Montag, 29. Oktober 2012

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Tief bohren, um die Erde zu verstehen GEOMAR-Wissenschaftler erforschen Erdbebenzone vor Costa Rica

Seit dieser Woche sind Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel mit dem amerikanischen Bohrschiff JOIDES Resolution vor der Westküste Costa Ricas im Einsatz. Zwei Monate lang erforschen sie dort die Auslösemechanismen von Erdbeben und Vulkanismus in der seismisch sehr aktiven Region. Auf der Internetseite www.joidesresolution.org gibt es aktuelle Berichte von Bord.

Sie ist über 140 Meter lang, über 60 Meter hoch und gehört damit zu den größten Forschungsschiffen der Welt. Das Bohrschiff JOIDES Resolution ist für das internationale Intregrated Ocean Drilling Program (IODP) auf allen Weltmeeren im Einsatz, um mehr über die äußere Hülle der Erde und die Prozesse im Erdinneren zu erfahren. Während der 344. Expedition vom 23. Oktober bis 11. Dezember 2012 gehören auch drei Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zur international zusammengesetzten Forscher-Crew. Mehrere Bohrungen in den Meeresboden des Pazifiks vor der Westküste Costa Ricas sind geplant. Dabei sollen neue Erkenntnisse über Erdbeben und Vulkanausbrüche entlang sogenannter Subduktionszonen gewonnen werden. Das sind Gebiete, in denen ozeanische Erdkruste unter kontinentale gleitet. „Weltweit stehen nur zwei große Bohrschiffe für das IODP zur Verfügung. Eine Teilnahme an einer der Expeditionen ist also immer etwas Besonderes“, sagt Dr. Steffen Kutterolf, Vulkanologe am GEOMAR und einer der Fahrtteilnehmer.
Das Projekt, für das er und seine Kollegen Dr. Michael Stipp und Dr. Ken Heydolph während der Ausfahrt Proben gewinnen wollen, nennt sich „Costa Rica Seismogenesis Project“, kurz CRISP. In dem Zielgebiet hat sich 2002 ein großes Erdbeben ereignet. Der Ursprung des Bebens lag nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche. Die Erdbeben-Zone beginnt dort in nur fünf Kilometern Tiefe unter dem Meeresboden. „Das ist im Vergleich zu anderen Gebieten sehr flach. Deshalb besteht hier die seltene Chance, eine aktive seismische Zone direkt zu beproben. Dann können wir die dort unten ablaufenden Prozesse hoffentlich besser verstehen“, erklärt Dr. Stipp. Ein weiterer Vorteil des Untersuchungsgebietes sind die vielen Voruntersuchungen, die im Rahmen des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 574 durchgeführt worden sind. „Dadurch können wir recht genau einschätzen, wo die besten Bohrpunkte liegen“, ergänzt der Geologe.

Die Ergebnisse des Projekts tragen vielleicht auch zum besseren Verständnis von Erdbeben in anderen Erdteilen bei. Das verheerende Beben vor der Ostküste Japans am 11. März 2011 trat beispielsweise an einer Subduktionszone auf, die eine ähnliche Struktur wie die vor Costa Rica aufweist. „Bisher galten andere Typen von Subduktionszonen als viel gefährlicher“, sagt Stipp, „offensichtlich müssen wir einige Modelle zur Entstehung von Erdbeben korrigieren. Dazu wollen wir beitragen.“

Insgesamt sind 33 Wissenschaftler aus 10 Nationen an der jetzt beginnenden Expedition beteiligt. Sie werden zunächst Kernbohrungen bis in rund 1000 Meter Tiefe unter dem Meeresboden durchführen, um die Oberplatte zu untersuchen. Schon während einer ersten CRISP-Expedition im Frühjahr 2011 haben die Geologen Spuren von 170 großen Vulkan-Ausbrüchen in den Bohrkernen gefunden. „Auch die Geschichte des Vulkanismus verrät uns etwas über die Prozesse an der Subduktionszone“, erklärt Dr. Kutterolf. Letztendlich dienen diese Voruntersuchen aber als Grundlage, um den Höhepunkt des CRISP-Projektes zu planen: Die fünf Kilometer tiefe Bohrung in die seismogene Zone. „Das soll dann mit der japanischen CHIKYU, dem größten Forschungsbohrschiff der Welt, durchgeführt werden “, betont Dr. Kutterolf.

