Montag, 24. Januar 2011

Mineralogen halfen mit, die Götter vom Tell Halaf zu retten

Die in einem einzigartigen Restaurierungsprojekt wieder zusammengesetzten monumentalen Skulpturen sind ab dem 28. Januar 2011 in Berlin zu sehen

70 Jahre nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg werden die monumentalen Statuen vom Tell Halaf ab dem 28. Januar 2011 wieder in Berlin zu sehen sein. Das Vorderasiatische Museum Berlin zeigt im Pergamonmuseum die Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“.

Zeit: 28. Januar 2011 bis 14. August 2011
Ort: Museumsinsel Berlin, Pergamonmuseum, Am Kupfergraben, 10117 Berlin

Dass die monumentalen Bildwerke wieder gezeigt werden können, daran haben auch die Mineralogen Dr. Kirsten Drüppel und Prof. Dr. Gerhard Franz ihren Anteil. Ihre mineralogischen Bestimmungen haben mit dazu beigetragen ein einzigartiges Restaurierungsprojekt zu vollenden.

1943 waren die 3000 Jahre alten Statuen und Reliefs, die Max von Oppenheim zwischen 1911 und 1913 im heutigen Syrien ausgegraben hatte, durch einen Bombentreffer in Berlin-Charlottenburg vollständig zerstört worden und in 27.000 Teile zerborsten. 55 Jahre, von 1944 bis 1999, lagerten die Trümmer in den Kellern und Außendepots des Pergamonmuseums und waren von den Gelehrten als unwiederbringliches Kulturgut abgeschrieben.

Im Jahr 2001 begann unter Leitung der Archäologin Dr. Nadja Cholidis vom Vorderasiatischen Museum Berlin die wissenschaftliche Erforschung und Restaurierung der Funde. Die Bildwerke wurden anhand des Dekors wie wallenden Löwenmähnen, Tatzen, Barthaaren, Haarschmuck, Gefieder, Fell, Sehnen und Muskeln zusammengesetzt. Bei jenen Steinen jedoch, die aus dem Inneren der Skulpturen stammten, holten sich Nadja Cholidis und ihre Kollegen Hilfe bei den TU-Mineralogen Prof. Dr. Gerhard Franz und Dr. Kirsten Drüppel. Kirsten Drüppel, die mittlerweile an der FU Berlin forscht, leitete ab 2005 die mineralogischen, petrologischen und geochemischen Untersuchungen der Basaltstatuen an der TU Berlin. Finanziert wurden ihre Arbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zur Beschreibung der Basaltteile, die kein Dekor haben, kristallisierten Kerstin Drüppel und ihr Team verschiedene mineralogische Kriterien heraus, wobei die Verteilung von Blasenhohlräumen sowie der Verwitterungsgrad und die Verwitterungsfarbe des Minerals Olivin sich als sicherste Kriterien für eine korrekte Zuordnung erwiesen. Auf dieser Grundlage gelang das schwierige Vorhaben, bisher nicht zuzuordnende Teile einfügen zu können.

Außerdem widerlegen Kirsten Drüppels Nachforschungen zur Herkunft der Basalte in der Türkei und Syrien Max von Oppenheims Vermutung, sie stammten aus dem vom Tell Halaf nur 15 Kilometer nördlich gelegenen Steinbruch El Kbise. Vielmehr kam die TU-Wissenschaftlerin zu dem Ergebnis, dass der Basalt aus dem 60 Kilometer südlich gelegenen Basaltplateau Ard esh-Sheik gewonnen wurde.

Zu ebenfalls neuen Erkenntnissen führt die Rekonstruktion des Brandverlaufs durch Kirsten Drüppel. „Wir fanden auf dem Basalt zum Beispiel Apatit, ein Reaktionsprodukt aus weißem Phosphor und dem Karbonat der Kalksteinreliefs. Das lässt den Schluss zu, dass eine Phosphorbombe eingeschlagen war“, erzählt Drüppel. Und sie konnte eine schon früher aufgestellte Hypothese bestätigen: Die konzentrischen Rissstrukturen bei zahlreichen Basaltobjekten sind eine Folge der Löscharbeiten. „Die Risse deuten auf eine rasche Abkühlung der Bildwerke durch Löschwasser hin, was wiederum erklären würde, warum der Basalt in oftmals nur zentimeterkleine Teile zersprungen war“, sagt Drüppel.

Internetseite zur Ausstellung
http://www.gerettete-goetter.de/index.php?node_id=2


via Informationsdienst Wissenschaft
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