/b.html

Kyoto-Protokoll: Klimaschutzziele erreicht?

Hat Deutschland die in dem dem Kyoto-Protokoll vereinbarten Klimaschutzziele bereits vier Jahre vor dem Termin erreicht? Bis zum Jahr 2012 wollten die Unterzeichner des Protokolls von Kyoto ihre Kohlendioxid Emissionen um 21 % gegenüber dem Wert von 1990 verringern. Jetzt meldet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf den Nationalen Inventarbericht, dass Deutschland bereits im Jahr 2007 rund 22.4 % weniger von dem Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen hat als 1990. Bevor jetzt aber allgemeiner Jubel ausbricht sollte nicht vergessen werden, dass auch einige statistische Effekte eine Rolle spielen. So wurden beispielsweise Heizöllkäufe wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer 2007 vorgezogen und fallen so als Emissionen in das Jahres 2006. Außerdem haben die hohen Öl- und Gaspreise in diesem Jahr zu einem höheren Ausstoß der Stein- und Braunkohlekraftwerke geführt. Und die zuletzt stark gestiegenen Tribstoffpreise werden sicher auch das Ihre beigetragen haben. Wie sich die jetzt wieder drastisch gesunkenen Preise auswirken werden, steht noch abzuwarten. Auf lange Sicht werden die Treibstoffpreise aber sicher zu weiteren Einsparungen auf diesem Sektor animieren.
http://www.sueddeutsche.de/wissen/763/449492/text/
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,593260,00.html

Donnerstag, 27. November 2008

Zillmer und die Plattentektonik, part 1

kommen wir erneut zu meinem Freund und seiner Stellungnahme auf meine kleine Polemik, diesmal das weite Feld vom Zillmer und seinem merkwürdigen Verständnis von der Plattentektonik. Ich hatte ihm vorgeworfen, dass er die Transformstörungen an den Mittelozeanischen Rücken als Neuentdeckung beschreibt, die nicht zu der Theorie der Plattentektonik passen würden. Dazu merkt Zillmer an:
(wer hat das denn behauptet?)

Nun kennt er denn seine eigenen Werke etwa nicht? In seinem Buch "Irrtümer der Erdgeschichte" schreibt er doch auf Seite 81 (Hervorhebung durch mich) :

Bisher ging man davon aus, dass die ozeanischen Schwellen kontinuierlich verlaufende Risse in den Ozeanböden darstellen. Aber auch dass ist eine falsche Vorstellung. Die mittelozeanischen Rücken sind in unregelmässigen Abständen von zahlreichen Störungen durchsetzt, sodass einzelne Abschnitte mit sehr unterschiedlichen Längen entstanden sind. Diese durch Zerstückelung entstandenen Bereiche sind of hunderte von Kilometern gegeneinander versetzt (Rona, 1988, S.141). Diese Bruchzonen werden auch als "Transformstörungen" ("Relay-Zonen") bezeichnet.


Bei einem Erscheinungsdatum von 2001 für sein Werk würde also jeder Leser annehmen, dass bis zum Ende des 20. Jahrhunderts dieser Sachverhalt Neu sei, oder? Wenn Herr Zillmer das nicht so meint, warum schreibt er das dann nicht so, wie er es in der Stellungnahme formuliert hat?

Wie Ries selbst schreibt, habe ich die Quellen angegeben. Mit „bisher“ ist natürlich die über Jahrzehnte fortlaufende Diskussion über die ursprüngliche Theorie der Plattentektonik im Sinne meiner fortlaufenden Ausführungen in „Irrtümer der Erdgeschichte“ gemeint, die bis zu der von mir angegebenen und auch Ries aufgeführten Veröffentlichung von Rona im Jahre 1988 oder auch ansatzweise von Dewey für unmöglich gehalten wurde.

Nicht, dass diese Darstellung die Sache unbedingt besser macht. Sicher haben Rona (1988) unfd Dewey (1987) die Transformstörungen in einem populären Artikel beschrieben. Aber das war bei weitem nicht der Start der Diskussion, und man hat derartige Störungen auch vor den genannten Veröffentlichungen nicht für Unmöglich gehalten. Zillmer will uns hier eine Diskussion vorgaukeln, eine Sensation, die es nicht gegeben hat, jedenfalls nicht für die Plattentektonik. Und nicht in den 1980´ern. Denn der Artikel von Dewey stammt ursprünglich von 1972, er wurde nur erst 1987 ins deutsche übertragen. Aber auch das ist nicht der Beginn einer Diskussion, wie Zillmer sie uns glaubhaft machen will. Die Beschreibung dieser so genannten Transformstörungen erfolgte bereits 1965 durch Wilson. Und dieser Artikel von Wilson (1965) markiert mit das Geburtsdatum der Theorie der Plattentektonik. Das bedeutet hier vor allem: Zillmer will eine Diskussion um die Plattentektonik vorgaukeln, die so nie geführt wurde. Nicht zu dem Zeitpunkt, nicht über die Theorie. Im Gegenteil, die Entdeckung dieser Klasse von Störungen war einer der Feldbefunde, welche die Entwicklung der von Zillmer kritisierten Theorie erst beflügelt hat. Damit stellen sie auch kein Problem für die Theorie dar. Und Zillmer hat erneut (mit seiner Stellungnahme) deutlich gemacht, dass er die kritisierten Theorien nicht einmal im Ansatz begriffen hat.

Wenn Ries das Problem der Tansformstörungen verharmlost und im Idealfall als Kleinkreise um den (welchen?, nur einen?) Rotationspol (oder falls überhaupt, vielleicht eher eine Rotationsache?) darstellt und so den Eindruck eines selbstverständlichen Szenarios darstellt, handelt Ries falsch und fahrlässig.
Wie dargelegt, stellen die Transformstörungen keinerlei Problem für die Theorie dar, an deren Entwicklung ihre Entdeckung ja beteiligt war. Warum Zillmer das nun als "rhetorisches Mäzchen" und Verharmlosung ansieht, ist mir schleierhaft. Was die Rotationsachse angeht ( der Rotationspol ist die Projektion selbiger durch Kugelprojektion, nur mal so am Rande), so verweise ich auf:
http://www.geo.tu-freiberg.de/tektono/downloadfiles/euler1.pdf

Dewey, J.F. (1987): Plattentektonik. In: Ozeane und Kontinente. Spektrum d. Wissenschaft, Reihe Verständliche Forschung, Heidelberg, p. 26. (Originalartikel aus Scientific American, 5/1972)

WIilson, J.T.(1965): A new class of faults and their bearing on continental drift. Nature, 207, 343-347.

Zillmer, H.-J.(2001): Irrtümer der Erdgeschichte, München, 335 S.

Der Geologe



Der Geologe (Homo sapiens geologicus)
Kosmopolit. Länge und Höhe 100 -140 cm, aufgerichtet 150-190 cm. Gestalt lässig-wuchtig, muskulös und breitschultrig, gelegentlich auch schmächtig, nach vorn übergebogen, mit kurzen Beinen. Die kleinen Augen liegen tief unter starken Überaugenwülsten. Die Nase ist kugelig, das Maul breit, hat dicke Lippen. Hat mit Abstand die längsten Arme unter allen Menschen; die Finger erreichen fast die Fußknöchel. Alles in allem ein würdevolles Geschöpf, trotz seiner abstoßenden Hässlichkeit.
Fast behäbig, auf alle Fälle schwerfällig, watschelt und wackelt er aufrecht gehend über das Gelände, wobei er sich auf die umgeknickten Knöchel der Finger stützt. In unregelmäßigen Abständen werden Löcher gewühlt; ein kartierender Geologe bewegt bis zu 400 m3 Erdreich. Da der Geologe i.d.R. solitär lebt, hält sich der Flurschaden in Grenzen. Tritt er hingegen in Horden auf, werden ganze Landstriche verwüstet. Er ist ein lichtscheues, gutmütiges Wesen. Wird er aber bedroht, entfaltet er sein Drohgebärdenrepertoire. Er fletscht die Zähne, schäumt, schreit gellend, brüllt gewaltig, schwingt den Hammer, zieht den Kopf tief in die Schultern, hüpft auf und ab und rüttelt wie verrückt an Bäumen. In Gefangenschaft ist er leicht zu zähmen und lässt sich sogar zur Sauberkeit erziehen, degeneriert geistig aber meist sehr schnell.

Dynamisches Hadaikum

(Zirkon, nein, nicht aus den Jack Hills, sondern aus der South Eastern Desert, Ägypten, und mit rund 600 bis 800 Millionen Jahren noch jugendlich. Eigene Aufnahme, CC-SA 2.5 Lizenz)

Die jungen Jahre unseres Heimatplaneten waren noch ziemlich wild. Eine Kugel aus Magma, aufgeheizt durch die Einschläge von Asteroiden und Protoplaneten, ohne Wasser und ohne festes Land. Die ersten 800 Millionen Jahre werden von den geologen Hadaikum genannt, nach der mythologischen Unterwelt der alten Griechen, dem Hades. Doch anscheinend blieb es nicht lange so ungemütlich. Es mehren sich die Hinweise, dass schon die Junge Erde recht schnell über flüssiges Wasser verfügte und eine Dynamik ihrer Erdkruste. Davon erzählen jedenfalls die ältesten Zirkone, die ein Team um Michelle Hopkins von der University of California in Los Angeles in den australischen Jack Hills gefunden haben. Dem zufolge wies die junge Erde bereits vor 4,2 Milliarden Jahren sowohl Ozeane als auch Plattentektonik auf.
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/975139
Hopkins, M. et al.: Low heat flow inferred from >4 Gyr zircons suggests Hadean plate boundary interactions. In: Nature 456, S. 493-496, 2008.

