Donnerstag, 12. März 2015

NACHBergbauzeit in NRW: Tagung diskutiert Grubenwasserkonzept für das Ruhrrevier

     Das Jahr 2018 rückt näher und damit das Ende des Steinkohlenbergbaus in Nordrhein-Westfalen. Schon heute bereiten sich Unternehmen, Aufsichtsbehörden und Wissenschaftler intensiv darauf vor, wie sie den Bergbaufolgen begegnen werden. Bereits zum dritten Mal nach 2011 und 2013 veranstalteten die Bezirksregierung Arnsberg und die Technische Fachhochschule (TFH) Georg Agricola deshalb am 12. März 2015 die Tagung „NACHBergbauzeit in NRW“. Rund 300 Experten diskutierten im Studierendenzentrum der TFH Strategien und Verfahren zur Bewältigung der sogenannten Ewigkeitsaufgaben. Themenschwerpunkt der diesjährigen Tagung war das Grubenwasserkonzept für das Ruhrrevier.

„Nachdem die TFH Georg Agricola fast 200 Jahre den aktiven Steinkohlebergbau begleitet hat, gestalten wir nun auch dessen Erbe mit: nachhaltig und mit den Anspruch, international ein Vorbild zu sein. Darum haben wir 2013 den deutschlandweit einzigartigen Master-Studiengang Geoingenieurwesen und Nachbergbau ins Leben gerufen, der Experten für die Bewältigung der Ewigkeitsaufgaben ausbildet.“, sagte TFH-Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Dauber in seiner Begrüßungsansprache. „Die Nachbergbauforschung an unserer Hochschule ist in einem eigenen Kompetenzzentrum gebündelt, an dem wir eine Reihe von Forschungsprojekten durchführen, bei denen das Thema Grubenwasser eine Schlüsselrolle spielt. Dabei arbeiten wir eng mit der Bezirksregierung Arnsberg und den Bergbauunternehmen zusammen.“ Dass die Tagung so viele und vielfältige Teilnehmer aus Landes- und Kommunalpolitik, Behörden, Industrie, Ingenieurbüros, aber auch von NGOs nach Bochum geführt habe, sei ein sehr positives Signal für die Zukunft, so Dauber.


Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann ging in seiner Begrüßung auf die aktuellen Debatten um das Tagungsthema ein: „Das Grubenwasserkonzept der RAG AG für das Ruhrrevier ist in den vergangenen Monaten in den Medien, in der Öffentlichkeit und in der Politik sehr kontrovers diskutiert worden. Die Landesregierung und die Bergbehörde NRW nehmen die geäußerten Befürchtungen sehr ernst. Im Sinne des Vorsorgegedankens haben sie bereits eingehende Überprüfungen des Grubenwasserkonzepts angekündigt.“, sagte der Regierungspräsident. Der Grubenwasseranstieg bedarf eines begleitenden Monitorings, um gegebenenfalls negative Auswirkungen auf schutzwürdige Güter erkennen und entgegenwirken zu können. Aus der Sicht der Bergbehörde NRW müssen die aktuellen und kommenden Entwicklungen rund um das Thema ,Grubenwasseranstieg im Ruhrrevier‘ mit der größtmöglichen Transparenz kommuniziert werden. Diesem Zweck dient auch die heutige Tagung. Wir, die TFH und die Bezirksregierung Arnsberg als Berg- und Energiebehörde in NRW, wollen schon frühzeitig Politik, Öffentlichkeit und Fachkreise über Fragestellungen informieren, die im Zuge des Grubenwasseranstiegs zu bewältigen sein werden, und sie in den laufenden Diskussionsprozess mit einbeziehen.“

Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG AG, erläuterte in seinem Vortrag „Nachbergbau – Aufgaben und Verantwortung“, wie sich das Bergwerksunternehmen auf das Auslaufen des Steinkohlenbergbaus vorbereitet und welche Ziele das Grubenwasserkonzept der RAG verfolgt: „Unsere Pläne zur Optimierung der untertägigen Wasserhaltung sehen vor, die Anzahl der Grubenwasserstandorte nach und nach zu reduzieren und Gewässer vom Grubenwasser zu entlasten. Entsprechende Maßnahmen berücksichtigen nachhaltig den Schutz der Trinkwasservorkommen und darüber hinaus weitere Schutzziele. Es geht darum höhere Methanausgasungen ebenso zu vermeiden wie schwere Bergschäden durch Hebungen der Oberfläche oder eine Gefährdung durch Tagesbrüche.“, so Tönjes. „Der Schutz des Grund- und Trinkwassers hat dabei oberste Priorität. Wir halten einen großzügig bemessenen Sicherheitsabstand zu den Trinkwasserhorizonten, damit ist eine Durchmischung mit Grubenwasser ausgeschlossen. Bestünde eine Gefahr, würden wir unser Grubenwasserkonzept nicht umsetzen.“

Die Vorträge der Tagung widmeten sich den vielfältigen Aspekten, die die Grubenwasserthematik beinhaltet. So ging beispielsweise Michael Kalthoff von der RAG-Stiftung darauf ein, wie die geplanten Maßnahmen finanziert werden. Stiftungsprofessor Dr. Christian Melchers (TFH) beleuchtete den Zusammenhang zwischen Grubenwasseranstieg und Ausgasung, Prof. Dr. Axel Preuße von der RWTH Aachen gab seine Einschätzung zu möglichen Bodenbewegungen ab und der Leitende Bergdirektor Ludger Hermes von der Abteilung Bergbau und Energie in NRW der Bezirksregierung Arnsberg stellte das Monitoring der Grubenwasseranstiegs aus Sicht der Bergbehörde dar. Weitere Vorträge beschäftigten sich mit den bisherigen Erfahrungen beispielsweise mit schon gefluteten Grubenbauen in NRW oder in Frankreich.

Die Tagung NACHBergbauzeit in NRW wird alle 2 Jahre gemeinsam von der Bezirksregierung Arnsberg und der Technischen Fachhochschule Georg Agricola veranstaltet. Nach Altbergbau im Jahr 2011 und der Folgenutzung ehemaliger Bergbauflächen im Jahr 2013 bildete im Jahr 2015 das Grubenwasserkonzept für das Ruhrrevier den Schwerpunkt. Die in Fachkreisen gut etablierte Veranstaltungsreihe soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Stephan Düppe PressestelleTechnische Fachhochschule Georg Agricola


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