Mittwoch, 9. Dezember 2015

Bergbau im Krisengebiet: TFH unterstützt Ingenieurausbildung für Afghanistan

     In Afghanistan herrscht seit drei Jahrzehnten Krieg. Darunter haben nicht zuletzt Wissenschaft und Industrie massiv gelitten, vielen Menschen wurde die Erwerbsgrundlage entzogen. Die Technische Fachhochschule (TFH) Georg Agricola engagiert sich nun für die Fachkräfteausbildung: Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), weiteren deutschen Hochschulen und iranischen Wissenschaftsinstitutionen will die TFH ein praxisorientiertes Studienprogramm einrichten, das sich speziell an afghanische Bergbauingenieure richtet.

Eine Delegation von zwölf Wissenschaftlern aus Afghanistan und sechs aus dem Iran besuchte vom 28. November bis 1. Dezember die TFH in Bochum, um sich über aktuelle Methoden in der Lehre zu informieren.

Afghanistan ist reich an Bodenschätzen. Es verfügt über bedeutende Lagerstätten an Eisen- und Kupfererzen, Kobalt, Gold, Molybdän, seltenen Erden und weiteren Metalle sowie Erdgas, Kohle und Erdöl. Bedingt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahrzehnte ist der industrielle Bergbau jedoch nahezu zum Erliegen gekommen. Die Ausbildung von Bergbauingenieuren und Geologen beschränkt sich aufgrund der unsicheren Lage zurzeit auf das Theoriestudium, da Praktika oder Forschungsprojekte im Gelände wegen der bewaffneten Konflikte zu gefährlich sind. Das von der GIZ mit der TFH, der TU Bergakademie Freiberg, RWTH Aachen und Ruhr-Universität Bochum geplante Studienprogramm für Angehörige der Kabul University und der Kabul Polytechnic University soll deshalb überwiegend im Nachbarland Iran stattfinden. Die Geologie beider Länder ist sehr ähnlich, Ingenieurwissenschaftler und -studierende aus Afghanistan können hier jedoch mit weitaus geringerem Risiko forschen und lernen als in ihrem Heimatland. Als Partner für das Programm konnten der Geologische Dienst des Iran sowie die Shahid Beheshti University, die Amirkabir University of Technology und die University of Tehran (alle in der iranischen Hauptstadt Teheran) gewonnen werden.

TFH-Projektinitiator Professor Dr. Frank Otto vom Wissenschaftsbereich Geoingenieurwesen, Bergbau und Technische Betriebswirtschaft der TFH: „Die meisten Dozenten und Studierenden in Afghanistan kennen die Geologie nur aus alten, häufig russischsprachigen Lehrbüchern. Außerdem fehlt es in den dortigen Universitäten an der elementaren Laborausstattung. Wir möchten ihnen das nötige praktische und theoretische Wissen vermitteln, um Bergwerke selbst aufmachen und betreiben zu können, damit nicht jeglicher Benefit aus den Rohstoffen ins Ausland abfließt.“ Den Menschen in Afghanistan solle durch den Wiederaufbau des Bergbaus eine Zukunftsperspektive gegeben werden. „Damit leistet die TFH auch einen kleinen Beitrag zur Vermeidung von Flüchtlingsströmen.“

Bei ihrem Besuch an der TFH erlebten die internationalen Gäste, wie eine solche anwendungsorientierte Ingenieurausbildung an einer Fachhochschule abläuft: Neben theoretischen Einführungen und Unternehmensbesichtigungen stand ein Praktikum zur Lagerstättenerkundung auf dem Programm. Auf dem Gelände des Sand- und Kiesherstellers Euroquarz in Bottrop-Kirchhellen führten die Wissenschaftler aus Deutschland, dem Iran und Afghanistan Probebohrungen durch und erhoben Daten zur Standsicherheit geplanter Abbauböschungen. In ähnlicher Form sollen solche Praktika Bestandteil des geplanten afghanisch-iranischen Studienprogramms werden. Auch das Thema Nachhaltigkeit und Arbeitssicherheit stand auf dem Programm: Bei einem Besuch der Dortmunder Abteilung Bergbau und Energie der Bezirksregierung Arnsberg informierten sich die internationalen Gäste über Grundlagen, Systematik und Durchsetzung des deutschen Bergrechts.

Nach einer ersten Exkursion in den Iran im Mai 2015 wird Professor Otto voraussichtlich im Jahr 2016 zu einem weiteren vorbereitenden Aufenthalt in den Iran reisen, und auch Vorlesungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind vorgesehen.    

Stephan Düppe PressestelleTechnische Fachhochschule Georg Agricola


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