Ur-Schildkröte entdeckt

Forscher um Chun Li von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking haben jetzt in Nature drei Schildkrötenfossilien beschrieben, die einen entscheidenden Schritt der Evolution zu den uns bekannten, gepanzerten Schildkröten zeigen. Im Gegensatz zu den bisher ältesten bekannten Schildkrötenfossilien aus Deutschland haben die neuen Funde ihren Panzer allem Anschein nach noch nicht voll entwickelt. So weisen sie zwar einen Panzer am Bauch, aber noch keinen am Rücken auf. Die Rippen sind aber bereits abgeflacht und stellen einen möglichen Weg in Richtung eines kompletten Panzers dar. Auch der Kopf unterscheidet sich von den jüngeren Formen, die Kiefer besitzen Zähne anstatt der Hornleisten der modernen Schildröten. Damit wäre wieder eine der Lücken im Fossilbericht ein gutes Stückchen kleiner geworden und von einer neuen Mosaikform ausgefüllt. Die neue Schildkrötenart wurde Odontochelys semitestacea benannt, was ungefähr "Halb-Panzer Schildkröte mit Zähnen" bedeutet. Pharyngula zeigt einige Abbildungen der neuen Fossilien.
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/975143

Mittwoch, 26. November 2008

Tertiär, sie sind draußen! (na gut, kommen sie wieder rein)

Das mutet schon ein klein wenig chaotisch an, was sich die Stratigraphie-Kommissionen da zusammenschustern. Das Tertiär und auch das Quartär, also die beiden letzten und jüngsten Zeitalter der Erdgeschichte verschwinden und tauchen wieder auf, je nach Tageslaune (und Koffeinkonsum?) der jeweiligen stratigraphischen Kommission. hat eigentlich irgendjemand da mal darüber nachgedacht, wie das Chaos den Studenten oder Laien zu verkaufen ist? Abgesehen davon dass ständig neue stratigraphische Tafeln nötig sind während die alten nur noch zum Brötcheneinwickeln taugen? auf stratigraphy.net.internals findet sich eine schöne Zusammenstellung der zeitlichen Abläufe des verschwindens und wieder auflebens ganzer Epochen.
http://stratigraphynet.blogspot.com/2008/11/neogene-chaos.html

Geoblogosphären-Aggregator

Ein sehr interessantes tool hat Robert Huber von stratigraphy.net internals zusammengebastelt: Einen Geoblogosphären-Aggregator, in dem die jeweils neuen Artikel der Geoblogosphäre auf einenm Blick dargestellt werden. Die bis jetzt eingetragenen Blogs stammen aus der Liste von geoberg.de, aber neue Blogs können jederzeit online eingetragen werden.

Zillmers lustige Versteinerungskunde

Auch heute will ich mal wieder ein wenig über die Stellungnahme von Hans-Joachim Zillmer zu meiner kleinen Rezension seiner "Irrtümer der Erdgeschichte" eingehen. Diesmal über Zillmers lustige Versteinerungskunde. In Kurzfassung: Zillmer behauptet steif und fest, die Geologen würden die Regionalmetamorphose für die Entstehung von Versteinerungen verantwortlich machen. Das ich mir eine derartige Steilvorlage natürlich nicht entgehen lassen konnte, scheint ihn jedoch zu erstaunen:

Fangen wir mit der letzten Aussage an. Endgültig stellt sich Ries bestenfalls als Komiker dar. Wie jeder in „Irrtümer der Erdgeschichte“ nachlesen kann, habe ich die Erklärung für einen Versteinerungsprozess den Publikationen bzw. Hinweistafeln im „Dinosaur National Monument“ entnommen (übersetzt auf Seite 57) und sogar die Original-Erklärungsbilder fotografiert und abgebildet. Diese Erklärung, wie Knochen versteinern sollen, stammt nicht von mir, sondern von den Wissenschaftlern, Geologen und Paläotogen des „Dinosaur National Monument“ (von jedem Besucher leicht nachzuprüfen) und diese Meinung wird allgemein in Amerika wissenschaftlich geteilt – mangels alternativer, logischer Szenarien, denn in der Nähe der Eroberfläche versteinert kaum biologisches Gewebe so wie sich das Ries vorstellt - auch wenn das so in manchen Büchern dargestellt wird.

Eigentlich möchte ich Herrn Zillmer jetzt meine Tastatur in Rechnung stellen (OK, seine Texte online zu lesen und Kaffee zu konsumieren verträgt sich nicht. Hätte ich eigentlich wissen müssen). Er will uns und allen seinen Lesern also allen ernstes einige Hinweistafeln als "Stand des Wissens" verkaufen, die er bei einem Aufschluss gefunden hat? Abgesehen davon, das auf derartigen Schilden oftmals der seltsamste Blödsinn stehen kann, macht man sich mit einem solchen "Argument" einfach nur noch lächerlich. Ich bezweifele auch sehr stark, dass diese Sichtweise, die Zillmer hier anführt, in Amerika von Geologen in irgendeiner Weise geteilt wird. Vielleicht hätte er doch mal einen Blick in die hierzulande leicht zugängliche Literatur werfen sollen. Selbst Wikipedia hätte ihm da schon geholfen.

Wenn sich Ries über seine „Kollegen“ lustig macht und diese "offizielle" Erklärung als Splapstick bezeichnet zeigt das nur, wie Ries mit Pauschalurteilen und ohne zu überlegen irgendwelche Aussagen kritiklos übernimmt. Na ja, es wäre ansonsten ja auch Nachdenken erfordert

Ob Herrn Zillmer wohl die wirkliche Bedeutung des Satzes, den er hier schrieb, jemals aufgegangen ist?
Und nein, ich mache mich nicht über meine "Kollegen" lustig, sondern über ihn. Ich finde es immer wieder erheiternd, wie Leute wie er in ihre selbstgezimmerten Fallen tappen.

Die Experten des Dinosaur Monument verwenden ausdrücklich das Szenario einer Absenkung großer Gesteinskomplexe. Dass die Knochen für einen Versteinerungsprozess ca. 8 Kilometer in die Erdrinde abgesenkt oder überschüttet werden müssen ist deshalb nicht meine Darstellungsart, sondern die offizielle Sichtweise.

Das mag für die Lokalität eventuell sogar stimmen. Daraus aber verallgemeinerndes herzuleiten, ist schlicht falsch. 8 Kilometer sind nicht unbedingt eine unmögliche Versenkungstiefe. Auch heute finden sich Sedimentbecken mit ähnlichen Tiefen. So hat das Wiener Becken bis zu 6 Kilometer mächtige Sedimente, das pannonische Becken sogar 8 Kilometer mächtige Sedimente, der Oberrheingraben beherbergt 10 Kilometer dicke Sedimente und auch das Norddeutsche Becken liegt in dem Bereich.
Vermutlich spielt Zillmer auf diese Grafik an, die extrem vereinfacht den Weg von sedimenten in einem Sedimentbecken darstellen soll.

Denn nur dort unten kann man sich die nötigen geochemischen Voraussetzungen (Druck und Hitze) vorstellen (Umwandlung der Knochen durch Metamorphose).
Autsch, schon wieder eine Tastatur. Ich darf sie ihnen doch in Rechnung stellen, oder? Nein, Hitze und Druck sind keine Voraussetzungen für die Entstehung von Fossilien. Und die Metamorphose ist daran auch nicht beteiligt. Die Metamorphose betrifft die Umwandlung von Mineralen under Druck und Temperatur. Einfach mal einen Blick in den Wikipedia-Link zur Metamorphose werfen. Wobei ich bei Wikipedia immer vorsichtig sein würde. Nicht immer ist da alles richtig. Auch bei den seiten zur Fossilisation findet sich ein Verweis auf Metamorphose, wobei aber mehr eine Pseudomorphose gemeint sein dürfte.

Versteinerungen von biologischem Gewebe an der Erdoberfläche. Er glaubt, einem „Fachmann“ wird man es auch ohne Beweis glauben.
Nun, nicht das ich derartiges je behauptet hätte. Denn um ein Fossil zu werden, muss das Gewebe dem Luftsauerstoff entzogen werden. Das aber ist garnicht so kompliziert, wie Zillmer es hier hin stellen will. Denn schon Moorleichen halten ja mehrere tausend Jahre gut durch, ohne zu verwesen.

Versteinerungen von biologischem Material an der Erdoberfläche sind nur möglich, falls Luftabschluss vorliegt, denn ansonsten verrottet biologisches Gewebe, auch in zig Metern Tiefe in Millionen von Jahren.
Genau. Unter Abschluss von Sauerstoff. Und das kann auch unter den Bedingungen nah an der Oberfläche vorkommen. In Mooren beispielsweise, oder wenn das Gewebe unter bindigem Material verschüttet wird, in sauerstoffarmen / freiem Grundwasser oder dergleichen gerät. Schlamm, Salz oder gar Bitumen sind auch sehr gut. Gerade Schlamm eignet sich sehr gut, weil es an der Oberfläche sehr häufig vorkommt.

Hinweis: Die Widersprüche, die sich in der Argumentation von Ries offensichtlich auftun, resultieren daraus, das seine Homepage-Seite über „Irrtümer der Erdgeschichte“ das Resultat mehrere Chatts im Internet ist, die er zuvor veröffentlich hatte.
Herr Zillmer scheint den Unterschied zwischen einem Chat und dem Usenet nicht zu kennen. Eine weitere Bildungslücke tut sich auf.

Das Schönste, nachdem er alle Frage seiner Gesprächspartner in Bezug auf in „Irrtümer der Erdgeschichte“ unisono abgebügelt hatte, stand dort: Jetzt muss ich doch erst mal das Buch lesen und dann werde ich mir den Zillmer mal vorknöpfen. Einige Diskussionspunkte, die er überprüfen wollte, wurden bei der hier vorliegenden Fassung aber weggelassen.
Ja und? Ich diskutierte damals ja auch nicht mit Herrn Zillmer, sondern mit anderen Leuten, die aber aus seinem Werk ihre Argumente zogen. Der geballte Blödsinn, der mir damals begegnete hatte mich schlicht auf den Urheber neugierig gemacht. Und Herr Zillmer war so freundlich, mich nicht zu enttäuschen.
Dass ich nicht allem und jedem Schwachsinn, den er in seinem Buch verzapft hat, nachgegangen bin, sollte ihn eigentlich nur freuen.






Landsat-Archiv kostenlos

Seit dem 31 Oktober diesen Jahres stellt das Landsat-7 Archiv kostenlos Aufnahmen im Standard Format zur Verfügung. Der Erfolg ist überwältigend und hat bereits bis jetzt zu über 80 000 downloads geführt. Ab dem 30. Dezember sollen auch die Archive von Landsat 1 bis 5 in der selben Form erreichbar sein.
Group on Earth Observations Heralds Free, Global Access to USGS Earth Imagery
http://landsat.usgs.gov/

Staub über dem Mittelmeer

NASA image courtesy MODIS Rapid Response, NASA Goddard Space Flight Center. Caption by Michon Scott.

