Dienstag, 28. August 2012

Im Ohr des Dinosauriers: Hörfähigkeit und Lebensweise des Dysalotosaurus

Den Hirnschädel des Dinosauriers Dysalotosaurus lettowvorbecki aus den Ausstellungen des Museums für Naturkunde Berlin untersuchten mittels Computertomographie die dortigen Wissenschaftler Gabriela Sobral, Christy Hipsley und Johannes Müller. Sie wollten herauszufinden, ob die Struktur des Innenohrs Hinweise auf die Hörfähigkeit und das Verhalten des Sauriers zu Lebzeiten geben kann. Die Ergebnisse deuten auf eine relativ gute Hörfähigkeit hin, vergleichbar mit denen heutiger Strauße und Reiher, welche auch gut geeignet war, um Fressfeinden zu entkommen.
Die Studie wird am 28. August im Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht.


 Vor 100 Jahren führte das Museum für Naturkunde Berlin seine berühmten Dinosaurier-Grabungen in den mehr als 150 Millionen Jahre alten Jura-Schichten des Tendaguru-Bergs im heutigen Tansania durch. Unterstützt von zahlreichen afrikanischen Helfern fanden die Forscher vollständig erhaltene Skelette mehrer verschiedener Arten, darunter so populäre wie den riesigen Pflanzenfresser Brachiosaurus brancai. Obwohl die Dinosaurier vom Tendaguru mittlerweile fast in jedem paläontologischen Lehrbuch zu finden sind und manche es sogar bis nach Hollywood schafften, wissen wir aber immer noch wenig über ihre Lebensweise. Insbesondere ihr Verhalten und ihre Sinnesleistungen, welche beide leider nicht versteinert erhalten bleiben, sind schlecht bekannt.
Um einen besseren Einblick in die jurassische Lebewelt des Tendaguru zu erhalten, wendeten die Forscher Gabriela Sobral, Christy Hipsley und Johannes Müller vom Museum für Naturkunde Berlin die Methode der Computertomographie an. Dieses bildgebende Verfahren ermöglicht es, sogar versteinerte Schädel wie die eines Dinosauriers mittels Röntgenstrahlen zu untersuchen und das Innere des Schädels in dreidimensionaler Form sichtbar zu machen. In ihrer Studie, welche am 28. August im Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht wird, befassten sich Gabriela Sobral und ihre Kollegen mit dem Hirnschädel des vergleichsweise kleinen Tendaguru-Pflanzenfressers Dysalotosaurus lettowvorbecki. Das Team war insbesondere an der Frage interessiert, ob die Struktur des Innenohrs und der sogenannten Bogengänge Hinweise auf die Hörfähigkeit und das Verhalten von Dysalotosaurus geben können.
Die computertomographische Untersuchung ergab eine überraschende Mixtur aus ursprünglichen und modernen anatomischen Merkmalen im Innenohr von Dysalotosaurus. So enthält die für die Verbindung zum Trommelfell wichtige Seitenwand der Hirnkapsel statt einer einzigen Öffnung zwei Fenster. Ein solches Merkmal ist üblicherweise mit einer erhöhten Hörfähigkeit verbunden, da dadurch der Energieverlust bei der Schallübertragung verringert wird. Im Gegensatz dazu ist die sogenannte "Schnecke" des Innenohrs, eine flüssigkeitsgefüllte Röhre die auch beim Menschen vorhanden ist, vergleichsweise kurz, was auf eine nur schlecht ausgebildete Unterscheidungsfähigkeit zwischen hohen und niedrigen Frequenz-Tönen hindeutet. "Wir haben das Hörspektrum und die durchschnittliche Hörfrequenz von Dysalotosaurus berechnet" sagt Gabriela Sobral, "und es ergab sich eine Position mehr oder weniger zwischen den Fähigkeiten moderner Krokodile und Vögel, den beiden nächsten lebenden Verwandten der Dinosaurier. Dysalotosaurus konnte in etwa so gut hören wie heutige Strauße und Reiher."
Ein weiteres Ergebnis der Studie war die Beobachtung, dass der seitliche der drei Bogengänge länger als die übrigen ist und relativ zur Position der Schnauze nach vorne abkippt. Die Ausrichtung der Bogengänge ist von großer Bedeutung für das Gleichgewicht und die Haltung eines Wirbeltiers. "Die relative Verlängerung des seitlichen Bogengangs deutet darauf hin, dass seitliche Bewegungen des Kopfes wesentlich wichtiger für Dysalotosaurus waren als den Kopf auf und ab zu bewegen oder hin und her zu schaukeln", sagt Sobral, "zudem ist die Kippung zur Schnauze hin ein Hinweis auf eine horizontale Kopfhaltung im Alarmzustand, ein typisches Merkmal von Tieren, die sich auf andere Sinne als die Sehfähigkeit verlassen."
Wie viele pflanzenfressende Säugetiere war wohl auch Dysalotosaurus ein bevorzugtes Beutetier seiner räuberischen Verwandten und benutzte seine verbesserte Hörfähigkeit, um seinen Fressfeinden zu entkommen. "Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Untersuchung unmöglich gewesen", sagt Sobral, "aber die Computertomographie hat völlig neue Möglichkeiten für die Paläontologie eröffnet."

Veröffentlichung: Sobral, G., Hipsley, C. A. & Müller, J. (2012): Braincase redescription of Dysalotosaurus lettowvorbecki (Dinosauria, Ornithopoda) based on Computed Tomography. – Journal of Vertebrate Paleontology, in press.


Dr. Gesine Steiner 
Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

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Älteste Gliederfüßer im Bernstein entdeckt

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Leitung des Paläontologen Dr. Alexander Schmidt von der Universität Göttingen hat die ältesten als Bernsteinfossilien erhaltenen Arthropoden (Gliederfüßer) entdeckt. Die etwa 230 Millionen Jahre alten Einschlüsse aus der Trias, ein Zweiflügler und zwei Milben, wurden in nur millimetergroßen Bernsteintropfen gefunden. Sie stammen aus den italienischen Dolomiten und sind etwa 100 Millionen Jahre älter als bisherige Funde von Arthropoden in Bernsteinen. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) erschienen.

 Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Leitung des Paläontologen Dr. Alexander Schmidt von der Universität Göttingen hat die ältesten als Bernsteinfossilien erhaltenen Arthropoden (Gliederfüßer) entdeckt. Die etwa 230 Millionen Jahre alten Einschlüsse aus der Trias, ein Zweiflügler und zwei Milben, wurden in nur millimetergroßen Bernsteintropfen gefunden. Sie stammen aus den italienischen Dolomiten und sind etwa 100 Millionen Jahre älter als bisherige Funde von Arthropoden in Bernsteinen. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) erschienen.

Bernsteine sind fossile Harze, die überwiegend von Koniferen stammen. Geringe Mengen Bernstein traten zwar bereits im Karbon vor 340 Millionen Jahren auf, größere Lagerstätten hingegen existieren erst seit der Kreidezeit vor etwa 130 Millionen Jahren. Die Göttinger Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Alexander Schmidt vom Courant Forschungszentrum Geobiologie durchsuchte etwa 70.000 der triassischen Bernsteintropfen nach Einschlüssen jeglicher Art. Neben Mikroorganismen und Pflanzenresten kamen dabei drei Arthropoden zum Vorschein, die am American Museum of Natural History in New York und im kanadischen Ottawa von Spezialisten untersucht wurden.

Bei zwei dieser Einschlüsse handelt es sich um neue Milbenarten, Triasacarus fedelei und Ampezzoa triassica. Diese repräsentieren die ältesten Fossilien der extrem spezialisierten Gruppe Eriophyoidea, zu der heute über 3.500 Arten gehören, die sich von Pflanzen ernähren und oft abnormes Wachstum („Gallen“) an den Wirtspflanzen verursachen. Die Gallmilben aus dem frühen Erdmittelalter sind den heutigen überraschend ähnlich. Auch vor 230 Millionen Jahren waren alle der charakteristischen Merkmale dieser Gruppe bereits vorhanden. „Diese Gruppe muss daher wesentlich älter sein, als bisher angenommen“, berichtet Dr. Schmidt.

Die Milben aus der Trias haben als Parasiten auf den Blättern der Bäume gelebt, deren Harz sie schließlich einschloss. Etwa 97 Prozent der heutigen Gallmilben ernähren sich von Blütenpflanzen, jedoch existierten Triasacarus und Ampezzoa 100 Millionen Jahre vor dem Auftreten dieser heute dominierenden Pflanzengruppe. „Wir wissen jetzt, dass Gallmilben sehr anpassungsfähig sind“, sagt Koautor Prof. Dr. David Grimaldi, Spezialist für fossile Arthropoden am American Museum of Natural History in New York. „Als die Blütenpflanzen später in der Kreidezeit begannen, die Landlebensräume zu dominieren, änderten diese Milben ihre Ernährungsgewohnheiten, und heute leben nur drei Prozent der Arten auf Nadelbäumen. Dies zeigt, dass Gallmilben in der Lage sind, die jeweils vorherrschenden Pflanzen zu nutzen und dass sie sich zusammen mit ihren Wirtspflanzen entwickelt haben.“

Der dritte Bernsteineinschluss, ein Zweiflügler, kann nicht genauer identifiziert werden, da die meisten Körperteile nicht vollständig erhalten sind. Aber dieses Fossil zeigt, dass auch Insekten in ungewöhnlich alten Bernsteinen enthalten sein können. „Nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte am Ende des Perm vor etwa 250 Millionen Jahren gab es in der darauffolgenden Trias große Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt. Für das Verständnis der Evolution des Lebens auf der Erde ist die Zeit der Trias daher besonders wichtig“, sagt Dr. Schmidt.

Originalveröffentlichung: Alexander Schmidt et al. Arthropods in amber from the Triassic Period. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. Doi: 10.1073/pnas.1208464109.

Thomas Richter 
Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

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Montag, 27. August 2012

Sand fließt leichter in feuchtem Zustand

Nasser Sand fließt leichter als trockener. Das wussten schon die alten Ägypter, die Sand mit Wasser begossen, bevor sie schwere Lasten darüber zogen. Das Transportverhalten von feuchtem Sand haben Physiker der Saar-Uni um Professor Christian Wagner gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Lüttich und Amsterdam unter die Lupe genommen: In Messungen mit einer eigens konstruierten Zelle konnten sie zeigen, dass Sand anfängt zu fließen, sobald eine bestimmte Krafteinwirkung überschritten ist. Ihre Forschungsergebnisse wurden jetzt in Physical Review E publiziert.

Nasser Sand fließt leichter als trockener. Das wussten schon die alten Ägypter, die Sand mit Wasser begossen, bevor sie schwere Lasten darüber zogen. Das Transportverhalten von feuchtem Sand haben Physiker der Saar-Uni um Professor Christian Wagner gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Lüttich und Amsterdam unter die Lupe genommen: In Messungen mit einer eigens konstruierten Zelle konnten sie zeigen, dass Sand anfängt zu fließen, sobald eine bestimmte Krafteinwirkung überschritten ist. Ihre Forschungsergebnisse wurden jetzt in Physical Review E publiziert.
Beim Bau ihrer Pyramiden mussten die alten Ägypter riesige Steinquader und Statuen über den Sand transportieren. Damit sich die Kolosse besser bewegen ließen, befeuchteten sie den Sand zuvor mit Wasser. Dies ist detailliert auf einem Wandgemälde aus der Grabkammer von Tehuti-Tehep aus dem Jahre 1880 v.Chr. dargestellt und in Texten beschrieben.

Fast viertausend Jahre später haben Forscher der Universität des Saarlandes in Kooperation mit Kollegen der Universitäten Lüttich und Amsterdam gezeigt, dass feuchter Sand tatsächlich einfacher zu verformen ist, sobald die auf ihn einwirkende Kraft eine gewisse Grenze – die so genannte Fließgrenze – überschritten hat. Dazu haben die Wissenschaftler um Physik-Professor Christian Wagner eine spezielle Zelle konstruiert, mit der sich die Kraft messen lässt, die man benötigt, um Sand durch eine Röhre zu drücken. Vergleichbar ist dies mit dem Ausquetschen einer Zahnpasta-Tube: Ab einem gewissen Druck fließt die Masse aus der Tube, auf der Zahnbürste – also ohne Krafteinwirkung – ist sie wieder fester.

