Montag, 30. November 2009
Open Geoscience vom British Geological Survey
Sternstunden des Journalismus - Wünschelrutengänger bei der ARD
Wo am besten gebohrt wird, das können Fachleute mit moderner Technik herausfinden, oder aber Rutengänger – also Menschen mit einem besonderen Gespür und einer Wünschelrute. Dass es sich dabei nicht nur um Hokuspokus, sondern um eine praktisch anwendbare Fähigkeit handelt, davon überzeugt Eugen Jäger unseren Reporter Matthias Veit.Ja, überzeugen hat er sich lassen, der Reporter. Schade eigentlich, hat es doch etwas rührend naives, den Rutengänger den vermeintlichen unterirdischen Fluss (in der Form wohl eher ein unterirdisches Bächlein) abstecken zu sehen. Ja sicher, dort würde man Wasser finden. Welch eine Überraschung! Aber auch einen halben Meter links oder rechts der Markierung. Oder auch zwei oder drei Meter. Vielleicht hätte es der Sache gut getan, wenn sich der Reporter mal ein klein wenig bei Fachleuten über das Thema informiert hätte. Sann wäre vielleicht keine so spökenkiekersche Story daraus geworden, aber das Thema Grundwasser soll ja doch von allgemeinem Interesse sein. Man hätte vielleicht was lernen können, zum Beispiel dass Sätze wie
Das sei gewissermaßen das Ufer eines unterirdischen Flusses, hier sei besonders viel Grundwasser zu finden.in Lockersedimenten, und darum handelte es sich ja allem Anschein nach, ziemlicher Blödsinn sind. Und dass die Bewegungen der Wünschelrute mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Carpenter Effekt zurückzuführen sind. Dass zum Beispiel Wünschelrutengänger bei der Suche nach Wasser keine höhere Trefferquote haben als der Zufall. Wer also einen Rutengänger in seinem Garten nach Wasser suchen lässt, hätte billiger einfach eine Münze werfen können. Ich finde es schade, dass ein öffentlich rechtlicher Sender hier Sendezeit für wohl nicht nur in meinen Augen pseudowissenschaftlichen Blödsinn opferte, anstatt fachlich über Grundwasser und damit im Zusammenhang stehende Phänomene zu berichten. Hatten doch schon 1950 die geologischen Landesämter festgestellt:
Prokop, O. & Wimmer, W. (1976):Der moderne Okkultismus: Parapsychologie und Paramedizin : Magie und Wissenschaft im 20. Jahrhundert,University of Michigan, 207 S.; S.18Die Geologie fast aller Kulturstaaten, besonders in Deutschland, hat sich seit langen Jahren, um nichts unversucht zu lassen, mit zahlreichen exakten Prüfungen der Wünschelrute (des Pendels und Apparaten nach Art der Wünschelrute) beschäftigt. Sie hat keine Gelegenheit unterlassen, Angaben von Wünschelrutengängern mit den tatsächlichen Verhältnissen des Untergrundes zu vergleichen. Das klare Ergebnis ist, daß ein Zusammenhang zwischen Wünschelruten-(Pendel-)Ausschlag und Untergrund nicht erwiesen, ja noch nicht einmal wahrscheinlich gemacht worden ist.
Die Direktoren der genannten geologischen Landesämter müssen daher nachdrücklichst darauf aufmerksam machen, daß die Wünschelrute zum Aufsuchen von Bodenschätzen jeglicher Art, einschließlich Wasser, völlig unbrauchbar ist. Vor allem muß bei allen Arbeiten, die ganz oder teilweise durch öffentliche Mittel finanziert werden, aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnis die Verwendung der Wünschelrute entschieden abgelehnt werden.
Freitag, 27. November 2009
Kurze Werbeunterbrechung - Acer Notebook zu gewinnen
Doch Leben auf dem Mars?
Neue Indizien – doch Lebenszeichen im Marsmeteorit?
