Freitag, 18. Dezember 2009

Wurde in den 70´er Jahren wirklich von einer globalen Abkühlung geredet?

In den Debatten um den globalen Klimawandel wird von den so genannten "Klimaskeptikern" ja gerne das Argument vorgebracht, dass noch in den 1970´er Jahren die meisten (!) Klimaforscher von einer globalen Abkühlung ausgingen. Und sie wollen damit sagen, dass die Klimaforscher ihr Mäntelchen eben gerne nach dem Wind hängen und selber nicht wissen, was sie morgen sagen werden. Das kurze Video von Peter Sinclair beleuchtet diese steile These und zeigt, dass diese Sichtweise nichts anderes als ein Mythos ist.


Weihnachtspause


Wenn nichts gravierendes mehr dazwischen kommt, werde ich mich über die Feiertage vom Rechner fernhalten und erst im neuen Jahr wieder mit neuen Beiträgen aufwarten. Ich wünsche also allen Freunden und Lesern besinnliche Festtage und einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Cosmic Emanations

Olaf hat ein neues Internetprojekt gestartet; Cosmic Emanations. An dem Ort sollen Videos und Audiodateien zum Thema Kosmos zu finden sein. Den Anfang macht NGC 1350, ein wie ich finde wunderschönes Stück.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Giordano Bruno, der jüngste Krater auf dem Mond

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Giordano Bruno, 22 Kilometer Durchmesser, vermutlich der jüngste Krater auf dem Mond. Image Credit: NASA/GSFC/Arizona State University )

Der rund 22 Kilometer durchmessende Krater Giordano Bruno ist möglicherweise der jüngste der großen Krater auf dem Mond. In Berichten aus dem 12. Jahrhundert wird von einem hellen Blitz berichtet, der auf der Sichel des Mondes beobachtet wurde. Könnte dies das Ereignis gewesen sein, welches den Krater Giordano Bruno formte? Denn schon auf den ersten Nahaufnahmen, welche die Raumsonden vom Mond zur Erde funkten, fiel die "frische" des Kraters auf. Da die Position des Kraters am Rand der rückwärtigen Mondseite gut mit den mittelalterlichen Berichten übereinstimmt, lag ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Blitz und der Bildung des Kraters nahe. Auswertungen der Fotos, welche die japanische Sonde Kaguya legen allerdings nahe, dass der Krater mindestens 1 Million Jahre alt ist.
Das ist zwar für einen Mondkrater jung, aber deutlich zu alt um im 12. Jahrhundert entstanden zu sein. Das Alter wurde anhand einer Zählung der Krater datiert, welche nach der Entstehung von diesem Krater in eben diesem gebildet haben. Allerdings könnten manche dieser kleineren Krater auf Ejekta zurückgehen, das von dem Einschlag selber stammt. In diesem fall würde das Alter des Kraters deutlich zu hoch eingeschätzt werden. Endgültige Gewissheit werden wir erst haben, wenn zukünftige Missionen die direkte radiometrische Datierung der Impaktschmelze erlauben.
Die obige Aufnahme wurde von LROC gemacht. Sie zeigt einen rund 2200 m großen Bereich des Kraters in hoher Auflösung von 1,6 m. Impaktschmelzen formen hier weite in Bereichen Terrassen und Stufen des Kraters. Oben links zeigt sich eine Stricklava - ähnliche Impaktschmelze, ein deutlicher Hinweis auf die Viskosität der Schmelze. Die Verteilung der Impaktschmelzen in dem Krater und um ihn herum zeugen deutlich von der Energie und Dynamik großer Einschlagereignisse.

Optische Illusion

Eine faszinierende optische Illusion. Man hält es erst nicht für möglich, aber es funktioniert.



via Richard Wiseman

Dienstag, 15. Dezember 2009

Techno schaden dem Gehirn

Das ist sicher ein übles Vorurteil, aber manchmal bestätigt es sich. So wie in diesem Fall, wo Dr. Motte, der in der Szene ja durchaus bekannt ist, dem Verschwörungstheoretiker Dieter Broers eine äußerst wohlwollende Besprechung zuteil werden lässt. Der hat nämlich ein Thema für sich entdeckt (den 20.12.2012), über den er meist bar jeglichen Grundwissens schwurbelt. Zu seinem Buch über die (R)Evolution 2012 hat er auch einen Film gemacht. Und Dr. Motte lobt nun genau diesen Film:
Der Film beschreibt trefflich und nachvollziehbar die Zusammenhänge zwischen unserer geistigen Evolution – den hochmagnetischen Sonnenwinden und unseren Emotionen und der Chancen dieser besonderen Zeit. [...]
Der Film von (R)EVOLUTION 2012 von Dieter Broers schafft eine sehr gute Betrachtungsgrundlage gerade inmitten der aktuellen Fülle von Gerüchten, Prophezeiungen und Meinungen: Es ist wichtig, das ihr Euch den Film anseht!
Was auch zeigt, dass es mit dem Grundlagenwissen eines "Dr." Motte nicht übermäßig weit her sein kann. Ich halte es für hochgradig bedenklich, wenn ein Künstler seine Bekanntheit dafür hergibt, esoterisch verschwurbeltem Nonsens (und als genau das muss man die Thesen des Dieter Broers bezeichnen), gesellschaftsfähig zu machen. Vielleicht hätte sich Dr. Motte mal bei Leuten erkundigen sollen, die sich damit auskennen. Florian Freistetter zum Beispiel. In diesem Fall hat Motte aber das Licht der kleinen Kerze bedenklich zum flackern gebracht.
Dr. Motte und Dieter Broers




