Dienstag, 25. August 2009

Eingelegte Eliteuni?


Konstanz hat also eine Elite Universität. Quasi ein "Mini-Harvard am Bodensee". Und weil man mit einer Eliteuniversität ja bekanntlich zur Spitze gehört, kann man damit auch so schön bundesweit prahlen. Und wenn man dann noch als Stadt so richtig landschaftlich bevorteilt ist, weil man am Bodensee liegt, kann es mit einem schon einmal durchgehen. Was liegt also näher, sich zum Jahr der Wissenschaft 2009 mal so richtig auf die breite Brust zu trommeln? Also hat man sich flugs einen netten Wettbewerb ausgedacht. Und dann natürlich ein Siegerplakat gekürt. Das hier ist es geworden. Konstanz, die Stadt am H2O.
Der Siegerentwurf stammt aus der Feder von Harald Czogalla. „Das Plakat bringt auf eine schlichte, aber zugleich pfiffig eingängige Art und Weise zum Ausdruck, was Konstanz ausmacht: Nicht nur aufgrund seiner einmaligen Lage am Bodensee eine hervorragende Lebensqualität bieten zu können, sondern darüber hinaus auch Stätte für Spitzenforschung und innovative Technologien und Wirtschaftsunternehmen zu sein”, heißt es in der Begründung der Jury. [1]
Peinlich für unsere (selbsternannte?) Elite ist nur, dass dies dort auf dem Plakat so nicht steht, denn der Sieger scheiterte bereits an der chemischen Formel für Wasser. Denn wenn man genau hinsieht, scheint es mit der dargestellten Wasserqualität des Bodensees nicht mehr weit her zu sein. Irgendeinem in der beteiligten Jury hätte doch mal auffallen müssen, dass die dargestellte Strukturformel nicht die des Wassers, also H2O, ist. Sie ähnelt vielmehr frappierend der des Formaldehyds. Zumal es durchaus üblich ist, bei organischen Verbindungen den Kohlenstoff, also das C, schlicht wegzulassen.
Ist das also jetzt ein verdeckter Hinweis auf die abnehmende Wasserqualität des Bodensees? Oder auf die mangelnden Chemie-Kenntnisse aller Beteiligten? Sollte es letzteres sein, sind hier noch einmal die beteiligten Strukturformeln dargestellt.


Auf jeden Fall möchte ich allen Beteiligten für diese herrliche Kostprobe unfreiwilligen Humors danken. Wer hätte gedacht, dass eine Stadt so offen und freimütig bekennt, am Formaldehyd zu liegen....
Und natürlich Lars Fischer und Marcus Anhäuser, über deren Blogs dieser Spaß auch den Weg zu mir gefunden hat.

Update: Mittlerweile hat sich einer der Urheber der Kampagne zu Worte gemeldet, hier und hier. In altbekannter Nebelwerferstrategie werden erst pauschale Vorwürfe an die Kritiker erhoben (die allerdings nie gemacht wurden und die er auch auf Nachfrage nicht belegt), alles abgestritten und anschließend relativiert. Schnell wird allerdings deutlich, dass der Werber für das Wissenschaftsjahr und den Wissenschaftsstandort keinen Plan von der Materie hat. Im Ernst: Wer solche Werber für sich werben lässt, braucht sich um seinen schlechten Ruf kaum zu sorgen. Mich kotzt es (sorry!) ganz ehrlich an, dass man für Wissenschaft nicht wenigstens annähernd korrekt werden kann. Ist das so schwer? Ist eine korrekte Darstellung wirklich so unästhetisch? Das kann und das will ich nicht glauben.
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