Berlin, 10. Oktober 2011. – In der öffentlichen Debatte um die
Kernenergie wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Frage der
Endlagerung radioaktiver Abfälle bisher nicht gelöst sei. Jetzt, nach
dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft, stellt sich die Frage nach
einer endgültigen Entsorgung gerade für die hochradioaktiven Abfälle
unter veränderten Voraussetzungen und mit neuer Aktualität.
Eine interdisziplinäre Projektgruppe der Europäischen Akademie zur
Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad
Neuenahr-Ahrweiler hat sich über mehr als zweieinhalb Jahre mit der
Endlagerung hochradioaktiver Abfälle aus wissenschaftlich-technischer,
ethischer, soziologischer und juristischer Perspektive beschäftigt. Um
die Chancen zu maximieren, in den nächsten Jahrzehnten über ein
geeignetes Endlager verfügen zu können, sprechen sich die Autoren der
nun vorgelegten Studie für eine Strategie „Gorleben plus“ aus. Sie sieht
vor, im Rahmen eines konkreten Zeitplans die Option „Gorleben“
weiterhin zu prüfen, jedoch gleichzeitig für den Fall eines technischen
oder politischen Scheiterns von Gorleben Alternativoptionen schrittweise
zu entwickeln. Dieses Vorgehen würde nach Ansicht der Projektgruppe die
Akzeptanz der Prüfung von Endlager-Standorten erhöhen und aus
zeitlichen Gründen aussichtsreicher sein als eine alleinige weitere
Prüfung von Gorleben. Zur Umsetzung dieser Strategie hat die Gruppe
Entscheidungsbäume entwickelt, die die für die Endlagersuche notwendigen
Schritte ausführlich darstellen und in einen möglichen Zeitrahmen
einordnen.
Die Empfehlungen der Autoren betreffen auch die Ausgestaltung des
institutionellen Rahmens für das weitere Vorgehen bei der Standortsuche
und Errichtung eines Endlagers. Sie beschreiben ferner
Entscheidungsprozeduren, die eine verbesserte Information über die
Gestaltung und Sicherheitskriterien für Endlager sowie eine angemessene
Einbeziehung der Öffentlichkeit ermöglichen. Dies soll in einer Weise
geschehen, die auch vor künftigen Generationen verantwortet werden kann.
Am 10. Oktober 2011 legt die Arbeitsgruppe ihren Schlussbericht
„Radioactive Waste. Technical and Normative Aspects of its Deposition“
(Radioaktive Abfälle. Technische und Normative Aspekte ihrer Entsorgung)
nun vor. Der englischsprachige Schlussbericht (Springer Verlag) enthält
auch eine umfängliche Zusammenfassung sowie konkrete
Handlungsempfehlungen in deutscher Sprache. An der öffentlichen
Präsentation in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
nehmen neben zahlreichen Interessierten aus der Politik und den
Wissenschaften auch Vertreter der entsorgungsverantwortlichen
Unternehmen und einer interessierten Öffentlichkeit teil.
Veröffentlichung: Christian Streffer, Carl Friedrich Gethmann, Georg
Kamp, Wolfgang Kröger, Eckard Rehbinder, Ortwin Renn, Klaus-Jürgen
Röhlig (2011)
Radioactive Waste. Technical and Normative Aspects of its Deposition
Band 38 der Reihe Ethics of Science and Technology Assessment, Springer Verlag
(Auszug aus der Studie: http://www.ea-aw.de/fileadmin/downloads/Projektgruppen/Auszug_Radioactive_Waste_deutsch.pdf)
Friederike Wütscher
Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit
Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH
via
Informationsdienst Wissenschaft
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen