Dienstag, 31. März 2009

Edel sei der Urmensch, hilfreich und gut

Unsere Vorfahren gelten us ja meist als barbarische Wilde, die in einer harten Umwelt um ihr Überleben kämpfen mussten und dabei keine Zeit und auch keine Ressourcen übrig hatten, um sentimentalen Gefühlen nachzuhängen. Was zu schwach war, um aus eigener Kraft zu überleben, das ging in dieser welt unter. Ein Bild, das wohl so ziemlich absolut falsch ist (und trotzdem immer wieder gerne aus ideologischen Gründen hervorgeholt wird). Denn selbst der Vorfahre des Neanderthalers, der Homo heidelbergensis, hat sich liebevoll um seine Mitmenschen gekümmert. Das zeigt der Schädel eines Kindes dieser Menschenart. Das Kind litt unter Kraniosynostose, einer Krankheit, bei der die Schädelnähte vorzeitig verknöchern und der Schädel dem sich entwickelnden Gehirn zu wenig Platz bietet. Folgen sind unter anderem ein stark deformierter Schädel und nur sehr eingeschränkte geistige Fähigkeiten. Heute kann man mit operativen Eingriffen die Folgen weitgehend verhindern, aber für einen Homo heidelbergensis war es ein schweres Schicksal. Und dennoch wurde das Kind nicht einfach seinem Schicksal überlassen, sondern mindestens fünf Jahre lang umsorgt.
Gracia, A. et al.: Craniosynostosis in a Middle Pleistocene human: Cranium 14 from the Sima de los Huesos, Atapuerca, Spain. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073/pnas.0900965106, 2009.
Die Edlen Wilden
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