Eindrücke vom Leben an Bord und vom Fortgang der wissenschaftlichen Arbeiten vermittelt die Internetseite www.joidesresolution.org.

Hintergrundinformation: Integrated Ocean Drilling Program (IODP)
Erdbeben, Vulkanismus, Plattentektonik – der Planet, auf dem wir leben, ist äußerst aktiv und ein extrem komplexes System. Um mehr über die Dynamik der Erdkruste unter den Ozeanen und ihre Funktionsweise herauszufinden, haben sich 2003 über 20 Nationen unter Führung der USA, Japans und eines europäischen Konsortiums zum Integrated Ocean Drilling Program (IODP) zusammengeschlossen. Mit Hilfe von tiefen Bohrungen in die ozeanische Erdkruste wollen die Wissenschaftler einige grundlegende Geheimnisse der Erde entschlüsseln. Hauptforschungsgeräte sind das 143 Meter lange amerikanische Bohrschiff JOIDES RESOLUTION sowie das 210 Meter lange japanische Bohrschiff CHIKYU.

Dr. Andreas Villwock 
 
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Mittwoch, 24. Oktober 2012

84 Millionen Sterne und mehr - Mit VISTA zum vollständigsten Katalog des galaktischen Zentrums

Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Ein internationales Astronomenteam hat mit einer 9 Gigapixel großen Aufnahme des VISTA-Infrarotdurchmusterungsteleskops am Paranal-Observatorium der ESO die zentralen Bereiche unserer Milchstraße erfasst und einen Katalog erstellt, der mehr als 84 Millionen Sterne enthält. Das erfasst mehr als zehn mal so viele Sterne wie alle vorangegangenen Studien und bedeutet für das Verständnis unserer Heimatgalaxie einen gewaltigen Fortschritt. Betrachter können nun in höchster Auflösung in das Zentrum der Milchstraße zoomen. Das Bild wäre 9 Meter lang und 7 Meter hoch, würde man es in Druckqualität ausdrucken.
 
VISTA-Gigapixelmosaik der Zentralregion der Milchstraße
Bild: ESO/VVV Consortium Acknowledgement: Ignacio Toledo
 
„Untersucht man die Myriaden von Sternen in der Umgebung des galaktischen Zentrums im Detail, dann kann man nicht nur etwas über die Entstehung und Entwicklung unserer Milchstraße lernen, sondern über Spiralgalaxien ganz allgemein”, sagt Roberto Saito von der Pontificia Universidad Católica de Chile, der Universidad de Valparaíso und dem chilenischen „Milky Way Millennium Nucleus“-Projekt, der Erstautor der neuen Studie.

Wie bei den meisten anderen Spiralgalaxien findet sich auch um die zentralen Bereiche unserer Milchstraße herum eine größere Anzahl älterer Sterne. Wie dieser sogenannte Bulge sich gebildet und entwickelt hat, ist eine der Schlüsselfragen zum Verständnis unserer Heimatagalaxie. Die Suche nach einer Antwort wird dadurch erschwert, dass dieser Bereich der Milchstraße für Beobachtungen im herkömmlichen sichtbaren Licht nicht direkt zugänglich ist.

„Beobachtungen des Bulges der Milchstraße sind schwierig, weil zwischen Bulge und Erde dichte Staubwolken liegen, die das sichtbare Licht abschwächen“, erklärt Dante Minniti von der Pontificia Universidad Catolica de Chile, einer der Koautoren der Studie. „Für einen direkten Blick in das Herz unserer Galaxis müssen wir im nahen Infrarot beobachten. Infrarotstrahlung wird von dem kosmischen Staub deutlich weniger stark beeinträchtigt.”