„Im feuchten Sand halten die Wassertröpfchen die Sandkörner durch Kapillarbrücken zusammen, es bilden sich kleine Sandklümpchen“, erläutert Christian Wagner. „Deshalb lassen sich auch nur aus feuchtem Sand Burgen bauen.“ Umso schwieriger sei die Vorstellung, dass angefeuchteter Sand leichter fließt. „Der Grund ist, dass sich zwischen den Sandklümpchen größere Luftlöcher befinden, die den Sand-Agglomeraten größere Bewegungsfreiheit erlauben“, so Wagner. Auf diese Weise könnte Transportenergie eingespart werden. Die Ergebnisse ließen sich auch auf alle anderen Granulate, wie Pulver oder Baumaterialien für den Straßenbau, übertragen, bei deren Verarbeitung weltweit riesige Energiemengen verbraucht werden.

Erstautor der Publikation ist der Argentinier Dr. Jorge Fiscina, der bereits im Rahmen eines von der Alexander von Humboldt-Stiftung finanzierten Georg-Forster Forschungsstipendiums im Team von Professor Christian Wagner gearbeitet hat. Der Gastwissenschaftler hält sich auch derzeit wieder für Forschungsarbeiten an der Saar-Uni auf.

Die Arbeit “Dissipation in quasistatically sheared wet and dry sand under confinement” wurde am 24. August in Physical Review E (Vol. 86, No. 2) publiziert.
Link zur Veröffentlichung: http://link.aps.org/doi/10.1103/PhysRevE.86.020103



Link zum erwähnten Wandgemälde: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/newberry1895bd1/0066?sid=6d14080c19a5e30...


Gerhild Sieber 
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

via Informationsdienst Wissenschaft

Donnerstag, 23. August 2012

Dienstag, 21. August 2012

Digging Deep with NASA's Next Mars Lander

Die letzte Mars Mission, Curiosity, ist auf dem Mars noch nicht richtig warm geworden, da wird schon über die nächsten Schritte nachgedacht. Diesmal geht es unter die Oberfläche, aber nur rund 5 m, zumindest mit dem Bohrer. Aber an Bord der stationären Sonde befindet sich auch ein Seismometer. Das dürfte der richtige Schritt zur Klärung der Frage nach der geologischen Aktivität des Mars sein. Da bin ich aber mal wirklich gespannt.

Montag, 20. August 2012

Voyager: 35 Years Later

Heute vor 35 Jahren ist die Raumsonde Voyager 2 gestartet.


Drastischer Wechsel zur Wüste

In der Region des Toten Meeres kam es in den vergangenen 10.000 Jahren aufgrund von Klimawechseln zu überraschend schneller Wüstenbildung binnen Jahrzehnten. Das haben Wissenschaftler der Universität Bonn mit ihren israelischen Kollegen durch die Analyse von Pollen in Sedimenten und von Seespiegelschwankungen herausgefunden. Sie bezeichnen die Ergebnisse als dramatisch. In der aktuellen Ausgabe des internationalen geowissenschaftlichen Journals „Quaternary Science Reviews“, deren Druckfassung am 23. August erscheint, stellen sie ihre Resultate vor.

Das Tote Meer ist ein abflussloser Salzsee, der mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Touristen schätzen an dem See den hohen Salzgehalt, der zu einem besonders ausgeprägten Auftrieb für Badegäste sorgt. „Für Wissenschaftler ist das Tote Meer hingegen ein begehrtes Archiv, das einen tiefen Einblick in die klimatische Vergangenheit gewährt“, sagt Prof. Dr. Thomas Litt vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn.

Paläontologen und Meteorologen der Universität Bonn haben anhand von Bohrkernen aus Sedimenten am Uferbereich des Salzsees die klimatologische Vergangenheit der letzten 10.000 Jahre erschlossen. Dies wurde möglich, weil der Seespiegel im Toten Meer in den letzten Jahrzehnten dramatisch sank und damit die Sedimente trocken fielen – unter anderem, weil die Zuflüsse durch immer stärkere Wasserentnahme stark zurückgingen.

Am weitesten zurückreichende Pollenanalyse

Am Westufer des Toten Meeres, in der Oase Ein Gedi, erbohrten die Wissenschaftler gemeinsam mit dem GeoForschungsZentrum Potsdam und dem Geologischen Dienst Israels einen 21 Meter langen Sedimentkern. Den darin enthaltenen fossilen Blütenstaub ordneten die Forscher niederschlags- und temperaturabhängigen Zeigerpflanzen zu. Das Alter der Schichten wurde mit der Radiocarbonmethode bestimmt. „Damit konnten wir das Klima der kompletten Nacheiszeit rekonstruieren“, berichtet Prof. Litt. „Es handelt sich dabei um die bislang am weitesten zurückreichende Pollenanalyse am Toten Meer.“

Insgesamt kamen drei verschiedene Vegetationsformationen in der Umgebung des Salzsees vor: In feuchten Phasen breitete sich eine üppige, mediterrane Hartlaubvegetation aus, wie sie auch heute noch im Mittelmeergebiet zu beobachten ist. Wenn es trockener wurde, war stattdessen eine Steppenvegetation auf dem Vormarsch. Noch trockenere Episoden waren durch Wüstenpflanzen gekennzeichnet. Die Forscher verzeichneten teils rasche zeitliche Wechsel zwischen feuchten und trockenen Phasen.

Transfer von Pollendaten in Klimainformationen

Die Pollendaten erlauben Rückschlüsse auf die damals verbreiteten Pflanzenarten. Diese Daten der Paläontologen überführten die Meteorologen der Universität Bonn mit statistischen Methoden in Klimainformationen. Dabei setzten sie die betreffenden Arten mit statistischen Größen zu Temperatur und Niederschlag in Beziehung, von denen das Vorkommen der jeweiligen Pflanzenart abhängt. „Damit können wir Aussagen über das wahrscheinliche Klima treffen, das zu einer bestimmten Zeit im Einzugsgebiet des Toten Meers herrschte“, berichtet Prof. Dr. Andreas Hense vom Meteorologischen Institut der Universität Bonn.

Die Belastbarkeit der so gewonnen Klimainformationen überprüften die Wissenschaftler anhand von Daten zu den Seespiegelschwankungen im Toten Meer, die ihre israelischen Kollegen um Prof. Dr. Mordechai Stein vom Geologischen Dienst in Jerusalem erhoben haben. „Beide voneinander unabhängigen Datensätze stimmen sehr eng miteinander überein“, erläutert Prof. Litt. „In den anhand der Pollenuntersuchungen festgestellten feuchten Phasen kam es nach den Erkenntnissen unserer israelischen Kollegen tatsächlich zu einem steigenden Wasserspiegel im Toten Meer, in trockeneren Episoden dagegen zu einem sinkenden Spiegel.“ Dies ist plausibel, da der Wasserspiegel eines abflusslosen Endsees ausschließlich durch Niederschlag und Verdunstung beeinflusst wird.