Staubwolken über der Nordküste Afrikas, wie sie am 23. November 2008 vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) an Bord des Aqua Satelliten der NASA aufgenommen wurden. Dabei heben sich die helleren Staubwolken deutlich gegen das tiefe Blau des Mittelmeeres ab.
http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=35994

Weihnachtsbasteleien gefällig?

So langsam rückt das Fest der Feste ja unerbittlich näher. Und damit stellt sich wie jedes Jahr die Frage, was soll man den lieben Mitmenschen nur schenken. Wer Lust hat, kann sich ja mit kleinen Basteleien behelfen. Wie währe es mit Albert Einstein, Carl Sagan und Charles Darwin als Papiermodelle? Wer seinen Lieben lieber etwas praktisches für die kalte Jahreszeit stricken möchte, dem sei der Tintenfisch Hut (sieht aber irgendwie mehr wie ein Schal aus, oder?) ans Herz gelegt.

Das Ende des Höhlenbären

(Höhlenbär (Ursus spelaeus), Schädel, Zoolithenhöhle, Bayern, eigenes Bild, CC 3.0)

Er ist eines der Symboltiere der letzten Eiszeit wie auch das Mammut oder das Wollnashorn. Der Höhlenbär. Jetzt scheint es immer mehr so, als wenn er schon den Höhepunkt der letzten Eiszeit nicht überlebt hätte. Ein Team um Martina Pacher von der Universität Wien hat jetzt neue Datierungen von Fossilien unternommen und ältere Studien erneut ausgewertet. Dabi kam heraus, dass die Art schon vor gut 27 800 Jahren von der Bühne des Lebens abtrat. Als mögliche Ursachen könnte Nahrungsmangel in Frage kommen. Bären halten während des Winters Winterschlaf um in dieser zeit des Nahrungsmangels Energie zu sparen. Während der Eiszeit könnte die Nahrungsknappheit für ein so großes Tier aber im Verhältnis zu der Zeit in der Nahrung ausreichend zur Verfügung steht zu lang gewesen sein.
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/297733.html


Dienstag, 25. November 2008

Und wieder eine Bestätigung für Darwin

Während, wie im vorherigen Beitrag angeführt, immer noch die Ignoranten dieser Welt versuchen, den guten alten Darwin zu widerlegen, erfahren seine Ideen erneut eine glänzende Bestätigung. Für Ameisengesellschaften hatte Darwin angeführt, dass die natürliche Selektion nicht mehr auf der Ebene des Individuums ansetzt, sondern auf der Ebene der Gruppe. Dass also der Ameisenstaat quasi als Superorganismus zu verstehen ist. Einer Forschergruppe um Ehab Abouheif von der McGill University ist es gelungen, die molekularen Signale zu entschlüsseln, welche die soziale Harmonie in einem Ameisenstaat regeln. Damit wird ein Kampf um die Fortpflanzungsrechte vermieden.
McGill University (2008, November 20). Darwin Was Right About How Evolution Can Affect Whole Group. ScienceDaily. Retrieved

Der Lohn der Dummheit


Da soll einer doch behaupten, Ignoranz würde sich nicht lohnen. Tut sie eben doch und kann einem sogar runde 50 000 € in die Kasse spülen. Viel muss man dafür noch nicht einmal tun, gerade mal schreiben können. Denn mein alter Freund und Kupferstecher Harun Yahya hat einen Essaywettbewerb ausgeschrieben und mehrere Preise dafür ausgelobt, dass man in diesem Rahmen die Evolutionstheorie widerlegt. Irgendwie wird man die 30 bis 60 (handgeschriebenen) Seiten mit den ewig wiedergekäuten und längst widerlegten Behauptungen der einschlägigen Kreationisten doch zusammenschustern können. Der hauptpreis besteht aus 100 000 Türkischen Lira, nach aktuellem Umrechnungskurs (heute) sind das irgendwo bei 48.896,6912 €. Und damit das auch wirklich nicht zu schwer für die ignorante Stammklientel wird, hat Freund Yahya gleich einige der seiner Meinung nach größten Probleme der Evolutionstheorie mit angeführt. Die Deadline für das ganze Unterfangen ist Oktober 2009.
THE PRIZE OF THE SCIENTIFIC COMPETITION “WHY IS THE THEORY OF EVOLUTION INVALID?”IS INCREASED TO 100,000 YTL!

Die Aliens aus der Tiefsee

In den Ozeanen treiben sich ja manche merkwürdigen Lebewesen herum, aber diese Tintenfische der Gattung Magnapinna toppen eigentlich alles, was man sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann. Eine entfernte Ähnlichkeit mit den Aliens aus dem Film "Independence Day" ist nicht zu verleugnen. Besonders faszinierend finde ich die merkwürdig abgewinkelten Fangarme, fast als wenn das Tier eine Art Gelenk (etwa analog zu unserem Ellenbogen) besitzen würde. So zerbrechlich dieses Wesen auch aussieht, es scheint nicht klein zu sein. Gute 7 Meter Gesamtlänge wird beschrieben. Auf National Geographic befindet sich ein Video, das an einer Tiefsee-Öhlbohrung von Shell aufgenommen wurde. Bei Cephalopods in Action liegen weitere Videos und Aufnahmen dieser seltsamen Kreaturen bereit.

Erdrutsch-Handbuch

Erdrutsche stellen in vielen Gebieten der Erde eine Gefahr für die Menschen dar. Zunehmender Bevölkerungsdruck zwingt immer mehr Menschen in vielen Gebieten der Welt in gefährdeten Zonen zu siedeln. Der USGS hat jetzt ein Handbuch zu dem Thema herausgegeben, um Landschaftsplanern und gefährdeten Menschen eine erste Hilfestellung zu geben.
http://pubs.usgs.gov/circ/1325/pdf/C1325_508.pdf

Montag, 24. November 2008

Oh Wehklagen! Lasst uns aufgeben

Jetzt haben wir Verfechter der Evolution es sozusagen Schwarz auf Weiß. Wir wurden ein für alle Mal widerlegt und in den dunklen Abgrund gestoßen, in den wir gehören. Von niemandem geringeren als Harun Yahya.

A fierce opponent of Darwinism, Yahya takes the credit for defeating the theory of evolution. “First, we offered Darwinists around the world 100 million fossils, which prove that this world came into being as a result of God’s creationism and not because of evolution. Second, Darwin wrote in his books that people have to find transitional forms to prove the theory of evolution, but nobody has been able to find a single transitional form. Third, Darwinists claim that the first cell came into being as a coincidence. But it is impossible for even a single protein to be formed by chance. Fourth, we have proved that the skulls that were displayed as evidence of evolution are fake. Darwinism cannot explain how we can see or hear or sense with the support of our brain.”

Polls conducted by newspapers in Germany, France, Switzerland and Denmark showed that 85-90 percent of Europeans no longer believed in the theory of evolution.

Da hat uns Yahya 100 Millionen Fossilien präsentiert, die nichts anderes als Gottes Schöpfung belegen, dann hat Darwin selbst die Übergangsstufen vorhergesagt, deren wir nicht habhaft werden konnten. Und natürlich der Klassiker: Eine Zelle kann doch nieundnimmer aus purem Zufall entstanden sein, geschweige denn ein einzelnes ihrer Eiweiße. Die Schädel, die uns als beleg der menschlichen Evolution gebracht wurden, konnten alle von Herrn Yahya als Fälschung entlarvt werden. Und natürlich versagt der Darwinismus bei der Erklärung unserer Sinne. Schlussendlich sollen sogar 85 - 90 % der Leute in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Dänemark die Evolutionstheorie bestreiten.

Nun ja. erstens hat Yahya natürlich keine 100 Millionen Fossis, sondern er hat Fotos, die er irgendwo kopierte und er übersieht, dass die allermeisten Formen darstellen, die heute nirgends mehr vorkommen weil sie ausgestorben sind. Zweitens haben wir natürlich eine Menge der so genannte Übergangsformen, also von Fossilien, die Merkmale verschiedener Gruppen aufweisen wie beispielsweise Ichthyostega und andere. Und natürlich sind die ersten Zellen nicht aus einem einzigen Zufall heraus, sondern das Ergebnis einer chemischen Evolution. Was die Hominidenschädel angeht, so sind die fast alle belegbar echt, von einigen wenigen Fälschungen mal abgesehen, die aber von Wissenschaftlern entlarvt wurden, also Verfechtern der Evolution und nicht den Gegnern der Evolution. Und vollends unklar ist mir, was er da mit den Sinnen aussagen will.
Was die Umfrageergebnisse angeht, so sagen die garnichts aus. Seit wann wird in der Wissenschaft über die Gültigkeit von Theorien nach Umfrageergebnissen entschieden?
http://www.arabnews.com/?page=9&section=0&article=116604&d=23&m=11&y=2008

Gletscher auf dem Mars

Die Marssonde MRO brachte es quasi an den Tag. Auch in den mittleren Breiten unseres Nachbarplaneten gibt es noch Gletscher. Das hat jetzt ein Team um John Holt (Universität von Texas, Austin) herausgefunden. Die rund 800 m mächtige Eisschicht am Südrand des Hellas Kraters ist von Staub und Gestein bedeckt und war so vor dem verdampfen geschützt. In der Region wurde schon seit den Aufnahmen der Viking Sonden auf das frühere Vorhandensein von Gletschern geschlossen.
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/297601.html

Neues Ebolavirus in Uganda

In Uganda konnte jetzt eine neue Variante des Ebolaerregers identifiziert und mit dem vorläufigen Namen Bundibugyo ebolavirus getauft werden. Diese Variante hatte Ende 2007 in der ugandischen Provinz Bundibugyo mehr als 100 Menschen infiziert, von denen 37 verstarben. Da sich der jetzt entdeckte Erreger von den bekannten Ebolastämmen relativ stark unterscheidet, muss die Entwicklung von Therapien und Impfstoffen auf diese Unterschiede Rücksicht nehmen. Nur rund 60 % des Erbgutes sind mit dem der bekannten Ebolastämme identisch.
Ich hatte das große "Glück", während der Ebolaepidemie 2000 - 2001 im Land zu verweilen und dabei zu sehen, wie eine arme, aber durchaus hochmobile Gesellschaft auf die Bedrohung durch ein so tödliches und vor allem grauenerregendes Virus reagiert. Denn es ist meist die Angst vor der Krankheit, die als erstes zuschlägt, noch lange bevor das Virus elber die verschiedenen Provinzen erreicht.
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/974645
http://www.plospathogens.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.ppat.1000212

