Donnerstag, 3. Dezember 2009

Kohlendioxid der Ozeane und Schalenbau

Bei allen Diskussionen über den zukünftigen Kohlendioxidgehalt der Erde schwingt auch immer die Hoffnung und die Sorge über das Verhalten der Ozeane mit. Hoffnung, weil die Ozeane eine Menge Kohlendioxid aufnehmen können und so als Senke dienen. Sorge, weil das aufgenommene Gas dort natürlich nicht ganz folgenlos bleibt. Denn je mehr Kohlendioxid im Meerwasser gelöst ist, je saurer ist das Wasser. Und je besser kann es Kalk lösen. Die verstärkte Kalkaggressivität des Ozeans könnte aber alle Organismen, die auf Kalkschalen zwingend angewiesen sind, vor erhebliche Probleme stellen. Es besteht die Gefahr, dass viele Wesen in dem zunehmend saurem Wasser immer dünnere Kalkschalen bauen und dies in der Zukunft beträchtliche Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme haben wird. Besonders, da hierzu viele der riffbildenden Organismen zählen oder auch Plankton, das am Anfang der Nahrungskette steht. Eine Arbeitsgruppe um Justin B. Ries (ist das eigentlich ein entfernter Vetter von mir?) vom Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) hat sich 18 Arten kalkschaliger Lebewesen und ihr Verhalten unter verschiedenen Kohlendioxidleveln näher angesehen. Die Arten repräsentieren ein breites Spektrum von Echinodermen bis hin zu Muscheln. Erstaunlicherweise reagierten nicht alle untersuchten Arten in der selben Weise auf die veränderten Bedingungen. 10 Arten reduzierten wie erwartet ihre Schalen. Sieben Arten reagierten hingegen mit verstärktem Schalenwachstum. Möglicherweise spielt hier die Menge an gelöstem anorganischen Kohlenstoff eine Rolle, die in den saureren Ozeanen höher ist.
Die betreffenden Organismen sind möglicherweise in der Lage, dieses für den Bau ihrer Schalen zu nutzen, indem sie den pH-Wert in ihrer direkten Umgebung beeinflussen.

Justin B. Ries, Anne L. Cohen and Daniel C. McCorkle: Marine calcifiers exhibit mixed responses to CO2-induced ocean acidification. Geology 2009;37;1131-1134
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