Faszinierendes Verhalten von Wasser

Diesmal bietet das Video nicht nur was für alle, die faszinierende gerne Phänomene sehen,sondern gleichzeitig auch noch etwas für die Damenwelt (OK, wo ist die Chauvikasse?). Vielleicht funktioniert der Trick auch nur, wenn man dafür sein T-Shirt opfert? Meine Theorie ist, dass es sich hier um unterkühltes kohlensäurehaltiges Wasser handelt. Nach dem Öffnen und dem Druckausgleich genügt der Kontakt mit dem Eis im Glas, um die Kristallisation in Gang zu bringen.



via Richard Wiseman

Montag, 14. Dezember 2009

Kein Beleg für einen Impakt als Ursache für die Jüngere Dryas

Die Jüngere Dryas stellt einen drastischen Temperaturrückgang vor 12 900 bis 11 500 Jahren dar. Die Temperaturen sanken innerhalb einer sehr kurzen zeit und die Gletscher stießen noch einmal in Richtung Süden vor. Die Nadelwälder verschwanden weitgehend und machten einer Tundra Platz, in der als namensgebende Pflanze der Silberwurz Dryas octopetala vorkam.
Was aber hatte, so kurz vor dem Ende der Eiszeit den Trend zur Gletscherschmelze so abrupt beendet und zumindest zeitweise wieder umgekehrt? Eine Theorie geht von einem gewaltigen Eisstausee aus, der große Mengen von Süßwasser in den Nordatlantik beförderte und dort den Golfstrom zum erliegen brachte. In den letzten Jahren kamen aber noch einige Funde hinzu, nach denen möglicherweise auch ein Impakt zu den Ereignissen beigetragen haben könnte. Denn in Folge der Abkühlung starben besonders in Nordamerika viele Großsäuger aus und die Clovis Kultur verschwand von der Bildfläche. So findet sich verschiedentlich in Nordamerika eine schwärzliche, kohlenstoffreiche Schicht, die nicht nur in die Jüngere Dryas datiert, sondern auch auf mögliche, ausgedehnte Waldbrände hin deutet. Direkt unterhalb der schwarzen, bis zu drei Zentimeter mächtigen Schicht fanden sich erhöhten Konzentrationen an Iridium, Kohlenstoffkügelchen und Nanodiamanten. Diese Funde gelten gemeinhin als Indikatoren für Impaktereignisse. Möglicherweise hätte ein dem Tunguska-Ereignis ähnlicher Impakt große Bereiche entzündet und das Eisschild destabilisiert, so dass große Süßwassermengen in den Nordatlantik abfließen konnten.
Als jetzt ein anderes Team von Geologen die Theorie überprüfen wollte und nach weiteren Belegen suchte, standen sie vor einem Problem. Es stellte sich nämlich nicht nur heraus, dass die Ergebnisse, die zur Entwicklung der Theorie geführt haben, nicht reproduzierbar waren, sie fanden auch sonst keine Hinweise, die eine Impakt-Theorie stützen würden. Hier sind besonders die geochemischen Spuren zu nennen, die normalerweise den Eintrag größerer Mengen kosmischer Materie anzeigen, wie eben Iridium, aber auch die anderen Mitglieder der Platin-Gruppe u d die Verhältnisse der Osmium-Isotope 187Os/188Os. Untersucht wurden mehrere terrestrische, marine oder lakustrine (also aus Süßwasserseen) Bohrkerne der in Frage kommenden Zeitabschnitte. Hier konnten keine erhöhten Iridiumwerte festgestellt werden. Auch die Osmium-Isotopenverhältnisse entsprachen denen, wie sie für die normale Erdkruste üblich sind und zeigten keinen kosmischen Beitrag an. Auch weitere ungwöhnliche Anreicherungen von Elementen der Platingruppe konnten in den Bohrkernen nicht nachgewiesen werden. Bleiben nur noch die Nanodiamanten übrig, aber auch das wird von der Arbeitsgruppe um François Paquay kritisch gesehen. Immerhin handelt es sich bei den Nanodiamanten um die hexagonale Modifikation Lonsdaleit, die durchaus im Zusammenhang mit Einschlagskratern gefunden wird. Die Abwesenheit der üblichen geochemischen Spuren spricht aber deutlich gegen einen Impakt als Auslöser der Abkühlung.

