Dienstag, 7. April 2009

Erdbeben in Italien; wurde es vorhergesagt?

Das Erdbeben in der Region um die Stadt L´Aquila hat bislang mehr als 170 Tote gefordert. dabei dürfte es wohl aber nicht bleiben, wenn man sich die Zerstörungen ansieht. Auf Flickr sind einige Bilder aus der Erdbebenregion zu finden. In Italien, und wohl nicht nur dort streitet man sich darüber, ob der Physiker Giampaolo Giuliani das beben nun vorhergesagt hat oder nicht. Giuliani hat in der Region die Austritte des radioaktiven Edelgases Radon gemessen. Dieses Gas ist ein Produkt der Zerfallsreihen von Uran und Thorium, die in verschiedenen Kineralen der Erdkruste eingebaut werden können. Das Gas selber hingegen kann unter gewissen Umständen aus den Mineralen und dem Gestein austreten. Besonders dann, wenn sich viele kleine Mikrorisse in das Gestein hineinziehen, wie es bei starker Beanspruchung der Erdkruste passiert. Beispielsweise wenn direkt vor einem Erdbeben die Spannung in den Gesteinen steigt. Dies macht das Gas für die Vorhersage von Erdbeben interessant, wenn man dabei parallel die Häufigkeit und die Intensität von Erdbewegungen misst. Es ist also nicht ganz so, wie Giuliani im Hamburger Abendblatt sagt:
"Die herkömmliche Erdbebenforschung misst Erdbeben, während sie sich ereignen." Seine eigene Methode könne das Leben vieler Menschen retten, da sie helfen könne, die Erdstöße bis zu 24 Stunden im Voraus anzukündigen.
Weder ist er der erste, noch der einzige, der Radon als Möglichkeit nutzt, Erdbeben vorherzusagen. An der San Andreas Verwerfung wird routinemäßig Radon in Bohrlöchern gemessen. Das Problem dabei ist bisher immer gewesen, dass bestenfalls Zufallstreffer produziert wurden. Manche Erdbeben konnten mit hinreichender genauigkeit vorhergesagt werden, andere hingegen nicht. Es ist also gut möglich, dass Giuliani etwas gemessen hat. Aber daraus nun eine Vorhersage zu machen, wird schon schwieriger., vor allem wenn man die Fakten seiner Vorhersage betrachtet: Ein Erdbeben um den Ort Sulmona (rund 30 Kilometer von L´Aquila entfernt) am 29. März, also um ein konkretes gebiet zu einer konkreten Zeit. Das ist nicht eingetreten. Passiert ist es aber in L´Aquila und am 6. April, also gut eine Woche später. Könnte ein Treffer sein, aber es könnte auch Zufall sein. Jedenfalls ist die Ungenauigkeit in Raum und Zeit für Entscheidungsträger problematisch. Was wäre gerettet worden, wenn man den Ort Sulmona evakuiert hätte und L´Aquila nicht? Oder die Bewohner des einen Ortes in die Stadt gebracht hätte? Wie lange muss eine Warnung aufrecht erhalten werden und nach welchen Signalen kann entwarnung gegeben werden?

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