Homöopathie kann die Leber kosten
Das Gericht hat der Klage aber nicht zugestimmt. Verstörend finde ich daran:
Das Gericht hörte zwei Sachverständige an, dann folgte es der Meinung dieser Experten, dass die homöopathische Behandlung - so wie die Patientin diese wünschte - zunächst verantwortbar gewesen sei. Die dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei zunächst nicht vorhersehbar gewesen. Und es gebe eine Vielzahl von Patienten, die sich nach alternativ-medizinischen Therapien bester Gesundheit erfreuten - "nur deshalb hat die Homöopathie auch eine so weite Verbreitung gefunden", sagt das Gericht.Die Frau hätte meiner Meinung nach besser ihren eigenen Glauben an die "sanfte Alternativmedizin" und Homöopathie verklagen sollen. Schließlich hatte schon ihr Internist auf stationärer Behandlung bestanden. Spätestens da hätte sie sich Gedanken über den Ernst ihrer Lage machen müssen. Hat sie aber allem Anschein nach nicht. Im Gegenteil, sie hat sich einen anderen Arzt gesucht, der bereit war, sie mit Zuckerkugeln zu behandeln. Also durchaus ein Fall für selber Schuld. So weit jedenfalls.
Auch der Arzt, der Homöopathie betreibt, sollte mal darüber nachdenken. Da ist also eine Patientin, die allem Anschein nach eine ernsthafte Erkrankung hat. Eine, die sich durch Zuckerkügelchen sicher kaum beeindrucken lässt. Und die auch nicht von alleine verschwindet, wenn man nur lange genug wartet. Hätte er nicht lieber eine weitere Behandlung mit unwirksamer Therapie ablehnen sollen? Mit Hinweis auf die Schwere der Erkrankung? Ist es in Ordnung, dann mit unwirksamen (pseudo-)Therapieformen weiterzumachen, als sei nichts geschehen? Meiner bescheidenen Meinung nach ist es das nicht.
Und das Gericht? Ja, auch hier möchte ich etwas Kritik anbringen. Denn so, wie es in der Süddeutschen steht, hat sich das Gericht auf ein gefährliches Glatteis begeben. Immerhin bezeichnet es die homöopatische Behandlung in diesem Fall (vermutete Autoimmunhepatitis mit vom Internisten empfohlener stationären Behandlung, wie erinnern uns) als vertretbar, da eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zunächst nicht vorhersehbar gewesen sei. Warum aber hat dann der vorher behandelnde Arzt wohl eine stationäre Aufnahme vorgeschlagen? Und der Rest der Begründung, weil es eben Menschen gibt, die nach alternativer Behandlung sich bester Gesundheit erfreuen, ist schlicht und ergreifend die Luft nicht Wert, die dafür verbraucht wurde, sondern meiner Meinung nach ein klassischer Fall von post hoc - ergo propter hoc. Ich fürchte allerdings, dass dieses jetzt von diversen Anhängern von alternativen Methoden quasi als richterliche Anerkennung ihrer Wirksamkeit gewertet wird.
Dabei ist die Lehre aus dem Vorfall ganz einfach: die angeblich so sanfte alternative Medizin kann einen die Gesundheit kosten, wenn dadurch die Zeit für eine sinnvolle schulmedizinische (weil evidenzbasierte) Therapie verschenkt wird. Oder kurz zusammengefasst: Homöopathie gefährdet ihre Gesundheit und verschenkt wertvolle Zeit, die bei einer wirksamen Therapie sinnvoller verwendet wäre.
Fotografie: Fotos aus der Forschung
So elegant ist die Natur
Mittwoch, 25. November 2009
Geo-Foto: Thin Blue Line
(Foto: Nasa)Journalistischer Offenbarungseid
Ein gutes Beispiel, wie Journalisten auf eine Lobby hereinfallen können, bietet der Fall Regividerm, wie er unter anderem vom WDR verbreitet wurde. Dass nämlich die Pharmalobby eine sowohl billige als auch hochwirksame Medizin gegen Neurodermitis und Schuppenflechte ver- bzw. behinderte. Und es eben nur einigen Idealisten zu verdanken war, dass den Menschen trotzdem geholfen wurde. Und das nicht nur in einer Sendung unter dem Titel "Heilung unerwünscht", sondern auch noch zusätzlich "Hart aber Fair". Die Story war so schön, dass sogar die Süddeutsche darauf hereinfiel. Das Ganze war eine Sternstunde des investigativen Journalismus, aber eben nicht von den Profis, sondern von den Amateuren. Die hatten schnell erkannt, das es sich dabei um einen erstklassigen PR-Gag handelte (hier, hier und hier).
