Montag, 21. September 2009

Zwei Tote nach Gruppentherapie

Nach einer Gruppentherapiesitzung starben in Berlin zwei Menschen und einer liegt im Koma. Der Therapeut, ein zugelassener Arzt, hatte seinen Patienten einen wilden Drogenmix verabreicht, und dabei die goldene Pfuscherregel No. 1 verletzt; Behandle deine OpferPatienten nur mit etwas harmlosem. Wenn man den Spuren des "Arztes" Garri R. im Netz so folgt, stößt man auf ein ganzes Sammelsurium an esoterischem Gedankengut. Garri R. und seine Frau waren anscheinend in esoterischen Kreisen durchaus aktiv, so zum Beispiel als Referenten einer Schweizer Einrichtung geführt, die sich Therapeutisch-Tantrisch-Spirituelle Universität nennt und sich auf psycholytisches Arbeiten spezialisiert hat. Geplant ist im nächsten Jahr laut Programm im Internet ein Vortrag in Berlin sowie ein Seminar zum Thema "Heimat finden, Heimat schaffen, Heimat sein" (SpON). Eigentlich müsste man als normalsterblicher skeptischer Patient spätestens hier hellhörig werden. Problematisch dabei ist ja nur, dass zu diesen Therapiesitzungen meist Menschen kommen, die wirklich ernsthafte Probleme haben und die dringend Hilfe benötigen, also für esoterische Scharlatane die idealen Opfer darstellen. Außerdem wird es in meinen Augen dann absolut kritisch, wenn die man auf den Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin dann die entsprechende Seite des Arztes abruft und dort die "qualitätsgesicherten" Leistungen bewundern darf. Da dürfte es dann auch nicht viel helfen, wenn der Vorsitzende der Berliner Ärztekammer Günther Jonitz im Tagesspiegel auf die Frage, wie Patienten sich vor derartigen Scharlatanen schützen können, sagt:
Indem sie schon bei der Wahl des Arztes darauf achten, dass seine Methoden von den Kassen anerkannt sind und indem sie bei Zweifeln bei ihrer Krankenkasse oder der Ärztekammer nachfragen.
Abgesehen davon scheint man es dort mit einigen Dingen nicht übermäßig genau zu sehen. Wurde doch ein Wilhelm Reich Kongress (das ist der mit der Orgon-Energie) mit sage und schreibe 16 Punkten zertifiziert. Und auf den Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin kann man sich über diverse Fortbildungsmaßnahmen im esoterischen Bereich wie zum Beispiel Akupunktur, Homöopathie und dergleichen informieren. Wer bitte schön, soll denn den Hilfe suchenden Patienten noch im Dschungel der esoterischen und meist wirkungslosen "komplementären" Medizin beistehen und ihnen einen Wegweiser in die Hand geben, mit dessen Hilfe sie sich vor Scharlatanen und Abzockern (und, wie wir hier gesehen haben) schlimmeren schützen können?


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