Montag, 30. September 2013

Amazing Science!

Donnerstag, 26. September 2013

Sauerstoffreiche Erdatmosphäre 600 Millionen Jahre älter als bisher angenommen

     Eine Forschergruppe unter Beteiligung von Dr. Michael Bau, Professor für Geowissenschaften an der Jacobs University, untersuchte die chemische Zusammensetzung von Proben aus 3 Mrd. Jahre alten Gesteinsschichten in Südafrika. Die Gesteine aus der Pongola Supergroup, sind ehemalige Böden und eisenreiche Sedimente, die am Grund eines landnahen Flachmeeres abgelagert wurden. Solche Gesteine dienen Geochemikern als Archive für die chemische Zusammensetzung von Atmosphäre und Meerwasser.Die aktuelle Studie,die jetzt in Nature erschienen ist,weist darauf hin,dass es bereits 600 Millionen Jahre früher als bisher angenommen signifikante Sauerstoffgehalte in der Erdatmosphäre gab.

Der Schwerpunkt der Studie liegt auf dem Verhalten von redox-sensitiven Metallen. Das sind Elemente, die sich an der Erdoberfläche unterschiedlich verhalten, je nachdem, wie viel Sauerstoff in der Atmosphäre oder im Meerwasser vorhanden ist. Die Isotopenzusammensetzung von Chrom und die Variation der Uran-Gehalte in den untersuchten Proben deuten darauf hin, dass der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre bereits vor 3 Milliarden Jahren ein Niveau von mehr als 0.03% der heutigen Konzentration erreicht hatte. Obwohl immer noch deutlich geringer als heute, ist dieser Sauerstoffgehalt doch überraschend hoch und verschiebt das erste Auftreten signifikanter Sauerstoffgehalte in der Erdatmosphäre um etwa 600 Millionen Jahre nach vorne. Da solch hohe Sauerstoffgehalte mit abiotischen Prozessen kaum erklärbar sind, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass schon vor 3 Milliarden Jahren Organismen auf der Erde existierten, die Photosynthese betrieben und Sauerstoff produzierten.

Michael Bau ist immer noch freudig überrascht: „Nachdem wir an der Jacobs University eine starke Variation der Uran-Gehalte und anomale Uran/Thorium-Verhältnisse in den fast 3 Milliarden Jahre alten eisenreichen Gesteinen gefunden hatten, gab es einen ersten Verdacht, dass wir einer spannenden Sache auf der Spur waren. Dass unsere dänischen Kollegen dann sowohl in diesen eisenreichen Sedimentgesteinen als auch in den fossilen Böden unserer südafrikanischen Kooperationspartner veränderte Isotopenverhältnisse für das Element Chrom fanden und dies dann in ein Modell zur Berechnung des Sauerstoffgehaltes der Atmosphäre einbinden konnten, war dann aber doch eine sehr positive Überraschung. Ich denke, dass diese Ergebnisse sowohl Kollegen in der Geochemie als auch in der Astrobiologie in der nächsten Zeit noch weiter beschäftigen werden.“

Sean A. Crowe, Lasse N. Døssing, Nicolas J. Beukes, Michael Bau, Stephanus J. Kruger, Robert Frei & Donald E. Canfield: Atmospheric oxygenation three billion years ago, Nature (26 September 2013)

Judith Ahues Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen

Spuren riesiger Urzeit-Eisschilde: Klimageschichte des Arktischen Ozeans muss umgeschrieben werden