Irgendwie eine Art journalistischer SuperGAU, denn die Profis hinkten deutlich hinterher. Nicht nur Lobbyisten, sondern Netbooks deutlich häufiger ausfallen als ihre größeren Kollegen, die Notebooks. Die Nachricht tauchte zuerst auf Golem.de auf, der sich auf einen amerikanischen Garantiedienstleister berief. Die Angelegenheit schien brisant und machte schnell die Runde, von Bild.de bis Netzwelt.de. Leider hat sich wohl niemand die Quelle angeschaut. Denn die sagt zu ihrer Studie schlicht:
Given that netbooks have only really been around in volume for about 12 months, it will be interesting to see how their reliability plays out over the course of the next 12 months. SquareTrade will continue to monitor the progress and publish an update of laptop and netbook failure rates in 2010.
oder auf deutsch: Da Netbooks in größerer Zahl erst seit 12 Monaten im Umlauf sind, werden wir ihre Langzeitqualität erst im laufe der nächsten 12 Monate erkennen. Und das ist noch nicht alles, auch für die Notebooks gilt:
3 Year laptop accident rates are based on projections from 2 years of accidental damage data using a straight‐line
projection.
Mit anderen Worten: 24 Monate Notebookdaten und 12 Monate Netbookdaten werden zusammengerührt und dann hochgerechnet, um eine Dreijahresstudie daraus zu machen. Die volle Story.
Nachtrag: Nein, ich bin kein Gegner professionellen journalistischen Inhalts. Im Gegenteil. Ich bin sehr dafür, dass es professionelle journalistische Inhalte gibt. Viel zu oft und viel zu gerne verweise ich hier auf die Profis. Vieles kann man als Amateur kaum leisten. Und ich habe auch kein Problem, wenn die professionellen Kollegen sich auf die Amateure berufen, wenn man sich die Bälle gegenseitig zuspielt. Niemand ist unfehlbar, wir sind alle nur Menschen mit unseren Fehlern und unseren eigenen Weltbildern, die wir nicht gerne zerschmettert sehen.Heute vor 150 Jahren erschienen: Darwins Entstehung der Arten
Evolution Webcast: Celebrating 150 Years of Origin of Species
Dienstag, 24. November 2009
Lyell - The Past is the Key to the Present
The Past is the Key to the Present
Schweinegrippe - Tobias Maier (weitergen) im Radio
Schweinegrippe - Blue Moon mit Holger Klein vom 23.11.09
Symphony of Science - 'Our Place in the Cosmos' (ft. Sagan, Dawkins, Kaku, Jastrow)
Montag, 23. November 2009
Neulich, beim Landschaftstherapeuten...
"Frau Meyer, wie sieht mein Terminplan für morgen aus?"
"Um 9 das Weideland, das sich so beschissen fühlt, um 10 die Hanglage mit den sonderbaren Neigungen und nachmittags die Gruppentherapie mit den anonymen Endmoränen. Die Hochebene mit Akrophobie hat ihren Termin um 11 abgesagt."
"Danke, sie können dann Feierabend machen."
"Und nicht vergessen, am Samstag der Vortrag von Dr.Kohl wie man im Osten Landschaften zum blühen bringt."
Geo-Video: Wenn die Erde ein Ringsystem hätte
via astropixie
Wie arbeitet google eigentlich?
Hinter den Kulissen von Google
via Horst Welke
Freitag, 20. November 2009
Die Evolutionslehre steht im Gegensatz zur Nazi-Ideologie
Und auch heute noch werden die Ideologie des Sozialdarwinismus und die naturwissenschaftliche Theorie gerne als Synonym genommen. Das "survival of the fittest" als Begründung, warum der "Starke" den "Schwachen" beherrschen, ja gegebenenfalls ausmerzen soll. Oder, wie es zeitgenössische Gegner der Evolutionstheorie gerne tun, um den Vertretern der Evolutionstheorien unlautere Motive oder eben einfach "Dreck am Stecken" vorzuwerfen. Dann wird gerne die Behauptung auf den Tisch gelegt, der Darwinismus hätte die schrecklichen Untaten des Holocaustes (Hans-Joachim Zillmer zum Beispiel: "Aber trotzdem ist der Darwinismus mit verantwortlich für die Massenmorde, die Stalin und Hitler inszeniert haben" und auch in seinem Buch " Die Evolutionslüge" ein ganzes Kapitel über "Ideologie, Rassismus und Terrorismus") erst möglich gemacht oder er wäre ja die eigentliche Ursache des Terrorismus.