Mit seinem großen Hauptspiegel, seinem großen Gesichtsfeld und seiner hochempfindlichen Kamera ist VISTA, das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (wörtlich das “Astronomische Teleskop für Durchmusterungen im sichtbaren Licht und im Infrarot”) wie geschaffen für diese Aufgabe. Das Astronomenteam verwendete die Daten des „VISTA Variables in the Via Lactea“- Programms (abgekürzt VVV, zu Deutsch etwa “VISTA-Beobachtungen von Veränderlichen in der Milchstraße“ [1]), einer der sechs großen Durchmusterungen, die mit VISTA durchgeführt werden. Sie erzeugten daraus ein gigantisches Farbbild mit einer Größe von 108.200 x 81.500 Pixeln, also eine 9-Gigapixel-Aufnahme. Das Ergebnis ist eines der größten astronomischen Bilder überhaupt. Außerdem haben die Wissenschaftler mit Hilfe dieser Daten den größten Sternkatalog des Zentralbereichs unserer Milchstraße aller Zeiten geschaffen [2].

Als Teil der Analyse der riesigen Datenmengen trugen die Astronomen die Farben von rund 84 Millionen Sternen gegen die Helligkeit dieser Sterne auf. Diese Grafik, ein sogenanntes Farben-Helligkeits-Diagramm, enthält mehr als zehn mal so viele Datenpunkte wie alle vorangegangenen Studien und beinhaltet erstmals Daten des gesamten Bulges. Solche Farben-Helligkeits-Diagramme helfen den Wissenschaftlern dabei, Eigenschaften von Sternen wie ihre Oberflächentemperaturen oder Massen sowie das Alter der Sterne zu ermitteln [3].

„Zu jedem Zeitpunkt seines Lebens entspricht einem Stern ein ganz bestimmter Punkt in diesem Diagramm. Die Lage dieses Punktes hängt von der Helligkeit und der Temperatur des Sterns ab. Die neuen Daten liefern uns einen Schnappschuss von 84 Millionen Sternen auf einmal – eine regelrechte kosmische Volkszählung für diesen Teil unserer Milchstraße“, ergänzt Minniti.

Das neue Farben-Helligkeits-Diagramm des galaktischen Bulges ist eine wahre Fundgrube für Astronomen, die die Struktur und Zusammensetzung unserer Milchstraße erforschen. Eines der ersten Ergebnisse ist beispielsweise die große Anzahl lichtschwacher roter Zwergsterne. Solche Sterne sind ideale Kandidaten für die Suche nach extrasolaren Planeten mit der sogenannten Transitmethode. [4]

„Das Besondere am VVV-Programm ist, dass es eine der großen, öffentlich zugänglichen VISTA-Durchmusterungen ist. All diese Daten sind also über das ESO-Datenarchiv für jedermann frei zugänglich. Daraus werden sich mit Sicherheit in Zukunft noch viele weitere interessante Resultate ergeben“, schließt Saito.

Endnoten

[1] Das „VISTA Variables in the Via Lactea”-Programm (VVV) ist eine ESO-Durchmusterung, die mit dem VISTA-Teleskop durchgeführt wird. Für VVV werden seit 2010 der Zentralbereich der Milchstraße und der südliche Bereich der galaktischen Ebene mit fünf verschiedenen Filtern im nahen Infrarot systematisch abgelichtet. Für das Projekt sind innerhalb von fünf Jahren insgesamt 1929 Stunden Beobachtungszeit veranschlagt. Via Lactea ist die lateinische Bezeichnung für die Milchstraße.

[2] Die für diese Studie verwendete Aufnahme deckt etwa 315 Quadratgrad ab, also etwas weniger als 1% des gesamten Himmels. Die zugrundeliegenden Beobachtungen wurden mit drei verschiedenen Nahinfrarotfiltern durchgeführt. Der daraus gewonnene Katalog umfasst die Positionen der Sterne und ihre Helligkeiten in den drei entsprechenden Farbbändern. Er enthält etwa 173 Millionen Objekte, von denen bislang 84 Millionen als Sterne bestätigt werden konnten. Alle anderen Objekte sind entweder zu lichtschwach, überdecken sich mit ihren nächsten Nachbarn oder sind durch Bildartefakte so sehr beeinträchtigt, dass keine genauen Messungen möglich waren. Bei einigen anderen handelt es sich aber auch um ausgedehnte Objekte wie zum Beispiel ferne Galaxien.

