Dienstag, 14. August 2012

Mit Fell, Geheul und Fährten: Dem Wolf auf der Spur / Studierende entwickeln Wolfskoffer für Schulen

Erstmals seit mehr als 150 Jahren sind in Niedersachsen Wolfswelpen in der freien Natur zur Welt gekommen. Lehramtsstudierende und Biologen der Universität Hildesheim entwickeln zusammen mit dem Schulbiologiezentrum Hannover derzeit 25 Wolfskoffer. „Wir müssen lernen, mit den neuen Nachbarn zu leben und Kinder und Jugendliche auf die Rückkehr der Wölfe in Niedersachsen vorbereiten. Mit den Wolfskoffern können sie die spannende Biologie dieser Tiere im Klassenzimmer kennenlernen“, sagt Dr. Torsten Richter. Am Sonntag, 16. September, werden die Koffer in Hannover erstmals öffentlich vorgestellt.
Grauwolf P1130280

 Nah dran: In einem handlichen Koffer verpackt, finden sich Fährtenabdrücke, ein Wolfsfell, die Nachbildung eines Wolfsschädels, Wolfsgeheul und weitere Materialien, um die Wolfsbiologie anschaulich zu vermitteln und Schülerinnen und Schüler zu Wolfsforschern zu machen. Die Koffer enthalten zudem ein Handbuch, Kopiervorlagen, Projektskizzen und Unterrichtsentwürfe für Lehrkräfte.
Entwickelt und in Schulen erprobt wird das Material von Lehramtsstudierenden der Universität Hildesheim (Master of Education). „Das Bild des Wolfs in unseren Köpfen wird weiterhin vom Bild aus Märchen wie Rotkäppchen beeinflusst“, sagt Biologe Dr. Torsten Richter, der das Projekt leitet. „Dadurch bestehen viele ungerechtfertigte Ängste vor dem Wolf weiter. Der unvoreingenommene Blick auf diese faszinierende Tierart wird verstellt. Mit unseren Wolfskoffern wollen wir dabei helfen, die absehbaren Konflikte bei der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen zu mindern.“ Die vielfältigen Materialien und Unterrichtsvorschläge ermöglichen einen Einsatz in unterschiedlichen Altersstufen und können an die jeweiligen Unterrichtssituationen angepasst werden. Der Koffer hält auch Information über Jungtiere bereit, zum Beispiel die spektakulären Aufnahmen der ersten freilebenden Rudel in der Oberlausitz des Tierfilmers Sebastian Koerner.

Im September wird der Wolfskoffer erstmals im Schulbiologiezentrum Hannover vorgestellt. Ab Anfang 2013 sollen dann alle 25 Wolfskoffer zum Verleih an Schulen, Umweltbildungszentren und Landschulheime bereitstehen. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert das Projekt mit 15.000 Euro. Kooperationspartner des Bildungsprojekts ist das Schulbiologiezentrum Hannover. Die Hildesheimer arbeiten auch mit dem Projekt „Wölfen auf der Spur“ der Landesjägerschaft und des SCHUBZ Umweltbildungszentrums Lüneburg zusammen.

„Drei Studentinnen arbeiten zur Zeit an Abschlussarbeiten über Wölfe im Unterricht“, berichtet Torsten Richter. Zum Beispiel wie die Wolfskoffer im schulischen Unterricht oder an außerschulischen Lernorten, Wildparks und Landschulheimen, eingesetzt werden können. Julia Grünewald erforscht das Wolfsbild in Märchen und Sagen und vergleicht es mit dem Wolfsbild, das die Biologie vermittelt. Karolin Obenaus hat ihren Unterricht bereits an Schulen im Landkreis Lüneburg erprobt: „Im Unterricht habe ich hochmotivierte und interessierte Schüler erlebt. Vor allem die Handpuppe Lupus, die Wolfsmappe sowie die interdisziplinär angelegten Info-Materialien begünstigten eine positive Lernatmosphäre.“

In Niedersachsen sind Wölfe in letzter Zeit in freier Wildbahn in Munster und bei Celle entdeckt sowie 2012 erstmals Wolfsjunge in der Lüneburger Heide geboren worden.

Umweltbildung zählt zu den Lehrschwerpunkten der Studiengänge „Umweltsicherung“ (Bachelor), „Umweltwissenschaft und Naturschutz“ (Master) und der Lehramtsstudiengänge. Eine Juniorprofessur für Ökologie und Umweltbildung hat die Universität Hildesheim 2011 eingerichtet.

KONTAKT:
Dr. Torsten Richter
Institut für Biologie und Chemie
Stiftung Universität Hildesheim
Tel.: 05121.883-931 (Pressestelle -102)
E-Mail: torsten.richter[at]uni-hildesheim.de

Isa Lange 
Pressestelle
Stiftung Universität Hildesheim

via Informationsdienst Wissenschaft

Kommentar veröffentlichen
Research Blogging Awards 2010 Winner!
 
Creative Commons License
Amphibol Weblog von Gunnar Ries steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.