Er sei folglich eine feindliche, ja regelrecht menschenfeindliche Ideologie und eben keine naturwissenschaftliche Theorie. Es war daher Zeit, mal mit ein paar Mythen aufzuräumen. So stammte das "survival of the fittest", das uns heute als synonym für Darwins Theorie vorkommt, garnicht von ihm, sondern von Herbert Spencer. Werner Bartens von der Süddeutschen hat sich einmal die Mühe gemacht, die Unterschiede zwischen der Theorie und der Ideologie aufzuzeichnen.
Von Darwin zum Rassenwahn
Fledermäuse und Windkraftanlagen
Fledermaus-Implosion durch Windräder - Spektrumdirekt Dank an Richard Zinken für den Hinweis.
Donnerstag, 19. November 2009
Video: Aug in Aug mit einem Seeleoparden
Geologischer Atlas vom Mond
via spotts vom geoversum
Was sind denn Landschaftstherapeuten?
- das Erkennen von Räumen in der Landschaft, die körperliches und psychisch-seelisches Wohlbefinden steigern;
- das Entwickeln eines "Siebten Sinns", wie Natur und Landschaft als heilende Komponente erfahren werden kann;
- die Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmungsorgane sowie der Wahrnehmung nach Innen und Außen;
- vertiefende Kenntnis des eigenen Körpers in bezug auf Nerven-, Gehirn- und Muskelfunktionen;
- das Verständnis für feinstoffliche Wirkungen und Zusammenhänge im Rahmen von Gesundheit;
- das Üben von Techniken zur Umsetzung des Erlernten im Umgang und bei der Arbeit mit Menschen
Ausgezeichnete Makrofotografie
Fotogalerie: Ausgezeichnete Makrofotografie
Dienstag, 17. November 2009
Früher Treibhauseffekt durch höheren Stickstoffgehalt der Atmosphäre?
Ein erhöhter Gehalt der Atmosphäre mit Stickstoff würde ebenfalls helfen. Die Absorptionslinien der Treibhausgase würden verbreitert, ein Vorgang, der im englischen als "pressure broadening" bezeichnet wird. Dadurch kann mehr Strahlung absorbiert werden. Und bezogen auf ihre Masse enthält die Atmosphäre der Venus rund 3,4 mal so viel Stickstoff wie die Erdatmosphäre. Was also liegt da näher, für die frühe Erdatmosphäre einen höheren Gehalt an Stickstoff zu vermuten?
Doch auch wenn mehr Stickstoff hilft, das Paradoxon der frühen und schwächeren Sonne und einer trotzdem über lange Zeiträume eisfreien jungen Erde zu erklären, bleibt eine Frage: Wo ist der überschüssige Stickstoff heute abgeblieben? Und wie wurde er aus der Atmosphäre entfernt? Stickstoff findet sich in der Atmosphäre, den Gesteinen der Erdkruste und des Erdmantels. Während die Erdatmosphäre rund 4 x 1018 kg Stickstoff enthält, finden sich in den Ozeanen und in der Biosphäre deutlich weniger. Im Gestein liegt Stickstoff meist als NH4+ vor und ersetzt das Kalium. Verschiedenen Schätzungen zufolge (hier, hier und hier) kommen auf 2,1 x 1018 kg Stickstoff für die Gesteine der kontinentalen Erdkruste, die ozeanische schlägt nur mit 1,2 x 1016 zu buche. Damit dürfte die Menge des in den Gesteinen der Kruste gespeicherten Stickstoffes rund die Hälfte der Stickstoffmenge betragen, die sich heute in der Atmosphäre befindet. Die kontinentale Kruste als das Hauptreservoir der Kruste betrug im Archaikum möglicherweise nur rund 10% der heutigen kontinentalen Kruste. Am Ende des Proterozoikums hatte sich bereits 90 % der heutigen kontinentalen Kruste gebildet. Mit der Bildung der Kontinentalen Kruste nahm auch ihre Bedeutung als Stickstoffspeicher zu. Der Stickstoff aus der Atmosphäre wurde über biogene Fixierung zuerst in Sedimente eingetragen und von dort dann in den Kreislauf der Gesteine.