     Geologen und Geophysiker des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), haben an einem Unterseeberg vor der Nordostküste Russlands Spuren großer Eisschilde aus dem Pleistozän entdeckt. Diese belegen zum ersten Mal, dass sich innerhalb der vergangenen 800 000 Jahre im Zuge von Eiszeiten auch im Arktischen Ozean mehr als ein Kilometer dicke Eisschilde gebildet haben. Die Klimageschichte für diesen Teil der Arktis muss nun neu geschrieben werden, berichten die AWI-Wissenschaftler gemeinsam mit südkoreanischen Kollegen in der Titelgeschichte der morgen erscheinenden Oktober-Ausgabe des Fachmagazins Nature Geoscience.
Erste auffällige Kratzspuren und Schlammablagerungen am Meeresgrund nördlich der russischen Wrangel-Insel hatten AWI-Geologe Dr. Frank Niessen und Kollegen schon auf einer Polarstern-Expedition im Jahr 2008 entdeckt. Großflächige Beweise aber konnten sie erst im vergangenen Jahr während einer Arktis-Expedition auf dem südkoreanischen Forschungsschiff „Araon“ sammeln. „Nachdem wir die bathymetrischen und seismischen Daten unserer ersten Fahrt ausgewertet hatten, wussten wir genau, wo wir auf der zweiten Expedition suchen und den Meeresboden mit dem Fächersonar der Araon vermessen mussten“, erzählt Frank Niessen, Erstautor der Studie.

Das Ergebnis dieser Forschungsarbeiten ist eine topografische Karte des Arlis-Plateaus, einem Unterseeberg, auf dessen Hochebene und an dessen Flanken tiefe, parallel verlaufende Furchen zu erkennen sind – und das auf einer Fläche von 2500 Quadratkilometern und bis in eine Wassertiefe von 1200 Metern. „Solche Kratzspuren kannten wir bisher zum Beispiel aus der Antarktis und Grönland. Sie entstehen, wenn große Eisschilde auf dem Meeresboden aufliegen und im Zuge ihrer Fließbewegung wie ein Hobel mit dutzenden Messern über den Grund schaben. Das besondere an unserer neuen Karte ist, dass sie mit großer Genauigkeit gleich auf vier oder mehr Generationen von Eismassen schließen lässt, die sich in den zurückliegenden 800 000 Jahren von der Ostsibirischen See in nordöstliche Richtung bis weit in den tiefen Arktischen Ozean bewegt haben“, sagt Frank Niessen.
Diese neuen Erkenntnisse stellen die bisherige Lehrbuchmeinung zur Geschichte der Vereisungen in der Arktis auf den Kopf. „Bisher waren viele Wissenschaftler der Überzeugung, dass sich die Megavereisungen stets auf den Kontinenten abgespielt haben – ein Fakt, der für Grönland, Nordamerika und Skandinavien auch nachgewiesen ist. Die nordostsibirische Küstenregion aber, so nahm man an, sei in diesen Eiszeiten trocken gefallen und hätte sich in eine riesige Kältewüste verwandelt, in der es nicht genügend Schnee gab, um über die Jahre einen dicken Eispanzer heranwachsen zu lassen. Unsere Arbeit zeigt jetzt, dass das Gegenteil der Fall war. Mit Ausnahme der letzten Eiszeit vor 21000 Jahren bildeten sich in den flachen Bereichen des Arktischen Ozeans mehrmals Eisschilde, die mindestens 1200 Meter dick wurden und sich vermutlich über eine Fläche so groß wie Skandinavien erstreckten“, sagt Frank Niessen.
Unter welchen klimatischen Bedingungen diese Eisschilde jedoch herangewachsen sind und wann genau sie ihre Spuren auf dem Grund des Arktischen Ozeans hinterlassen haben, können die AWI-Wissenschaftler noch nicht genau sagen. „Wir gehen davon aus, dass die ostsibirischen Eisschilde während verschiedener Eiszeiten entstanden sind, als die damalige globale Durchschnittstemperatur etwa fünf bis acht Grad Celsius unter dem heutigen Wert lag. Dieser relativ geringe Temperaturunterschied hat aber anscheinend mehrmals ausgereicht, um anfänglich dünnes Meereis zu einer riesigen Eiskappe heranwachsen zu lassen. Ein Beispiel, das zeigt, wie empfindlich die Arktis auf Veränderungen im globalen Klimasystem reagiert“, so der Geologe.