François S. Paquay, Greg Ravizza, Steven Goderis, Philippe Claeys, Steven Goderis, Frank Vanhaeck, Matthew Boyd, Todd A. Surovell, Vance T. Holliday, C. Vance Haynes, Jr. Absence of geochemical evidence for an impact event at the Bølling–Allerød/Younger Dryas transition. Proceedings of the National Academy of Sciences, 2009; DOI:

Freitag, 11. Dezember 2009

Mit dem Gefügekompass messen

Der Gefügekompass ist einer der besten Freunde des Geländegeologen. seine Anwendung ist aber etwas trickreich. Wie man mit ihm umgeht, zeigt ein kleines Video der FU Berlin. dabei gibt es auch eine kleine Zusammenfassung über den Gefügekompass, aber auch über andere Themen unter dem Stichwort Geländearbeit.

Video: Mit dem Gefügekompass messen

via Lost Geologist

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wenn der Berg ins Rutschen kommt

Spätestens sein dem Erdrutsch von Nachtersted wissen auch wir hier im Flachland, dass sich bewegende Erdmassen gefährlich sind. Das gilt natürlich besonders für Gegenden, in denen eine entsprechende Morphologie vorherrscht. So wie hier in Tennessee, USA. Hier hatten Straßenarbeiter sehr viel Glück. Sie waren gerade dabei, einen vorhergegangenen Steinschlag von der Straße zu entfernen, als der Berg noch einen Nachschlag servierte. Die Heldin des Tages dürfte die Geologin Vanessa Bateman sein, die ein Ohr für die Erde hatte.


Wie sich das Mittelmeer wieder füllte

Vor rund 5,66 Millionen Jahren hatte sich das Mittelmeer komplett vom Rest der Weltmeere abgetrennt. In der Folge fiel der Wasserspiegel in diesem Binnenmeer dramatisch und es trocknete weitgehend aus, wovon auch heute noch mächtige Lagerstätten aus Salz und Gips auf dem Grund des heutigen Mittelmeeres und die tliefen Canyons der Flüsse zeugen, die ins Mittelmeer fließen. Die Rhone als Beispiel hat ein Tal eingeschnitten, welches heutzutage bis zu 100 m unter den heutigen Meeresspiegel reicht, beim Nil sind es sogar 2500 m. Der Spiegel des restlichen Meeres lag vermutlich rund 1500 bis 2700 m tiefer als der heutige Meeresspiegel. Diese Messinische Salinitätskrise dauerte rund 300 000 Jahre bis vor 5,3 Millionen Jahren der Atlantik seinen Weg in das Becken des Mittelmeeres fand. Auf breiter Front muss das Wasser in das Becken geströmt sein. relativ rasch hat de Erosionskraft des einströmenden Wassers die Schwelle zwischen Atlantik und Mittelmeer 640 m tief abgetragen, das Wasser stieg danach Modellrechnungen zu Folge bis zu 10 m pro Tag an. Bereits nach wenigen Monaten bis zu zwei Jahren soll demnach das Mittelmeer bereist zu rund 90% wieder geflutet worden sein.

Daniel Garcìa-Castellanos et al. Catastrophic flood of the Mediterranean after the Messinian salinity crisis Nature, Vol. 462, pp 778-81, DOI 10.1038/nature008555

Wie begeht man homöopathischen Selbstmord?

Von einem Homöopathen herausgefordert riskiert ein Skeptiker alles und schluckt eine volle Ladung 200 C Belladonna. Mir stellt sich dabei nur die Frage, ob das jetzt unter Überdosis oder Unterdosis fällt, da für Homöopathen ja weniger mehr ist und im Umkehrschluss also mehr doch weniger sein müsste....



via terrorzicke

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Herzlichen Glückwunsch, Kirk Douglas!

Ich möchte heute einem der großen Schauspieler Hollywoods gratulieren. Issur Danielowitsch Demsky wurde am 09. Dezember 1916 in Amsterdam/NY geboren. Als Kirk Douglas war er der Star zahlreicher Western- und Abenteuerfilme, die heute zu den Klassikern zählen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Star Wars live in Concert

Ich kann nicht anders.... am 8. April in Hamburg?

die "Welt" über Geologie, oder; wie verwittert Biotit

Man sollte sich doch eigentlich freuen, wenn Geothemen in der Presse verbreitet werden. Wenn man sich dann aber die betreffenden Artikel ansieht, so fallen einem natürlich auch immer sofort die Fehler auf. Das ist an sich ja auch nicht verwunderlich, ich kann ja auch kaum von einem Journalisten erwarten, dass er sich auf ein entsprechendes fachliches Niveau begibt, bevor er einen simplen Artikel schreibt. Trotzdem, ab und an muss ich mich dann als alter Korinthenkacker über die Ergüsse auslassen und hoffe, manches dann richtig stellen zu können. Denn dieser Artikel über Verwitterung aus der "Welt" (via geoberg) hat es wirklich in sich. Abgesehen davon habe ich eine gesunde Skepsis gegenüber einer Zeitung, die gewissen Werken eines Solinger Bauingenieurs eine "sexy" Besprechung lieferte, die bar jeglichen Fachwissens war. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich da wirklich kleinlich bin.
Aber gehen wir den Artikel mal der Reihe nach durch:

