Dienstag, 2. März 2010

Die Herkunft der Eisbären

 Eisbär im Ukkusiksalik National Park, Nunavut, Kanada. Ansgar Walk, CC-by-sa-3.0

In Zeiten des Klimawandels sind die Eisbären (Ursus maritimus) fast zu einem Symboltier geworden. Der Eisbär zeigt aber auch, dass die Evolution mitunter auch bei Säugetieren sehr schnell ablaufen kann, und dass unser traditioneller Artbegriff in der Natur nicht immer greift. So hat ein Team um Charlotte Lindqvist mitochondriale DNA aus fossile Kieferknochen von Eisbären untersucht, die aus rund 110 000 bis 130 000 Jahre alten Sedimenten  aus Spitzbergen stammten. Dabei hat sich im Vergleich mit der mitochondrialen DNA heutiger Eisbären und Braunbären gezeigt, dass sich die Linie der Eisbären erst vor rund 150 000 Jahren von den Braunbären trennte. Allerdings zeigte bereits der Eisbär, zu dem die 130 000 Jahre alten Knochen gehörten, eindeutige Merkmale der heutigen Eisbären. Damit muss die Anpassung an den heutigen Lebensraum bereits in einem Zeitraum von knapp 20 000 Jahren erfolgt sein. 
Die große Nähe der beiden Linien hat sich auch schon verschiedentlich gezeigt, wenn sich Eisbären und Braunbären in Gefangenschaft untereinander paarten und dabei fruchtbare Nachkommen erzeugten. Dass sich dies nicht nur in Gefangenschaft abspielt, fand man 2006 heraus, als ein Jäger einen ungewöhnlich gefärbten Eisbären erlegte, der sich als Hybride zwischen Eisbär und Grizzly herausstellte.

Lindqvist, C. et al. (2010):Complete mitochondrial genome of a Pleistocene jawbone unveils the origin of polar bear, PNAS Published online before print March 1, 2010, doi: 10.1073/pnas.091426610
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