Meteoritenfall über Kanada

Am Donnerstag konnte über der kanadischen Kleinstadt Macklin im Grenzgebiet der beiden Provinzen Saskatchewan und Alberta ein helles Licht am Himmel verfolgt werden. größerer Meteor drang in die Erdatmosphäre ein und glühte hell auf. Einer der spektakulärsten Meteoritenfälle in Kanada des letzten Jahrzehnts. Glücklicherweise konnte das Ereignis von einem Polizeifahrzeug aus gefilmt werden. Jetzt wird in der Gegend nach den Trümmern des vermutlich stuhlgroßen Meteors gefahndet.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,592164,00.html


Donnerstag, 20. November 2008

Evolution (nicht nur des Auges)

Nur 50 Mikrometer groß und doch schon fähig, hell und dunkel zu unterscheiden, das ist die Larve des Ringelwurms Platynereis dumerilii. Ihre rudimentären "Augen" bestehen nur aus jeweils zwei Zellen und zählen damit zu den einfachsten Augen der Welt. Forscher aus Tübingen und Heidelberg haben deren Funktionsweise jetzt enträtselt und gehen davon aus, dass auch die ersten Augen der Welt ähnlich funktionierten. Es war ein weiter Weg bis zu unseren komplexen Linsenaugen.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,591575,00.html

Im Blog amuse-gueule wird aus der aktuellen Pisa Studie die Frage zur Evolutionstheorie zitiert:

Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Evolutionstheorie zu?

A. Die Evolutionstheorie gilt für Tiere, nicht aber für den Menschen.
B. Die Evolution ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
C. Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.

Die Macher der PISA Studie waren (imho ganz richtig) davon ausgegangen, dass Antwort C richtig ist. Im obige Blog hingegen wird das bestritten und Antwort B als richtige angesehen. Meiner meinung nach kann eine Theorie zwar durch experimentelle oder empirische Ergebnisse belegt werden, aber letztendlich nie bewiesen werden, sondern eine einzige experimentelle oder empirische Widerlegung reicht aus, um die Theorie zu widerlegen. Allerdings wird im Bereich der "Diskussionen" mit den Gegnern der Evolution oft nicht beachtet, dass der begriff "Theorie" in der Wissenschaft anders und vor allem vie strenger ausgelegt wird als in der alltäglichen Umgangssprache. daher der Vorwurf von kreationistischer pder sonstiger Seite, die Evolution wäre ja _nur_ eine Theorie. dass aber eine wissenschaftliche Theorie die bestmögliche Beschreibung der erfahrbaren Reealität ist, wird dabei gerne ignoriert. Hinzu kommt noch, dass ich gerne zwischen Evolution als unbestreitbarer Tatsache (belegt durch genetische Untersuchung, Simulationen, Beobachtung und Fossilbericht etc.) und den dazugehörigen Theorien über die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden möchte. Letztere sind die eigentlichen Evolutionstheorien, unter denen sich ebenfalls eine Evolution beobachten lässt.

Dinosaurier im Tertiär

65 Millionen Jahre vor unser Zeit. Ein riesiger Meteoriteneinschlag hat alle Dinosaurier ausgelöscht. Alle? Nein, in einem kleinen Tal im heutigen New Mexico scheinen zumindest einige Saurier das Aussterben verpasst zu haben. Das zumindest stellten die Geologen James Fassett, Robert Zielinski und James Budahn vom US Geological Survey fest (Geological Society Special Paper Nr. 356, S. 307 – 336). Sie fanden nämlich in den tertiären Ojo Alamo Sandsteinen des San Juan Beckens Reste von Sauriern. Was war dort passiert?

Bereits 1983 wurde ein großer Knochen eines Dinosauriers in dem Sandstein gefunden. Der Knochen wurde geborgen und befindet sich heute im Geologischen Museum der Universität von New Mexico in Albuquerque. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem 1310 mm langen und bis 370 mm mächtigen Knochen um den rechten Oberschenkelknochen eines Hadrosauriers. Alles in allem macht der Knochen einen erstaunlich gut erhaltenen Eindruck, sogar die einzelnen Ansätze für Muskeln sind erkennbar. Soweit, so gut. Dank des Saurierknochens erkannte man die Ojo Alamo Sandsteine als kreidezeitlich. Zumindest solange, bis man eine Pollenanalyse des Sandsteins am Fundort machte. Dabei fanden sich rund drei Meter unterhalb des Knochenfundorts Pollen, die eindeutig ein tertiäres Alter des Gesteins belegen. Ein einzelner Knochen eines kreidezeitlichen Tieres in Gesteinen des Tertiärs indes belegt nicht viel. So kann der Knochen ja auch nach dem Tod des Tieres eingebettet, und dieses Gestein der Kreidezeit anschließend im Tertiär erneut aufgearbeitet worden sein. Das allerdings erschien dem Team um James Fassett unwahrscheinlich. Immerhin war der Knochen nicht nur in bemerkenswert gutem Zustand, er wurde auch 15 m oberhalb der Grenze von Kreide zum Tertiär gefunden. Und die Grenze des Ojo Alamo Sandsteins zur darunterliegenden kreidezeitlichen Kirtland Formation ist flach, was bedeutet, dass auch damals die Landschaft sehr eben gewesen sein muss. Um an diese Stelle gelangt zu sein, muss der damals sicher schon versteinerte Knochen mehrere Kilometer weit transportiert worden sein, etwas, das angesichts der 130 kg, die der Knochen wiegt, sehr unwahrscheinlich erscheint. Wie sollte die empfindliche Knochenoberfläche bei dieser rauen Behandlung vollkommen intakt bleiben, ohne Kratzer?

War es denn so unwahrscheinlich, das ein Dinosaurier bis in das frühe Tertiär überlebt hat und hier gestorben war? Aasfresser hätten sicher rasch den Kadaver zerlegt und die leichteren Knochen in alle Winde zerstreut. Der große und schwere Oberschenkelknochen bliebe dabei möglicherweise zurück und wurde von Sediment überdeckt.

Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich auch, dass man über die genaue Lage der Kreide – Tertiär Grenze nicht viel wusste. Weitere Pollenanalysen machten deutlich, das auch Gesteine, die man bislang aufgrund ihrer Dinosaurierknochen als kreidezeitlich ansah, in Wirklichkeit aus dem Tertiär stammten. Damit wuchs die Liste der identifizierten tertiären Dinosaurier, neben dem Hadrosaurier auch so prominente Vertreter wie Albertosaurus und Tyrannosaurus.

Insgesamt zeigte sich eine begrenzte, aber eindeutige Dinosaurierfauna in Gesteinen, die nach ihrem Gehalt an Mikrofossilien in das Tertiär zu stellen sind.

Konnten die Knochen aus kreidezeitlichen Ablagerungen stammen, die während des frühen Tertiärs abgetragen wurden, so dass deren Inhalt nun für die Bildung neuer Gesteine zur Verfügung stand? Da es sich meist um einzelne Knochen handelt, die nicht im Verband auftreten, liegt diese Erklärung sicher nahe. Allerdings wurden von einem einzelnen Hadrosaurier 34 Skelettteile gefunden, darunter auch relativ kleine Knochen. Da die Knochen definitiv zu einem Individuum gehören und eine Vermischung verschiedener Skelette ausgeschlossen werden kann, ist zumindest hier eine Umlagerung kreidezeitlicher Gesteine mehr als fraglich. Und wenn zumindest dieser eine Dinosaurier die Kreide-Tertiär Grenze überlebt hat, warum dann auch nicht die anderen?

Um diese Frage zu klären, haben Fassett und seine Mitarbeiter die Knochen chemisch untersucht und die Ergebnisse mit Untersuchungen von Knochen aus eindeutig kreidezeitlichen Gesteinen der selben Gegend verglichen. Wenn eine Schichtlücke von 5 bis 8 Millionen Jahren zwischen tertiärem Ojo Alamo Sandstein zur kreidezeitlichen Kirtland Formation klafft, könnte das Grundwasser der beiden Zeiten durchaus verschiedene Lösungen transportiert haben. Wenn diese Annahme richtig ist, müssten sich kreidezeitliche und tertiäre Dinosaurierfossilien anhand ihrer unterschiedlichen Spurenelemente unterscheiden lassen. Wenn hingegen die tertiären Knochen in Wirklichkeit nur umgelagertes Material aus der Kreide darstellen, müssten die Spurenelemente gleich sein.

Zu diesem Zweck wurden 1998 Dinosaurierknochen geborgen. Ein großer Oberschenkel aus dem Ojo Alamo Sandstein und ein Fragment eines Hornsauriers aus der Kreide des Kirtland Formation. Daneben wurde auch aus beiden Gesteinen fossiles Holz geborgen. Die Neutronenaktivierungs- Analyse der beiden Knochenfragmente zeigte deutlich unterschiedliche Gehalte an mehreren Elementen. Durch diesen Erfolg beflügelt wurden weitere Proben untersucht.

Die tertiären Knochen enthielten erheblich mehr Uran als die der Kreidezeit. Dagegen zeigen die kreidezeitlichen Knochen erhöhte Gehalte an Seltenen Erdelementen, hauptsächlich Lanthan, Cer und Neodym. Der deutliche geochemische Unterschied zwischen Knochen, die vertikal nur wenige Meter getrennt gefunden wurden, spricht gegen einen kreidezeitlichen Ursprung der im Ojo Alamo Sandstein gefundenen Dinosaurier.

Wenn also tatsächlich Dinosaurier die Katastrophe am Ende der Kreidezeit überstanden haben, wie lange haben sie wohl überlebt?