[3] In einem Farben-Helligkeits-Diagramm wird die Farbe einer Gruppe von Objekten gegen ihre scheinbare Helligkeit aufgetragen. Den Farbwert ermittelt man durch die Differenz der Helligkeitswerte in den verschiedenen Farbbändern. Das Farben-Helligkeits-Diagramm ist einem Hertzsprung-Russell- oder HR-Diagramm sehr ähnlich, wobei letzteres allerdings anstelle der scheinbaren Helligkeit die absolute Helligkeit verwendet und den Spektraltyp anstelle des Farbwerts verwendet. Für die Erstellung eines HR-Diagramms wird daher als zusätzliche Information immer auch die Entfernung der dargestellten Sterne benötigt.

[4] Mit der Transitmethode weist man Planeten um andere Sterne nach, indem man winzige Abschwächung der Helligkeit des Sterns nachweist, die auftritt, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen direkt vor dem Stern vorbeiläuft und dabei einen kleinen Teil der leuchtenden Sternoberfläche abdeckt. Durch die geringe Größe roter Zwergsterne, die üblicherweise den Spektraltyp K oder M haben, ist der relative Helligkeitsabfall auch bei kleineren Planeten vergleichsweise groß, so dass man bei diesen Sterntypen mit der Transitmethode besonders einfach Planeten nachweisen kann.

Zusatzinformationen

Die hier vorgestellten Forschungsergebnisse von R. K. Saito et al. sind vor kurzem unter dem Titel “Milky Way Demographics with the VVV Survey I. The 84 Million Star Colour-Magnitude Diagram of the Galactic Bulge“ in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen.
 
Dr. Carolin Liefke - ESO Science Outreach Network
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Astronomie

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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Neuer Fund in alten Schubladen: Aufsehen erregendes Fossil im Berliner Naturkundemuseum entdeckt

Florian Witzmann und Johannes Müller vom Museum für Naturkunde Berlin bewiesen, dass auch in alten wissenschaftlichen Sammlungen außergewöhnliche Funde auf ihre Entdeckung warten. Mit ihren Forscherkollegen Jennifer Clack (Cambridge, GB) und Daniel Snyder (Dublin, Georgia, USA) identifizierten sie ein ehemals für einen Fisch gehaltenes Fossil als Vierfüßer (Tetrapoden), der aus 340 Millionen Jahre alten Gesteinschichten von St. Louis, Missouri (USA) stammt. Der sensationelle Fund stellt eines der wenigen Zeugnisse aus einer für die Wirbeltiere entscheidenden Phase der Erdgeschichte dar, dem Unter-Karbon, in welcher der eigentliche Schritt der Tetrapoden vom Wasser auf das Land stattfand.

