Dienstag, 19. Januar 2010

Erdbeben in Haiti - Mögliche Folgegefahren

Haiti  Erdbeben 15 Jan 2010 Erdrutsche Ausschnitt
Abb. 1. Haiti und die Gegend um Port-au-Prince nach dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar. Die Aufnahme wurde am 15 Januar 2010 vom Advanced Land Imager des NASA’s EO-1 Satelliten aufgenommen. Das Epizentrum befindet sich ziemlich genau im Zentrum der weiß umrandeten Fläche.


Die Nachrichten werden nach wie vor von dem Erdbeben vom 12. Januar in Haiti beherrscht. Der Staat, so schwach seine Strukturen auch vorher ausgeprägt gewesen sein mögen, scheint komplett zusammengebrochen zu sein und die Bevölkerung kann nur auf Hilfe aus dem Ausland hoffen. Die Hilfe ist angelaufen, aber biss alle Betroffenen erreicht werden, wird sicher noch weiter Zeit vergehen. Trotzdem sollte man die Gedanken nicht nur auf die absolut notwendige unmittelbare Nothilfe lenken, sondern auch ein klein wenig in die Zukunft schauen. Und hier könnte das Erdbeben auch noch für zusätzliche Probleme gesorgt haben. Denn Haiti leidet schon länger unter der Natur und dem Umgang mit ihren Ressourcen. Weite Bereiche des Landes wurden abgeholzt, um das Holz als Energieträger oder Baumaterial zu gewinnen. Dazu zeigt das Land in weiten Bereichen eine ausgeprägte Morphologie, wie man auf Abb. 1 erkennen kann.Zusätzlich wird das lLnd auch durch Starkregenereignisse heimgesucht, wie sie beispielsweise (aber eben nicht ausschließlich) im Gefolge tropischer Hurrikane stattfinden. Steile Hänge, gerodete Wälder und viel Regen sind ideale Voraussetzungen für Erdrutsche.
Hier hat das Erdbeben ebenfalls schwere Schäden angerichtet, wie man aus dem Vergleich der Aufnahme vom 15. Januar 2010 mit einer vom 14. September 2008 (des selben Satelliten) erkennen kann (Abb. 2 und 3).

Haiti nach Erdbeben 15 Jan 2010 potentielle Erdrutsche
Abb. 2. Die Landschaft um den Riviere Momance mit potentiellen, durch das Erdbeben ausgelösten Erdrutschen. Das Epizentrum des Bebens lag ungefähr in der Mitte des Kartenausschnitts.

Haiti vor Erdbeben 14 Sept 2008
Abb. 3. Der Riviere Momance vor dem Erdbeben, die Aufnahme stammt vom 14. September 2008. Die Enriquillo-Plaintain Garden Verwerfung ist mit der Versatzrichtung eingezeichnet.

Die ältere Aufnahme wurde am 14. September aufgenommen, nachdem der Hurrikan "Ike" auf Haiti zu schweren Regenfällen geführt hat. Man kann einige der neueren Erdrutsche von 2010 bereits in der älteren angelegt erkennen. Diesen Stellen sollte man in der Zukunft vermehrt Aufmerksamkeit schenken. das giklt auch für andere Erdrutschgefährtdete Stellen auf Haiti. Auf der unteren Abbildung ist auch der Verlauf der für das beben verantwortlichen Enriquillo-Plaintain garden Verwerfung mit den Versatzrichtungen eingezeichnet. Die Flüsse folgen der Richtung der Störung und zeichnen sie in der Landschaft nach. Mit diesen und anderen Aufnahmen unterstüzt die NASA das Water Center for Humid Tropics of Latin America and the Caribbean (SERVIR) bei der Identifizierung möglicher Gefahren durch Erdrutsche. Besonders in armen Ländern stellen Erdrutsche eine große Gefahr für die Menschen dar.
Aufnahmen vom NASA Earth Observatory, verändert.

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