Felsen verwittern nicht nur durch physikalische, sondern auch durch biologische Einflüsse.
Aha. Haben wir da nicht noch was vergessen? Ich meine ja nur, dass ich mich an so etwas wie chemische Verwitterung erinnern kann. Gut, ist schon OK, wenn der normale Journalist von dieser Sonderform noch nichts gehört hat, die den größten teil der tropischen Böden gebildet hat und beispielsweise in Afrika für die Formung der Landschaft zuständig ist. Stichwort Laterit. Die chemische Verwitterung ist im Übrigen auch ein wichtiger Prozess für die Bildung bestimmter Lagerstätten, wie beispielsweise Bauxit (Aluminium). Auch für Nickelerze sind diese chemischen Verwitterungsprozesse bedeutsam, so haben sich die Nickelerze auf Neukaledonien durch die intensive chemische Verwitterung von normalerweise nur schwach nickelhaltigen Gesteinen gebildet. Natürlich können auch Lebewesen in diese Prozesse eingreifen. Dazu gehören nicht nur Pilze, wie die dem Artikel zugrunde liegende Publikation zeigt, sondern auch verschiedene Mikroorganismen.

Am Beispiel von Biotit, einem dunklen Glimmermineral, das häufig in Urgesteinen vorkommt,...
Äh, was sind denn Urgesteine? Das ist eine Frage, die nicht nur ich mir stelle. Denn der Begriff wird in der Geologie eigentlich seit fast 150 Jahren nicht mehr verwendet. "Urgestein" entstammt einer Zeit, als man davon ausging, dass bestimmte Gesteine wie beispielsweise metamorphe Gesteine oder die Tiefengesteine sich am Beginn der Erde gebildet hätten, unter Bedingungen, wie sie heute nicht mehr vorkommen. Das Wort wurde von den Vorstellungen Abraham Gottlieb Werners entscheidend mitgeprägt, und sollte heute, auch aufgrund seiner Unschärfe, eigentlich nur noch im historischen Kontext verwendet werden. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang wieder, das der damals so "sexy" von der Welt besprochene Zillmer ebenfalls ein großer Freund der historischen Begriffe ist, die er gerne und ausgiebig (und leider auch ebenso gerne sinnentstellend) verwendet. Ein Schelm, der hier einen näheren Zusammenhang vermuten möchte.
Aber bleiben wir beim Thema. Biotit ist wirklich ein sehr schönes Beispiel, weil er als dunkles Glimmermineral in metamorphen und auch in magmatischen Gesteinen recht weit verbreitet ist. Außerdem lässt sich seine Verwitterung auch sehr gut beobachten.

Stößt eine Wurzel mit dem sie umgebenden Pilzgeflecht auf einen Biotitkristall, dann schmiegt sich ein Pilzfaden eng an den Kristall und übt auf ihn einen Druck aus, der dem eines Autoreifens entspricht. Nach dieser physikalischen Attacke, die den Kristall unter Spannung setzt, erfolgt ein chemischer Angriff. Der Pilz gibt Verdauungssäfte ab, die aus dem Kristall lebenswichtige Elemente wie Natrium herauslösen.
Äh, ja. Nun, Biotit ist, wie ich schon erwähnte, ein Glimmer, also ein Schichtsilikat. Ich bezweifel arg, ob man für die Zersetzung von Biotit so viel Druck braucht, jedenfalls nicht einen durch anschmiegen. Aber in diesem Absatz zeigt der Autor auch, dass er es sehr erfolgreich vermieden hat, auch nur mal kurz bei Wikipedia unter Biotit nachzuschauen. Denn sonst wäre ihm sicher nicht entgangen, dass Biotit ausgerechnet Natrium nicht enthält. Folglich kann man also auch kein Natrium aus ihm herauslösen. Biotit ist nämlich eigentlich ein Mischkristall. Also eine Mischung aus verschiedenen Mineralen, nämlich Annit (Eisen-haltig) und Phogopit (Magnesium-haltig). Dazu kommt oft noch ein Austausch von Eisen und Magnesium gegen Aluminium. Daraus ergeben sich gewisse Probleme für das Mineral, es muss die unterschiedlichen Ladungen ausgleichen (schließlich will es ja neutral bleiben). Dadurch wird in dem Silikat auf verschiedenen Positionen Silizium gegen Aluminium auf den Tetraederpositionen ersetzt, was die ganze Mischkristallreihe etwas komplizierter macht. Am einfachsten lässt es sich grafisch darstellen:


Hier sind die Endglieder der Biotit-Mischungsreihe dargestellt. Im grau unterlegten Feld finden sich die allermeisten natürlich vorkommenden Biotite. Wie unschwer zu erkennen, spielt Natrium keine Rolle (aus: Deer, W. A., Howie, R. A. & Zussman, J., 1992. An Introduction to the Rock Forming Minerals. Longman Group, Burnt Mill, Harlow).