Die ersten Tetrapoden entwickelten sich aus einer bestimmten Gruppe von Fischen, den Fleischflossern, vor etwa 360-380 Millionen Jahren in der Zeit des Ober-Devons. Sie waren ihren fischartigen Vorfahren allerdings in vieler Hinsicht noch sehr ähnlich und lebten wie diese weitgehend im Wasser. Erst im darauffolgenden Zeitabschnitt der Erdgeschichte, dem Unter-Karbon, passten sich die Tetrapoden an das Leben an Land an und spalteten sich stammesgeschichtlich in ihre wichtigsten Entwicklungslinien auf. Leider sind aus der Anfangszeit des Unter-Karbons nur sehr wenige Tetrapoden fossil überliefert, weshalb diese Zeit nach dem bedeutenden amerikanischen Paläontologen Alfred S. Romer unter Wissenschaftlern als „Romers Lücke“ bekannt ist. Genau in diese „Lücke“ der Erdgeschichte passt nun der neue Fund und hilft, unser Bild von der Entstehung der Tetrapoden zu erweitern.
Das eher unscheinbare Fossil aus dem St. Louis Kalkstein stellt den Abdruck eines etwa 4 cm langen Schädels von der Unterseite dar. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Greifswalder Paläontologen Otto Jaekel nach Berlin gebracht und in der Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin als Rest eines „unbestimmten Quastenflossers“ inventarisiert. Dort blieb er über 100 Jahre unbemerkt, bis Witzmann und Müller die für einen Fisch eher ungewöhnliche Schädelform auffiel. Da die Knochen selber nicht mehr erhalten sind, sondern nur einen Negativabdruck im Gestein hinterließen, fertigten die paläontologischen Präparatoren des Berliner Museums hochauflösende Silikon- und Latexausgüsse des Fossils ab, welche die Strukturen der Knochen als Positiv in allen Einzelheiten zeigen. „Anhand der Struktur des Gaumens und des Unterkiefers konnten wir eindeutig nachweisen, dass der Schädel nicht zu einem Fisch, sondern zu einem Ur-Vierfüßer gehört“, so Florian Witzmann.
Der genaue Fundpunkt des Fossils bei St. Louis konnte nicht mehr ermittelt werden, aber die mikroskopische Untersuchung des Gesteins in Amerika ergab, dass das Fossil aus dem unteren oder mittleren Abschnitt des St. Louis Kalksteins stammt. Damit stellt der Berliner Schädel den ältesten bekannten Rest eines Tetrapoden in Nordamerika nach der Devonzeit dar. Eine computergestützte Verwandtschaftsanalyse zeigt die Zugehörigkeit des Berliner Fundes zu einer sehr urtümlichen Gruppe von Tetrapoden, den Colosteiden, deren erdgeschichtlich ältester Vertreter er ist. Diese äußerlich an Salamander erinnernden Tiere entstanden noch bevor sich die Tetrapoden in die beiden Großgruppen aufspalteten, die zu den Amphibien und den Amnioten (Reptilien, Vögel, Säugetiere) führten. Im Ober-Karbon, vor etwa 310 Millionen Jahren, starben die Colosteiden aus.
Die Analyse des umgebenden Gesteins deutet darauf hin, dass der Tetrapode auf dem Meeresboden in tieferem Wasser eingebettet wurde. Der Lebensraum des Tieres ist aber sicherlich im Flachwasser zu suchen; nach seinem Tod wurde es ins tiefere Wasser verdriftet. Ob es aber ein Bewohner der Meeresküste war und im Salzwasser lebte, oder wie heutige Amphibien im Süßwasser und dann durch einen Fluss ins Meer gespült wurde, ist noch ungeklärt.

Zitat: Clack, J.A., Witzmann, F., Müller, J. & Snyder, D. 2012: A colosteid-like early tetrapod from the St Louis Limestone (Early Carboniferous, Meramecian), St Louis, Missouri, USA. Fieldiana: Life and Earth Sciences 5: 17-39.

Dr. Gesine Steiner
Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
 
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Edelgas mit Seltenheitswert: Bayreuther Geowissenschaftler finden neue Erklärung für Xenonmangel

In der Online-Ausgabe des Forschungsjournals "Nature" präsentieren Forscher der Universität Bayreuth eine neue Lösung für ein altes Rätsel der Geowissenschaften.

Weshalb kommen die Edelgase Argon und Xenon auf der Erde in so ungleichen Mengen vor? Während Argon, nach Stickstoff und Sauerstoff, das dritthäufigste Element in der Lufthülle der Erde ist, finden sich darin nur sehr geringe Spuren von Xenon. Dies ist angesichts der auf der Erde gefundenen Chondriten umso rätselhafter. Diese Meteoriten, die wie die Erde vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstanden sind und als steinerne Zeugen aus der Frühzeit des Sonnensystems gelten, weisen einen erheblich höheren Xenongehalt auf. Eine Lösung dieses in der Forschung seit langem diskutierten Rätsels haben jetzt Prof. Dr. Hans Keppler und Dr. Svyatoslav Shcheka am Bayerischen Geoinstitut – einem Forschungszentrum der Universität Bayreuth – entwickelt. Im Forschungsjournal "Nature" stellen sie ihre Ergebnisse vor.

Simulationsexperimente mit Magnesiumsilikat

Ausgangspunkt der Bayreuther Forschungsarbeiten war die Frage, ob Edelgase in größeren Mengen im unteren Erdmantel gebunden sein könnten. Der untere Erdmantel befindet sich in einer Tiefe zwischen 660 und 2.900 km, also direkt oberhalb des Erdkerns. Dieser Bereich besteht vorwiegend aus Magnesiumsilikat-Perowskit, einem Mineral mit ungewöhnlicher Struktur, das mehr als die Hälfte der Erdmasse ausmacht. Normalerweise würde man erwarten, dass Edelgase keine chemischen Bindungen eingehen und daher auch nicht in die Kristallstruktur von Mineralen eingebaut werden. Aufgrund der besonderen Eigenschaften von Magnesiumsilikat-Perowskit vermuteten Shcheka und Keppler jedoch, dass sich dieses Mineral anders verhalten könnte.