In einem nächsten Schritt wollen die AWI-Forscher nun versuchen, mit einem Sedimentkern-Bohrer Bodenproben aus tieferen Schichten des Meeresbodens zu gewinnen, um auf diese Weise mehr Details über die urzeitlichen Eisschilde zu erfahren. „Unser langfristiges Ziel lautet, den genauen zeitlichen Ablauf der Vereisungen zu rekonstruieren, so dass mithilfe der uns bekannten Temperatur- und Eisdaten, die Eisschilde modelliert werden können. Im Anschluss daran wollen wir auf Basis der Modelle herausfinden, welche Klimabedingungen während der Eiszeiten in Ostsibirien herrschten und wie sich zum Beispiel die Feuchtigkeitsverteilung in der Region während der Eiszeiten entwickelt hat“, sagt Frank Niessen. Wissen, das anschließend helfen soll, mögliche Veränderungen der Arktis im Zuge des Klimawandels besser vorherzusagen.
Zudem erwarten Frank Niessen und seine Kollegen für die Zukunft noch eine Vielzahl überraschender Entdeckungen im Arktischen Ozean. „Je weiter die arktische Meereisdecke schrumpft, desto mehr bisher unerforschtes Meeresgebiet wird zugänglich. Heutzutage sind noch immer weniger als zehn Prozent des Meeresbodens im Arktischen Ozean so gut vermessen wie jetzt das Arlis Plateau“, sagt der AWI-Geologe. Und auch diese Untersuchung sei nur aufgrund der großartigen Zusammenarbeit der AWI-Wissenschaftler mit Forschern des südkoreanischen Polarforschungsinstitutes KOPRI gelungen. „Wir haben uns bei dieser Forschung perfekt ergänzt. Unsere südkoreanischen Kollegen hatten die Expedition und die Schiffszeit, wir kannten die Koordinaten jenes Gebietes, in dem wir jetzt die Spuren der Megavereisungen gefunden haben“, so Frank Niessen.
Frank Niessen, Jong Kuk Hong, Anne Hegewald, Jens Matthiessen, Rüdiger Stein, Hyoungjun Kim, Sookwan Kim, Laura Jensen,Wilfried Jokat, Seung-Il Nam and Sung-Ho Kang: Repeated Pleistocene glaciation of the East Siberian continental margin, Nature Geoscience, October 2013, DOI: 10.1038/NGEO1904;
Link zur Online-Version des Fachartikels: http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo1904.html
Sina Löschke Kommunikation und MedienAlfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung


Erste lange Temperaturrekonstruktion aus Jahrringen für das östliche Mittelmeergebiet

     Jahrgenaue, fast 900-jährige Zeitreihe, die das mittelalterliche Klima-Optimum, die kleine Eiszeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert und auch den Übergang in die moderne Warmphase umfasst

Erste lange Temperaturrekonstruktion aus Jahrringen für das östliche Mittelmeergebiet