Dürren führten zum Auszug in biblischen Zeiten

Zu ausgeprägten Trockenphasen kam es nach den Daten der Bonner Forscher vor allem im keramischen Neolithikum (vor rund 7.500 bis 6.500 Jahren) sowie an der Grenze von später Bronzezeit und früher Eisenzeit (vor rund 3.200 Jahren). „Von diesen klimatischen Einschnitten waren auch die Menschen stark betroffen“, fasst Prof. Litt die Auswirkungen zusammen. Die Trockenphasen könnten dazu geführt haben, dass die Stadtkultur der Kanaaniter zusammenbrach und Nomaden in ihr Gebiet vordrangen. „Darauf nimmt ebenfalls das Alte Testament Bezug: Die Israeliten zogen aus ins gelobte Land.“

Dramatische Ergebnisse

Der Blick in die Vergangenheit der klimatischen Schwankungen erlaubt überdies Szenarien für mögliche Entwicklungen in der Zukunft. „Unsere Ergebnisse sind dramatisch und zeigen die Verletzlichkeit der Ökosysteme am Toten Meer“, sagt Prof. Litt. „Sie verdeutlichen, wie überraschend schnell sich eine üppige mediterrane Hartlaubvegetation binnen Jahrzehnten in eine Steppen- oder gar Wüstenvegetation verwandeln kann, wenn es zu mehr Trockenheit kommt.“ Die Folgen für die Landwirtschaft und Bevölkerungsernährung waren damals wahrscheinlich verheerend. Die Wissenschaftler wollen möglichst bald mit tieferen Bohrungen noch weiter in die klimatische Vergangenheit der Region um das Tote Meer vordringen.

Publikation: Holocene climate variability in the Levant from the Dead Sea pollen record, Quaternary Science Reviews 49 (August 2012)

Johannes Seiler 
Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

via Informationsdienst Wiessenschaft

Mittwoch, 15. August 2012

We're NASA and We Know It (Mars Curiosity)

Zum Thema Curiosity gibt es auch schon ein ziemlich ccoles Fan-Video:

Dienstag, 14. August 2012

Mit Fell, Geheul und Fährten: Dem Wolf auf der Spur / Studierende entwickeln Wolfskoffer für Schulen

Erstmals seit mehr als 150 Jahren sind in Niedersachsen Wolfswelpen in der freien Natur zur Welt gekommen. Lehramtsstudierende und Biologen der Universität Hildesheim entwickeln zusammen mit dem Schulbiologiezentrum Hannover derzeit 25 Wolfskoffer. „Wir müssen lernen, mit den neuen Nachbarn zu leben und Kinder und Jugendliche auf die Rückkehr der Wölfe in Niedersachsen vorbereiten. Mit den Wolfskoffern können sie die spannende Biologie dieser Tiere im Klassenzimmer kennenlernen“, sagt Dr. Torsten Richter. Am Sonntag, 16. September, werden die Koffer in Hannover erstmals öffentlich vorgestellt.
Grauwolf P1130280

 Nah dran: In einem handlichen Koffer verpackt, finden sich Fährtenabdrücke, ein Wolfsfell, die Nachbildung eines Wolfsschädels, Wolfsgeheul und weitere Materialien, um die Wolfsbiologie anschaulich zu vermitteln und Schülerinnen und Schüler zu Wolfsforschern zu machen. Die Koffer enthalten zudem ein Handbuch, Kopiervorlagen, Projektskizzen und Unterrichtsentwürfe für Lehrkräfte.
Entwickelt und in Schulen erprobt wird das Material von Lehramtsstudierenden der Universität Hildesheim (Master of Education). „Das Bild des Wolfs in unseren Köpfen wird weiterhin vom Bild aus Märchen wie Rotkäppchen beeinflusst“, sagt Biologe Dr. Torsten Richter, der das Projekt leitet. „Dadurch bestehen viele ungerechtfertigte Ängste vor dem Wolf weiter. Der unvoreingenommene Blick auf diese faszinierende Tierart wird verstellt. Mit unseren Wolfskoffern wollen wir dabei helfen, die absehbaren Konflikte bei der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen zu mindern.“ Die vielfältigen Materialien und Unterrichtsvorschläge ermöglichen einen Einsatz in unterschiedlichen Altersstufen und können an die jeweiligen Unterrichtssituationen angepasst werden. Der Koffer hält auch Information über Jungtiere bereit, zum Beispiel die spektakulären Aufnahmen der ersten freilebenden Rudel in der Oberlausitz des Tierfilmers Sebastian Koerner.

Im September wird der Wolfskoffer erstmals im Schulbiologiezentrum Hannover vorgestellt. Ab Anfang 2013 sollen dann alle 25 Wolfskoffer zum Verleih an Schulen, Umweltbildungszentren und Landschulheime bereitstehen. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert das Projekt mit 15.000 Euro. Kooperationspartner des Bildungsprojekts ist das Schulbiologiezentrum Hannover. Die Hildesheimer arbeiten auch mit dem Projekt „Wölfen auf der Spur“ der Landesjägerschaft und des SCHUBZ Umweltbildungszentrums Lüneburg zusammen.

„Drei Studentinnen arbeiten zur Zeit an Abschlussarbeiten über Wölfe im Unterricht“, berichtet Torsten Richter. Zum Beispiel wie die Wolfskoffer im schulischen Unterricht oder an außerschulischen Lernorten, Wildparks und Landschulheimen, eingesetzt werden können. Julia Grünewald erforscht das Wolfsbild in Märchen und Sagen und vergleicht es mit dem Wolfsbild, das die Biologie vermittelt. Karolin Obenaus hat ihren Unterricht bereits an Schulen im Landkreis Lüneburg erprobt: „Im Unterricht habe ich hochmotivierte und interessierte Schüler erlebt. Vor allem die Handpuppe Lupus, die Wolfsmappe sowie die interdisziplinär angelegten Info-Materialien begünstigten eine positive Lernatmosphäre.“

In Niedersachsen sind Wölfe in letzter Zeit in freier Wildbahn in Munster und bei Celle entdeckt sowie 2012 erstmals Wolfsjunge in der Lüneburger Heide geboren worden.

