Donnerstag, 16. Mai 2013

Das vergessene Meeresmonsterchen


     Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde Berlin bewies, dass auch in alten wissenschaftlichen Sammlungen außergewöhnliche Funde auf ihre Entdeckung warten. Im Geomuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster konnte er ein vor 101 Jahren entdecktes Fossil als neuen Saurier identifizieren. Es handelt sich um das weltweit einzige Exemplar von Gronausaurus wegneri, einem 3 m langem Plesiosaurier, der durch die kreidezeitlichen Meere und Flussdeltas jagte und für damalige Verhältnisse ein kleiner Vertreter dieser Meeresreptilien war.

Gronausaurus wegneri ist ein neu entdeckter Plesiosaurier, der in der frühen Kreidezeit vor ca. 137 Millionen Jahren im küstennahen Meer und in Flussdeltas schwamm. Es handelt sich für diese Urzeit um ein recht kleines Meeresreptil von etwa 3 m bis maximal 3,50 m Länge. Entdeckt wurden die Knochen bereits im Jahre 1912 in einer ehemaligen Ziegeleigrube bei Gronau in Westfalen, Deutschland, die bereits damals für zahlreiche Fossilfunde bekannt war. So wurden schon Haizähne, Fischfossilien, Schildkrötenreste, ein Krokodilzahn sowie Fischsaurier- und andere Plesiosaurierknochen gefunden.

Die erste Erwähnung des Skeletts erfolgte im Jahre 1914. Damals schrieb der Paläontologe Theodor Wegner, dass das Skelett verschieden von dem damals neu beschriebenen Brancasaurus, einem anderen Plesiosaurier, sei. Eine wissenschaftliche Bearbeitung erfolgte jedoch nie. Das Fossil liegt seit seiner Entdeckung im Geologisch-Paläontologischen Museum in Münster (heute: Geomuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität).
Und so kam es wieder einmal zu einem neuem Fund in alten Schubladen: Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde Berlin zeigte, dass auch in alten wissenschaftlichen Sammlungen außergewöhnliche Funde auf ihre Entdeckung warten. „Im Prinzip stellt jedes Fossil ein Unikat dar, aber die Überreste einer neuen Art in den Händen zu halten ist gehört schon zu den besonderen Momenten“, so Oliver Hampe. Während eines Forschungsaufenthaltes in Münster konnte der Wirbeltierpaläontologe das Fossil als neuen Saurier identifizieren. Es handelt sich um das bislang weltweit einzige Exemplar seiner Art. Der sogenannte Holotypus besteht aus einem Skelett, dem leider einige Schädelelemente, Halswirbel sowie Fuß- und Fingerglieder der Paddel fehlen. Einzigartig für Gronausaurus wegneri sind die sich unterhalb der Querfortsätze der Brust- und vorderen Rückenwirbel befindlichen ausgeprägten Gruben, die wahrscheinlich eine höhere Stabilität gegen Zugkräfte der Rückenmuskulatur am lebenden Tier gewährleisteten. Als evolutiver Vorteil wäre eine verbesserte Manövrierfähigkeit dieser Art von Plesiosaurier anzunehmen.
Zitat der online-Version:
HAMPE, O. (2013): The forgotten remains of a leptocleidid plesiosaur (Sauropterygia: Plesiosauroidea) from the Early Cretaceous of Gronau (Münsterland, Westphalia, Germany). Paläontologische Zeitschrift, DOI: 10.1007/s12542-013-0175-3


Dr. Gesine Steiner Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

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