In seiner Eigenschaft als Schichtsilikat ist Biotit auch nicht gerade ein hartnäckiges Mineral. Im Gegenteil, es wird relativ rasch ein Opfer der chemischen Verwitterung, auch ohne die Unterstützung der Pilze (obwohl Pilze die Sache beschleunigen können). Schon der Aufbau von Biotit mach deutlich, wie empfindlich dieses Mineral unter den Bedingungen der Erdoberfläche ist.Wikimedia User Bubenik, CC-SA-3.0
Schematische Darstellung des Aufbaus von Biotit. Das Mineral wird durch zweidimensionale Netzwerke aus Tetraeder- und Oktaederschichten aufgebaut, die durch Zwischenschichtionen aus Kalium (als rote Kugeln dargestellt) miteinander verbunden sind. In der Oktaederschicht sind alternierend Fe- oder Mg-Ionen (hier als helle oder dunkle Oktaeder dargestellt) eingebaut. Schon dieses Bild zeigt deutlich, dass man nicht viel Gewalt einsetzen muss, um den Biotit zu zersetzen. man muss schlicht nur die Zwischenschichtionen (Kalium) durch meist hydratisierte Ionen austauschen, und schon wird der Zusammenhalt der Schichtpakete entscheidend geschwächt. Das sieht dann in etwa folgendermaßen aus:
Dabei kann die Verwitterungsfront auf zwei Weisen in das Mineral vordringen. Entweder schichtweise, hier als b) dargestellt, oder von den Kanten her, hier als c). Der schichtweise Austausch weitet die Zwischenschichten auf, während die dort befindlichen Kalium-Ionen gegen hydratisierte Ionen ausgetauscht werden. Der Vorgang führt zu so genannten Mixed-Layer-Mineralen, die irgendwo zwischen den Endgliedern Biotit - Smectit oder Biotit - Vermiculit stehen. Im zweiten Fall der Verwitterung von den Kanten her werden die einzelnen Schichten entlang der Kristallkanten oder von Rissen aus aufgeweitet. Der Kern des Minerals bleibt hier noch eine Zeitlang unverändert. Hinzu kommt noch, dass das Eisen im Biotit in der zweiwertigen Form vorliegt. Unter den Bedingungen, wie sie im verwitternden Gestein herrschen, neigt Eisen aber dazu, zur dreiwertigen Form zu oxidieren. Wenn aber das Eisen in der Oktaederschicht zu dreiwertigem Eisen wird, muss auf irgendeine Weise wieder ein Ladungsausgleich erfolgen. Meist ist es wieder das Zwischenschichtion, also das Kalium, das den Preis bezahlt und seinen Platz verlassen muss, aber auch zweiwertiges Eisen und Silizium verlassen das Mineral. Besonders diese Schwäche ist es auch, welche sich die Pilzfäden gerne zu Nutze machen.
Biotit
(Eigenes Foto, all rights reserved)
Das betreffende Mineral sieht dann ungefähr so aus. Die einzelnen Lamellen weiten sich auf, verbiegen sich und verlieren ihren Zusammenhalt. In diesem Zustand ist es für jede Pflanze und auch jeden Pilz sicher entsprechend einfach, das Mineral weiter zu knacken. Aber auch ein frischer Biotit ist aufgrund seines internen Baus sicher geradezu prädestiniert dafür, Pflanzen als Lieferant für wichtige Nährstoffe zu dienen. Am Ende der Verwitterung des Biotits stehen verschiedene Tonminerale wie die bereits oben erwähnten Smectite oder Vermiculit. Besonders die quellfähigen Smectite sind in Böden gerne gesehen, da sie viele Eigenschaften aufweisen, welche für das Wachstum von Pflanzen sehr förderlich sind.

Wissenschaftliche Versuche für jede Weihnachtsfeier

Was kann man machen, wenn die Weihnachtsfeier mal wieder so richtig langweilig wird? Wie kann man besonders Kinder mit kleinen Zaubertricks mit wissenschaftlichem Hintergrund unterhalten? Da kommt einem Richard Wiseman gerade recht.



