Mittwoch, 3. Juni 2009

Wissenschaftsfeindlichkeit in der Politik

Die Schweizer haben sich ja bekanntlich entschlossen, die Wirklichkeit zu ignorieren und Hokuspokus und Esoterik aka Komplementärmedizin in die Verfassung aufzunehmen. Das weckt in manchem bundesdeutschen Politiker den dringenden Wunsch, da gleichzuziehen. Ungeachtet der Tatsache, dass alle wissenschaftlichen Studien, die diesen Namen auch verdienen, dieser "Komplementärmedizin" (Homöopathie, Akupunktur, Anthroposophie und dergleichen) jegliche Wirkung absprechen. Besonders hervorgetan hat sich hier die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen/Bündnis 90, Birgitt Bender, (die mir ja schon einmal durch ihre ausgesprochen wissenschaftsfeindliche Haltung aufgefallen war, interessanter Weise bei einem Fragenkatalog, der von Antroposophen initiiert wurde). In ihrer Pressemitteilung findet sich folgendes:
Die klare Mehrheit für die Stärkung der Komplementärmedizin in der Schweiz sollte für Deutschland ein Ansporn sein, Behandlungsmethoden wie Anthroposophie, Homöopathie oder Akupunktur gleichberechtigt in der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. Notwendig für den Nachweis von Wirksamkeit und Qualität sind gut evaluierte Modellversuche sowie eine Versorgungsforschung, die komplementärmedizinische Ansätze berücksichtigt. Hierfür müssen Forschungskapazitäten aufgebaut werden.
Nicht nur, dass sie hier (Ironie des Schicksal) der Ideologie des erklärten Rassisten Rudolf Steiner das Wort redet. Die Anthroposophische Medizin liest sich wie ein Gruselkabinett eines mittelalterlichen Quacksalbers.
Es ist auch nicht richtig, dass es keine wissenschaftlichen Studien über die Wirksamkeit der so genannten Komplementärmedizin gibt. Es gibt sie und sie sprechen ihr fast komplett eine Wirksamkeit ab, die auch nur im Entferntesten über die eines Placebos hinausgeht (so hilft Akupunktur auch ohne Nadeln, und egal, wohin man sticht). Jedenfalls gibt es da nichts, was die Euphorie von Frau Bender hinsichtlich der Komplementärmedizin von wissenschaftlicher Seite her stützt.

Ein Part, den ich besonders krass und menschenverachtend fand, ist dieser:
Wir setzen uns dafür ein, dass patientenindividuelle Therapieoptionen, die insbesondere in der "Alternativmedizin" genutzt werden, und etwa bei Patientinnen und Patienten mit antibiotikaresistenten bakteriellen Infektionen eingesetzt werden, erhalten bleiben. Die Bundesregierung stellt diese Möglichkeit, für die sich auch der Bundesrat stark macht, ins Aus.
Da sollen also Menschen, die unter antibiotikaresistenten bakterielen Infektionen zu leiden haben (und die in den meisten Fällen direkt und unmittelbar tödlich sein können) mit Hokuspokus behandelt werden? Globuli, Nadeln und zerriebenes Spinnenbein gegen multiresistente Stämme von Staphylococcus aureus kommen wohl mehr einem Todesurteil gleich als einer Hilfe. Gut, das wäre sicher auch ein Weg der Bekämpfung von multiresistenten Keimen. Ich gehe da also deutlich konform mit der Regierung und nicht mit dem Bundesrat. Damit haben sich also die Grünen/Bündnis 90 frühzeitig aus dem Rennen um meine Stimme verabschiedet.





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