Auf dem Weg der Subduktion Wege kann er es sogar in den Erdmantel geschafft haben. Würde man die heutige Aktivität der Erde annehmen, würden auf diese Weise weniger als die Hälfte der heute in der Atmosphäre befindlichen Stickstoffmenge in den Erdmantel transportiert werden. Aber in früheren Erdzeitaltern war die Aktivität der Erde größer und damit die Menge des subduzierten Stickstoffes. Außerdem wird heute in den gut durchlüfteten Ozeanen Ammonium, einer der der Hauptträger des Stickstoffes im Sediment, rasch oxidiert. Unter den anoxischen Bedingungen der Ozeane im Archaikum und im Proterozoikum dürfte vermehrt Ammonium im Sediment vorgekommen und somit in höheren Raten subduziert worden sein. Da der Entzug des Stickstoffes aus der Atmosphäre weitgehend durch biologische Aktivitäten gesteuert wird, dürfte der Verlust des Stickstoffes aus der Atmosphäre mit dem Aufkommen der Photosynthese und der dadurch gesteigerten biologischen Aktivität zusammenfallen, jedoch bevor in den tiefen Ozeanen sauerstoffreiches Wasser die Aufnahme des Stickstoffes in die Sedimente gedrosselt hat.
Goldblatt et al.: Nitrogen-enhanced greenhouse warming on early Earth. Nature GeosciencePublished online: 15 November 2009 | doi:10.1038/ngeo692
Montag, 16. November 2009
Windkraftanlagen und Vögel
Schneeball-Erde Artikel von Lars Fischer
Schneeball Erde - die Datenlage zum brutalsten aller Klimawandel
Freitag, 13. November 2009
Geo-Foto: Sedimente im Golf von Mexiko
(Sedimente im Golf von Mexiko Credit: NASA)Eine zweite Sedimentquelle findet sich näher an der Küste. Hier münden viele Flüsse in den Golf, nicht zuletzt der Mississippi. Deren dunkelbraunes Wasser hebt sich gut vom grünlichen Wasser des Golfes ab. Die hier eingetragenen Nährstoffe lassen das Phytoplankton wachsen und tragen so zu der Färbung des küstennahen Wasser bei.
An der Grenze des Schelfes, wo die Meerestiefe zunimmt, geht die Färbung des Wasser von grünlich in ein tieferes Blau über.
Donnerstag, 12. November 2009
Beendete ein Meteoriteneinschlag die Bildung der Banded Iron Formation?
Unter den reduzierenden Bedingungen, wie sie für die Atmosphäre des frühen Präkambriums angenommen wird, lag das Eisen als Fe2+ vor. Dieses zweiwertige Eisen ist gut in Wasser löslich. Die Meere konnten auf diese Weise unter einer reduzierenden Atmosphäre viel gelöstes zweiwertiges Eisen anreichern. In den flachen, Licht durchfluteten Randbereichen des Meeres haben auch schon damals ideale Bedingungen für die ersten photosynthetischen Lebewesen geherrscht. Durch die Aktivitäten dieser Lebewesen stieg der Sauerstoffgehalt im Wasser an und das zweiwertige Eisen, Fe2+, wurde zu dreiwertigem, Fe3+, oxydiert. Dreiwertiges Eisen wird im Wasser aber schnell hydrolysiert, und fällt dann als Eisenhydroxid aus. Solange der Nachschub aus dem offenen Meer neues zweiwertiges Eisen liefert, kann sich weder im Wasser noch in der Atmosphäre Sauerstoff anreichern. Bemerkenswert an den Bändereisenerzen ist neben ihrer Mächtigkeit von 50 – 600 m ihre rhythmische Abwechslung von eisen- und siliziumreichen Lagen. Ab einem gewissen Punkt war vermutlich alles verfügbare Eisen aufgebraucht, und es konnten sich für die damaligen Lebewesen toxische Sauerstoffkonzentrationen im Meerwasser anreichern, wodurch der Prozess unterbrochen wurde und nachfolgend die Hornsteine sedimentierten. Die Verteilung der Bändereisenerze in der Zeit scheint nicht zufällig. Sie sind häufig anzutreffen in Ablagerungen, die mehr als 2,4 Milliarden Jahre alt sind, fehlen allerdings im Zeitraum vor 2,4 und 2,0 Milliarden Jahren. Das kann eventuell mit der Zunahme des Sauerstoffgehaltes in der Atmosphäre (und damit auch im Ozean) zusammenhängen, wie er durch das Auftreten der Paläoböden belegt ist.
