Dienstag, 1. Dezember 2009

Neues vom Toba Supervulkan

Der Tobasee in einer falschfarbenen Landsat-Aufnahme. Quelle: NASA

Der Tobasee in Indonesien stellt mit seinen rund 100 Kilometern Länge und rund 30 Kilometern Breite einen der größten vulkanischen Kraterseen der Erde dar. Seine Entstehung geht auf einen gewaltigen Vulkanausbruch vor rund 73 000 Jahren zurück, bei dem mehr als 2800 Kubikkilometer Tephra in die Atmosphäre geschleudert wurden. Möglicherweise war dies der stärkste Vulkanausbruch seit mehr als 25 Millionen Jahren und zusammen mit dem Ausbruch des Lake Taupo (vor 22500 bis 26500 Jahren) der einzige mit einem Vulkanexplosivitätsindex von 8 in den letzten 100 000 Jahren.
Diese enormen Aschenmengen könnten das Weltklima stark beeinflusst haben. Manche Forscher gehen von einer Abkühlung von bis zu 17 °C für einige Jahrzehnte aus und machen den Ausbruch für die kälteste Zeit der Weichseleistzeit (oder Würm für die Alpenbewohner) verantwortlich. Neuere Untersuchungen von Geologen um Stanley Ambrose (Illinois) deuten darauf hin, dass die Eruption große Teile Zentralindonesiens entwaldet hat. Ambroise undseine Kollegen gehen davon aus, dass der Ausbruch auch erhebliche Auswirkungen auf unsere eigene Art hatte. Bereits 1998 hatte er vorgeschlagen, den genetischen Flaschenhals, den unsere eigene Spezies im Zeitraum vor 50 000 und 100 000 Jahren durchmachte, auf den Ausbruch dieses Vulkans zurückzuführen. Die geringe genetische Variationsbreite unter den Menschen zeigt, dass unsere Art irgendwann um diese Zeit quasi am seidenen Faden hing und beinahe ausgestorben wäre. In diesem Fall wäre es aber auch interessant, warum Beispielsweise die in Eurasien lebenden Neandertaler und auch die in Asien beheimateten Homo erectus Formen sich allem Anschein nach kaum von diesem Ereignis aus dem Gleichgewicht bringen ließen. Jedenfalls überlebten sie die kritische Zeit und starben erst deutlich später aus.
Die Untersuchung von Pollen aus marinen Bohrkernen und auch Kohlenstoffisotope aus Böden direkt über und unter den Aschenlagen des Ausbruches zeugen von einer drastischen Änderung in der Vegetation in Indonesien. Direkt nach der Eruption wurde die Vegetation offener und möglicherweise auch trockener, wie der Rückgang von Farnen nahelegt. Die Kohlenstoffisotopendaten zeigen in die selbe Richtung. Für mehr als 1000 Jahre nach dem Ausbruch scheinen offenes Gras- und Buschland vorzuherrschen. Für Ambrose ein Zeichen dafür, dass der Ausbruch in den Tropen zu deutlichen Umweltveränderungen geführt hat, welche unsere Vorfahren zu neuen Verhaltensstrategien zwangen und sie letztlich dazu befähigten, die älteren Menschenarten wie den Neandertaler zu verdrängen. Inwieweit man aber Ergebnisse von Indonesien und damit relativ nahe am "Ground Zero" des Ausbruches mit den Verhältnissen in Afrika vergleichen kann, ist mir bisher nicht ganz klar geworden. Da muss man sicher noch einiges an Ergebnissen abwarten, bevor das Bild klarer wird.
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