via astropixie

Montag, 7. Dezember 2009

Kurzer Bericht von der Mineralien 2009

Wie eigentlich jedes Jahr war ich auch diesmal wieder für die Gesellschaft für Geschiebekunde auf der Messe Mineralien 2009. Der Andrang der Händler schien mir dieses Jahr etwas geringer als im letztenJahr. Vielleicht lag es an der derzeitigen Krise, aber auch letztes Jahr hatten einige wohl schon überlegt, ob sie Hamburg noch im Programm weiter führen und ob es sich für sie überhaupt lohnt. Bedauerlicherweise waren das meist die Fossilienhändler, die über eine hochwertige Ware verfügten, so dass in meinen Augen das Angebot deutlich abflachte, zumindest im Bereich der Fossilien. Gefreut habe ich mich aber über das Vortragsprogramm. In den zurückliegenden Jahren nahmen hier die Esoteriker mehr und mehr überhand und man konnte sämtliche Formen der absurdesten Kristall- und Edelsteinesoterik finden. Diesmal hatten aber die wissenschaftlichen Vorträge die Überhand, soweit ich mitbekommen habe, fiel nur ein einziger in allen drei Tagen in die Kategorie Esoterik. Schön war es auch, dass mit Kasper von Wuthenau ein Händler explizit einen Vortrag wider die Esoterik hielt und die angeblichen Wirkungen der Minerale einmal von der wissenschaftlichen Seite her beleuchtete. Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle herzlich danken. Viele Händler sind in den letzten Jahren auf den Esoterikzug aufgesprungen und die Messe drohte immer mehr zu einem Absurdistan zu werden, wo Mondpreise für simple getrommelte Bergkristalle und Rosenquarze verlangt wurden. Interessant war es für mich, hier von einem Gerichtsurteil zu hören, das die Mode der Edelsteintherapien und "Heilsteine" explizit als Humbug feststellte. Ein aus meiner wissenschaftlichen Sicht längst überfälliges Urteil, das hoffentlich nicht alleine stehen bleibt.

Nicht unerwähnt sollen hier auch die interessanten Sonderschauen bleiben, die es wie üblich auch dieses Jahr gab. Faszinierend waren die künstlerischen Kreationen von Manfred Wild, der aus verschiedenen Quarzvarietäten, Jade und Gold vielfältige Blumen und andere Gegenstände fertigte. Vieles war in meinen Augen auch kitschig, aber die filigrane Fertigung nötigte einem doch allen Respekt ab. Die TU Bergakademie Freiberg stellte Kupfer vor, vom mineralischen Rohstoff bis zu den vielfältigen Anwendungen, Lapislazuli war ein Teil der Ausstellung und das Leben in den Urzeitgewässern, vertreten durch den Großzahnhai Carcharocles megalodon und den Quastenflosser. Drumherum gab es noch diverse kleinere Sonderausstellungen über besondere Funde in alpinen Klüften und weiteres.
hier noch einige Impressionen von der Messe:


Messestand
Der Messestand der Gesellschaft für Geschiebekunde (all rights reserved)

Carcharocles megalodon
Der Kiefer des Carcharocles megalodon. Schon ziemlich beeindruckend

Carcharocles megalodon
Ein Blick auf das Revolvergebiss.

Krokusse
Krokusse aus Amethyst, Citrin und Bergkristall mit Blättern aus Jade auf Quarzstufe. Als Sammler blutet einem irgendwie das Herz, aber die Kunstfertigkeit lässt einen auch staunen. (all rights reserved)

Rosen
Eine weitere seiner Kreationen. Rosenblüten aus Citrin mit Blättern aus Jade. (All rights reserved)

Rosen
Die filigrane Darstellung der Rosenblüten fasziniert. (all rights reserved)

Rosenquarz-Blüten
Blüten aus Rosenquarz mit Blättern aus Jade. (all rights reserved)

Kupfer
Elektrolytische Kupferabscheidung. Sonderschau der TU Bergakademie Freiberg. (all rights reserved)

Gussform für Schiffspropeller
Gussform für einen Schiffspropeller, Sonderschau der TU Bergakademie Freiberg (all rights reserved)

PresseMitteilungen "Esoterik kennt keine Moral - Ursula Caberta fordert Gesetz für religiösen Verbraucherschutz"

Wenn durch esoterische und okkulte Praktiken die Gesundheit oder gar das Kindeswohl gefährdet sei, müsse der Staat eingreifen.

(firmenpresse) - Frau Ursula Caberta, die Sekten- und Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats, hat ein Gesetz für „religiösen Verbraucherschutz“ gefordert.
Bei der Vorstellung ihres Buches „Isoterik“ hat die Autorin auch gesagt, dass es bei Anbietern von Esoterik-Seminaren und okkulten Praktiken mehr Auskunft geben muss -über Methode und Ziel der Arbeit- sowie über die eigene Qualifikation.
Es sei auch Sinnvoll, ein vierwöchiges Rücktrittsrecht von Kaufverträgen zu fordern. Auch müsse die Beweislast umgekehrt werden, so dass bei psychischen oder körperlichen Schäden der Anbieter künftig nachweisen müsse, dass seine esoterischen Praktiken keinen Schaden angerichtet haben.
Nach Worten des Buchautors Hartmut Zinser (Religionswissenschaftler an der Freien Universität Berlin) praktiziert etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland Esoterik wie Tarot-Karten, Pendel oder Befragung von Toten (Channelling).
Nach vorsichtiger Schätzung hat der Esoterik-Markt einen Umsatz von bundesweit etwa 17 Milliarden Euro.
Es sei auf jeden Fall sehr problematisch, wenn Edelsteine als Heilmittel gegen Zahnschmerzen oder Malaria verwendet würden und die medizinische Behandlung ersetzten. Auch verhinderten „esoterische Praktiken“, dass der Einzelne Verantwortung für sein Tun übernehme, sagt Zinser. Esoterik kenne keine Moral.
Zinser sagt auch: Er wisse von jungen Menschen, die mit Hilfe eines Pendels entschieden, ob sie sich um eine Lehrstelle bewerben oder auch nicht. Wer beim Gläserrücken angeblich erfahre, dass er bald sterbe, könne nach der Sitzung psychische Probleme bekommen. Der „Glücksstein“ der Mutter helfe nicht bei einer Mathe-Arbeit und bringe das Kind in Schwierigkeiten, wenn die Arbeit dennoch schlecht ausfällt. Auch sollte über die Trennung einer Ehe nicht der Erzengel Michael mit „Channeling“-Ratschläge aus dem Jenseits entscheiden.