Die Ojo Alamo Sandsteine des frühen Tertiärs sind von den Schichten der Kirtland Formation durch eine Schichtlücke getrennt, die nach den Untersuchungen von Fassett und seinen Mitarbeitern einen Zeitraum von mindestens 8 Millionen Jahren ausmacht. Aufgrund biochronologischer Befunde wird für die Bildung der Ojo Alamo Sandsteine ein Zeitraum von rund 1 – 2 Millionen Jahren angenommen. Ein weiterer Hinweis kommt aus dem Bereich der Magnetochronologie. Die Dauer der verschiedenen Polaritäten ist hinreichend genau bekannt. Das Chron C29n mit einer Dauer von 0,769 Millionen Jahren ist innerhalb der Ojo Alamo Sandsteine identifiziert. Seine Mächtigkeit hier beträgt 9 m, daraus lässt sich auf eine Ablagerungsgeschwindigkeit von 11,8 m pro 1 Million Jahren schließen. Jeder Meter Sediment repräsentiert 85 000 Jahre. Die jüngsten Knochen lagen nur wenig oberhalb des Chrons C29n. Vermutlich haben die Saurier noch rund 1 Million Jahre lang im Paläozän gelebt.

Das San Juan Becken liegt nur rund 2500 Kilometer vom Chicxulub Krater entfernt. Wie also konnten Dinosaurier so nahe am Einschlagspunkt des Asteroiden die Katastrophe überleben? Berechnungen zufolge haben allein die direkten Folgen des Einschlags wie Schockwelle und Hitze im Umkreis von 2000 Kilometern die meisten Leben ausgelöscht. Der aufgewirbelte Staub hat möglicherweise die Photosynthese für einen Zeitraum von 6 Monaten bis zu einem Jahr unterbrochen. Wenn nun, wie Fassett und seine Mitarbeiter annehmen, einige Dinosaurier nur wenige Tage vor der Katastrophe Eier legten, so könnten diese die unmittelbaren Folgen des Einschlags überstanden haben. Es ist zwar nicht bekannt, wie lange Dinosauriereier für ihre Entwicklung benötigen, der Zeitraum war aber möglicherweise lang genug. So benötigt der Komodo Waran, eines der größten lebenden Reptilien unserer Zeit rund 8 ½ Monate bis zum schlüpfen. Wenn Dinosaurier also ebenso lange oder sogar länger brauchten, könnten die Tiere zu einem Zeitpunkt geschlüpft sein, als die Umwelt schon nicht mehr ganz so feindliche Bedingungen bot. Und der Ort des Überlebens muss ja auch nicht direkt im San Juan Beckengelegen haben. Weiter im Norden waren nicht nur die direkten Folgen weniger stark, es könnten sogar einige geschützte Refugien existiert haben. Später, als sich die Lage besserte, wanderten die überlebenden Dinosaurier in den Süden ein.

Genom des Wollhaarmammuts entschlüsselt

Jetzt ist es zum ersten mal gelungen, das Genom eines ausgestorbenen Tieres zu entschlüsseln. Das Tier starb vor rund 20 000 Jahren und blieb im Permafrost relativ gut erhalten, so dass es Forschern um Webb Miller von der Pennsylvania State University einen guten Einblick in das Erbgut des Tieres erhielten. Fehlende Bereiche konnten weitgehend aus dem Erbgut anderer Mammuts gewonnen werden. Erstaunlicherweise unterscheidet sich das Genom des Mammuts nur um 0,6 % von dem der heute lebenden Afrikanischen Elefanten.
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/297570.html

Explosiver Vulkanismus

Wenn von explosiven Vulkanismus de Rede ist, denkt man gerne an die Ereignisse am Mt St Helens, Pinatuo und Vesuv/Pompeji 79 n. Chr. Denn die betreffenden Vulkane sind aggressiv und sprengen sich gerne mal selbst in die Luft, mit all den bekannten Auswirkungen für ihre Umgebung.Es geht aber auch anders, das zeigt seit einigen jahren der Santiaguito in Chile. Seit 86 Jahren bricht er regelmäßig rund 40 mal am Tag aus und sorgt so dafür, dass sich im sinem Inneren kein großer Druck aufbauen kann, der für eine Explosion ausreicht.
http://www.spektrumdirekt.de/artikel/974194

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Freitag, 14. November 2008

Zillmer: Malachite Man

In meiner Rezension hatte ich ja den Fund des 1971 gefundenen Moab man als identisch mit dem angeblich neueren Fund des malachite man als identisch gesehen und angezweifelt, dass es sich um einen neueren Fund handelt. Zillmer behauptet allerding, es sei wirklich ein neuer Fund, da er ja "Informationen aus erster Hand" habe. Ich hatte mich auf Glen Kuban bezogen (allerdings nicht "blindlings", aber das nur so am Rande). Denn auch Zillmer hat zwar "Informationen aus erster Hand", aber auch das ist in diesem Fall nur Hörensagen. Echte Belege bringt er nicht bei, und auf seinen Fotos auf seiner Seite ist nichts zu erkennen, jedenfalls nicht die Fundumstände. Und der Winkel der "neuen" Knochen erinnert doch sehr stark an den bei den "alten" Aufnahmen. . Ein bisschen dünn, um ein Weltbild zu zerschmettern. Funddokumentation ist mal wieder Fehlanzeige.

Donnerstag, 13. November 2008

erste Bilder von Exoplaneten

Rund 360 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind bereits bekannt, aber direkt beobachten konnte man sie bisher noch nicht. Jetzt scheint es aber so, als wenn es gleich zwei Forschergruppen unabhängig voneinander gelungen ist, Bilder von Exoplaneten zu erzeugen. Einer von den Planeten umkreist den nur 25 Lichtjahre entfernten Stern Fomalhaut und konnte von einem Team um Paul Kalas von der University of California in Berkeley im sichtbaren Licht fotografiert werden.
Gleich drei Planeten konnte in anderes Team um Christian Marois vom kanadischen NRC Herzberg Institute of Astrophysics in British Columbia im Infrarotbereich ablichten. Das Trio umkreist sein Zentralgestirn in rund 130 Lichtjahren Entfernung von der Erde.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,590319,00.html

Wollnashörner

(Mauricio Anton, Wikimedia Commons)
Die ersten Wollnashörner grasten vermutlich schon 460 000 Jahren in der europäischen Tundra, als die Elster Eiszeit begann, den Kontinent in ihren eisigen Griff zu nehmen. Forscher um Ralf-Dietrich Kahlke vom Senkenberg Institut haben jetzt in mühevoller Kleinarbeit einen Schädel eines Wollnashornes (Coelodonta tologoijensis) zusammengesetzt, der bereits vor 100 Jahren in Frankenhausen am Kyffhäuser geborgen worden war. Es ist das älteste bekannte Wollnashorn aus Europa, nur aus Asien sind ältere bekannt. Vermutlich sind die Tiere also um diese Zeit aus ihren asiatischen Heimatgebieten nach Europa eingewandert.

Mittwoch, 12. November 2008

Zillmer: Großsäuger und Saurier

In meiner kleinen Polemik gegen Zillmers Irrtümer der Erdgeschichte hatte ich mich ja ausführlich über den Unterschied zwischen Großsäugern und Ordnungen der Säugetiere ausgelassen und die Unfähigkeit von Herrn Zillmer, diesen Unterschied zu erkennen. Das konnte Zillmer natürlich nicht so stehen lassen. Geht es hier doch immerhin um nichts weniger als um ein Kernstück seiner Zeitkürzungstheorie.

Wer hier verwirrt ist, sollte der Leser selbst beurteilen. Um die Jahreswende 1998/1999 fand im Internet bei „Nature“ eine heftige Diskussion unter Experten statt. Denn klar ist, dass während der Dinosaurier-Ära nur rattengroße, primitive Säugetiere gelebt haben sollen. Erst mit dem Ableben der Saurier vor 65 Millionen Jahren entwickelten sich die Säugetiere zu komplexeren und größeren Formen. Wenn man diese Entwicklung der Säugetiere 35 Millionen in die Erdvergangenheit zurückverlegt, beginnt die Entwicklung auch 35 Millionen Jahre früher. Ries schreibt selbst, dass sich die 5 Hauptlinien der Saeugetiere bereits nach Kumar/Hedges in der Kreide entwickelt haben sollen. Das setzt erst einmal eine lang andauernde Entwicklung nach der Evolutionstheorie voraus. Das ist eine Wissenschaftsrevolution der Theorien!!!! Umdenken wäre angebracht. Aber das hat Ries nicht nötig, sondern spricht von schrägen Darstellungen in „Irrtümer der Erdgeschichte“. Das Fabulieren über irgendwelche Größenverhältnisse von Säugetieren oder Haarspaltereien über die „Großsäuger oder größere Säugetiere“ dient Ries nur der insgesamt angewendeten Vernebelungs- und Rhetorik-Taktik: Nur nicht mit dem eigentlichen Problem beschäftigen. Jeder kann den Artikel bei Nature, bei Bild der Wissenschaft o.ä. nachlesen. Auf jeden Fall ist eine Vorverlegung der Entwicklung größerer und komplizierterer Säugetiere in die Kreide eine Sensation und würde gravierende Änderungen der herrschenden Ansichten erzwingen.
Ich will überhaupt nicht bestreiten, dass damals eine Diskussion stattgefunden hat. Aber ich bestreite schlicht, dass man Zillmers Aussage "Gemeinsam mit den Dinosauriern lebten nicht nur Menschen, sondern auch grosse Säugetiere, wie die Untersuchung fossiler Erbsubstanz bestätigen. (Nature 392/1998) - Im Widerspruch zu den Dogmen der Evolutionstheorie." in irgendeiner Weise aus dem Artikel von Kumar/Hedges ziehen kann. Ebenso bestreite ich, dass es Dogmen in der Evolutionstheorie gibt, die vorschreiben, wann sich welche Tiergruppe entwickelt haben muss. Eine neue oder verbesserte Methode kann in der Wissenschaft immer neue Erkenntnisse bringen, die alte Ansichten über den Haufen wirft. Abgesehen davon hat das angebliche Dogma, dass zu Zeiten der Dinosaurier nur rattengroße Säugetiere lebten, nichts mit der Evolution der Hauptlinien der Säugetiere zu tun. Denn über die Größe der damals lebenden Säuger ist hier überhaupt keine Aussage getroffen worden. Und innerhalb einer Ordnung können ziemlich unterschiedliche Größenklassen vertreten sein, sogar bei relativ nahe verwandten Arten. Ich will hier nur auf die Wale verweisen, wo alleine die Zugehörigkeit zur Ordnung nichts über die Größe aussagt (die reicht vom Kalifornischen Schweinswal mit nur 1,5 m und 50 kg bis hin zum Blauwal mit über 150 t).
Zillmer zeigt aber auf beispielhafte Weise, wie Pseudowissenschaftler sich die Fakten soi lange zurechtbiegen, bis sie zu ihren kruden Thesen passen. Ich empfehle wirklich jedem, sich den Originalartikel aus Nature (Kumar, s., Hedges, S.B.(1998): A molecular timescale for vertebrate evolution, Nature 392 , 917-920.) zu Gemüte zu führen. Also nichts mit "Wissenschaftsrevolution der Theorien", den die Theorie ist nicht davon betroffen. Nur der Zeitablauf wurde neu umgestellt, weil neue Erkenntnisse hinzu kamen. Genau so funktioniert aber Wissenschaft. Das ist quasi das Alltagsgeschäft.