Dann kehrten die gebänderten Eisenerze zurück. Im Zeitraum vor 2,0 und 1,8 Milliarden Jahren trat erneut im Meer gelöstes zweiwertiges Eisen auf, welches als gebändertes Eisenerz abgelagert wurde. Irgendwann vor 1,8 Milliarden Jahren hörte die Ablagerung der gebänderten Eisenerze ziemlich plötzlich wieder auf, und diese Form der Ablagerung verschwand für immer. Der Grund für diesen abrupten Übergang ist bisher rätselhaft. Einen Hinweis könnten die Bändereisenerze der Lake Superior Region in Kanada und den USA geben. Dort werden die gebänderten Erze von Ablagerungen überlagert, die man jetzt als Auswurfmassen des Sudbury-Impakts erkannt hat. Dieser Einschlag erfolgte vor rund 1,85 Milliarden Jahren und hinterließ einen gut 200 Kilometer durchmessenden Krater (der zweitgrößte bisher bekannte auf der Erde). Dieser Einschlag hat demnach wohl nicht nur die reichsten Nickellagerstätter der Erde beschert, sondern möglicherweise auch direkt mit dem Ende der gebänderten Erze zu tun. Der Ozean damals war vermutlich unterteilt in eine dünne Sauerstoff reichere Oberflächenschicht und eine erheblich mächtigere Sauerstoff arme.
Schlägt in diesen Ozean ein großes Objekt wie beispielsweise ein rund 10 km durchmessender Asteroid, in 1 km tiefes Wasser so würden Modellrechnungen zufolge an der Einschlagstelle rund 1000 m hohe Tsunamis entstehen. In 3000 km Entfernung wären sie immer noch über 100 m hoch. Diese Wellen, zusammen mit den auf den Impakt folgenden untermeerischen Rutschungen und weiteren Impaktfolgen, hätten den präkambrischen Ozean regelrecht umgerührt. Da damals alle Kontinentalmassen in einem Superkontinent vereint waren, konnten sich die Wellen über einen großen Ozean auch weitgehend ungestört ausbreiten. Der durchmischte Ozean enthielt jetzt auch in den tieferen Lagen genug Sauerstoff, um alles zweiwertige Eisen rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen und als dreiwertiges Eisen in den Sedimenten abzulagern, bevor es durch Meeresströmungen in die Bildungsgebiete der gebänderten Eisenerze transportiert werden konnte.
John F. Slack and William F. Cannon: Extraterrestrial demise of banded iron formations 1.85 billion years ago - Geology 2009;37;1011-1014 doi: 10.1130/G30259A.1
Unterstützung der Bundestags-Petition „Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen“
Unterstützung der Bundestags-Petition „Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen“
Das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ begrüßt und unterstützt die von Lars Fischer angestoßene Initiative „Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen“, die als Petition in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde. In der Begründung wird zu Recht angemahnt, dass in unserem gegenwärtigen Publikationssystem etwas nicht stimmt, wenn der Zugriff auf das in öffentlichen Umgebungen und mit Steuergeldern erstellte Wissen überwiegend kostenpflichtig ist und wenn viele Bürgerinnen und Bürger von der Nutzung dadurch ausgeschlossen werden.