Mithilfe der Forschungstechnologien im Bayerischen Geoinstitut konnten Keppler und Shcheka die Druck- und Temperaturverhältnisse des unteren Erdmantels simulieren. In einer Hochleistungspresse – der größten in Europa – haben sie einen Druck von 250.000 Atmosphären und eine Temperatur von weit über 1.600 Grad Celsius erzeugt; dabei wurde Magnesiumsilikat-Perowskit mit verschiedenen Edelgasen in Kontakt gebracht. Zum Vergleich: Würde man den Pariser Eiffelturm auf einer Fingerspitze balancieren, entspräche das einem Druck von 100.000 Atmosphären.

Einlagerung von Edelgasen im Gestein: Viel Argon, wenig Xenon

Viele dieser Experimente endeten in heftigen Explosionen. Eine Handvoll von erfolgreichen Experimenten zeigten jedoch ein sehr überraschendes Ergebnis. Der Magnesiumsilikat-Perowskit hat unter dem extremen Hochdruck keine Schwierigkeiten, Atome des vergleichsweise leichten Edelgases Argon einzulagern. Sobald es aus der Hochleistungspresse 'befreit' wird, macht Argon rund 1 Prozent seines Gewichts aus. Auch Krypton, ein weiteres Edelgas, ist mit einem ungefähr gleichen Anteil darin eingelagert. Ganz anders jedoch verhält es sich mit Xenon: Es ist nur zu 0,03 Prozent in dem unter Hochdruck angereicherten Mineral enthalten.

Die Ursache dafür vermuten die Bayreuther Forscher in der Größe der Atome: Argon-Atome haben eine fast ideale Größe, um Sauerstoff-Fehlstellen im Magnesiumsilikat-Perowskit zu besetzen. Xenon-Atome hingegen sind wahrscheinlich schon zu groß, um sich in die winzigen Freiräume des Minerals hineinpressen zu lassen.

Eine erdgeschichtliche Erklärung für die "Xenon-Lücke"

Diese Forschungsergebnisse bieten nun den Schlüssel, um die rätselhafte "Xenon- Lücke" in der Lufthülle der Erde zu erklären. Keppler und Shcheka knüpfen dabei an Erkenntnisse zur frühesten Erdgeschichte an, die in der Forschung bereits als gesichert gelten: Die noch junge Erde enthielt einen riesigen Magmaozean, in dem durch Kristallisationsprozesse große Mengen an Magnesiumsilikat-Perowskit entstanden. Darin lagerten sich, wie die Simulationsexperimente gezeigt haben, unter extrem hohen Drücken vergleichsweise große Mengen an Argon und Krypton ein. Xenon jedoch musste draußen bleiben.

Der mit Edelgasen angereicherte Magnesiumsilikat-Perowskit bildete, als sich die Erde weiter abkühlte, den Hauptbestandteil des unteren Erdmantels. Zugleich verlor die junge Erde durch massive Meteoreinschläge die atmosphärische Hülle, von der sie zunächst noch umgeben war. Erst im weiteren Verlauf der Erdgeschichte entwickelte sich eine neue Erdatmosphäre. Dabei strömten große Mengen von Gasen aus dem Erdinneren nach oben – darunter auch das Argon, das infolge von Umwälzungsprozessen im Erdmantel an die Oberfläche gelangte. Doch nur geringe Spuren von Xenon konnten in die neue Lufthülle entweichen, denn mehr war im Erdinneren nicht vorhanden. Die Zusammensetzung der heutigen Atemluft enthält also immer noch Spuren der Prozesse, die vor 4,5 Milliarden Jahren abliefen, als die Erde vollständig geschmolzen war.