Erstmals ist es gelungen, lange Temperaturreihen auf Basis von stabilen Kohlenstoff-Isotopen in Baumringen für das östliche Mittelmeer zu rekonstruieren. Eine jahrgenaue, fast 900-jährige Zeitreihe wurde entwickelt, die das mittelalterliche Klima-Optimum, die kleine Eiszeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert und auch den Übergang in die moderne Warmphase abbildet. Die Wissenschaftlergruppe um Ingo Heinrich vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ stellte auch fest, dass sich die aktuelle Erwärmung in dieser Chronologie nicht wiederfindet. „Ein Vergleich mit den saisonalen meteorologischen Daten zeigt ebenfalls, dass vielerorts im Mittelmeergebiet die Winter- und Frühjahrstemperaturen langfristig abnehmen oder zumindest nicht ansteigen“, sagt Ingo Heinrich. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die regionalen Klimaschwankungen noch genauerer Untersuchung bedürfen.“
Vor allem die Temperaturrekonstruktionen aus Extremstandorten wie Gebirgen und in den hohen Breiten scheinen nicht immer korrekt Auskunft über das Klima in den unterschiedlichen Regionen zu geben. Die Temperaturverläufe in den Flachländern Mitteleuropas oder der Mittelmeerregion sind noch nicht gut erforscht. Die Analyse der Kohlenstoffisotopen-Verhältnisse (13C/12C) in den Jahrringen setzt hier an. Mit der Untersuchung der Monate Januar bis Mai erfassten die Forscher die Periode, in der die Bäume aus der jährlichen Winterruhe in die frühe Wachstumsphase übergehen. Das im Holz gemessene Kohlenstoffisotopen-Verhältnis ist zum Großteil abhängig von den äußeren Bedingungen; daher spiegeln die schwankenden Isotopenwerte im Holz der Jahrringe die Umweltveränderungen wider. An den Isotopenwerten der Bäume in der Türkei zeigt sich eine Temperaturempfindlichkeit der Bäume im ausgehenden Winter bis Frühjahr. In kalten Wintern erleidet der Photosyntheseapparat der Wacholdernadeln Schäden, was zu einer Verzögerung des Wachstumsbeginns führen kann. Zusätzlich haben niedrige Temperaturen im nachfolgenden Frühjahr eine weitere Verzögerung und Verlangsamung des Wachstums zur Folge.

Ingo Heinrich, Ramzi Touchan, Isabel Dorado Liñán, Heinz Vos, Gerhard Helle: „Winter-to-spring temperature dynamics in Turkey derived from tree rings since AD 1125”, Climate Dynamics, October 2013, Volume 41, Issue 7-8, pp 1685-1701, DOI 10.1007/s00382-013-1702-3

Dipl.Met. Franz Ossing Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Origin and Evolution of Allochthonous Salt Sheets

Calibrating the Radiocarbon Timescale

Montag, 23. September 2013

2013 in der Grube Messel: Ein Grabungssommer geht zu Ende

Die Grabungsaktivitäten des Forschungsinstituts Senckenberg in der Grube Messel bringen jedes Jahr aufsehenerregende Fossilfunde ans Licht. Die Grube Messel ist seit 1995 als Welterbestätte der UNESCO anerkannt und ermöglicht durch die exzellent erhaltenen Fossilien einmalige Einblicke in die Vergangenheit. Hinsichtlich besonders bedeutungsvoller Funde ist das Jahr 2013 außerordentlich erfolgreich. Gleich drei Säugetiere, darunter ein Urpferdchen und viele andere Stücke erweitern das Wissen über die Biodiversität vor 47 Millionen Jahren.
Am 4. Oktober endet die Grabungssaison in der Grube Messel und damit ein Sommer mit außergewöhnlichen Säugetierfunden und einer Reihe weiterer besonderer Fundstücke. „Das Jahr 2013 ist außerordentlich erfolgreich, weil neben vielen anderen interessanten Stücken gleich drei größere und seltenere Säuger gefunden worden sind“, erläutert Dr. Stephan Schaal, Senckenberg-Abteilungsleiter Paläoanthropologie und Messelforschung. Insgesamt wurden seit Grabungsbeginn am 22. April über 2000 Befunde in die Grabungsprotokolle eingetragen.
Das Grabungsteam entdeckte unter anderem eine Reihe von Wirbeltieren: Neben zahlreichen Fischen und Fledermäusen wurde beispielsweise ein mittelgroßes Krokodil gefunden, das vermutlich zu der in Messel häufigsten Art Diplocynodon darwini gehört. Besonders gut erhalten ist auch eine junge Schildkröte.
Ein Urpferdchen erweitert die Herde
Bisher sind nur die Zähne zu sehen, denn noch ist es fast vollständig in Ölschiefer eingebettet, doch ein natürlicher Bruch in der Platte zeigt, dass wieder ein Urpferd geborgen wurde. „Das ist schon eine Besonderheit an sich, denn zuletzt wurde im Jahr 2000 ein Exemplar gefunden“, sagt Säugetierexperte Dr. Thomas Lehmann. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Vertreter der kleinsten Gattung: Eurohippus.

