Dienstag, 23. Juni 2015

Fossil der Geiseltal-Sammlung liefert ersten Beleg für Brutpflege bei Krokodilen

Bereits in der Urzeit haben sich Krokodile nach der Eiablage um ihren Nachwuchs gekümmert. Das konnte Dr. Alexander K. Hastings, US-amerikanischer Gastwissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), anhand eines Fossils der Geiseltal-Sammlung zeigen. Bislang fehlte Wissenschaftlern ein Beweis für die These, dass bereits die urzeitlichen Vorfahren der Krokodile Brutpflege betrieben haben. In einem Beitrag im Fachjournal „Palaios“ liefert der Paläontologe jetzt den ersten Beleg für das Brutverhalten der Tiere.
In seinem Beitrag beschreibt der Spezialist für urzeitliche Reptilien Alexander Hastings ein weibliches Krokodil, das neben seinen fünf Eiern konserviert ist. Das Tier wurde bereits 1932 als eines von insgesamt rund 50.000 Fossilien in einem Braunkohletagebau im Geiseltal, 20 Kilometer südlich von Halle, entdeckt. Erst Hastings, der 2013 als Gastwissenschaftler an das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der MLU gekommen war, erkannte bei seinen Untersuchungen den Wert des Fossils.

Heute lebende weibliche Krokodile betreiben eine intensive Brutpflege: Sie wachen über ihre Eier und später auch über den geschlüpften Nachwuchs. Ob ihre urzeitlichen Vorfahren ebenfalls ein derartiges Verhalten zeigten, darüber konnten Wissenschaftler bislang nur mutmaßen. Mit seiner Entdeckung belegt Hastings, dass das Brutverhalten der Krokodile bereits seit mindestens 45 Millionen Jahren existiert. „Das ist wirklich ein bemerkenswerter Fund, denn nur selten lässt sich anhand eines Fossils Wachstum und Fortpflanzung einer Art so gut erforschen", sagt Hastings.

Das Krokodil gehört zur heute ausgestorbenen Art Diplocynodon darwini. Obwohl es bereits Nachkommen hatte, war das ein Meter lange Tier zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht ausgewachsen, wie Hastings anhand der Wirbelsäule zeigen kann. Mit seiner Entdeckung liefert der Paläontologe aus den USA damit weitere wertvolle Erkenntnisse zur Erforschung anderer ausgestorbener Arten.

Woran das Tier starb, dazu bietet Hastings in seinem Beitrag zwei Erklärungsansätze. Vulkanismus, Flut oder Dürre können als Todesursachen ausgeschlossen werden, da dafür bei den Grabungen im Geiseltal keine Belege gefunden werden konnten. Das Krokodilweibchen weist aber auch keine äußeren Verletzungen auf, seine Eier sind nicht beschädigt. Die hohe Zahl der fossilen Funde in der Lagerstätte weist für den Wissenschaftler vielmehr auf ein mögliches Massensterben hin, das die Folge eines plötzlichen Temperaturabfalls innerhalb der damals herrschenden Warmzeit gewesen sein könnte. Ein vergleichbares Ereignis trat zuletzt im Jahr 2010 in den Everglades in Florida ein. Viele dem warmen Klima angepassten Tiere, darunter auch Krokodile, starben, als zwei Wochen lang außergewöhnlich tiefe Temperaturen herrschten. Das Krokodil könnte laut Hastings aber auch an einer Dystokie, bei der ein Ei den Legekanal blockiert und diese Blockade das weitere Eierlegen verhindert, gestorben sein. Beide mögliche Szenarien belegen, dass das Krokodil einen ausgeprägten Mutterinstinkt hatte und bis zum Tod bei seinem Gelege blieb.

Alexander Hastings forscht seit Juni 2013 mit einer Förderung der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Programms „Fellowship Internationales Museum" am Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der MLU. Im Dezember 2014 sicherte er von der Volkswagenstiftung eine zusätzliche Förderung, die aber nun mit neuem Partner nochmals im Rahmen der Initiative „Forschung in Museen" für die weitere Analyse der Geiseltalfunde eingebracht werden muss - da Alexander Hastings auf eine feste Kustodenstelle in die USA wechselt. Ergebnisse seiner aktuellen Forschungsarbeit waren zuletzt in der Ausstellung „Aus der Morgendämmerung: Pferdejagende Krokodile und Riesenvögel" in der Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften zu sehen.

Publikation: Alexander K. Hastings: "Rare In Situ Preservation of Adult Crocodylian with Eggs from the Middle Eocene of Geiseltal, Germany", Palaios, Juni 2015, DOI: 10.2110/palo.2014.062
Website: http://dx.doi.org/10.2110/palo.2014.062    

Manuela Bank-Zillmann PressestelleMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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