Dienstag, 7. Juli 2015

Fährten-Abdruck des Riesentausendfüßers an der TU Bergakademie Freiberg

     Er war zweieinhalb Meter lang, zählte 32 Beinpaare und lebte etwa 40 Millionen Jahre vom Karbon bis zum Perm (vor etwa 300 Millionen Jahren): Der Riesentau-sendfüßer Arthropleura war ein schneller und erfolgreicher Jäger. In diesem Jahr ist die Art zum Fossil des Jahres gekürt worden, an der Freiberger Universität wurde heute (7. Juli) der Abdruck der weltweit größten Fährte enthüllt. Die neue Fährtenplatte ist Zeuge des gigantischen Gliederfüßers: Der 2,60 Meter mal 1,60 Meter große Abguss zeigt die Spuren des Tieres deutlich. Es ist ein Geschenk des New Mexico Museum of Natural History and Science in Albuquerque zum 250. Jubiläum der TU Bergakademie. „Wir freuen uns, den Abdruck der größten bekannten Fährte von Arthropleura der TU Bergakademie Freiberg zum 250. Jubiläum zu schenken“, formu-liert das US-amerikanische Museum in seinem Glückwunschschreiben. Die originale Fährte wurde 2005 im El Cobre Canyon von New Mexico unter Mitwirkung von Prof. Jörg W. Schneider vom Institut für Geologie der TU Bergakademie geborgen und ist heu-te im Museum in Albuquerque ausgestellt.
Arthropleura ist der größte Gliederfüßer, der je auf der Erde gelebt hat. Seit gut zehn Jahren hängt eine Lebendrekonstruktion des Gliederfüßers im Institut für Geologie der Freiberger Universität. Die Fährten belegen nun, dass diese Nachbildung mit dem Origi-nal gut übereinstimmt: „Eine Konstruktion ist immer Theorie. Aber die Breite der Fährte von 35 Zentimeter bestätigt ausgezeichnet die von Freiberger Studenten nach Funden von Körperresten angefertigte zweieinhalb Meter lange Lebendrekonstruktion“, betont Prof. Jörg W. Schneider die Bedeutung des Abdrucks.

Der Gliederfüßer lebte vor 330 bis 290 Millionen Jahren auf dem Superkontinent Pangea von Nordamerika bis Osteuropa nördlich des damaligen Äquators. Von Borna bei Chem-nitz und aus der wissenschaftlichen Ausgrabung des Versteinerten Waldes in Chemnitz stammen die bisher ältesten und jüngsten Funde weltweit. Fährten von Jungtieren wur-den häufig in einem fossilen Tümpel aus dem Perm (Rotliegend) in einem Steinbruch bei Haldensleben, Sachsen-Anhalt, von einer Freiberger Studentin gefunden.

Aus der Rekonstruktion des Körperbaus und im Vergleich zu heute lebenden Tausend-füßern ergibt sich, dass Arthropleura ein schneller Räuber war, ähnlich den heutigen Wüsten-Scolopendern (Hundertfüßer). Genau wie sie hat Arthropleura vermutlich ihre Beute mit einem lähmenden Giftbiss überwältigt. Skelettfunde aus New Mexico, von Freital (Sachsen) und Manebach (Thüringen) zeigen, dass der Gliederfüßer gemeinsam mit bis zu eineinhalb Metern langen Amphibien und Reptilien lebte– diese könnten seine Beute gewesen sein, wie es ein Diorama im Naturhistorischen Museum Schloß Ber-tholdsburg, Schleusingen, Thüringen, demonstriert

Das Aussterben von Arthropleura wurde vermutlich durch ein immer heißer und tro-ckener werdendes Klima verursacht. Ihr Lebensraum, die Wälder entlang von Flüssen, verschwand und machte einer Steppen- und Wüstenlandschaft Platz. Dieses heiß-trockene Klima begünstigte auch die Evolution der Reptilien, die größer und effektiver wurden – Arthropleura wurde nun selbst zur Beute dieser neuen Konkurrenten.


Der Abdruck der Fährte zusammen mit der Lebendrekonstruktion des Urzeit-Giganten kann werktäglich im Humboldt-Bau, Bernhard-von-Cotta-Straße 2, besichtigt werden.    

Madlen Domaschke PressestelleTechnische Universität Bergakademie Freiberg



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