Montag, 9. November 2009

Und wieder: Panne bei Geothermie-Bohrung

Der gegenwärtige Boom der Geothermie hat wieder zu einer ernsthaften Panne geführt. Diesmal in Wiesbaden, wo das hessische Finanzministerium mit der an sich umweltfreundlichen Energie beheizt werden sollte. Am Abend des 5 November traf die Bohrung in rund 130 m Tiefe auf artesisch gespanntes Grundwasser, was eine kleine Fontäne zur Folge hatte, die zwischen 6000 und 8000 Liter pro Minute förderte und entsprechend die Umgebung unter Wasser setzte. Beachtenswert finde ich in diesem Zusammenhang die Wortwahl der Presse (oder der Verantwortlichen gegenüber der Presse, die werden sich das ja kaum so aus den Fingern gesogen haben):
Am Donnerstagnachmittag hatten Bauarbeiter in etwa 130 Metern Tiefe versehentlich eine unter Druck stehende Wasserblase angebohrt. (SpON)
Das Wort "Wasserblase" impliziert in meinen Augen nur, dass es sich hier um ein lokal eng begrenztes Phänomen handelt, das man kaum habe erkennen können. Und die Bauarbeiter waren auch noch so dämlich, das Ding zu treffen.Wasser aber kommt im Erdinneren in der Regel nicht in "Blasen" oder "Linsen" vor, genausowenig wie in Wasseradern (abgesehen von Ausnahmen), sondern zumeist flächig. Dabei hätte der Fehler meiner bescheidenen Meinung nach durchaus vermieden werden können. Angeblich war der tiefere Untergrund unter Wiesbaden nicht bekannt. Nun gibt es aber durchaus Verfahren, mit denen man Informationen über den Aufbau des Untergrundes erlangen kann. Und Wiesbaden ist für seine Heilquellen durchaus bekannt, die nicht nur seit den alten Römern genutzt werden, sondern der Stadt auch zu ihrem Namen verhalfen. Diese Wässer treten im Quellenviertel aus großer Tiefe an die Oberfläche. Eigentlich sollte man gerade beim Bohren in Heilquellenschutzgebieten doch eine große Sorgfalt walten lassen. OK, zugegeben, hochauflösende Seismik ist nicht zum Baumarktpreis zu bekommen. Wie schon in Staufen wurde vermutlich mit unzureichenden Mitteln und zum niedrigsten Preis versucht, Geothermie zu betreiben. Da bekommt die Pressemitteilung des Berufsverbandes deutscher Geowissenschaftler wieder eine hohe Aktualität. Und auch die Presse scheint das Fachwissen der Geowissenschaftler nicht wirklich nutzen zu wollen. Vielleicht eine gute Gelegenheit für meine Zunft, sich ein kleines bisschen in den Vordergrund zu spielen. Bevor die nächste Panne auf diesem Gebiet passiert.

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