Montag, 27. April 2009

Unsere Abgeordneten und Homöopathie

In der Schweiz läuft gerade eine Volksabstimmung darüber, ob das Recht auf (erwiesenermaßen unwirksame!) alternative Heilmethoden wie Homöopathie auch in die Verfassung egschrieben werden soll. Grund genug, auch unsere Abgeordneten mal darüber zu befragen, wie sie es mit der Schulmedizin und der wissenschaftlichen Überprüfung der Wirksamkeit alternativer Methoden halten. Herausgekommen ist etwasm das mich über die Maßen erschreckt! Anscheinend wissen nur wenige Abgeordnete, was Wissenschaft überhaupt ist, und wie man die Wirksamkeit von heilmetoden zuverlässig überprüfen kann. Das alleine wäre für sie, die ja meist einen akademischen Hintergrund haben, schon mehr als peinlich. Aber diese leute wollen Entscheidungenm treffen, die über das Wohl und Wehe unseres Landes und seiner bevölkerung entscheiden! Bemerkenswert ist zum beispiel die Antwort von Birgitt Bender (Grüne):
Die gesetzliche Krankenversicherung kann nur solche Behandlungsmethoden und Arzneimittel finanzieren, deren Wirksamkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit nachgewiesen ist. Dieser Grundsatz muss selbstverständlich auch für die Heilmethoden und Arzneimittel der Komplementärmedizin gelten.
Ok, soweit kann ich durchaus mitgehen. Das sollte eigentlich auch selbstverständlich sein, oder? Danach kommt es aber hammerdick!

Wir lehnen allerdings die weit verbreitete Haltung ab, dass Wirksamkeitsprüfungen ausschließlich über randomisierte und placebo-kontrollierte Doppelblindstudien (wissenschaftliche Studien, in deren Rahmen z.B. Arzneimittel getestet werden) erfolgen könnten. Diese Haltung ignoriert die methodischen Grenzen dieser Studien und auch die besondere Wirkungsweise komplementärmedizinischer Behandlungsformen. Wir treten für vielfältige Nachweisverfahren ein, in die z. B. auch die Nutzenbewertung aus Sicht des/der einzelnen PatientInnen einfließt.
Aua! Es werden also wissenschaftliche Methoden abgelehnt, die eindeutige und überprüfbare (!) Ergebnisse liefern und durch Anekdoten ersetzt werden. Und was bitte sollen die "besonderen Wirkungsweisen komplenmentärer Medizin" sein?

Sehr schön auch die Antwort von Gesine Lötzsch (Linke):

Der Fixierung auf die westliche Schulmedizin und den damit verbundenen
Glauben, Medikamente seien immer die beste Lösung zur Heilung von Krankheiten, muss - wie Sie sagen - auch überwunden werden. Viele alternative Heilungsmethoden wie die Homöopathie, aber auch fernöstliche Methoden können oft ergänzend genutzt werden bzw. stellen teilweise sogar die bessere Alternative dar. Die Dominanz und Macht der
Pharmaindustrie muss hier zumindest gedeckelt werden.
In eine ähnliche Richtung zielt auch Nina Hauer von der SPD:
Darüber hinaus hat der Gemeinsame Bundesausschuss dem gesetzlichen Gebot zur Wahrung der Therapievielfalt in seiner "Ausnahmeliste" Rechnung getragen. Denn er hat zur Behandlung der Erkrankungen, die in der "Ausnahmeliste" aufgeführt sind, auch die Verordnung von homöopathischen und anthroposophischen Medikamenten zugelassen, wenn diese Arzneimittel bei den jeweiligen Erkrankungen den Therapiestandard in der jeweiligen Therapierichtung darstellen. Den Therapiestandard in den besonderen Therapierichtungen bestimmen also die homöopathisch und anthroposophisch orientierten Ärzte und nicht etwa die Vertreter der Schulmedizin.

Das ist fast schon als wissenschaftsfeindlich zu bewerten. Hier wird ein medizinisch-wissenschaftliches Weltbild verworfen, welches uns in den letzten beiden Jahrhunderten einen beispiellosen Erfolg gegen fast alle bekannten Krankheiten beschert hat. Und das ausgerechnet zugunsten eines anderen, welches in all den Jahrtausenden auch nicht einmal ansatzweise so etwas wie einen durchschlagenden Erfolg vorzuweisen hat. Ich frage mich bei derartigen Antworten wirklich, ewie die Ansichten der betreffenden Politiker in anderen, für eine wissens- und wissenschaftsbasierte Gesellschaft essentiell wichtigen Gebieten aussieht. Ich danke den Leuten von http://www.kandidatenwatch.de und Florian Freistetter von astrodictum simplex für diese kleine Wahlhilfe.

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