Montag, 11. Januar 2010

Geovandalismus

Wenn man sich des öfteren in geologischen Aufschlüssen aufgehalten hat, hat man sie auch gesehen. Die Lebensspuren der Paläomagnetiker und Geochemiker. Kleine Bohrlöcher, aus denen sie ihre Proben genommen haben. Dabei kann eine übermäßige Probennahme auch den Aufschluss selber zerstören oder zumindest stark beschädigen. Normalerweise sicher kein Problem, wenn es sich um aktive Kliffs oder Steinbrüche handelt und so die Spuren der Probennahme rasch wieder beseitigt werden. Etwas anders mag es dort aussehen, wo die Aufschlüsse anerkannte Lehrbuchbeispiele geologischer Strukturen zeigen. Hier nimmt man die Proben besser an Stellen, die nicht direkt einsehbar sind. In Großbritannien hat man sich daher schon Ende der 1980´er Jahre Gedanken gemacht und einen Codex entworfen. Demnach sollen die Proben in möglichst an schlecht einsehbaren Stellen genommen werden, nur in der absolut nötigen Anzahl und es sollte anschließend versucht werden, die Löcher mit dem selben Material wieder abzudecken. Leider werden diese Richtlinien nicht immer und überall beherzigt. Das führte jüngst zu einigen sehr unschönen Probenahmeserien, bei denen bekannte und wichtige Aufschlüsse nahezu zerstört wurden. Die Scottisch Natural Heritage musste feststellen, dass besonders in ihrem Bereich einige der klassischen Lokalitäten von internationaler Bedeutung dem Forscherdrang zum Opfer gefallen waren. Darunter einige Stellen am Arthurs Seat in Edinburgh, hier besonders am Salisbury Craig. Auch ein Aufschluss in Clachtoll bei Stoer, nahe Ullapool, bei dem man eine Diskordanz sehen und bisher gut fotografieren konnte, die rund 1,2 Milliarden Jahre zwischen dem Torridonian und dem Lewisian Gneis repräsentiert. Jedenfalls bis 2006. Besonders traurig war der Verlust  (jedenfalls im fotografischen Sinn) einer Stelle bei Oban, bei der man Bilderbuch-Beispiele glazialer Sedimente aus dem Dalradian sehen konnte. Diese bereits 2005 beschädigte Lokalität war vom Geological Conservation Review als Site of Special Scientific Interest geführt worden.
Es ist traurig, wenn diese "nach uns die Sintflut" Mentalität Schule macht. Manche Lokalitäten sollten für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. Auch sie stellen einen Teil unseres natürlichen Erbes dar, das es zu erhalten gilt.
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