Mittwoch, 16. Dezember 2015

Sind die Flüsse tropischer Torfsümpfe wirklich CO²-Schleudern?

     Tropische Torfsümpfe gehören zu den wichtigsten terrestrischen Kohlenstoffspeichern der Erde. Südostasien galt wegen der weit verbreiteten Torfsümpfe bislang als „Hotspot“ der CO²-Emissionen von Flüssen. Wissenschaftler des ZMT und ihre Partner haben die CO²-Emissionen aus südostasiatischen Torfsumpfflüssen nun erstmals gemessen.
Tropische Torfsümpfe gehören zu den wichtigsten terrestrischen Kohlenstoffspeichern der Erde. Einen Großteil dieser Ökosysteme findet man in Indonesien und Malaysia. Allein dort sind mehr als 66 Gigatonnen Kohlenstoff im Torf gespeichert – eine Menge, die etwa dem Achtfachen der jährlichen globalen Emission an Kohlenstoffdioxid (CO²) durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entspricht.


Die zunehmende Rodung der Torfwälder Südostasiens setzt diese empfindlichen Ökosysteme jedoch starkem Druck aus: Immer mehr Kohlenstoff geht an die Umgebung verloren. Ein Teil davon gelangt in Flüsse, wo Mikroorganismen den Kohlenstoff aus seinen organischen Verbindungen lösen und teilweise zu CO² umwandeln. Dieses CO² gelangt über die Wasseroberfläche in die Atmosphäre und trägt dort als Treibhausgas zur globalen Erwärmung bei.


Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) und der Universität Hamburg haben die CO²-Emissionen aus südostasiatischen Torfsumpfflüssen nun erstmals gemessen. Die Studie, die die Forscher in Kooperation mit dem Institut für Umweltphysik der Universität Bremen und Partnern in Indonesien und Malaysia durchgeführt haben, ist diese Woche in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen.

Wegen der weit verbreiteten Torfsümpfe galt Südostasien unter Forschern bislang immer als „Hotspot“ der CO²-Emissionen von Flüssen – eine spekulative Annahme, denn Messdaten aus dieser Region gab es nicht. Um der Rolle der südostasiatischen Flüsse im Kohlenstoffkreislauf auf den Grund zu gehen, unternahmen die ZMT-Forscher und ihre Partner mehrere Expeditionen nach Sumatra und Borneo. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Forschungsprojekts untersuchten sie dabei erstmals die Ausgasung von CO² aus sechs verschiedenen Torfsumpfflüssen vor Ort.

Die Messungen der Wissenschaftler zeigten, dass eine relativ geringe Menge CO² aus den beprobten Flüssen freigesetzt wird. Nur etwa die Hälfte des aus den Torfsümpfen eingetragenen Kohlenstoffs wird dabei als CO² in die Atmosphäre abgegeben, der Rest gelangt in die Ozeane. Während die untersuchten Flüsse und ihr Einzugsgebiet durchschnittlich 25 Gramm Kohlenstoff pro Quadratmeter und Jahr emittieren, liegt dieser Wert beispielsweise im Amazonas bei 120 Gramm. Eine überraschende Erkenntnis, die bisherige Spekulationen, Südostasien sei ein Brennpunkt der CO²-Emissionen von Flüssen, widerlegt.

Der vorrangige Grund hierfür ist die kurze Zeit, die der eingetragene organische Kohlenstoff in den Flüssen verweilt. Die meisten Torfsümpfe liegen dicht an der Küste, so dass die Flüsse erst relativ kurz vor ihrer Mündung ins Meer die Fracht an organischem Material aufnehmen. Im Schnitt befindet sich der organische Kohlenstoff nur zehn Tage in den Flüssen, bevor er ins Meer gespült wird. Daher bleibt Mikroorganismen nur wenig Zeit, den organisch gebundenen Torf-Kohlenstoff in CO² umzuwandeln.

Doch auch im Ozean kann noch CO² aus dem eingetragenen Kohlenstoff entstehen. Wieviel davon wieder in die Atmosphäre abgegeben wird oder im Ozean verbleibt, ist aber noch ungeklärt.

Publikation:
Francisca Wit, Denise Müller, Antje Baum, Thorsten Warneke, Widodo Setiyo Pranowo, Moritz Müller and Tim Rixen (2015) The impact of disturbed peatlands on river outgassing in Southeast Asia. Nature Communications 6. doi:10.1038/ncomms10155

Dr. Susanne Eickhoff Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitLeibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)


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