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Sozialhelden erhalten den deutschen Engagementpreis 2009

Das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht. Die Sozialhelden haben den deutschen Engagementpreis 2009 erhalten. Ich hatte, wie vielleicht die ganze skeptische Welt, die Sozialhelden in der online geführten Abstimmung unterstützt. Mich freut, dass hier ein wirklich sinnvolles Prokekt mit dem Preisgeld von 10 000 € belohnt wird.

Herzlichen Glückwunsch, Sozialhelden!


Donnerstag, 3. Dezember 2009

Keine Zunahme von Hirntumoren in der Handy-Ära

Allen, die sich bisher bei der Benutzung ihres Handys gesundheitliche Sorgen machten, können zumindest eine jetzt weniger haben; Die Sorge, dass das Telefon für Hirntumore verantwortlich sein könnte. Denn in den ersten fünf bis zehn Jahren dessen, was man als Handy Ära bezeichnen könnte, hat sich die Anzahl der Hirntumore nicht erhöht. Die Arbeitsgruppe um Isabelle Deltour haben dafür die nationalen Krebsregister von Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden für die Jahre 1974 bis 2003 ausgewertet und dabei 60 000 Fälle von Hirntumoren analysiert. Die Rate der Erkrankungen bleib auch für die Jahre 1998 bis 2003 stabil, obwohl in diesen Jahren die Nutzung von Mobiltelefonen deutlich zugenommen hat. Zumindest für diesen Zeitraum war demnach keine Zunahme des Risikos für Hirntumore zu erkennen.
Isabelle Deltour et al. (2009):Time Trends in Brain Tumor Incidence Rates in Denmark, Finland, Norway, and Sweden, 1974–2003. Journal of the National Cancer Institute Advance Access published online on December 3, 2009. JNCI Journal of the National Cancer Institute, doi:10.1093/jnci/djp415

Kohlendioxid der Ozeane und Schalenbau

Bei allen Diskussionen über den zukünftigen Kohlendioxidgehalt der Erde schwingt auch immer die Hoffnung und die Sorge über das Verhalten der Ozeane mit. Hoffnung, weil die Ozeane eine Menge Kohlendioxid aufnehmen können und so als Senke dienen. Sorge, weil das aufgenommene Gas dort natürlich nicht ganz folgenlos bleibt. Denn je mehr Kohlendioxid im Meerwasser gelöst ist, je saurer ist das Wasser. Und je besser kann es Kalk lösen. Die verstärkte Kalkaggressivität des Ozeans könnte aber alle Organismen, die auf Kalkschalen zwingend angewiesen sind, vor erhebliche Probleme stellen. Es besteht die Gefahr, dass viele Wesen in dem zunehmend saurem Wasser immer dünnere Kalkschalen bauen und dies in der Zukunft beträchtliche Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme haben wird. Besonders, da hierzu viele der riffbildenden Organismen zählen oder auch Plankton, das am Anfang der Nahrungskette steht. Eine Arbeitsgruppe um Justin B. Ries (ist das eigentlich ein entfernter Vetter von mir?) vom Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) hat sich 18 Arten kalkschaliger Lebewesen und ihr Verhalten unter verschiedenen Kohlendioxidleveln näher angesehen. Die Arten repräsentieren ein breites Spektrum von Echinodermen bis hin zu Muscheln. Erstaunlicherweise reagierten nicht alle untersuchten Arten in der selben Weise auf die veränderten Bedingungen. 10 Arten reduzierten wie erwartet ihre Schalen. Sieben Arten reagierten hingegen mit verstärktem Schalenwachstum. Möglicherweise spielt hier die Menge an gelöstem anorganischen Kohlenstoff eine Rolle, die in den saureren Ozeanen höher ist.
Die betreffenden Organismen sind möglicherweise in der Lage, dieses für den Bau ihrer Schalen zu nutzen, indem sie den pH-Wert in ihrer direkten Umgebung beeinflussen.

Justin B. Ries, Anne L. Cohen and Daniel C. McCorkle: Marine calcifiers exhibit mixed responses to CO2-induced ocean acidification. Geology 2009;37;1131-1134

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Wir verschönern unsere Schule...

