Gestern, am 12. Januar um 16.53 Uhr Ortszeit wurde Haiti von einem schweren Erdbeben der Magnitude 7 erschüttert. Viele Gebäude, darunter auch der Präsidentenpalast in Port-au-Prince wurden zerstört und viele Menschen verloren ihr Leben. Die genaue Zahl der Toten steht noch nicht fest, wird aber möglicherweise hoch sein. Die Karte in Abb. 1 zeigt das Epizentrum und die Zentren der Nachbeben. Das Epizentrum lag rund 15 Kilometer von der Stadt entfernt in 10 Kilometer Tiefe. Die Nähe zur Stadt erklärt auch die große Zerstörung, welche die Stadt erfahren hat.

(Abb.1: Epizentren vom Hauptbeben in Haiti und der Nachbeben sowie der dazugehörigen Störungen.Quelle: Earth Image of the Day)
Ursache für das Beben ist eine Blattverschiebung (strike-slip-fault), an der zwei Teile der Erdkruste seitlich aneinander vorbei gleiten (Abb.2). Der Hauptteil der Karibik befindet sich auf einer eigenen kleinen Platte, die von den großen Platten mit Nord- und Süd-Amerika umgeben ist. Diese beiden großen Platten bewegen sich im Verhältnis zur karibischen Platte mit einer Geschwindigkeit von rund 2 – 3 Zentimetern pro Jahr in Richtung Westen. Am östlichen Rand der karibischen Platte findet sich also eine direkt entgegen gesetzte Bewegung der beiden Platten statt und folglich liegt dort eine Subduktionszone mit dem entsprechenden Inselbogenvulkanismus. An ihrer nördlichen Grenze gleiten dagegen die karibische und die nordamerikanische Platte aneinander vorbei. Hier passierte auch das aktuelle Erdbeben. Hier ist die Kruste in mehrere kleinere Untereinheiten zerbrochen, so dass Bewegungen auch in größerer Entfernung zur eigentlichen Plattengrenze auftreten können. Eine dieser parallel zur Plattengrenzen verlaufenden Störungen, möglicherweise die Enriquillo-Störung, war dann auch die Ursache des Erdbebens. Aus plattentektonischer Sicht sind hier schwere Erdbeben durchaus an der nicht ungewöhnlich. Haiti ist als eines der ärmsten Länder der Welt aber vergleichsweise verwundbar und kann nur sehr wenig Vorsorge treffen.
(Abb. 2: Tektonische Situation in der Karibik mit dem Epizentrum. Quelle: USGS)
Heftiges Erdbeben erschüttert Haiti - Spon-Panorama
Nachtrag: Die American Geological Society hat einige ihrer Paper zum Thema Erdbeben in der Karibik online frei zugänglich gemacht.






7 Kommentare:
Bei Highly Allochthonous gibts auch die Herdbebenflächenlösung
http://scienceblogs.com/highlyallochthonous/upload/2010/01/Haitifm.png
Passt sehr gut zur Tektonik!
Eine Frage habe ich allerdings noch:
Weiter südlicher gibts ja Subduktion
Hier allerdings eine Transform-Grenze - an dem Knick - gibt es dort eine schräg abtauchende Platte die beide Komponenten zeigt? Also bei Übergang von Subduktion zu Transformstörung?
Grüße MQ
Die Herdbebenflächenlösung belegt sehr gut des Zusammenhang des Bebens mit der Transversalverschiebung. Eine Transformstörung im engeren Sinn ist es nicht.
http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File:Transform.jpg
Der Übergang von Subduktion zur Transversalverschiebung dürfte wohl intensiv zerschert sein. Inwieweit da eine schräg abtauchende Pölatte ist, weiß ich nicht. Möglich wäre es aber wohl.
Wozu die Aussage zu Jamaika im letzten Satz?
Blindheit! Korrigiert, danke für den Hinweis.
Hallo,
ich muss meine Facharbeit zum Thema Erdbeben in Haiti schreiben.
Nachdem jetzt die Ursache des Hauptbebens geklärt ist, würde michnoch die Ursache des Nachbebens interessieren??
Vielen Dank!
Die Nachbeben haben im Pronzip die selbe Ursache. Die Spannungen haben sich mit dem Hauptbeben meist nicht komplett abgebaut. Außerdem kann ein Spannungsabbau an einer Stelle durchaus zu einer größeren Spannung an anderer Stelle führen. Diese lösen sich dann in den Nachbeben.
Die armen Leute wollten auch nur ihr Leben leben ;(
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