Freitag, 15. Januar 2010

Erdbeben in Haiti: update aus Absurdistan

Es war ja zu befürchten. Kaum passiert eine Katatstrophe irgendwo auf der Welt, scho kommen irgendwelche Wahrsager oder (in diesem Fall) Astrologen, die das ganze vorhersehen konnten. Oder in diesem speziellen Fall wohl hätten können, wenn sie Interesse gezeigt hätten. Vielleicht war ihnen Haiti zu langweilig? Oder zu weit weg? Oder die Einwohner zu arm? Oder, oder, oder. Florian Freistetter hat da ein paar Astrologen aufgelesen, die in ihrer menschenverachtenden Arroganz kaum zu überbieten sind. Sie lesen aus den Sternen, dass auf Haiti nun große Herausforderungen zukommen und eine enorme Aufbauleistung gefordert ist. Im Ernst, dazu müsste ich nicht in die Sterne schauen. ja, und natürlich hätte man im Horoskop von Haiti das Beben erkennen können, so z.B. dieser hier (der sich wohl besser an seine eigene Einleitung gehalten hätte). Man schaue sich nur mal die "astrologischen Ursachen" für das Beben an, die da so angeboten werden. Irgendwelche holografischen Effekte (wissen die eigentlich, von was sie da schwurbeln?) kommen da vor, ebnenso wie die Dauerbrenner der linearen Planetenkonstellation (hier sogar mit ganzen 11 Planeten). Oder die Nähe zur Sonne, da die Erde ja im Winterhalbjahr dieser am nächsten ist. Oder vielleicht war auch Saturn zu langsam (der meint wohl den Elektromarkt, denn der Planet hat sicher seine Bahngeschwindigkeit im fraglichen Zeitraum nicht nennenswert verändert).
Mich persönlich irritiert dabei immer, dass diese Typen immer erst hinterher aus ihren Löchern gekrochen kommen. Und immer mit der absoluten Gewissheit, all das hätte man, wenn man sie nur gefragt hätte, doch auch vorher wissen können. Wie soll man mit Leuten umgehen,  welche rund 100 000 Menschen sehenden Auges (stand doch vor ihren Augen angeblich in den Sternen) und ohne Hilfe zu leisten, umkommen lassen?  Zumindest hätte man die Hilfe rechtzeitig anlaufen lassen können und Sicherheitsmaßnahmen  ergreifen können. Ich fürchte nur, dass unsere Astrologen aus ihrer Sicht hier ein absolut reines Gewissen vorweisen können. Dabei wäre es so einfach. Da suchen die Geophysiker aller Herren Länder händeringend nach einem Verfahren, derartig schwere Erdbeben in bewohnten Gebieten rechtzeitig vorhersagen zu können. Die wären sicher beim ersten Mal skeptisch, aber die schiere Zahl der Treffer hätte sie sicher mittlerweile leicht überzeugt. Ich stimme Florian Freistetter hier absolut zu.


Kommentar veröffentlichen
Research Blogging Awards 2010 Winner!
 
Creative Commons License
Amphibol Weblog von Gunnar Ries steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.