Umweltbildung zählt zu den Lehrschwerpunkten der Studiengänge „Umweltsicherung“ (Bachelor), „Umweltwissenschaft und Naturschutz“ (Master) und der Lehramtsstudiengänge. Eine Juniorprofessur für Ökologie und Umweltbildung hat die Universität Hildesheim 2011 eingerichtet.

KONTAKT:
Dr. Torsten Richter
Institut für Biologie und Chemie
Stiftung Universität Hildesheim
Tel.: 05121.883-931 (Pressestelle -102)
E-Mail: torsten.richter[at]uni-hildesheim.de

Isa Lange 
Pressestelle
Stiftung Universität Hildesheim

via Informationsdienst Wissenschaft

Montag, 13. August 2012

Artensterben: Vergiftete Ozeane an der Trias-Jura Grenze

Das Massensterben von Tieren und Pflanzen vor 200 Millionen Jahren führen Forscher auf massive Vulkanausbrüche zurück. Die Vulkane setzten riesige Mengen Schwefeldioxid (SO2) und Kohlendioxid (CO2) frei. Diese verursachten eine Reihe von Umweltstörungen, insbesondere globale Erwärmung und einen Sauerstoffmangel in den Ozeanen. Die dramatischen Änderungen in den Ökosystemen der küstennahen Gewässer belegt jetzt der Nachweis grüner Schwefelbakterien, die Wissenschaftler der Goethe-Universität in 200 Millionen Jahre alten Sedimentproben gefunden haben. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Online-Ausgabe von Nature Geoscience publiziert.

Das Artensterben an Land hatte das Team von Dr. Bas van de Schootbrugge vom Institut für Geowissenschaften bereits 2009 untersucht. Tatsächlich führten die Vulkanausbrüche in der nördlichen Hemisphäre zu Waldsterben, worauf sich Farne und andere Pionierpflanzen rasch ausbreiteten. „Die molekularen Überreste der grünen Schwefelbakterien, die wir jetzt in schwarzem Schiefer bei Bohrungen in Norddeutschland und Luxemburg gefunden haben, vermitteln ein düsteres Bild der Küstengewässer unmittelbar nach dem Massensterben“, sagt van de Schootbrugge. Schwefelbakterien gedeihen dort besonders gut, wo reichlich Schwefelwasserstoff vorhanden ist. „Unter diesen Bedingungen vermehrten sich die Bakterien stark. Der Ozean muss im frühen Jura nach faulen Eiern gestunken haben“, erklärt van de Schootbrugge. Damals brach der Urkontinent auseinander und der Atlantische Ozean entstand.

Zeitgleich mit der Vermehrung der grünen Schwefel-Bakterien veränderte sich die Zusammensetzung der Algen-Arten. Algen sind die Grundlage der Nahrungskette im Meer. Durch den Sauerstoffmangel verschob sich das Gleichgewicht dramatisch von roten zu grünen Algen-Arten. Das gleichzeitige Auftreten von grünen Schwefelbakterien und grünen Algen ist eine langfristige Folge hoher CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Diese führten zu globaler Erwärmung und einer verminderten Wasserzirkulation im Meer. „Die rauen Bedingungen, die nach dem Massensterben in den Küstenregionen herrschten, erklären auch, warum die Lebewesen am Meeresboden so lange brauchten, um sich zu erholen. Beispielsweise gab es im frühen Jura so gut wie keine Korallenriffe. Küstenregionen waren auch damals die hot spots der Biodiversität. Lange, sauerstoffarme Phasen beeinträchtigten ihre Erholung“, so Sylvain Richoz, Leitautor der Studie.

Für unsere Zukunft sind diese Befunde aus der Erdgeschichte insofern relevant, als „Totzonen“– Bereiche, in denen der Ozean keinen Sauerstoff enthält – in letzter Zeit unter dem Einfluss des Menschen zunehmen. Globale Erwärmung und Umweltverschmutzung sind die Hauptursachen. „Besonders beunruhigend ist, dass die Freisetzung großer Mengen CO2 an der Trias-Jura-Grenze so lang anhaltende Effekte auf die Biodiversität der Ozeane hatte“, schließt Sylvain Richoz.

Publikation:
Sylvain Richoz, Bas van de Schootbrugge et al.: Hydrogen sulphide poisoning of shallow seas following the end-Triassic extinction, Nature Geoscience, Advanced Online Publication, 12. August 2012, DOI: 10.1038/NGEO1539.

Ulrike Jaspers 
Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main
via Informationsdienst Wissenschaft

Populationen überleben trotz nachteiliger Mutationen

Max-Planck-Forscher untersucht das Evolutionsmodell der Muller-Ratsche
Die Evolution hat vom Einzeller bis zum Säugetier immer komplexere Strukturen und stetig verbesserte Anpassungen hervorgebracht. Das ist umso erstaunlicher, als die meisten Genveränderungen ihrem Träger schaden. Vor allem in kleinen Populationen, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen und deren Gene daher nicht neu kombiniert werden, können sich unvorteilhafte Mutationen anhäufen. In der Evolutionsbiologie wird ein solcher Prozess als Muller-Ratsche oder Muller-Sperrklinke bezeichnet. Nach diesem Modell, das auf den amerikanischen Genetiker Hermann Joseph Muller zurückgeht, verschlechtert sich das Erbgut unumkehrbar, und die Populationen haben schlechte Überlebenschancen – also auch Individuen ohne die negativen Mutationen sterben aus. Richard Neher vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen hat zusammen mit US-amerikanischen Kollegen mathematisch dargestellt, wie eine Muller-Ratsche arbeitet und theoretisch erforscht, warum Populationen trotz kontinuierlicher negativer Genveränderungen nicht zwangsläufig aussterben.

Die allermeisten Mutationen oder Genveränderungen wirken sich nachteilig aus. „Über Selektionsprozesse pflanzen sich jedoch die Individuen mit den günstigeren Genen erfolgreicher fort, und negative Mutationen gehen wieder verloren“, erklärt der Populationsgenetiker Richard Neher, der eine eigenständige Max-Planck-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen leitet. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel eine Virenpopulation, die sich ungeschlechtlich fortpflanzt, zunächst in kleiner Zahl einen Menschen infiziert. „Dann kann es allein durch Zufall, durch stochastische Prozesse, passieren, dass sich negative Mutationen bei den Viren anhäufen und auch die Gruppe der Individuen ohne solche Mutationen ausstirbt“, sagt Richard Neher. Dann rastet die Muller-Ratsche ein, die Entwicklung ist nicht mehr umkehrbar – zumindest in Mullers Modell.