Das Aktionsbündnis hat zusammen mit vielen anderen Wissenschaftsorganisationen seit Jahren darauf hingewiesen, dass der Gesetzgeber auch im Urheberrecht den Erwartungen der Öffentlichkeit Rechnung tragen muss. Er darf, auch aus wirtschaftlichen Gründen, nicht länger bevorzugt die kommerzielle Verwertung von öffentlich produziertem Wissen schützen, sondern muss stärker dem Gemeinwohlinteresse Rechnung tragen. „Wissenschaftliche Publikationen“, so fordert es die Petition zu Recht, müssen „allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein“.
Das Justizministerium der vorangegangenen Bundesregierung hatte sich bis zuletzt geweigert, der weltweiten Tendenz zugunsten Open Access auch in der Gesetzgebung durch die Verankerung eines Zweitverwertungsrechts für Autoren Rechnung zu tragen,. Auch konstruktive Vorschläge des Bundesrats (vor allem mit Blick auf § 38 UrhG), basierend auf gründlich durchdachten Vorschlägen aus der Wissenschaft, wurden zurückgewiesen. Das sollte die neue Bundesregierung besser machen können.
Offenbar aber sind Argumente allein nicht ausreichend. Daher hofft das Aktionsbündnis, dass die jetzige Petition, sozusagen aus der Basis, breiten Widerhall finden wird. Es ist den Bürgerinnen und Bürger nicht plausibel zu machen bzw. wird von ihnen nicht als fair verstanden, dass sie mehrfach für etwas bezahlen müssen, was im Grund ihnen allen gehört. Öffentlich produziertes Wissen muss als Grundregel allen gehören und allen frei nutzbar sein. Die kommerzielle Verwertung von Wissen sollte nur die jeweils zu rechtfertigende Ausnahme sein, zu rechtfertigen vielleicht durch erhebliche Mehrwertwertleistungen. Das Wissen bzw. die auf Wissen beruhenden Werke müssen frei, unter Wahrung aller Persönlichkeitsrechte der Urheber, zugänglich sein.
Das Aktionsbündnis erinnert an die Koalitionsvereinbarung, dass die Beratungen zum Dritten Korb, also der dritten Reform des Urheberrechts, „zügig“ aufgenommen werden sollen. Dieser Korb sollte ein Bildungs- und Wissenschaftskorb sein. So hatte es der damalige Bundestag beschlossen. Bildung und Wissenschaft wollen sich nicht länger mit völlig unzureichenden und eher sogar schädlichen Ausnahmeregelungen zufrieden geben.
Wenn die Wissenschaft sich schwer tut, selber auf die „Barrikaden“ zu gehen, so sind vielleicht die Bürgerinnen und Bürger weniger zimperlich. Diese Petition kann ein erster wichtiger Schritt werden, das Recht aller an einem freien Zugang zu dem Allgemeingut Wissen einzufordern. Das Aktionsbündnis legt es allen Unterzeichnern der Göttinger Erklärung (http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) nahe, die Petition zu unterzeichnen. Dabei weisen wir auch auf das gerade erschienene Papier „Positionen, Prozesse, Perspektiven“ zu Open Access der Allianz der Wissenschaftsorganisationen hin (http://www.allianz-initiative.de/fileadmin/openaccess.pdf).
Weitere Informationen über bundeszentrale@urhg-bildung-wissenschaft.de, von der Website des Aktionsbündnisses oder über das Projekt IUWIS – Infrastruktur Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" (http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz, Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 365 wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von mehr als 7.000 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind Prof. Dr. Kuhlen (Konstanz), Dr. Müller (Heidelberg), Dr. Sepp (Kassel). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at uni-konstanz.de, hmueller at mpil.de und sepp at physik.uni-kassel.de
Mittwoch, 11. November 2009
Damit es alle wissen: Science is interesting!
(Ich stimme Richard Dawkins voll zu)
Geothermiekongress 2009
http://www.der-geothermiekongress.de/
Kongressprogramm
Magmatic Differentiation, Vienna, May 2010
We would like to draw your attention to the following session at the EGU General Assembly (Vienna, Austria, May 02 – 07, 2010) and invite your contribution.
