Mittwoch, 12. Juni 2013

Erdrutsche: Gefahrenstellen identifizieren

Der starke Regen der vergangenen Wochen hat nicht nur zu Überschwemmungen geführt: An vielen Orten sind auch Hänge abgerutscht. Professorin Birgit Terhorst von der Uni Würzburg plädiert dafür, von Rutschungen gefährdete Stellen bundesweit zu kartieren. In Raum Wertheim (Main-Tauber-Kreis) waren nach einem Unwetter am 8. Juni mehrere Straßen von Erdrutschen blockiert. Auch bei Eltmann (Landkreis Haßberge) oder am Nordhang der A 70 bei Schlappenreuth (Landkreis Bamberg) kam es zu Hangrutschungen. In mehreren Orten auf der Schwäbischen Alb waren sogar ganze Wohnsiedlungen betroffen. Ein Grund dafür: die starken Regenfälle der vergangenen Wochen.
Bergrutsche und die Stabilität von Hängen sind seit rund 20 Jahren das Spezialgebiet von Birgit Terhorst, Professorin für Physische Geographie und Bodenkunde an der Universität Würzburg. „Wenn in einem Mittelgebirge ein Hang abrutscht, dann passiert das oft an Stellen, an denen es früher schon einmal geschehen ist“, sagt die Professorin. Dabei liegen die früheren Rutschungen zum Teil mehrere tausend Jahre zurück.
DFG-Projekt in Nordbayern
Gefährdete Stellen identifiziert Birgit Terhorst derzeit in einem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Die Professorin und ihr Team arbeiten dabei in Mittelgebirgen in Nordbayern – unter anderem bei Ebermannstadt in der Fränkischen Alb, im Steigerwald und an der Frankenhöhe.
Die Projektmitarbeiter haben in diesen regen- und rutschreichen Tagen gut zu tun: Sie erfassen vor Ort aktuelle Hangrutschungen und dokumentieren sie auf Karten und digitalen Geländemodellen. „Wir typisieren die Rutschungen und erfassen sie in einer Datenbank“, erklärt Terhorst. Aus dem Ergebnis können die Wissenschaftler dann Ursachen, Ablauf und Dynamik von Rutschungen einschätzen. Zusätzlich analysieren sie das Rutschmaterial im Labor und unter dem Mikroskop. Das hilft ihnen bei der Beurteilung von Eigenschaften und Stabilität des Materials.
Gefährdungskarten als Ziel
Aus diesen Erkenntnissen und weiteren Daten erstellen sie Gefährdungskarten. „Wir können damit aber nicht vorhersagen, wann ein Rutsch auftreten wird. Wir stellen nur ganz allgemein fest, ob eine Gefährdung gegeben ist oder nicht“, betont die Würzburger Wissenschaftlerin. Mit den Karten könnten betroffene Gemeinden und Behörden aber immerhin Gegenmaßnahmen planen.
„Wichtig wäre es für die Zukunft, die Gefährdung von potenziellen Rutschgebieten für alle Mittelgebirge in ganz Deutschland in Kartenform zu erfassen“, so Terhorst. Solche Karten gebe es bislang nur für die Alpenregion.
Robert Emmerich Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitJulius-Maximilians-Universität Würzburg


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