Montag, 14. Dezember 2009

Kein Beleg für einen Impakt als Ursache für die Jüngere Dryas

Die Jüngere Dryas stellt einen drastischen Temperaturrückgang vor 12 900 bis 11 500 Jahren dar. Die Temperaturen sanken innerhalb einer sehr kurzen zeit und die Gletscher stießen noch einmal in Richtung Süden vor. Die Nadelwälder verschwanden weitgehend und machten einer Tundra Platz, in der als namensgebende Pflanze der Silberwurz Dryas octopetala vorkam.
Was aber hatte, so kurz vor dem Ende der Eiszeit den Trend zur Gletscherschmelze so abrupt beendet und zumindest zeitweise wieder umgekehrt? Eine Theorie geht von einem gewaltigen Eisstausee aus, der große Mengen von Süßwasser in den Nordatlantik beförderte und dort den Golfstrom zum erliegen brachte. In den letzten Jahren kamen aber noch einige Funde hinzu, nach denen möglicherweise auch ein Impakt zu den Ereignissen beigetragen haben könnte. Denn in Folge der Abkühlung starben besonders in Nordamerika viele Großsäuger aus und die Clovis Kultur verschwand von der Bildfläche. So findet sich verschiedentlich in Nordamerika eine schwärzliche, kohlenstoffreiche Schicht, die nicht nur in die Jüngere Dryas datiert, sondern auch auf mögliche, ausgedehnte Waldbrände hin deutet. Direkt unterhalb der schwarzen, bis zu drei Zentimeter mächtigen Schicht fanden sich erhöhten Konzentrationen an Iridium, Kohlenstoffkügelchen und Nanodiamanten. Diese Funde gelten gemeinhin als Indikatoren für Impaktereignisse. Möglicherweise hätte ein dem Tunguska-Ereignis ähnlicher Impakt große Bereiche entzündet und das Eisschild destabilisiert, so dass große Süßwassermengen in den Nordatlantik abfließen konnten.
Als jetzt ein anderes Team von Geologen die Theorie überprüfen wollte und nach weiteren Belegen suchte, standen sie vor einem Problem. Es stellte sich nämlich nicht nur heraus, dass die Ergebnisse, die zur Entwicklung der Theorie geführt haben, nicht reproduzierbar waren, sie fanden auch sonst keine Hinweise, die eine Impakt-Theorie stützen würden. Hier sind besonders die geochemischen Spuren zu nennen, die normalerweise den Eintrag größerer Mengen kosmischer Materie anzeigen, wie eben Iridium, aber auch die anderen Mitglieder der Platin-Gruppe u d die Verhältnisse der Osmium-Isotope 187Os/188Os. Untersucht wurden mehrere terrestrische, marine oder lakustrine (also aus Süßwasserseen) Bohrkerne der in Frage kommenden Zeitabschnitte. Hier konnten keine erhöhten Iridiumwerte festgestellt werden. Auch die Osmium-Isotopenverhältnisse entsprachen denen, wie sie für die normale Erdkruste üblich sind und zeigten keinen kosmischen Beitrag an. Auch weitere ungwöhnliche Anreicherungen von Elementen der Platingruppe konnten in den Bohrkernen nicht nachgewiesen werden. Bleiben nur noch die Nanodiamanten übrig, aber auch das wird von der Arbeitsgruppe um François Paquay kritisch gesehen. Immerhin handelt es sich bei den Nanodiamanten um die hexagonale Modifikation Lonsdaleit, die durchaus im Zusammenhang mit Einschlagskratern gefunden wird. Die Abwesenheit der üblichen geochemischen Spuren spricht aber deutlich gegen einen Impakt als Auslöser der Abkühlung.

François S. Paquay, Greg Ravizza, Steven Goderis, Philippe Claeys, Steven Goderis, Frank Vanhaeck, Matthew Boyd, Todd A. Surovell, Vance T. Holliday, C. Vance Haynes, Jr. Absence of geochemical evidence for an impact event at the Bølling–Allerød/Younger Dryas transition. Proceedings of the National Academy of Sciences, 2009; DOI:
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