Donnerstag, 27. Januar 2011

Fledermäuse füttern Pflanzen

Eine ungewöhnliche Partnerschaft beschreiben Würzburger Zoologen im Fachblatt „Biology Letters“: Tropische Fledermäuse haben sich mit fleischfressenden Kannenpflanzen zusammengetan – zum beiderseitigen Nutzen.
Bei Kannenpflanzen ist ein Teil der Blätter zu schlauchförmigen Fallen umgestaltet. An deren glatten Innenwänden verlieren Insekten und andere kleine Tiere leicht den Halt. Sie rutschen dann in die Tiefe – direkt in einen Verdauungssaft, der sie auflöst und aus ihren Körpern wertvollen Stickstoff freisetzt. Der wiederum geht ins Gewebe der Pflanze über. Stickstoff ist lebenswichtig für Pflanzen; sie brauchen ihn unter anderem als Baustein für das Blattgrün.

Kot der Fledermäuse als Stickstoff-Quelle

Eine andere Ernährungsstrategie verfolgt die Kannenpflanze Nepenthes rafflesiana, die im Regenwald der Insel Borneo in Südostasien wächst: Sie zieht ihre zusätzliche Stickstoff-Ration nicht aus den Kadavern gefangener Tiere. Stattdessen nutzt sie den Kot der Kleinen Wollfledermaus, die sich zum Schlafen ausschließlich in die geräumigen Fallen dieser Pflanze zurückzieht und dort ihren Kot in den Verdauungssaft fallen lässt.

Beide Partner ziehen Vorteile aus dieser Beziehung: Die Pflanze bietet der Fledermaus exklusiv einen sicheren Schlafplatz und bekommt als Gegenleistung den nährstoffreichen Kot. Rund 34 Prozent des Stickstoffs, der sich in den Blättern der Pflanze befindet, stammt aus dem Fledermauskot, schätzen die Wissenschaftler.

Die Kannen der südostasiatischen Nepenthes-Art werden bis zu 25 Zentimeter lang, ihr Durchmesser beträgt vier bis fünf Zentimeter. Die Kleine Wollfledermaus misst nur drei bis sechs Zentimeter in der Länge. Meistens befindet sich ein einziges Tier in einer Kanne, hin und wieder auch ein Muttertier mit Säugling.

Extrem seltene Form der Kooperation

„Ein sehr ungewöhnliches Beispiel für eine Kooperation zwischen Tier und Pflanze“, sagt Ulmar Grafe vom Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) der Universität Würzburg. Bislang kenne man keine andere Kannenpflanze, die sich von Fledermauskot ernährt. Dass sich ein Säugetier mit einer fleischfressenden Pflanze zusammentut, sei bisher nur in einem einzigen anderen Fall belegt: Die Kannenpflanze Nepenthes lowii lockt Spitzhörnchen an, die von ihrem Nektar trinken. Dabei sitzen die Tiere auf der Kanne und benutzen sie bisweilen ebenfalls als Toilette.

Die exotische Beziehung zwischen der Fledermaus Kerivoula hardwickii und der Kannenpflanze Nepenthes rafflesiana hat Grafe zusammen mit den Würzburger Biologie-Studierenden Michael und Caroline Schöner entdeckt. Beteiligt waren auch Forscher von den Universitäten Brunei Darussalam und Greifswald.

Co-Evolution zwischen Fledermäusen und Kannenpflanzen?

Auf den ersten Blick ist die Kannenpflanze nicht auf den Kot der Fledermäuse angewiesen – schließlich fängt sie ja Insekten, wenn auch nicht sehr viele: „Die Kannen von Nepenthes rafflesiana sind ziemlich schlechte Fallen“, erklärt Grafe. Denn sie bilden im Vergleich zu anderen Arten sehr wenig Verdauungsflüssigkeit und kaum Duftstoffe, die Insekten anlocken.

Solchen Hinweisen auf eine mögliche Co-Evolution von Fledermäusen und Kannenpflanzen wollen die Würzburger Forscher weiter nachgehen. „Vermutlich haben zuerst die Fledermäuse die Kannen aufgesucht – als Notlösung, denn Schlafplätze sind begrenzt im Regenwald“, erklärt Grafe. Durch den Kot der Tiere waren die Pflanzen möglicherweise nicht mehr so stark auf Insekten angewiesen. Das könnte die geringere Produktion von Duftstoffen und Verdauungssaft erklären.

Fortgang der Forschungsarbeit

Als nächstes wollen die Biologen untersuchen, wie die Fledermäuse ihre Schlafkannen im dichten Gestrüpp des Regenwalds finden. Außerdem interessieren sie sich für die Frage, ob auch andere Nepenthes-Arten auf den Kot kleiner Säugetiere spezialisiert sind.
„A novel resource-service mutualism between bats and pitcher plants”, Ulmar Grafe, Caroline R. Schöner, Gerald Kerth, Anissa Junaidi & Michael G. Schöner, Biology Letters, online veröffentlicht am 26. Januar 2011, doi: 10.1098/rsbl.2010.1141

via Informationsdienst Wissenschaft
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