Muller hat sein Modell von der evolutionsbiologischen Ratsche 1964 veröffentlicht. Bisher war unklar, über welche quantitativen Prozesse die Ratsche funktioniert. Dazu hat jetzt Richard Neher zusammen mit Boris Shraiman von der University of California in Santa Barbara eine neue theoretische Studie veröffentlicht. Sie arbeiteten mit einem vergleichsweise einfachen Modell, bei dem alle Mutationen negativ sind und Auswirkungen gleichen Ausmaßes zeitigen. Außerdem nahmen die Forscher an, dass die Selektion den Mutationen entgegenwirkt. Sie analysierten, wie zufällige Fluktuationen unter den fittesten Individuen sich auf die weniger fitten sowie die ganze Population auswirken. Dabei haben Richard Neher und Boris Shraiman festgestellt, dass der Schlüssel zur Funktion der Ratsche in einer langsamen Reaktion liegt: Verringert sich die Zahl der fittesten Individuen, verringert sich die durchschnittliche Fitness der Population erst mit Verzögerung. „Diese verzögerte Rückkoppelung beschleunigt die Muller-Ratsche“, fasst Richard Neher die Ergebnisse zusammen. Sie rastet immer häufiger ein.

„Unsere Ergebnisse gelten für eine breite Palette an Voraussetzungen und Werten, für eine Virenpopulation genauso wie für eine Tigerpopulation.“ Er erwartet jedoch nicht, die Verhältnisse des Modells eins zu eins in der Natur wiederzufinden. „Modelle dienen dazu, die wesentlichen Aspekte zu verstehen, damit man weiß, welche Prozesse entscheidend sind“, erklärt er.

In einer zweiten Studie hat Richard Neher zusammen mit Boris Shraiman und weiteren US-amerikanischen Forschern der University of California in Santa Barbara sowie der Harvard University in Cambridge untersucht, wie selbst eine kleine Population, die sich ungeschlechtlich fortpflanzt, der Muller-Ratsche entgehen könnte. „Eine solche Population kann längerfristig nur stabil bleiben, wenn positiv wirkende Mutationen die negativen kontinuierlich ausgleichen“, sagt Richard Neher. Bei ihrem Modell sind die Forscher von einer gleich bleibenden Umwelt ausgegangen sowie von der Annahme, dass sich bei jeder Population ein Gleichgewicht zwischen Mutation und Selektion einstellen kann. Sie haben für verschiedene Populationsgrößen und Mutationsraten berechnet, wie groß der Anteil positiver Mutationen sein muss, um das Gleichgewicht aufrecht zu halten. Das überraschende Ergebnis: Selbst unter widrigen Bedingungen reicht schon ein sehr kleiner Anteil im Bereich weniger Prozente positiver Mutationen aus, um eine Population zu erhalten.

Über diese Ergebnisse ließe sich erklären, warum zum Beispiel die Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zelle, die ein eigenes Erbgut besitzen und sich ungeschlechtlich teilen, über einen sehr langen Zeitraum in der Evolution erhalten geblieben sind. Insgesamt wird die Evolution zu einem erheblichen Teil über zufallsabhängige Entwicklungen gesteuert oder wie Richard Neher es ausdrückt: „Die evolutionäre Dynamik ist sehr stochastisch.“

Originalpublikationen:
Richard A. Neher, Boris I. Shraiman: Fluctuations of fitness distributions and the rate of Muller’s ratchet. Genetics, Band 191, SS. 1283-1293, August 2012. doi:10.1534/genetics.112.141325
Sidhartha Goyal, Daniel J. Balick, Elizabeth R. Jerison, Richard A. Neher, Boris I. Shraiman und Michael M. Desai: Dynamic Mutation-Selection Balance as an Evolutionary Attractor. Genetics, Band 191, August 2012. doi: 10.1534/genetics.112.141291


Janna Eberhardt 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

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Das Erdbebenrisiko in Deutschland und Europa

Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ ist es erstmals gelungen, einen harmonisierten Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend zu erarbeiten. Der Katalog umfasst etwa 45 000 Erdbeben.

Das Erdbebenrisiko in Deutschland und Europa
Erstmals harmonisierter Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend verfügbar