Ach!

Heute vor 85 Jahren erblickte Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow das Licht der Welt. Besser bekannt ist er unter seinem Pseudonym, Loriot. Ich möchte ihm hiermit herzlich gratulieren und fü all die vielen Späße danken, von denen die Meisten echte Klassiker geworden sind. So natürlich die zwei Herren im Bad!

Dienstag, 11. November 2008

Organspendepflicht für ALG II Empfänger?

Diese Nachricht hat dann doch einigermaßen schockierende Wirkung. Und sie lässt vermuten, dass der Bayreuther Volkswirtschaftler Prof. Peter Oberender ein klein wenig zu viel Soylent Green gesehen hat. In einem Interview blafaselte er über die Möglichkeit, einen legalen Markt für Spenderorgane (auch aus der dritten Welt) zu schaffen. Menschen in existentiellen Notlagen solle so die Möglichleit gegeben werden, über eine Versteigerung ihrer Organe die zum überleben notwendigen Mittel zu beschaffen.
"Es ist doch folgende Situation: Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren. So muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit haben, durch den Verkauf von Organen und zwar geregelten Verkauf … ähnlich der Börse, dass man sagt, wer ist zugelassen zu dem Handeln. Es muss auch geprüft werden, wer darf das Organ entnehmen. Und dann wird praktisch das Organ versteigert."
Habe ich das richtig verstanden? Über den Verkauf seiner eigenen Organe den Lebensunterhalt zu bestreiten, hält dieser Typ für einen gangbaren Weg? Quasi ausschlachten und versteigern, Vorzugsweise aus der dritten in die erste Welt, aber das Ganze ginge sicher auch mit Leistungsempfängern hierzulande, wie bei telepolis angemerkt wird. Denn von ALG II Empfängern wird verlangt, alles legale zu unternehmen, um die Hilfsbedürftigkeit zu verringern. Das dürfte dann eine Niere sicher mal drin sein, oder? Ach, und braucht eigentlich jeder Mensch unbedingt zwei Augen? Zum Glück haben unsere Altvorderen den seltsamen Phantasien ihrer Nachfahren einen hübschen Riegel vorgeschoben; Das Grundgesetz. Das regelt bereits im ersten Artikel
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Und der zweite Artikel (Abs. 2) präzisiert noch:

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Körperliche Unversehrtheit schliesst eine zwangsweise Spende von Organen wohl aus. Zumindest im Geltungsbereich des Grundgesetzes, aber wie sieht es eben mit ärmeren Ländern der so genannten Dritten Welt aus?

Vor allem Länder wie Indien - in denen heute ein großer Graumarkt für Organspenden existiert - würden von so einem Geschäftmodell profitieren, sagt Peter Oberender. Sie würden höhere Preise erzielen, wenn sie ihre Organe wie bei Warentermingeschäften oder Wertpapierbörsen anbieten könnten.

Wollen wir wirklich von dort Organe importieren, als einzige Möglichkeit der Leute in den betreffenden Ländern, an der Weltwirtschaft teilzunehmen? Wollen wir wirklich eine Börse für Organe einrichten? Möglicherweise mit all den an den Börsen heutzutage üblichen Spekulationsgeschäften? Wie schön sich da Geld verdienen lässt, haben die Aussschläge an den Rohstoffmärkten in diesem Jahr sehr hübsch gezeigt. Und Nieren, Lebern, Augen etc. sind schliesslich (wenn wir schon einmal emotionslos sein wollen). Organe als Spekulationsobjektem deren Preis von Investoren hochgetrieben wird??

Interessant ist bei der Geschichte, dass Herr Oberender auch gerne für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft auftritt und dort als Gesundheitsexperte fungiert. Allem Anschein nach füllt ihn sein Job an der Universität Bayreuth nicht richtig aus.

Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!




Zillmer; Findlinge und fossile Bäume, die zweite.

Nochmal zu Herrn Zillmer seiner Stellungnahme:

Ein entsprechendes Szenario beobachtete man 1980 beim Ausbruch des Vulkans Mount Saint Helens im US-Bundesstaat Washington. Die Baumstümpfe wurden in den Spirit Lake gespült und stehen dort senkrecht, als wenn sie in situ gewachsen wären. Die nachfolgenden Schlamm- und Aschemassen begruben diese Baumstümpfe schnell. Und nach der ebenfalls schnellen Erhärtung dieser Schichten entsteht das beschriebene Phänomen. Sollten Geologen in ein paar tausend Jahren keine Kenntnis von dem Vulkanausbruch haben, wird man den blitzschnell gebildeten Gesteinsschichten ein Alter von etlichen Millionen Jahren im Sinne des lyellistisch-darwinistischen Dogmas geben. (Zillmer, Irrtümer der Erdgeschichte, S. 25)
Nun hatte ich dazu geschrieben (Zillmers Kommentare in Rot)

Das würde ich als äußerst unwahrscheinlich ansehen (wirklich? oder nur vielleicht?), denn die hier beschriebenen Ablagerungsmilieus sind den Geologen durchaus auch aus der Erdgeschichte bekannt (Spinnerei, denn keiner kennt die Umstände der Ablagerung in der Erdvergangenheit wirklich) . Man kennt also sehr wohl Vorgänge, in denen mächtige Schichtenpakete innerhalb einer kurzen Zeit (in diesem Fall Minuten und Stunden) entstehen können und kann (wie das denn?) sie oftmals durch eine genaue Geländeaufnahme auch erkennen (man kann zwar Brüche bzw. Verwerfungen und auch Wassertätigkeit erkennen, etc. Aber wie misst er denn die Stunden in der Erdvergangenheit?). Spätestens bei einer faziesanalytischen Untersuchung sollte der bearbeitende Geologe Gewissheit haben (tatsächlich? Also eine Art Stundenbuch der Erdvergangenheit? Dann dürfte ja auch keine Neu- oder Umdatierungen geben). Zillmer baut hier also ein Problem auf, das mit der wissenschaftlichen Wirklichkeit nichts zu tun hat. Und Lahare, also vulkanische Schlammablagerungen und auch die Ablagerungen sogenannter pyroklastischer Ströme sind uns auch aus der Erdgeschichte bekannt (vergleiche Pyroklastische Ströme). Hat keiner bestritten.

Was soll man dazu sagen? Auße,dass Zillmer mal wieder den ahnungslosen gibt. Natürlich kann man, wenn man die heutigen Ablagerungsmilieus erforscht, auch Rückschlüsse auf frühere Bedimngungen machen. Vulkanausbrüche werden sich auch in der Vergangenheit der Erde in ähnlicher Weise abgespielt haben, wie sie es heute tun. Es gibt keinen Grunbd, daran zu Zweifeln. Zumal wenn sich die Ablagerungen so stark ähneln, wie sie es sehr häufig tun. Von daher sind Geologen sehr gut in der lage, aus den gefundenen Ablagerungen auf vergangene Ereignisse zu schliessen. Wenn man aber Zillmers Einwand weiterspinnt, dann würde nicht nur jegliche Geologie als Wissenschaft unmöglich werden, auch Zillmer würde keinerlei Chance mehr haben, seine Ideen zu belegen.

Bemerkenswert sind seine Kommentare zur "Geologischen Geländeaufnahme". Wer seine Bücher mal aumerksam gelesen hat, den verwundern sie nicht. Denn so etwas hat er bisher strikt vermieden.
Zum Thema Faziesanalyse. Genau darum geht es eben nicht. Faziesanalyse ist kein geologisches Stundenbuch, noch ein Datierungsverfahren. Wie kommt Herr Zillmer nur auf dieses schmale Brett? Die Faziesanalyse dient der Feststellung, welcher Fazies ein vorgefundenes Gestein angehört, also unter welchen Ablagerungsbedingungen es entstanden ist.

Ries schreibt, dass ich im dunklen Wald pfeife. Ich habe nicht behauptet, dieses Problem als Erster angesprochen zu haben. Im Gegenteil, es gibt genügend Publikationen über dieses Problem, auchb geologische. Ist es nun kein so grosses Problem für die Geologie, aber eben doch ein kleineres grosses Problem oder wie jetzt?
Es ist genau genommen überhaupt kein Problem. Und das ist es schon sein über 100 jahren nicht, wenn man das Werk von Dawson aufmerksam liest. Und wenn man das tut, wird man schnell merken, dass diese Fossilien ein Problem für jegliche Sintflutverfechter darstellen.

Nur, wenn man ein Problem kennt, hat man – wie Ries und die Geologie allgemein – noch keine Erklärung dafür. Dokumentation und Erklärung sind zwei Paar Schuhe.
Ja, Dokumentation ist noch keine Erklärung. Aber Dawson hat neben einer ausführlichen Dokumentation auch eine schlüssige Erklärung geliefert. Nämlich dass die Fossilien in situ stehen. Sie zeigen deutlich Spuren von Wurzeln im Untergrund, also können sie kaum angeschwemmt worden sein. Vielmehr können sie bei einem Sturmflutereignis ertrunken sein, wie es auch heute noch verschiedentlich bei Dammbrüchen und Sturmfluten passiert.

Probleme erkennen und logisch erklären sind zwei ganz verschiedene Sachverhalte. Ries gibt mir also recht, dass „polystrate“ Baumfossilien mehrere geologische Schichten durchstoßen. Er sieht dies aber nicht als Problem an. Das Problem ist, dass globale


Ja, das will ich nicht bestreiten. Warum auch?

Erscheinungsformen immer durch lokale Szenarien erklärt werden. In vielen Fällen auf der ganzen Welt durchstoßen diese Bäume bis zu zig geologischer Schichten, besonders in Kohle, siehe Abbildung auf Seite 278 in „Irrtümer der Erdgeschichte“ – ein Beispiel von sehr vielen. Hier werden Schichten durchstoßen, die geologisch uralt sein sollen.