Symposium: Geochemistry, Mineralogy, Petrology & Volcanology
Session: GMPV2; Magma generation and differentiation: Field, analytical, experimental and numerical investigation of magmatic and volcanic systems
This session invites contributions targeting the generation and differentiation of magmas in the mantle and crust from field studies, petrology, geochemistry (major and trace elements and isotopes), experimental petrology and thermodynamic and geochemical modeling. Magma chemistry sampled in plutonic and volcanic rocks reflect combinations of processes operating in their sources (e.g. metasomatism by fluids and melts, asthenospheric-, lithospheric- and 'exotic' mantle components as well as crustal melting and anatexis) and during differentiation from mantle depths to shallow level magma reservoirs and volcanic extrusions/explosions (e.g. fractional crystallization, assimilation, mixing/mingling, replenishment of magma reservoirs and chambers). The fundamental question to be addressed by this session is how igneous systems operate in different tectonic settings and what are the principal controls on primary, parental and derivative magma compositions.
Conveners: Valentin R. Troll (Uppsala University, Sweden), Lilli Freda (INGV Rome, Italy) and Ralf Gertisser (Keele University, UK)
Abstract deadline is January the 18th, 2010
Please see http://meetings.copernicus.org/egu2010/home.html for further conference details and submission procedures.
Waren Dinosaurier Warmblüter?
Pontzer, H. et al.: Biomechanics of Running Indicates Endothermy in Bipedal Dinosaurs. In: PLoS ONE, 10.1371/journal.pone.0007783, 2009.
Zweibeinige Saurier hatten die Ausdauer von Warmblütern - Spektrumdirekt
Dienstag, 10. November 2009
Geothermie update: Ernst Huenges im Gespräch mit Daniel Lingenhöhl
Geothermie - seit 100 Jahren ohne schweres Unglück - Spektrum.direkt
Video: Matrix - Anno 1905
via der Standard und astrodictum
Montag, 9. November 2009
dedicated to Carl Sagan on his 75 birthday
Verlosung: Acer Aspire D250 zu gewinnen
Und wieder: Panne bei Geothermie-Bohrung
Am Donnerstagnachmittag hatten Bauarbeiter in etwa 130 Metern Tiefe versehentlich eine unter Druck stehende Wasserblase angebohrt. (SpON)Das Wort "Wasserblase" impliziert in meinen Augen nur, dass es sich hier um ein lokal eng begrenztes Phänomen handelt, das man kaum habe erkennen können. Und die Bauarbeiter waren auch noch so dämlich, das Ding zu treffen.Wasser aber kommt im Erdinneren in der Regel nicht in "Blasen" oder "Linsen" vor, genausowenig wie in Wasseradern (abgesehen von Ausnahmen), sondern zumeist flächig. Dabei hätte der Fehler meiner bescheidenen Meinung nach durchaus vermieden werden können. Angeblich war der tiefere Untergrund unter Wiesbaden nicht bekannt. Nun gibt es aber durchaus Verfahren, mit denen man Informationen über den Aufbau des Untergrundes erlangen kann. Und Wiesbaden ist für seine Heilquellen durchaus bekannt, die nicht nur seit den alten Römern genutzt werden, sondern der Stadt auch zu ihrem Namen verhalfen. Diese Wässer treten im Quellenviertel aus großer Tiefe an die Oberfläche. Eigentlich sollte man gerade beim Bohren in Heilquellenschutzgebieten doch eine große Sorgfalt walten lassen. OK, zugegeben, hochauflösende Seismik ist nicht zum Baumarktpreis zu bekommen. Wie schon in Staufen wurde vermutlich mit unzureichenden Mitteln und zum niedrigsten Preis versucht, Geothermie zu betreiben. Da bekommt die Pressemitteilung des Berufsverbandes deutscher Geowissenschaftler wieder eine hohe Aktualität. Und auch die Presse scheint das Fachwissen der Geowissenschaftler nicht wirklich nutzen zu wollen. Vielleicht eine gute Gelegenheit für meine Zunft, sich ein kleines bisschen in den Vordergrund zu spielen. Bevor die nächste Panne auf diesem Gebiet passiert.






