Mittwoch, 9. März 2011

Ausbruch des Vulkans Kilauea kam nicht unerwartet

Geoinformatik-Studentin der Universität Jena erlebt Bestätigung ihrer Theorie auf Hawaii
Nicole Richter schläft derzeit nicht viel, dafür sind die Ereignisse in ihrem Umfeld zu spannend. Die 25-jährige Studentin der Friedrich-Schiller-Universität Jena forscht seit September 2010 am Hawaiianischen Vulkan-Observatorium zum Deformationsverhalten des Vulkans Kilauea – der am 5. März (Ortszeit) „auf spektakuläre Weise nahe des Napau Kraters ausgebrochen ist“. Für die Jenaer Studentin kam dieses Ereignis nicht ganz unerwartet, hatte sie es doch bereits in ihrer Masterarbeit, die sie im letzten Monat abgegeben hat, für wahrscheinlich erklärt.

Nicole Richter schrieb ihre Arbeit im Masterstudiengang „Geoinformatik“ der Universität Jena bei der Fernerkundungsexpertin Prof. Dr. Christiane Schmullius. Richter beschäftigt sich darin mit den Möglichkeiten, wie Satellitendaten genutzt werden können, um Bewegungen der Erde zu dokumentieren und ihre Folgen zu analysieren. Die gebürtige Chemnitzerin hatte Gelegenheit, aktuelle Bewegungsdiagramme des Kilauea-Vulkans aus Bilddaten des deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X zu erstellen und gemeinsam mit dem Geophysiker Dr. Michael Poland auszuwerten.

„Damit ist erstmals ein Vulkan flächendeckend mit drei Meter Pixelauflösung durch einen Radarsatelliten beobachtet und analysiert worden“, sagt Prof. Schmullius und ergänzt: „Wegen der hohen geometrischen Auflösung von TerraSAR-X konnten selbst feinste Veränderungen registriert werden. Anhand dieser Daten haben Nicole Richter und die hawaiianischen Vulkanologen bereits im Februar eine Veränderung in der Aktivität des Kilauea für wahrscheinlich gehalten“.

Die Jenaer Studentin schrieb im vergangenen Monat – allerdings in Englisch – in ihrer Masterarbeit: „Während ich dies schreibe, füllt sich die flache Magmakammer unter dem Gipfelkrater kontinuierlich mit Magma […]. Dies wird begleitet von der seismischen Aktivität entlang der oberen östlichen Riftzone und dem Anstieg des Lavaniveaus innerhalb des aktiven Schlots im Gipfelkrater. Wenn diese Tendenzen anhalten, ist eine Änderung in der Eruptivtätigkeit des Kilauea 2011 wahrscheinlich“.

„Langfristige Vorhersagen des Zeitpunktes eines Vulkanausbruchs sind bisher nicht möglich“, beschwichtigt Prof. Schmullius. Doch die Fernerkundungsexpertin ist davon überzeugt, dass „die Qualität der neuen Satellitendaten eine kurz- bis mittelfristige Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse erkennbar macht. Es lohnt sich daher, gefährdete Zonen mit Radaraufnahmen zu beobachten und die gewonnenen Daten zeitnah zu analysieren.“

Während die Jenaer Geographin deswegen weiter an der Nutzung von Satellitendaten forscht und die Ergebnisse etwa in neuen Waldkartierungen umsetzt, freut sich Nicole Richter über die Ereignisse, selbst wenn sie dafür rund um die Uhr im Observatorium und am Vulkan unterwegs ist: „Wir haben Nachtschicht geschoben, um eine Crew im Gelände zu überwachen, alle Instrumente abzulesen, Logs zu schreiben und die Öffentlichkeit über die Ereignisse auf dem Laufenden zu halten“, schreibt sie. Außerdem beobachtet und kartiert sie unermüdlich am Vulkan. Denn für die Jenaer Geoinformatikstudentin ist „dieser Ausbruch die Krönung meines Aufenthaltes auf Hawaii. Und die ,fissure eruption‘ live aus nächster Nähe zu beobachten war – ohne zu übertreiben – das Überwältigendste, was ich je erlebt habe!“

via Informationsdienst Wissenschaft
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