Wie stark kann in Deutschland die Erde beben? Wo sind in Europa die Häufungen von Erdbeben zu finden? Diese Fragen sind Ausgangspunkt für Risikoabschätzungen und werden relevant, wenn es um die Sicherheit von Gebäuden oder das Auftreten von Tsunamis geht. Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ ist es nun erstmals gelungen, einen harmonisierten Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend zu erarbeiten. Der Katalog umfasst etwa 45 000 Erdbeben, wie sie in der neuesten Ausgabe des „Journal of Seismology“ berichten.
Erdbeben treten in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Das bedeutet, das in manchen Regionen starke Erdbeben in Zeitabständen von Hunderten von Jahren auftreten können. Das seltene Auftreten kann damit eine trügerische Sicherheit verursachen, die das tatsächlich vorhandene Risiko überdeckt, zumal erste messtechnische Aufzeichnungen erst seit rund hundert Jahren vorliegen und verlässliche Daten auch zu schwächeren Beben erst seit etwa fünfzig Jahren
Die einzige Möglichkeit zur Erfasssung des real existierenden Risikos ist die Auswertung historischer Beben. „Der von uns vorgelegte Katalog umfasst die Beben der letzten tausend Jahre ab einer Magnitude Mw von 3,5 im nördlichen Teil des katalogisierten Gebietes und Magnitude Mw größer als 4,0 für den südlichen Teil“, erklärt Dr. Gottfried Grünthal vom GFZ. „Unser Erdbebenkatalog überdeckt das Gebiet von den Azoren bis zum Kaspischen Meer, von der Sahara bis zum Nordkap.“ Auf der Basis von etwa 80 zumeist nationalen Katalogen, mehr als 100 weiteren Quellen sowie vielen eigener Analysen historischer Schlüsselerdbeben bietet der EMEC-Katalog (European-Mediterranean Earthquake Catalogue) jetzt erstmals eine regionale Langzeit-Datenbasis mit vereinheitlichten Magnituden zur Messung der Stärke von Beben
Bei der Zusammenführung all dieser Quellen, die teils beträchtlich differierende Stärkeangaben der Beben anhand unterschiedlicher Magnitudenskalen oder Intensitäten nutzen, wurde besonders Augenmerk darauf gerichtet, diese in Form harmonisierter Mw-Magnituden zu vereinheitlichen. Die Beben sind in EMEC für den Zeitraum von 1000 AD bis 2006 katalogisiert. Im Gebiet südlich von 40°N und östlich von 10°E erlaubt die Datenlage die Katalogisierung ab 300 AD. Natürlich sind die Bebendaten in den frühesten katalogisierten Zeiten nicht vollständig. Die Zeiten, ab derer bestimmte Bebenmagnituden hinreichend vollständig vorliegen, variiert im Kataloggebiet beträchtlich. So lässt sich abschätzen, dass beispielsweise Beben mit Mw ≥ 6,5 in der Levante ab etwa 300 AD hinreichend vollständig erfasst sind, Beben mit Mw größer als 5 dort ab etwa 1965. Dagegen liegen Beben mit Mw größer als 5 im Gebiet Deutschlands ab etwa 1600 hinreichend vollständig katalogisiert vor.
„Bestandteil der EMEC-Veröffentlichung ist zudem eine Liste von Beben, die nach unseren neuen Erkenntnissen nicht stattgefunden haben (sog. fakes) infolge von Irrtümern von Chronisten, Verwechslungen und Datumsfehlern“, erläutert GFZ-Forscher Gottfried Grünthal. Wert gelegt wurde auch auf Nutzerfreundlichkeit: „Auf der GFZ-EMEC-Webseite können die Daten innerhalb des Kataloggebietes nach Nutzerwünschen heruntergeladen und entsprechend der Vorgaben der Nutzer Karten der Epizentren der Erdbeben innerhalb gewünschter zeitlicher und räumlicher Ausschnitte, Maßstäbe und Kartenprojektionen generiert, gespeichert und gedruckt werden.“
Der EMEC-Katalog ist damit eine verlässliche Grundlage für die Gefährdungsabschätzung für Erdbeben und bebenbedingter Tsunamis. Darüber hinaus ist ein solcher Erdbebenkatalog die Grundlage vieler weiterer geowissenschaftlicher Untersuchungen und Quelle für Recherchen außerhalb von Forschungsanwendungen.

http://www.gfz-potsdam.de/EMEC
Quelle: Grünthal G., Wahlström R. (2012) The European-Mediterranean Earthquake Catalogue (EMEC) for the last millennium. Journal of Seismology 16(3): 535-570.

Dipl.Met. Franz Ossing 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

via Informationsdienst Wissenschaft

Donnerstag, 9. August 2012

Arktis 2012: Neue Rekordschmelze im September erwartet

Eisforscher vom KlimaCampus, Universität Hamburg, prognostizieren für September die geringste jemals gemessene Eisbedeckung. Mit 4,1 Millionen Quadratkilometern würde die Fläche sogar noch das Rekordminus von 2007 (4,3 Mio. km²) deutlich unterschreiten. Im vergangenen Jahr lagen Lars Kaleschke und sein Team mit ihrer Prognose exakt richtig.

 Die Arktis als „Frühwarnsystem“ des Klimawandels macht sich erneut deutlich bemerkbar: Meereis-Experte Lars Kaleschke vom KlimaCampus, Universität Hamburg, erwartet im September, zum Zeitpunkt des jährlichen Minimums der Eisbedeckung in der Arktis, eine Fläche von nur noch etwa 4,1 Millionen Quadratkilometern. Dies wäre der geringste Wert seit Beginn der Satellitenmessungen in den 1970er Jahren.

Forscher aus aller Welt beteiligen sich alljährlich am so genannten Sea Ice Outlook, in dem sie mit unterschiedlichen Methoden das verbleibende Eisminimum abschätzen. Mit einer statistischen Prognose basierend auf aktuellen Satellitendaten traf das KlimaCampus-Team diesen Wert im vergangenen Jahr auf eine Nachkommastelle genau - die Eisfläche war auf 4,6 Mio km² geschmolzen.

Auffallend waren bereits die Ereignisse der vergangenen Monate. Der Petermann-Gletscher kalbte einen gigantischen Eisblock, während die Eisoberfläche Grönlands beinahe komplett antaute. Zurzeit fegt ein außergewöhnlich starker Sturm über die Arktis, der die Entwicklung noch kurzfristig beeinflussen kann: „Wenn der Sturm das Eis auseinandertreibt, würde die bedeckte Fläche auf den ersten Blick wieder größer erscheinen. Öffnungen, die dabei entstehen, könnten jedoch das Schmelzen anschließend beschleunigen“, sagt Kaleschke. Denkbar wäre auch, dass durch die Bewegung im Eis wärmeres Wasser aus tieferen Schichten nach oben gelangt. Dadurch könnte die Unterseite des Eises schneller abschmelzen, so der Eisforscher, und das September-Minimum noch extremer ausfallen als schon erwartet.

Birgit Kruse 
Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

via Informationsdienst Wissenschaft

Dienstag, 7. August 2012

Curiosity - die letzten 2 1/2 Minuten vor der Landung

Dieses Video wurde aus 297 Einzelaufnahmen des Curiosity Mars Descent Imager (MARDI) zusammengesetzt. Sie zeigen die letzten 2 1/2 Minuten vor der Landung. Gut zu erkennen sind der abgesprengte Hitzeschild sowie die Wolken der Düsen des Skycranes.

Montag, 6. August 2012

NASA Mars Rover Curiosity heute gelandet!

Das Daumendrücken hat sich gelohnt! Heute ist der Mars Rover Curiosity sicher auf dem Mars gelandet und hat erste Daten nach Hause gesendet. Und nicht nur das. Der Mars Reconnaisance Orbiter hat es geschafft, Bilder von der Landung einzufangen. Sie zeigen Curiosity unter dem Fallschirm hängend während des Landemanövers. Die Einzelheiten sind in der Blogosphäre schon genügend aufbereitet worden, zum Beispiel bei Karl Urban oder Michael Khan, durch den ich auch auf dieses großartige Bild gestoßen bin. Ich freu mich riesig, dass alles so gut geklappt hat.

Und hier das Bild von Curiosity während des Landeanflugs auf den Gale Krater: Curiosity im Landeanflug Curiosity im Landeanflug

Diese Animation zeigt die Bewegung der beiden Raumfahrzeuge zueinander am Mars.