Auch der zweite große Säugetierfund ist noch nicht präpariert. Auf einer Röntgenaufnahme der Platte ist aber schon ersichtlich, um welche Art es sich handelt: Macrocranion tupaiodon war ein mittelgroßer Insektenfresser. Die Art gehört zu den häufigsten Säugetieren aus dem Ölschiefer von Messel und kommt auch an anderen gleichalten Fossilfundstätten in Europa und den USA vor. Nur dank der gut erhaltenen Messel-Exemplare ist einiges über die Lebensweise bekannt. So wissen die Forscher durch Mageninhalte der Funde, dass Macrocranion neben Insekten auch Fische und anderes verspeiste.
Wie ein Riesen-Eichhörnchen
Bereits teilweise aus dem Ölschiefer befreit hat Präparator Michael Ackermann ein neues Exemplar des größten bekannten Nagetiers aus Messel: Ailuravus macrurus. Das Tier ist etwa einen Meter lang, davon sind 60cm Schwanz, der wahrscheinlich einmal buschig war. „Die Besonderheit an diesem Stück sind die schön erhaltenen Zähne von denen das Tier freundlicherweise die Kaufläche vorzeigt“, erläutert Dr. Lehmann. Ailuravus verfügt schon über die nagetiertypischen ständig nachwachsenden Schneidezähne und seine scharfen Krallen zeigen, dass es wie heute die Eichhörnchen auf Bäumen lebte. Verwandt mit den heutigen Eichhörnchen ist es aber nicht.

Im Sommer graben – im Winter auswerten

Das Team des Forschungsinstituts Senckenberg nutzt für die Grabungssaison den Sommer. Von Ende April bis Anfang Oktober ist es – mit kurzen, meist wetterbedingten Unterbrechungen – mit der Bergung von Funden beschäftigt. Aktuell helfen zehn studentische Grabungspraktikantinnen und -praktikanten sowie ehrenamtliche Grabungshelferinnen – und helfer bei der Fossiliensuche, und auch ein Team vom Museumsverein Messel ist an einem Nachmittag pro Woche dabei.
Mit dem Ende der Grabungssaison beginnt die Auswertung. Erst im Winter können die neuen Funde nach und nach genauer untersucht und präpariert werden. Daher sind bei den neuen Funden derzeit die wissenschaftliche Bearbeitung und weitreichende Aussagen noch nicht möglich.
Dr. Sören Dürr Senckenberg PressestelleSenckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Donnerstag, 19. September 2013