Ausblick auf die Marsforschung

Die jetzt in "Nature" veröffentlichten Forschungsarbeiten sind auch für die Erforschung des Mars von großer Relevanz. Denn auch die Oberfläche auf dem Nachbarplaneten weist einen eigentümlichen Mangel an Xenon auf. Im Lichte der neuen Erkenntnisse ist diese "Xenon-Lücke" ein Indiz dafür, dass es in der Frühgeschichte des Mars einen ähnlichen Magmaozean und ähnliche Kristallisationsprozesse wie auf der Erde gegeben haben könnte.

Veröffentlichungen:

Svyatoslav S. Shcheka and Hans Keppler,
The origin of the terrestrial noble-gas signature,
Nature (2012), Published online 10 October 2012
DOI: 10.1038/nature11506

Ewen Callaway,
The mysterious case of the missing noble gas
Nature News (2012) 10 October 2012, Corrected: 12 October 2012
DOI: 10.1038/nature.2012.11564
mit einem mit Podcast-Interview mit Prof. Dr. Hans Keppler

Christian Wißler 
Mediendienst Forschung
Universität Bayreuth
 
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Neuseeland - Wenn tektonische Platten kollidieren

Neuseeland hat, plattentektonisch gesehen, eine recht prekäre Lage. Es liegt auf der Naht zweier tektonischer Platten, der pazifischen und der australischen.

6 Jahre Spirit - Triumphe eines Mars-Rovers

Auch wenn Curiosity gerade die Schlagzeilen zu beherrschen scheint. wir dürfen einen kleinen Mars-Rover nicht vergessen; Spirit. Am 4. Januar 2004 landete der Rover im Gusev-Krater und sollte, so sein Auftrag, für 90 (garantierte Missionsdauer) Tage den roten Planeten erkunden. Diese Mission wirde deutlich übertroffen. Bis zum Kontaktverlust am 22. März 2010 ( und dem Ende der Kontaktversuche am 25. Mai 2011) leistete der Rover mehr als 6 Erdenjahre gute Dienste. Als er sich am 23. April 2009 hoffnungslos im lockeren Sand festfuhr, hatte er 7726 Meter auf dem Mars zurückgelegt.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Zirkon - die ältesten Minerale der Erde

Zirkone sind wirklich bemerkenswerte Minerale. Sie sind extrem hart im Nehmen, und es ist kein Wunder, dass manche von ihnen buchstäblich uralt sind. Botschafter einer Zeit, als die Welt noch jung war.

Montag, 15. Oktober 2012

Fossil des Jahres 2013: Gomphoterium von Gweng


Auf der Jahrestagung zum 100-jährigen Jubiläum der Paläontologischen Gesellschaft in Berlin vom 26. bis 28.9.2012 wurde dem Gomphotherium von Gweng aus der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München der Preis „Fossil des Jahres 2013“ verliehen.


Paläontologisches Museum Munich 1
Das Gomphoterium  im Lichthof des Paläontologischen Museums München. Foto: Schlaier (Own work) [GFDL or CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons
Ein Abguss des Skeletts des Gomphotherium von Gweng (Mühldorf, Bayern) bildet seit über 30 Jahren den majestätischen Mittelpunkt des Paläontologischen Museums in München. Dieser kolossale Ur-Elefant mit vier Stoßzähnen und einer imposanten Größe von drei Metern Schulterhöhe und fünf Metern Körperlänge lebte vor zehn Millionen Jahren im mitteleuropäischen Raum.
Eindrucksvoll repräsentiert das Skelett nicht nur die bis vor fünf Millionen Jahren in Europa beheimatete subtropische Fauna, sondern auch die einstige Vielfalt der Rüsseltiere. Sie waren bis in das Eiszeitalter fast weltweit verbreitet, heute sind nur noch die asiatischen und afrikanischen Elefanten übrig geblieben.
Die Entdeckung des Gomphotherium von Gweng im Jahre 1971 ist bis heute eine paläontologische Sensation. Nach wie vor stellt es einen der weltweit äußerst seltenen Funde voreiszeitlicher Rüsseltierskelette dar. Seine Bergung aus dem Bett des Inn war eine logistische und präparative Meisterleistung. Die 170 erhaltenen Einzelknochen bilden ein einzigartiges Vergleichsmaterial für jeglichen Aspekt zur Erforschung der Evolution des Elefantenskeletts.
Die Originalknochen und –zähne werden in den Sammlungsräumen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie aufbewahrt, um jederzeit Wissenschaftlern für Untersuchungen zur Verfügung zu stehen. Abgüsse des Skeletts können, neben München, im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, im Naturhistorischen Museum Basel und in Japan im City Museum Sendai besichtigt werden.



