Mittwoch, 28. Oktober 2009

Kreide-Tertiär-Grenze: Der Chicxulub-Einschlag und die Folgen in Europa

Das Ende der Kreidezeit wurde nach landläufiger Meinung mit einem Knalleffekt eingeläutet. Ein rund 10 Kilometer großer Asteroid schlug in der Weltgegend ein, welche heute als Halbinsel Yukatan bekannt ist. Die Folgen dieser Katastrophe haben dann die Ökosysteme weltweit schwer geschädigt und ein gewaltiges Massensterben ausgelöst. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt haben sich aber gewisse Zweifel in den Ablauf der Katastrophe geschlichen. Und auch in die Vorstellungen eines infernalischen Weltunterganges, aus dem es für die Dinosaurier kein Morgen mehr gab. Und dass der Einschlag und die Kreide-tertiär-Grenze möglicherweise nicht so zeitgleich (1,2,) waren, wie man es gerne hätte. Ins Spiel gebracht werden dann gerne auch der Dekkan-Vulkanismus und mehrere zeitnahe Einschläge. Regelmäßig wird dann ein weiterer, noch gigantischer (aber bislang immer noch unbelegter) Einschlag vor Indien auf den Tisch gelegt. Der Krater "Shiva soll mindestens 500 Kilometer Durchmesser haben. Aber auch das Zusammenwirken aller möglichen Ursachen muss sich in den damaligen Ökosystemen nachweisen lassen. Und neben der Tatsache, dass es zumindest einige Dinosaurier bis in das alleroberste Paläogen geschafft haben, muss man ja auch beachten, dass es zwar die Dinosaurier und Ammoniten beispielsweise erwischt hat (zumindest leben heute, wo weit wir wissen, keine mehr), aber Krokodile, Schildkröten, Vögel und Nautilus haben überlebt. Möglicherweise war Größe ein Problem, allem Anschein nach hat es jeden erledigt, der mehr als 10 Kilogramm auf die Waage brachte.
Jetzt hat sich ein Team um den Bonner Paläontologen Torsten Wappler die Insektenfauna in Europa in der fraglichen Zeit um und nach der Katastrophe angeschaut. Und dort keine gravierenden Auswirkungen finden können. Vermutlich hingen die direkten Auswirkungen der Katastrophe auf die betreffenden Ökosysteme auch von der Entfernung zum Einschlagsort ab. Im Vergleich mit Fundstellen der selben Zeit in Amerika zeigte sich nicht nur ein geringerer Rückgang herbivorer Insektenarten in Europa, sondern auch eine deutlich schnellere Erholung der Ökosysteme. Aber auch das ging in die Millionen Jahre. In Europa brauchte die Artenvielfalt der Insekten rund 5 Millionen Jahre und damit halb so lange wie in Amerika, um wieder den Stand vor der Katastrophe zu erreichen.
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