Aktuelle Meereis-Entwicklung in der Arktis

     Packeisgrenze weicht weit zurück, Fläche aber größer als im Jahr 2012 Bremerhaven/Hamburg, 19. September 2013. Das jährliche Minimum der Meereisfläche im arktischen Ozean im September beträgt in diesem Jahr im Mittel etwa 5,1 Millionen Quadratkilometer und liegt damit rund 50 Prozent über dem bisherigen Negativrekord von 3,4 Millionen Quadratkilometer aus dem Jahr 2012. „Dieser Wert bedeutet allerdings keine Trendwende“, lautet die gemeinsame Einschätzung der Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Lars Kaleschke von der Universität Hamburg, KlimaCampus.
Die beobachtete Eisbedeckung reihe sich viel mehr in die geringen Werte der letzten Jahre ein und bestätige die langfristige Abnahme der arktischen Meereisdecke. „In diesem Jahr war nicht mit einem neuen Negativ-Rekord der Meereisfläche zu rechnen, denn die Statistik zeigt, dass auf ein Rekordjahr stets eine kurzfristige Erholung folgt. Daher können Trends nur durch die Betrachtung langer Zeiträume richtig erfasst werden“, sagt Lars Kaleschke. Mit dem Einsetzen des Gefrierens in der zweiten Hälfte des Monats September wird die eisbedeckte Fläche wieder zunehmen und ihre maximale Ausdehnung zum Winterende im März des kommenden Jahres erreichen.
Die Änderungen der sommerlichen Eisbedeckung von Jahr zu Jahr resultieren aus einem komplexen Zusammenspiel: „Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Eisbedingungen im Frühjahr, der Verlauf der Schmelzsaison sowie die atmosphärischen Bedingungen im Sommer. So beeinflusst zum Beispiel die vorherrschende Windrichtung maßgeblich, ob die Eisflächen auseinandergetrieben oder zusammengeschoben werden. Und schon ein geringer Eintrag von mehr Wärme in die Arktis reicht aus, um die insgesamt immer dünner werdenden Eisflächen ganz verschwinden zu lassen“, sagt Marcel Nicolaus. Vor diesem Hintergrund rechnen die Wissenschaftler auch in den nächsten Jahren mit großen Schwankungen der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis.
Besondere Aufmerksamkeit haben in diesem Sommer Schmelztümpel auf dem Meereis hervorgerufen, die in diesem – wie auch in den vergangenen Jahren – wieder vermehrt auftraten. So machte zum Beispiel das Foto von großen Schmelztümpeln in der Nähe des Nordpols weltweit Schlagzeilen. Schmelztümpel entstehen, wenn zunächst der Schnee auf dem Meereis und dann das Meereis selbst von oben schmelzen. Kann dieses Schmelzwasser nicht ablaufen, sammelt es sich auf dem Meereis in Tümpeln. Schmelztümpel sind ein normales Phänomen auf arktischem Meereis, allerdings treten sie jetzt immer früher im Jahr und über einen längeren Zeitraum auf (siehe dazu die weiterführenden Links am Ende dieser Pressemeldung). „Dies wirkt sich wesentlich auf das Meereis aus. Weißes Eis verwandelt sich in dunklere Tümpel, die mehr Sonnenlicht absorbieren und das Schmelzen so verstärken“, sagt Marcel Nicolaus.

Eine außergewöhnliche Situation ist auch in diesem Jahr zu vermelden: Die Grenze des kompakten Packeises – als solches werden Flächen mit mehr als 90 Prozent Eisbedeckung bezeichnet – wich nördlich der russischen Inselgruppen Franz-Josef-Land und Sewernaja Semlja bis hinter den 88. Breitengrad zurück – seit Beginn der Satellitenmessungen ein bislang einmaliges Ereignis. Zudem zeigen sich vermehrt große Flächen offenen Wassers zwischen 87 und 88 Grad nördlicher Breite, also nur noch rund 220 Kilometer vom Nordpol entfernt. In den 1990er Jahren lag die sommerliche Packeisgrenze noch bei etwa 80 bis 82 Grad nördlicher Breite. „Diese Phänomene belegen, dass sich die arktische Eisdecke grundlegend gewandelt hat: Dort wo einst dickes mehrjähriges Packeis vorherrschte, findet sich nun vorwiegend saisonales Eis“, so Lars Kaleschke.
Aktuelle Entwicklungen des Meereises in der Arktis und der Antarktis können Interessierte und Wissenschaftler auch über das Daten- und Informationsportal http://www.meereisportal.de verfolgen. Auf dieser Online-Plattform veröffentlichen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes und der Universität Bremen aktuelle Karten der Meereisbedeckung in beiden Polarregionen sowie Beiträge zur Meereissituation. Zudem berichten sie in deutscher Sprache über neue Forschungsergebnisse und zeigen beeindruckende Aufnahmen von Expeditionen in die Polarregionen.
Informationen für Redaktionen: Druckbare Karten und Fotos finden Sie in der Onlineversion dieser Pressemitteilung unter http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/.
Ralf Röchert Kommunikation und MedienAlfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung


Mittwoch, 18. September 2013

A Capella Science - Bohemian Gravity!

Biologie und Zahnräder

Wer immer dachte, die Natur kenne das Zahnrad nicht...

10 Wetten und wie man sie gewinnt

Dienstag, 17. September 2013

Wer hat vor 45.000 Jahren im Kaukasus den Lachs verspeist?