Nur einmal im Jahr, am Tag der offenen Tür, öffnet das Paläontologische Museum München die sonst für die Öffentlichkeit verschlossenen Räume, um einen Blick auf die Originalknochen des Gomphotherium von Gweng werfen zu lassen.

Dr. Eva-Maria Natzer 

via Informationsdienst Wissenschaft

Vulkane und Menschen

Eine interessante Vorlesung zum Thema Vulkane und Menschen. Vulkane sind nicht nur ein faszinierendes und gefährliches Naturaschauspiel. Sie beeinflussen auch auf verschiedene Weise die Menschen, die auf unserem Planeten leben. Manchmal auch über enorme Distanzen.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Call for applications for science journalism fellowships

The European Geosciences Union (EGU) is offering fellowships for journalists to report on ongoing research in the geosciences. Successful applicants will receive up to €5k to cover expenses related to their projects, including following scientists on location.

 The EGU invites proposals from professional, active journalists to report in the working media on ongoing research within the Earth, planetary, and space sciences. Competitive proposals will (1) focus on a topic in the geosciences (including planetary and space sciences) with potential broad public appeal, (2) preferably feature leading Europe-based researcher(s), and (3) outline an original, creative, and well-informed approach to the portrayal of the subject.

The winning proposal(s) will receive up to €5K (part as an advance, part upon successful completion) to cover expenses related to the project, and assistance in liaising with scientists. This support is intended to allow the EGU Science Journalism Fellow(s) to follow geoscientists on location and to develop in-depth understanding of their questions, approaches, findings, and motivation. It is expected that the winning journalist(s) will publish at least one substantial item reporting on their project. Products could include text (such as a feature article in print or electronic media, or a book), still or moving visuals, or audio reportage, and may be published in any European language. The winning project must be completed within 12 months of the date of the award. The EGU will not claim revenues from products resulting from the project, but should be given full access to these products for further dissemination via its online channels.

Applications must be written in English, and include:
(a) Proposal [2 pages]: a working title, motivation, outline of approach, provisional plan of work, suggested publication outlets, and analysis of feasibility (including budget).
(b) Summary of experience [1 page]: an account of professional affiliations and previous experience, expertise, and acclaim.

Documents in file (a) should not include the applicant’s name, gender, contact details, or any other information that identifies the candidate, as this part of the application will be judged anonymously.

Applications must be submitted by e-mail in two pdf files [(a) and (b) above] to the EGU Media and Communications Officer, Bárbara Ferreira (media@egu.eu), by *November 12*. Applications by this deadline will be evaluated by a committee comprised of practicing geoscientists and science journalists. The EGU will inform applicants of the competition outcome in December, and the winner(s) will be invited to attend the EGU General Assembly in Vienna in April 2013.

*More information*
The European Geosciences Union (EGU, http://www.egu.eu) is Europe’s premier geosciences union, dedicated to the pursuit of excellence in the Earth, planetary, and space sciences for the benefit of humanity, worldwide. It is a non-profit interdisciplinary learned association of scientists founded in 2002. The EGU has a current portfolio of 14 diverse scientific journals, which use an innovative open-access format, and organises a number of topical meetings, and education and outreach activities. Its annual General Assembly is the largest and most prominent European geosciences event, attracting over 10,000 scientists from all over the world. The meeting’s sessions cover a wide range of topics, including volcanology, planetary exploration, the Earth’s internal structure and atmosphere, climate, energy, and resources.

If you wish to receive our press releases via email, please use the Press Release Subscription Form on the EGU website: http://www.egu.eu/news/subscribe/. Subscribed journalists and other members of the media receive EGU press releases under embargo (if applicable) 24 hours in advance of public dissemination.

*Contact*
Bárbara Ferreira
EGU Media and Communications Officer
Munich, Germany
Tel: +49-89-2180-6703
Email: media@egu.eu
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