Montag, 8. Februar 2010

Eine-Welt-Preis an Homöopathen ohne Grenzen?

Kann mir mal irgendeiner verraten, was in unsere nordelbische lutherische Kirche gefahren ist, dass sie ausgerechnet die Homöopathen ohne Grenzen mit einem Ehrenpreis zum Eine-Welt-Preis bedenken musste? Einem Verein, der es sich zum selbsternannten Ziel gemacht hat, die "Segnungen" der Zuckerkügelchen auch in den entferntesten Winkel der Welt zu tragen. So jedenfalls ihre Selbstbeschreibung:
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Homöopathie in Länder zu tragen, deren Gesundheitssystem die medizinische Versorgung der Bevölkerung aus verschiedensten Gründen nicht leisten kann. Homöopathie leistet auch und besonders in Kriegs- und Krisensituationen große Dienste bei der Heilung physischer und psychischer Verletzungen. 
Mit anderen Worten: Wirkungslose Zuckerkügelchen an Menschen verteilen, die sich nicht adäquat dagegen wehren können. Menschen medizinische Hilfe vorgaukeln, wo eigentlich evidenzbasierte Medizin dringend notwendig wäre. Und dabei sich auch noch als der absolute Gutmensch fühlen dürfen, jetzt sogar mit dem Segen des Entwicklungsdienstes der nordelbischen evangelischen Kirche. Das lässt ja tief blicken.

5 Kommentare:

Nickfreak hat gesagt…

Oh ganz großer Beitrag in Richtung Schamanismus. Warum nicht den Leuten sagen, dass Aids durch ungeschützten Sex mit Jungfrauen verschwindet oder sie gleich ihnen Den Kopf abschneiden. WICHTIG: Psychische Hilfe hilft vor allem, wenn der Körper an Ebola,Malaria etc erkrankt ist. GANZ großes Tennis...

Martin Rath hat gesagt…

Nun, um herauszufinden, was in die VertreterInnen (das Binnen-i muss hier sein) einer evangelischen Kirche gefahren ist, schlage ich folgendes, nicht ganz seriöses Experiment vor:

Man gebe einer Anzahl von durchschnittlichen protestantischen Christenmenschen eine Handvoll Thesen zur Bewertung, die für sie in ihrer Funktion als Kirchenangehörige an sich dogmatisch verbindlich sind: Erbsünde, Jungfrauengeburt und Ähnliches zählen ja durchaus auch für Evangelische zum Repertoire. Vergleiche: http://de.wikipedia.org/wiki/Confessio_Augustana

Jede Wette: In einem Blindversuch würde eine erstaunlich große Zahl evangelischer ChristInnen empört unterstellen, dass es sich um die Dogmen irgendeiner obskuren römisch-katholischen Geheimbündelei handele.

Kleine These: Man traut sich in Kirchenkreisen nicht, die eigene - vorsichtig formuliert: schwer vermittelbare - Glaubenslehre öffentlich zu vertreten, weil sonst noch mehr zahlende Mitglieder entsetzt davonliefen.

Um überhaupt für etwas zu stehen, wird halt jede "irgendwie gut gemeinte" Ansicht adoptiert. Ob's die Homöopathen sind oder der Dalai Lama. Dass die Prüfung von Glaubenslehren sich nicht auszahlt (im doppelten Wortsinn), hat man ja schon an der eigenen Dogmatik gelernt.

P.S. Als häretisch dem Schoss von Mutter Kirche entsprungener Katholik sollte ich mich ja eigentlich nicht zum protestantischen Binnenulk äußern, allein: Vor einigen Jahren gab, nach meiner Erinnerung in einer sauberen empirischen Erhebung, eine erstaunlich große Zahl (so um die 40%, glaube ich) ex-evangelischer KirchenaustreterInnen als Grund für ihren Schritt an: "Wegen dem Papst." ;-)

Anonym hat gesagt…

Oh je, ich bedaure diesen Blog gelesen zu haben. Seit 170 Jahren wird nun schon Homöopathie angewendet und bei allem Respekt einer gesunden Skepsis gegenüber, frage ich mich dennoch, warum sogar große Versicherungen Homöopathie inzwischen in Ihren Leistungskatalog aufgenommen haben, wenn es doch nur Schamanismus ist? Ich glaube auch dass diese Form der Heilung seine Grenzen hat und würde nie auf die Idee kommen Malaria damit bekämpfen zu wollen. Aber gleich mit der Chemiekeule jeden Schnupfen zu kurieren kann gewiss auch nicht die Lösung sein. Es ist wie überall im Leben: es kommt auf die Richtige Mischung an. Aber sein Unwissen hinter "Schamanismus" zu verstecken ist mir dann doch zu profan.

Gunnar Ries hat gesagt…

Die Versicherungen nehmen in ihren Leistungskatalog auf, was vom Kunden nachgefragt wird. Nichts anderes. Das als Ersatz für einen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis zu nehmen, zegt von sehr gorßer Naivität. Fakt ist, dass die Homöopathie in all den 170 Jahren keinen echten, wissenschaftlichen Standards genügenden Wirksamkeitsnachweis erbringen konnte. Im Gegenteil. Es zeigt sich immer deutlicher, dass sie nicht mehr ist als ein Placebo.

Dr. Glukose hat gesagt…

@Anonym: Alles eine Frage der Vermarktung! Übrigens: Diese Organisation preist sich damit, Pseudomedizin in die ärmsten Länder zu bringen --> Placeboeffekt hin oder her, einfache Antibiotika und Desinfektionstücher würden wesentlich mehr bringen als Zuckerkugeln und sind preislich gesehen im gleichen Preissegment. Einziger Unterscheid: Antibiotika und Desinfektion helfen, Globulis nicht. Wenn das mal nicht ethisch vertretbar ist...da hilft das Argument der psychischen Umsorge auch nicht mehr!

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