Freitag, 30. Oktober 2009

Wie sind die Malediven "ertrunken"?

Das, was sich uns heute als die Inselgruppe der Malediven präsentiert und was wir aus den Urlaubskatalogen kennen, stellt nur die Spitze einer ertrunkenen Karbonatplattform dar. Durch die Übersättigung des Meerwassers an Karbonat kann unter günstigen Bedingungen leicht CaCO3 ausgefällt werden. Treffen die für die Ausfällung notwendigen Bedingungen zusammen, so kommt durch das Ineinandergreifen der Bildungfaktoren eine Produktion von Kalksediment in Gang, die enorme Mengen von Karbonatablagerungen erzeugen kann („carbonate factory“). Wenn jetzt der Anstieg des Meeresspiegels oder die Absenkungsrate der Plattform die Sedimentproduktion übersteigt, können diese Karbonatplattformen ertrinken. Genau dies ist der Plattform der Malediven bereits im Oberen Miozän passiert. Bislang war der Grund hierfür unbekannt, denn es gibt keinerlei Hinweise auf tektonische Bewegungen oder entsprechende Meeresspiegelschwankungen. Eine Arbeitsgruppe um Christian Betzler von der Universität Hamburg hat jetzt eine weitere Erklärungsmöglichkeit ins Spiel gebracht. Demnach könnte das Einsetzen des Monsuns im Neogen zu einer tiefgreifenden Störung des lokalen Närstoffhaushaltes und Sedimentverlagerungen geführt haben.
C. Betzler et al. (2009): Monsoon-induced partial carbonate platform drowning (Maldives, Indian Ocean). Geology, October 2009; v. 37; no. 10; p. 867–870; doi: 10.1130/G25702A.1;
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