Ja und? In vielen Gegenden der Erde und zu vielen Zeiten sind Meere und Flüsse über die Ufer getreten.

Denn nach Ries bzw. der Torfmoor-Theorie von Potonie entstehen Kohleschichten als nacheinander und aufeinander gewachsenen Wäldern bzw. Mooren. Das dauert jeweils lange, man überlege wie viel organisches Material nötig wäre um eine Kohleschicht zu erzeugen.


Wo liegt das Problem?

Dawson, J.W., 1868. Acadian Geology. The Geological Structure, Organic Remains, and Mineral Resources of Nova Scotia, New Brunswick, and Prince Edward Island, 2nd edition. MacMillan and Co.: London, 694pp.

Montag, 10. November 2008

Zillmer: Findlinge und Fossile Bäume

Da fällt mir ein: Ich wollte nach der Löschung des Forums auf meiner Seite immer noch mal wieder meine Antwort auf seine Stellungnahme zu meiner Buchrezension der "Irrtümer der Erdgeschichte" bringen. Ich denke, das hier dürfte der angemessene Rahmen sein, mit diesem löblichen Vorhaben zu beginnen.

Fangen wir also mit dem ersten Kapitel an:
Hier zeigt ishc deutlich, dass Herr Zillmer ein kleiner Spassvogel ist, schreibt er doch als Einleitung:

Hinweis des Autors

Die "Rezension" von Gunnar Ries (Ursprungstext schwarz) wird hier kommentiert (roter Text), Untersteichungen des Ursprungstextes wurde nachträglich zur besseren Veranschaulichung vorgenommen.

Leider hält er sich nicht daran. So finden sich Texte, die eindeutig aus meiner Tastatur stammen, bei ihm in rot wieder. Tststs, Herr Zillmer. Ist ihne so die Galle hochgekommen ob meiner kleinen Polemik?

Viel Lärm bzw. Rauch oder auch Haarspalterei wie Ries schreibt soll den Blick auf das Problem verschleiern. Was hat Herr Ries ausgesagt? Banalitäten aus geologischer Sicht umfangreich verpackt, gepaart mit Vermutungen und Halbwahrheiten. Sein Fazit: Das auftreten von einzelnen gerundeten Blöcken belegt alles, nur keine Sintflut in historischer Zeit. Ich hatte u.a. in diesem Fall von von Findlingen geschrieben, die wie gesät auf der Hochebene herumliegen und nicht von einem einzelnen Findling. Und zwar in diesem Fall in über 2000 Meter Höhe im Yellowstone Nationalpark. Ries behauptet (vor Ort war er dort natürlich noch nicht), dass ihre Form als auch ihr Erscheinen auf der Erdoberfläche selber nichts anderes als das Werk der Verwitterung sind. Eine klassische Ferndiagnose: ich weiß es zwar nicht, aber was nicht sein kann wird bezweifelt.

Nun, was soll ich dazu sagen? Außer dass Herr Zillmer anscheinend nicht ganz mitbekommen hat, was ich schrieb. Dass es sich um viele Blöcke handelte, war mir klar. Und ob ich dort war oder nicht, ist nicht weiter relevant. Ich kenne viele Gegenden, beispielsweise aus Afrika (Tansania, Uganda, Nigeria), wo auch Blöcke aus Granit offen auf der Erdoberfläche herumlungern. Und nein, sie werden nicht als Belege für eine Eiszeit gesehen. Warum denn auch? Und nein, eine Flut hat sie auch nicht dort abgelegt. Und ob meine Worte nun Banalitäten sind, weiß ich nicht. Für mich sind sie es, aber wer wie Herr Zillmer über die Wirkungsweise der Verwitterung im Dunkeln tappt? Aber sehen wir weiter, was er schreibt:

Errastische Blöcke bzw. glatt geschliffene Blöcke wie in diesem Fall als das Ergebnis einer Klüftung bzw. physikalischen Verwitterung zu charakterisieren und dann zu schreiben, dass sich nach dieser Verwitterungstätigkeit die Findlinge einer Erosionstätigkeit ohne jedes Anzeichen sehr lange trotzen, ist ein starkes Stück und unverfrorene Polemik. Dort in über

2000 Meter Höhe herrscht eiskalter Winter mit entsprechenden Frost-Tau-Wechseln. Ich wiederhole die Frage: Woher kommen die vielen tonnenschweren, glattgeschmirgelten Findlinge in über 2000 Metern Höhe? Ausreichende Schiebetätigkeit von Wasserfluten kann es dort oben kaum geben, deshalb die abenteuerliche Riessche Verwitterungstheorie. Wie lange bleiben diese Blöcke dort oben erhalten bzw. trotzen der Erosion? Liegen die Blöcke und schon seit der Auffaltung der Rocky Mountains vor angeblich 75 bis 60 Millionen Jahren dort oben, quasi empor gehoben? Ries hat kein Problem mit derart langen Zeiträumen. Als Bauingenieur kann ich mir nicht vorstellen, dass Gesteinsblöcke etliche oder zig Millionen von Jahren ohne Erosionsanzeichen herumliegen. Fazit: Ries hat sich mit dem von mir beschriebenen Fall gar nicht befasst, sondern irgendetwas geologisch Fachliches geschrieben, was im Einzelfall vielleicht durchaus richtig sein kann, aber sich eben nicht als Pauschalurteil bzw. lässig in die Diskussion geworfene Ferndiagnose eignet und zur Kritik im vorliegenden Fall schon gar nicht.



Herr Zillmer hat anscheinend keine Ahnung, was er hier schreibt. Nicht, dass mich das verwundert. Aber gut, ich gehe mit. Und ich erhöhe sogar: Ich behaupte, dass die rundliche Form unserer mitteleuropäischen Findlinge nicht durch das Eis verursacht ist. Sondern das Werk der Verwitterung ist. Aber nicht der physikalischen, wie Zillmer mir unterstellt, sondern der chemischen. Wie gesagt, ich kenne derartige rundliche Blöcke aus Afrika, wo definitiv kein Gletscher im fraglichen Zeitraum (also die letzten 200 Millionen Jahre) beteiligt war. Und genau da kam mein ursprünglicher Text ins Spiel. Die rundliche Form ist typisch für Granit, der von der tropischen Verwitterung bearbeitet wurde. Denn die geht bevorzugt die Ecken und Kanten eines Steines an. Und in den letzten 60 bis 80 Millionen Jahren hatten wir durchaus tropische Verhältnisse in Skandinavien. Das Eis der Eiszeit hat dann die Blöcke nur noch hier abgelegt. Rundgeschliffen hat es da nichts.

Abgesehen davon trugen auch die Rocky Mountains in der Eiszeit eine Eiskappe.
http://www.yellowstonenationalpark.com/glaciations.htm

Zillmer

Mein alter Freund und Kupferstecher Hans-Joachim Zillmer rühmt sich ja auf dem Klappentext seines Buches "Die Evolutionslüge" und auf seiner Webseite mit der Nominierung zum "International Scientist of the Year". Wem dieser Titel schon immer ein wenig suspekt vorkam, braucht nur mal einen Blick nach Wikipedia zu werfen. Diese und auch andere Titel mit ähnlich klaghaftem Namen kann man beim International Biographical Institute für ein bisschen Kleingeld erwerben. Nun ja, wer es nötig hat...
http://de.wikipedia.org/wiki/International_Biographical_Centre

Da fällt mir ein: Ich wollte nach der Löschung des Forums auf meiner Seite immer noch mal wieder meine Antwort auf seine Stellungnahme zu meiner Buchrezension der "Irrtümer der Erdgeschichte" bringen. Ich denke, das hier dürfte der angemessene Rahmen sein, mit diesem löblichen Vorhaben zu beginnen.

Die Landkarte Gottes


In manchen Foren geistert ja eine vermeintliche, 120 Millionen Jahre alte Landkarte Gottes herum. Das Ganze wird ja wahlweise als Beleg für Aliens, antike Superzivilisationen oder Götter genommen. Das ist aber weniger geheimnisvoll, als man uns da gerne weissmachen will:

Die unterste Schicht, ca. 14 cm dick, ist eine natürliche Steinplatte
aus hartem Dolomitgestein. Darüber liegt, knapp 2 cm stark, eine Schicht
aus Diopsidglas, aufgetragen mit einer Technik, die uns heute unbekannt
ist. In dieser Glasschicht ist das eigentliche Relief herausgearbeitet.
Darüber liegt dann noch eine knapp 2 mm starke weiße Schicht aus
Calcium-Porzellan, die offenbar die empfindliche Oberfläche stoß- und
schlagfest machen sollte und die dem Stein das charakteristische
Aussehen verleiht.

Das Ganze ist möglicherweise so entstanden: Wir haben einen Kalkstein(Dolomit ist Magnesiumhaltiger Kalk), der mit einem Magma in Berührung kam. Kommen Gesteinsschmelze und Kalk in Kontakt, entsteht das Mineral Diopsid. Das nennt man Kontaktmetamorphose.
ch vermute mal stark, das die vorgeblichen Bergsymbole duch die kristallographischen Richtungen des die Karte aufbauenden Minerals vorgegeben. Denn Kalk bricht spatig,, er hat eine Spaltbarkeit. Dabei bilden sich Spaltrhomboeder mit der Abbildung vergleichbaren Winkeln. Vergleiche Doppelspat, was nichts anderes als ein Spaltrhomboeder aus klarem Calcit ist.

Hic sunt dracones

Hier leben Drachen, damit halfen sich mittelalterliche Kartografen aus der Patsche, wenn sie die weißen Flecken der Landkarte kaschieren wollten. Mittlerweile haben wir die Zahl der unbekannten Gebiete auf dem Globus ja stark verkleinern können, und Drachen sind uns dabei noch nicht begegnet. Jedenfalls keine, die uns mit feuerspeiendem Atem entgegenkommen. Leider aber ist der Siegeszug der Vernunft nicht überall so deutlich vollzogen worden wie auf den Landkarten. Und fast sieht es so aus, als wenn das irrationale gerade heute wieder fröhliche Urstände feiert. Überall werden einem mit möglichst wissenschaftlich klingenden Worthülsen die seltsamsten esoterischen Produkte angepriesen, nur um uns als Kunden für wirkungslosen Mist das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aus dem Grund hat sich ein moderner Drachentöter auf den Weg gemacht. Brian Dunning, engagierter Skeptiker, will dabei nicht nur esoterischen Hokuspokus entlarven, sondern auch eine gehörige Portion kritisches Denken unter die Menschheit bringen, damit sie derartigen Blödsinn rechtzeitig erkennt. Malte Ohlsen hat das Video mit deutschen Untertiteln versehen.

