Donnerstag, 18. Juni 2009

Betrug in der Wissenschaft

Vor dem Landgericht in Frankfurt hat gestern der Prozess gegen Dr. Reiner Protsch von Zieten begonnen, der von 1973 bis zu seiner Suspendierung 2004 der Leiter des Instituts für Anthropologie der Universität Frankfurt war. In dieser Eigenschaft war er federführend bei einem der wohl größten Wissenschaftsskandale der letzten Jahre in Deutschland. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten. So langsam kommt die ganze Chronik des Skandals an die Oberfläche. Schon lange gab es wohl Hinweise, die aber von der betreffenden Universität ignoriert wurden. Darunter etliche vollkommen falsch datierte Knochenfunde von Menschen, die teilweise rund 10 000 jahre zu alt ausgegeben wurden. Das von ihm geleitete Institut wurde 2005 geschlossen. Problematisch finde ich, dass es einerseits wohl jahrelang konkrete Hinweise auf die Tätigkeiten von Dr. Protsch gegeben hat, aber von Seiten der Universität sah sich niemand veranlasst, dem einmal nachzugehen. Während sich augenscheinlich Staatsanwalt und Gericht einig sind, die Folgen für den Angeklagten möglichst gering zu halten, müssen seine ehemaligen Mitarbeiter die Suppe auslöffeln, deren Doktorarbeiten mit der Fälschung gegenstandslos geworden sind. Daneben ist auch der Forschung und Wissenschaft allgemein und der Paläoanthropologie im Speziellen schwer geschadet worden. Besonders meine Freunde von den Pseudowissenaschaftt und Kreationisten wie Herr Zillmer haben diese Steilvorlage natürlich ausgiebig genutzt, die gesamte Branche als eine betrügerische Melange darzustellen. In dieser Hinsicht kann der Schaden, den her Protsch angerichtet hat, noch überhaupt nicht abgeschätzt werden. Da kann man sich noch so den Mund fusselig reden. Für diese Leute steht jetzt natürlich jeder Paläoanthropologe unter Generalverdacht.

Nachtrag 19.06.09. Das Urteil dürfte ein pensionierter C4 Prof wohl locker abreiten.
18 Monate auf Bewährung
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