Donnerstag, 14. Januar 2010

Haiti-Erdbeben update

h wie vor ist die genaue Zahl der Opfer des verheerenden Erdbebens vom 12. Januar in Port-au-Prince nicht bekannt. Schätzungen gehen mittlerweile von möglicherweise bis zu 100 000 Toten aus. Und wenn man sich die Bilder bei Zeit-online aus dem Katastrophengebiet anschaut (oder hier bei boston.com), dann kann man nur das schlimmste befürchten. Zum Glück scheint die erste Hilfe bereite angelaufen zu sein.
Hier will ich noch einmal einen Blick auf die Ursache des Bebens, die Enriquillo-Plaintain Garden Störung, werfen.



Das obige Bild zeigt den Verlauf der Störung (rote Linie) sowie die Lage der Epizentren des Hauptbebens und der Nachbeben. Zusätzlich zu der Nähe zur Hauptstadt sorgte die geringe Tiefe des Erdbebenherdes (nur rund 10 Kilometer) für die verheerende Wirkung des Bebens. Das Epizentrum des aktuellen Bebens liegt leicht südlich der Enriquillo-Plaintain Garden Störung. Diese Störung ist die südlichere von zwei größeren Störungen, an der die nordamerikanische Platte und die karibische Platte in Ost-West-Richtung mit rund 20 Millimeter pro Jahr aneinander vorbeigleiten. Dabei ist die Enriquillo-Plaintain Garden Störung alleine für rund 7 Millimeter pro Jahr gut. Die Störung hatte seit einigen Jahrzehnten keine größeren Erdbeben mehr produziert, so dass sich entsprechende Spannungen aufstauen konnten, bis sie sich dann schließlich am 12. Januar, 16.53 Ortszeit entluden. Allerdings wird sie für mehrere historische Erdbeben in der Region verantwortlich gemacht, so die Beben von 1860, 1770, 1761, 1751, 1684, 1673 und 1618. Ein direkter Nachweis für einen Zusammenhang fehlt aber noch.
Im Gelände kann man den Verlauf derartiger Störungen oft erkennen. Hier zum Beispiel wird der Verlauf der Störung durch ein langes Tal nachgezeichnet.

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