Ist der 44. Präsident der 12. Imam?

Die Wahlen zum US-Präseidentenamt haben ja so manche Phantasie beflügelt, und nicht wenige scheinen ja in dem President-elect so etwas wie eine messianische Figur zu sehen. Besonders abstrus finde ich aber einen Beitrag in dem (imho rechtslastigen) Blog Political incorrect. Da wird sich doch in die Meinung verstiegen, ob der 44. Präsident der 12. Imam sein könnte, der nach der Vortsellung mancher die Feinde des Islam schlagen und den Unglauben beseitigen wird. Ich frage mich wirklich, wie verdreht ein Mensch sein msus, um so einen Stuss von sich zu geben. Es werden vorsichtshalber auch keinerlei Fakten angeführt, die eine derartige Sichtweise stützen könnten. Dafür wird natürlich der iranische Präsident genannt. Warum? Keine Ahnung, vermutlich nur um den Irren von Theheran (Political incorrect) in einem Atemzug mit Barrack Obama zu nennen. Bei dem penetrant auch der zweite Name, Hussein, genannt wird. Auch dafür gibt es eigentlich keinen Grund. Außer natürlich, ihm einen muslimischen Hintergrund zu geben, als Argument für die verdrehte Sichtweise. Nun, den Namen hat er ja wirklich, und man muss sich wohl dafür auch nicht schämen, oder? Weil es Tyrannen gab, die den selben Namen trugen? Nun, wenn das ein Argument wäre, wie verhielt es sich dann mit anderen Politikern? Der 43. Präsident hiess George. Und so hiess auch der englische König, von dem sich die Amerikaner damals unabhängig erklärten. So weit ich weiss, wurde unter seiner Präsidentschaft zwar viel Mistgebaut, aber die Unabhängigkeit nicht widerrufen. Meiner meinung nach dienen diese Zusammenstellungen nur dem Zweck, den zukünftigen Präsidenten zu diskreditieren. Vermutlich weil man Angst hat, da er wohl kaum ein Angstbeißer sein wird wie sein Vorgänger.
http://www.pi-news.net/2008/11/44-praesident-der-zwoelfte-imam/

Die schlimmsten Universitäten in deutschlands Norden

Der NDR hat eine besondere Rangliste aufgestellt; Die schlimmsten Universitäten im Norden. Und alle drei ersten Plätze belegt die Universität Hamburg. Dabei wird uns ein herausragendes Beispiel präsentiert, welche Wertschätzung der gemeine Pfeffersack (aka "Hanseat") der Wissenschaft an sich beimisst. Zukünftige Wirtschaftswissenschaftler benötigen eben kein Sonnenlicht (wozu auch?) und Sportwissenschaftler haben schließlich stählerne Lungen, denen so ein wenig Schimmel sowieso nichts ausmacht, oder? Und Top ist dann das Institut für Bodenkunde. Ich kenne es aus eigener Anschauung und kann sagen, der Beitrag des NDR ist nicht übertrieben. Dem ahnungslosen Betrachter würde nicht einfallen, dass dieses Institut eines der Besten ist, welches die Uni Hamburg zu bieten hat. Ein alter Hochbunker, hübsch in schweinchenrosa gestaltet. Kaum zu glauben, aber das Institut ist bekannt für seine exzellente Forschung (hat sogar einen Exzellenzcluster dort beheimatet!). Hätte man Tiere so eingepfercht, würde wohl das Tierschutzgesetz greifen. Peinlich, aber wahr und meine ganze Bewunderung für die Bodenkundler, die unter diesen Umständen arbeiten müssen.
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,SPM18560_VID4916456,00.html

Freitag, 7. November 2008

Klerksdorp Sphären


In den Weiten des Internets werden ja viele Thesen verbreitet. Manche davon berühren geologische Fragen und kommen damit naturgemäß auf mein Territorium. Zumal, wenn sie entweder die geologische Zeitrechnung in Frage stellen oder die Evolution widerlegen wollen. Meist wollen sie beides zugleich. Ein Beispiel dieser Klasse sind die sogenannten Klerksdorp Sphären. Oben ist als Beispiel dieser Objekte eine dreifach sowie eine einfach gerillte Kugel abgebildet. Verschiedene Seiten über Paläo-SETI, Kreationismus und dergleichen bemühen diese Funde, um die Evolutionstheorie zu widerlegen. Beispiele finden sich hier, hier und hier. Bleiben wir erst einmal bei der hinduistischen Sicht der deutschen Seite von Gaurahari.

"über die letzten Jahrzehnte haben südafrikanische Minenarbeiter Hunderte von misteriösen metallischen Kugeln ausgegraben, deren Herkunft völlig unbekannt ist. Einige davon, die zudem über den "Äquator" drei eingravierte und parallel verlaufende Linien besitzt, befindet sich im Museum von Klerksdorp, Südafrika. Ihr Durchmesser beträgt ca. 2,5 cm."

Bis auf den Ort und die Größe sind ja nicht viele brauchbare Angaben zu finden. Und natürlich die drei ominösen Linien. Aber es geht ja noch weiter:

"Der Kurator, Roelf Marx sagt: "Diese Kugeln sind ein grosses Mysterium. Sie sehen menschengemacht aus, obschon zu dieser Zeit noch gar kein intelligentes Leben auf der Erde war... Sowas hab ich noch nie gesehen."

Der Kurator sagt das? Und sie sehen aus als ob. Das würde ich nun aber nicht gerade eine brauchbare Aussage nennen. Schon gar nicht, wenn ich auf ihr ein Weltbild errichten will oder eine Theorie widerlegen möchte.

"Desweiteren erklärt er 1984 in einem Brief an Cremo, dass es über diese Funde noch keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen gibt. Sie wurden in Pyrophyllit, in einer präkambrischen mineralischen Ablagerung (ca. 2.8 Milliarden Jahre alt), in der Nähe der Kleinstadt Ottosdal gefunden. Sie sind so hart, dass sie nicht mal mit Stahl zerkratzt werden können."

Das ist ja schon etwas mehr. Fangen wir doch mal mit dem Pyrophyllit an. Pyrophyllit ist ein Schichtsilikat von geringer Härte (Mohs Härteskala bei 1 - 2, die Angaben schwanken ein wenig). Die Formel lautet: Al2[(OH)2/Si4O19]. Es entsteht unter den Bedingungen der Metamorphose oder Metasomatose aus Alumosilikaten.
Was die Härte der Kugeln angeht, die so hart sind, dass nicht mal Stahl sie ritzen kann, klärt uns schon ein einfacher Blick auf die Mohs´sche Härteskala auf. Minerale der Härte 5 sind mit dem Messer (Stahl) noch ritzbar, die der Härte 6 nur noch mit einer Stahlfeile. Darüber ist dann Feierabend. Bedeutet im Klartext, dass bereits Feldspat vom Messer unbeeindruckt ist und Quarz keine Stahlfeile mehr fürchtet. Schon in älteren Berichten (Nel, LT., H. Jacobs, J.T. Allen and G.R. Bozzoli 1937. Wonderstone. Geological Survey of South Africa Bulletin no. 8.) über die Fundstelle wurden Pyritknollen beschrieben. Pyrit hat eine Härte von 6 bis 6,5, also durchaus hart genug, um sich von (handelsüblichem) Stahl nicht ritzen zu lassen. Pyrit kann auch kugelförmig auftreten. Neuere Untersuchungen der Kugeln (Heinrich, P.V. 2007. South African concretions of controversy: South African Lapidary Journal. vol. 39, no. 1, pp. 7-11.) mit petrographischen Methoden und Röntgendiffraktometer haben ergeben,
dass sie aus Hämatit (Fe2O3) oder Wollastonit (CaSiO3) bestehen. Wollastonit hat eine Härte von 4,5 bis 5, müsste das Messer also noch fürchten. Hämatit hat 6 bis 6, und sollte, ebenso wie der Pyrit, da unbeeindruckt bleiben. Auch Hämatit bleibt gerne kugelig. Einige der von Heinrich (2007) untersuchten Kugeln zeigte ebenfalls die charakteristischen parallelen Linien. Abgesehen davon, dass verschiedene Protagonisten behaupten, dass die Kugeln stets einzel auftreten, fanden sich auch Gruppen ineinander verwachsener Knollen, wie sie für viele der kugeligen Mineralaggregate typisch sind. Im frischen Pyrophyllit kommen sie als Pyrit, in den verwitterten Zonen als Hämatit vor. Und die parallelen Linien weisen auf das feinlaminierte Substrat hin, in dem die Kugeln als Konkretionen gewachsen sind. Vergleichbares zeigen auch die bekannten Mocqui Murmeln. Die Konkretionen haben sich aus Lösungen gebildet, die in dem umgebenden Gestein zirkulierten. Die feineren Schichten mit vergleichsweise undurchlässigem Material verhinderten das Eindringen der Lösungen und simit dort das Wachstum der Konkretionen.
Wie das sonst bei vielen der angeblich rätselhaften Funde so üblich ist, strotzen auch hier die Berichte von Unwahrheiten, Flaschdarstellungen und teilweise dreisten Lügen. Mal wird dem armen Kurator unterstellt, er hätte behauptet, die Kugeln würden sich auf unerklärliche Weise in dem Museum drehen. Auf Anfrage hat dieser aber erklärt, dass sie sich aufgrund der Erschütterungen durch die vielen Sprengungen der Minen bewegten.
Vielleicht sollte man noch die Urquelle der Geschichte kurz beleuchten: Jimison, S. 1982. Scientists baffled by space spheres: Weekly World News (July 27, 1982). Wer sich auf dieses Produkt (ich möchte es wirklich nicht Zeitschrift nennen) beruft, verdient eigentlich eine Bauchlandung. Weekly World News wollte ja auch schon Hillary Clinton ein Alien Baby unterschieben.
Research Blogging Awards 2010 Winner!
 
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