     Paläobiologe der Universität Tübingen kann Höhlenbären und Höhlenlöwen als Fischfresser ausschließen und geht davon aus, dass Neandertaler mehr Nahrungsressourcen nutzten als bisher bekannt.
Es wird viel darüber gerätselt, warum die heutigen, anatomisch modernen Menschen die Neandertaler in Europa vor rund 40.000 Jahren verdrängten. Einer Hypothese zufolge waren die Neandertaler in der Wahl ihrer Nahrung zu stark eingeschränkt und hatten nur große pflanzenfressende Säugetiere wie Pferd, Bison und Mammut auf ihrem Speisezettel, während die anatomisch modernen Menschen ein breiteres Nahrungsspektrum nutzten, darunter auch Fisch. Diese Flexibilität soll ihnen entscheidende Vorteile gegenüber den in der Folge ausgestorbenen Neandertalern verschafft haben. Professor Hervé Bocherens vom Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen hat nun in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg und dem Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel an einer Fundstelle im Kaukasus einen indirekten Hinweis darauf gefunden, dass Neandertaler Fisch durchaus nicht verschmähten. Sie stellen daher die Hypothese zum evolutionären Vorteil der anatomisch modernen Menschen über die Nahrung in Frage. Über Knochenanalysen konnten die Forscher jedenfalls Höhlenbären und Höhlenlöwen als Fischkonsumenten an der kaukasischen Fundstelle ausschließen.
Wie sich frühere Menschen ernährt haben, untersuchen Wissenschaftler häufig über die Funde von Tierknochen und anderen Überresten in den Höhlen, in denen auch die Menschen lebten. So auch an der Kudaro 3 genannten Fundstelle an den nördlichen Hängen des Kaukasusgebirges: Dort wurden in den archäologischen Schichten des Mittelpaläolithikums Gräten von großen Lachsen gefunden, die auf ihrer Wanderung vom Meer zu ihren Laichplätzen im Süßwasser unterwegs waren. Vermutlich wurden die Gräten vor 42.000 bis 48.000 Jahren von Neandertalern dort angehäuft – was nahelegt, dass sie den Fisch gegessen haben. Allerdings wurden am gleichen Ort auch Überreste von Asiatischen Höhlenbären der Art Ursus kudarensis und von Höhlenlöwen der Art Panthera spelaea gefunden, die die Lachsgräten in die Höhle hätten bringen können.
Um zu überprüfen, ob sich Höhlenbär und Höhlenlöwe von Meeresfischen ernährt hatten, verglichen die Forscher aus Kollagenproben der Tierknochen und aus den Gräten ihrer möglichen Beute die Muster verschieden schwerer Atome, den sogenannten Isotopen, von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel. Die Ergebnisse zeigten, dass weder Höhlenbären noch Höhlenlöwen Fischfresser waren: Die Bären waren – wie ihre europäischen Pendants – reine Vegetarier, und die Löwen erbeuteten pflanzenfressende Tiere der trockenen Gebiete. „Die Studie liefert uns den indirekten Hinweis, dass mittelpaläolithische Menschen, vermutlich Neandertaler, Fisch aßen, wenn er verfügbar war. Die Ernährung von Neandertalern und anatomisch modernen Menschen war nicht grundsätzlich ver-schieden“, sagt Hervé Bocherens. Er geht davon aus, dass der Speiseplan der Neandertaler nicht der einzige Grund für ihren Untergang gewesen sein kann.
Publikation:
Bocherens, H., Baryshnikov, G., van Neer, W.: Were bears or lions involved in salmon accumulation in the Middle Palaeolithic of the Caucasus? An isotopic investigation in Kudaro 3. Quaternary Inter-national, doi 0.1016/j.quaint.2013.06.026

Myriam Hönig HochschulkommunikationEberhard Karls Universität Tübingen


via Informationsdienst Wissenschaft

Montag, 16. September 2013

Sonntag, 8. September 2013

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