Freitag, 3. August 2012

Donnerstag, 2. August 2012

Welche Auswirkungen hat der Staub aus Afrika auf das Klima in der Karibik?

Leipzig. Dringt Saharastaub aus Afrika über den Atlantik bis in die Karibik vor, dann verändert sich die chemische Zusammensetzung und Größe der Tropfen der dortigen Passatwindwolken. Das berichten Forscher der Universität Puerto Rico, des Max-Planck-Instituts für Chemie und des Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) auf der Internationalen Konferenz zu Wolken und Niederschlag (ICCP 2012).

Das Projekt PRADACS (Puerto Rico African Dust Study) untersucht den Einfluss von Saharastaub, der über den Atlantischen Ozean transportiert wird, auf die Wolkenmikrophysik der Passatwindwolken (Flüssigwassergehalt, Anzahl und Größe der Tropfen) und deren Niederschlagsverhalten (Stärke, Häufigkeit) in der Karibik, letzteres insbesondere für den tropischen Regenwald Puerto Ricos. Mit dem selben Ziel werden auch die Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung der Wolkentropfen und des Niederschlags studiert.
PRADACS wird von der Universität von Puerto Rico koordiniert, wobei mehrere amerikanische Universitäten und Forschungsinstitute (u. a. University of California San Diego, NOAA Boulder, Colorado State University) über eine Finanzierung durch die National Science Foundation (NSF) vertreten sind. Aus Europa nehmen die ETH Zürich, das Max- Planck-Institut für Chemie aus Mainz und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung aus Leipzig an PRADACS teil.

Die PRADACS-Studien werden in Puerto Rico durchgeführt - unter anderem auf dem Pico del Este, dessen Gipfel in der Region der Wolkenbildung liegt. Dieser Standort ermöglicht die Untersuchung tropischer Wolken, ohne dass Flugzeuge eingesetzt werden müssen, was die Kosten reduziert und längerfristige Beobachtungen innerhalb einer einzigen Wolke ermöglicht. Gleichzeitig wurde auch am Kap San Juan in der Nähe des Meeresspiegels gemessen. Dieses Projekt soll dazu beitragen, die Wissenslücken zu schließen zu den potenziellen Auswirkungen des Staubtransportes aus Afrika auf die Karibik-Region. Häufigerer und intensiverer Staub aus Afrika könnte die Sommertrockenheit erhöhen - mit möglicherweise spürbaren Konsequenzen für endemische Arten in den tropischen Bergnebelwäldern und für die Wasserversorgung in der Karibik.

Die Haupt-Messkampagne fand im Sommer 2011 statt. Dabei betrieb das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung eines seiner Sepzialsammelsysteme für Aerosolpartikel auf dem 1051 Meter hohen Pico del Este innerhalb des tropischen Regenwalds Puerto Ricos. „Wenn sich der Berg in einer Passatwindwolke befand wurden mit diesem System direkt aus der Wolke Tropfen und nicht zu Tropfen aktivierten Aerosolpartikel (Interstitielle Partikel) getrennt gesammelt. Die Tropfen wurden im CVI-INT (Counterflow Virtual Impactor-Interstitial Inlet) verdunstet und auf diese Weise die sogenannten Wolkenresidualpartikel gewonnen, die den ursprünglichen atmosphärischen Wolkenkondensationskeimen entsprechen, welche die entsprechende Wolke haben entstehen lassen“, erklärt Dr. Stephan Mertes vom IfT, Experte für diese Art von Spezialgeräten. In Zusammenarbeit vor allem mit dem Max-Planck-Institut für Chemie wurden die Proben mikrophysikalisch und chemisch analysiert, um den Einfluss des Saharastaubs auf die Passatwindwolken besser zu verstehen. Verschiedenste Ergebnisse und Aspekte von PRADACS werden in mehreren Beiträgen auf der ICCP 2012 in Leipzig vorgestellt.

Vom 30. Juli bis zum 3. August 2012 findet im Hörsaalgebäude der Universität Leipzig die 16. Internationalen Konferenz zu Wolken und Niederschlag (ICCP 2012) statt. Gastgeber sind das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) und das Leipziger Institut für Meteorologie (LIM) der Universität Leipzig. Die ICCP ist für Wolken- und Niederschlagsforscher die weltweit wichtigste und größte Konferenz. Erwartet werden rund 500 Teilnehmer aus 37 Ländern, die fast 650 verschiedene Beiträge präsentieren. Damit ist die Leipziger Konferenz voraussichtlich die größte aller bisher veranstalteten Wolken- und Niederschlagskonferenzen.
Tilo Arnhold

Publikationen:
S. Mertes, L. Schenk, J. Schneider, J. Schmale, A. Roth, F. Zurcher, O. Mayol-Bracero (2012): Aerosol particle activation and cloud drop charges observed inside trade wind cumuli during the Puerto Rican African Dust And Cloud Study (PRADACS). ICCP-2012, Leipzig. (#64)

L. Schenk, S. Mertes, M. Schäfer, F. Stratmann (2012): Size dependent CCNC measurements of cloud drop residues and interstitial particles of trade wind cumuli. ICCP-2012, Leipzig. (#787)

C. J. Valle Diaz, O. Mayol-Bracero, E. Torres Delgado, F. Zurcher, A. Gioda, T. Lee, J. Collett, P. DeMott, G. McMeeking, T. Hill, G. Franc, M. Díaz Martínez, E. M. M. Fitzgerald, M. D. Zauscher, L. A. Cuadra Rodríguez, K. Prather, J. K. Spiegel, W. Eugster, S. Mertes (2012): The Puerto Rico African Dust and Clouds Study (PRADACS) – Aerosol and Cloud Measurements at a Caribbean Tropical Montane Cloud Forest. ICCP-2012, Leipzig. (#890)

Tilo Arnhold 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.
via Informationsdienst Wissenschaft

Wissenschaft auf einem Grabstein

Grabstein
Besser als auf diesem Grabstein auf dem Riensberger Friedhof von Bremen kann man es eigentlich nicht ausdrücken, oder? Ich habe keine Ahnung, wer dieser Mensch war, dem dieser Stein gewidmet ist, aber ich finde den Stein mit dem Text ziemlich cool! Ein wunderbarer letzter Kommentar.
Research Blogging Awards 2010 Winner!
 
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