...und leuchten die Kuppel der Schulsternwarte an. Manchmal möchte man ob der gezeigten Intelligenz nur noch hemmungslos weinen. Welch leuchtende Vorbilder!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Neues vom Toba Supervulkan

Der Tobasee in einer falschfarbenen Landsat-Aufnahme. Quelle: NASA

Der Tobasee in Indonesien stellt mit seinen rund 100 Kilometern Länge und rund 30 Kilometern Breite einen der größten vulkanischen Kraterseen der Erde dar. Seine Entstehung geht auf einen gewaltigen Vulkanausbruch vor rund 73 000 Jahren zurück, bei dem mehr als 2800 Kubikkilometer Tephra in die Atmosphäre geschleudert wurden. Möglicherweise war dies der stärkste Vulkanausbruch seit mehr als 25 Millionen Jahren und zusammen mit dem Ausbruch des Lake Taupo (vor 22500 bis 26500 Jahren) der einzige mit einem Vulkanexplosivitätsindex von 8 in den letzten 100 000 Jahren.
Diese enormen Aschenmengen könnten das Weltklima stark beeinflusst haben. Manche Forscher gehen von einer Abkühlung von bis zu 17 °C für einige Jahrzehnte aus und machen den Ausbruch für die kälteste Zeit der Weichseleistzeit (oder Würm für die Alpenbewohner) verantwortlich. Neuere Untersuchungen von Geologen um Stanley Ambrose (Illinois) deuten darauf hin, dass die Eruption große Teile Zentralindonesiens entwaldet hat. Ambroise undseine Kollegen gehen davon aus, dass der Ausbruch auch erhebliche Auswirkungen auf unsere eigene Art hatte. Bereits 1998 hatte er vorgeschlagen, den genetischen Flaschenhals, den unsere eigene Spezies im Zeitraum vor 50 000 und 100 000 Jahren durchmachte, auf den Ausbruch dieses Vulkans zurückzuführen. Die geringe genetische Variationsbreite unter den Menschen zeigt, dass unsere Art irgendwann um diese Zeit quasi am seidenen Faden hing und beinahe ausgestorben wäre. In diesem Fall wäre es aber auch interessant, warum Beispielsweise die in Eurasien lebenden Neandertaler und auch die in Asien beheimateten Homo erectus Formen sich allem Anschein nach kaum von diesem Ereignis aus dem Gleichgewicht bringen ließen. Jedenfalls überlebten sie die kritische Zeit und starben erst deutlich später aus.
Die Untersuchung von Pollen aus marinen Bohrkernen und auch Kohlenstoffisotope aus Böden direkt über und unter den Aschenlagen des Ausbruches zeugen von einer drastischen Änderung in der Vegetation in Indonesien. Direkt nach der Eruption wurde die Vegetation offener und möglicherweise auch trockener, wie der Rückgang von Farnen nahelegt. Die Kohlenstoffisotopendaten zeigen in die selbe Richtung. Für mehr als 1000 Jahre nach dem Ausbruch scheinen offenes Gras- und Buschland vorzuherrschen. Für Ambrose ein Zeichen dafür, dass der Ausbruch in den Tropen zu deutlichen Umweltveränderungen geführt hat, welche unsere Vorfahren zu neuen Verhaltensstrategien zwangen und sie letztlich dazu befähigten, die älteren Menschenarten wie den Neandertaler zu verdrängen. Inwieweit man aber Ergebnisse von Indonesien und damit relativ nahe am "Ground Zero" des Ausbruches mit den Verhältnissen in Afrika vergleichen kann, ist mir bisher nicht ganz klar geworden. Da muss man sicher noch einiges an Ergebnissen abwarten, bevor das Bild klarer wird.

Mineralientage 2009 in Hamburg

Am Wochenende geht es wieder los, die Mineralientage in Hamburg. Ich werde wohl am Freitag und voraussichtlich auch am Sonntag Nachmittag am Stand der Gesellschaft für Geschiebekunde stehen. Wer Lust hat, kann ja mal vorbeischauen. Es gibt auch wieder Sonderschauen, die sich auf jeden Fall lohnen.

Schmutzige Schweine sind gesunde Schweine

Das dürfte eine interessante Nachricht sein. Besonders in Zeiten, wo selbst die handelsüblichen Haushaltsreiniger garantiert "99 % aller Bakterien" abtöten und Desinfektionsmittel in vielen Haushalten das Arsenal füllen. Es gab ja schon länger Hinweise, dass besonders bei Kindern ein normaler Kontakt zu Keimen positiv auf die Entwicklung des Immunsystems wirkt, und Kinder auf Bauernhöfen weniger unter Allergien leiden als ihre Altersgenossen, deren Umwelt nahezu steril ist. Und zumindest bei Schweinen, deren Immunsystem dem unseren doch recht ähnlich ist, scheint sich der Verdacht zu erhärten. Die Darmflora der Schweine, die in einer schmutzigen Umwelt aufwuchsen, bestand zu 90 % aus Milchsäurebakterien, während die diejenige der Schweine aus Stallhaltung nur zu rund 70 %, die der Schweine aus steriler Umgebung sogar nur zu 50 % aus Milchsäurebakterien bestand. Auch die Aktivität des Immunsystems war bei den schmutzigen Schweinen deutlich gesteigert gegenüber ihren sauberen Genossen.
Von schmutzigen und sauberen Schweinchen
Dirty pigs are healthy pigs
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